Titel: Judenfeind-Hülſse, über den Arbeitsverbrauch der Flachsspinnereimaschinen.
Autor: Judenfeind-Hülſse, Georg-Heinrich
Fundstelle: 1878, Band 228 (S. 193–201)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/ar228060

Ueber den Arbeitsverbrauch der Flachsspinnereimaschinen; von Dr. G. H. Judenfeind-Hülſse in Chemnitz.1)

Die nachfolgenden Mittheilungen beabsichtigen eine Wiedergabe der in Deutschland noch wenig bekannten Resultate der Versuche von Cornut, sowie eine Richtigstellung und Erweiterung der von demselben und von Renouard in den Annales du génie civil gezogenen Folgerungen und angestellten Vergleiche zwischen den bekannten Hartig'schen und den Cornut'schen Versuchen über den Arbeitsverbrauch der Flachsspinnereimaschinen.

Was zunächst die zur Bestimmung des Arbeitsverbrauches der einzelnen Maschinen verwendeten Hilfsmittel betrifft, so benutzte Hartig bekanntlich ein von ihm construirtes Einschaltedynamometer, Cornut dagegen den Indicator. Bezüglich der Anstellung der Versuche und der dabei zu beobachtenden Vorsichtsmaſsregeln verweisen wir auf Cornut's Arbeit. Besonderes Augenmerk ist auch auf die Untersuchung des bei den Messungen zu benutzenden Instrumentes zu richten. Cornut bespricht diese Prüfung; auch in Hartig's Mittheilungen (S. 109 und 115) findet sich darauf bezügliches. Ausführlich behandelt diesen Gegenstand Berndt in den Programmen der Kgl. höheren Gewerbschule, Baugewerkenschule und Werkmeisterschule zu Chemnitz, 1874 und 1875, und in der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1875 S. 1.

Die Methode, welche Cornut befolgte, hat den Vortheil, daſs man in kurzer Zeit eine groſse Anzahl von Versuchen ausführen kann, daſs man Transport und wiederholte Aufstellung des schweren Dynamometers vermeidet. Dagegen gestattet die Anwendung des letzteren die Untersuchung jeder einzelnen Maschine, ohne daſs es nöthig wäre, die übrigen während der Dauer des Versuches stehen zu lassen.

Die in der Spinnerei zu Hamégicourt angestellten Versuche Cornut's erstrecken sich über einen ziemlich langen Zeitraum und es ist ihm möglich geworden, die Betriebskraft, welche die Maschinen während längerer Zeit, z.B. eines Jahres, bedürfen, zu ermitteln, während aus |194| den Hartig'schen Versuchen der Arbeitsverbrauch für den einzelnen Versuch sich ergibt.

Zunächst sei gestattet, auf einige interessante und wichtige Resultate, die Cornut bei Gelegenheit seiner Versuche erhalten konnte, aufmerksam zu machen.

Der Arbeitsverbrauch einer Spinnereimaschine ist abhängig von folgenden Factoren: 1) Beschaffenheit der Mechanismen, welche die Maschine bilden. 2) Unterschied in der Unterhaltung und Reinhaltung der Maschine, abhängig von der Sorgfalt der Arbeiter. 3) Beschaffenheit des zum Schmieren angewendeten Oeles. 4) Regelmäſsigkeit des Schmierens. 5) Zustand der Maschinentreibriemen. 6) Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt der Luft im Arbeitsraume. 7) Seit dem Ingangsetzen der Maschine verflossene Zeit, besonders wenn die Maschine längere Zeit stillgestanden hat. 8) Gewicht des in der Zeiteinheit verarbeiteten Materials. Unterschiede im Verzüge. 9) Die der Maschine mitgetheilte Geschwindigkeit. 10) Bei den Vor- und Feinspinnmaschinen der nach der Nummer des zu spinnenden Garnes wechselnde Grad der Drehung des Fadens.

Unter Verweisung auf die ausführlichere Darstellung im Civilingenieur, Bd. 22 Heft 3 und 4, welche wir hier auszugsweise benutzen, sei nur bemerkt, daſs durch Anwendung von Mineralölen und selbstthätigen Schmierapparaten eine Ersparniſs bis zu 15 Proc. an Betriebskraft erzielt wurde. Durch die Temperaturunterschiede wurden Differenzen in der nöthigen Betriebskraft bis zu 9 Proc. hervorgerufen.

Die durch die Dampfmaschine, die Transmissionen und Riemen beanspruchte Arbeitsgröſse fand Cornut bei normaler Geschwindigkeit der Maschine von 25 Umdrehungen in der Minute als Mittel aus 82 Versuchen zu 30e,81. Die für die einzelnen Maschinen erhaltenen Werthe sind folgende:

1) Krempeln. 1 Krempel mit 6 Paar Arbeitern und Wendern, 3 Abnehmern, und 3 Krempeln mit 6 Paar Arbeitern und Wendern, 2 Abnehmern ergaben aus 12 Versuchen 8e,42.

2) Anlegen und Durchzüge. Für 14 Maschinen mit 29 Köpfen und 156 Bändern hat sich aus 25 Versuchen ein Mittelwerth von 7e,19 ergeben.

3) Vorspinnmaschinen. 6 Maschinen mit zusammen 330 Spindeln brauchten 8e,67 oder 2e,627 für 100 Spindeln. Resultat aus 27 Versuchen.

4) Hechelmaschinen. 1 Combe'sche Hechelmaschine, gebaut von Combe und Comp., mit 6 Kluppen; 1 Maschine, System Combe, gebaut von Rousselle und Dosche, mit 8 Kluppen; 2 Maschinen, System Lowry, eine mit 6, eine mit 8 Kluppen. Für alle 4 Maschinen 2e,228. 16 Versuche.

5) Feinspinnmaschinen.

8 Maschinen, Zoll engl. Spindeltheilung, zu 68 Spindeln, zus. 544 Spindeln
4 74 296
8 80 640

zusammen 1480 Spindeln für Trockenspinnen, und:

|195|
12 Maschinen, Zoll engl. Spindeltheilung, zu 100 Spindeln, zus. 1200 Spindeln
8 110 880

also 2080 Spindeln für Naſsspinnen. Gesponnen wurde Garn von Nr. 6 engl. aus Werg bis Nr. 22 aus Langflachs trocken und Garn von Nr. 20 aus Werg bis Nr. 50 aus Langflachs naſs. Aus Cornut's sehr zahlreichen Versuchen folgt, daſs der Arbeitsverbrauch war:

bei den Trockenspinnmaschinen 47e,50 oder 3e,21 für 100 Spindeln
" Naſsspinnmaschinen 46e,59 2e,24

Sehr umfassende Versuche zeigten Cornut, daſs mit Zunahme der Nummer des gesponnenen Garnes eine Abnahme der Betriebskraft eintritt, z.B. bei Naſsspinnmaschinen:

e
Garn Nr. 16 für 100 Spindeln 3,200
" 20 2,760
" 25 2,262
" 28 2,190
" 30 2,140
" 40 1,917.

Cornut hat gefunden, daſs das Product aus Arbeitsverbrauch für 100 Spindeln mit der Quadratwurzel der Nummer des zu spinnenden Garnes constant ist. Für Arbeitsverbrauch y und Garnnummer x findet er also die Gleichung Die Constante hat sich zu etwa 12 ergeben.

Für die Zulässigkeit des von Cornut, selbstverständlich für Feinspinnmaschinen derselben Art, aufgestellten Gesetzes, läſst sich folgendes geltend machen. Bei den Feinspinnmaschinen für Flachs macht wegen der sehr starken Belastung der Streckwalzen die von denselben beanspruchte Arbeitsmenge einen namhaften Theil des ganzen Arbeitsverbrauches aus; die Zahl der Drehungen auf die Längeneinheit ist der Quadratwurzel aus der Feinheitsnummer direct proportional; läſst man daher, wie allgemein üblich, beim Uebergange von einer Nummer zur anderen die Tourenzahl der Spindeln ungeändert und nur die Geschwindigkeit der Streckwalzen wechseln, so ist diese der Quadratwurzel aus der Feinheitsnummer umgekehrt proportional. Der Cornut'sche Ausdruck hätte daher volle Berechtigung, wenn die gesammte Betriebskraft der Maschine an den Zapfen der Streckwalzen verzehrt würde. Setzt man , d.h. spinnt man Garn von unendlicher Feinheit, oder läſst man nur die Spindeln leer laufen, so gibt die obige Gleichung das Resultat , während nothwendig ein positiver Zahlenwerth sich ergeben müſste, der Leergangsarbeit der Maschine bei stillstehendem Streckwerke entsprechend. Hiernach müſste ein Ausdruck von der Form gröſsere Berechtigung haben. Derselbe könnte aus den Cornut'schen Versuchen mit nahezu derselben Sicherheit hergeleitet werden, wie der von Cornut vorgeschlagene , wenn man nur die Constanten a und b glücklich zu wählen |196| wüſste; denn es hat Cornut den Arbeitsverbrauch meist für eine gröſsere Anzahl von Maschinen zusammen ermittelt, auf denen Grame der verschiedensten Feinheit gesponnen wurden, und erfolgte die Prüfung über Zulässigkeit seiner Formel durch Vergleichung einer berechneten Summe von Arbeitsgröſsen mit der beobachteten. Die Bestimmung von a und b wird nun nach den Ergebnissen solcher Versuche erfolgen können, die sich auf das Spinnen von Garnen je einerlei Nummer beziehen. So ergeben sich z.B. aus den mit Nr. 22 und 23 bezeichneten Versuchsreihen von Hartig für zwei Feinspinnmaschinen von S. Lawson and Sons in Leeds (mit 3 Zoll Spindeltheilung) folgende Werthe:

Nr. der Versuchsreihe Feinheitsnummer
des Garnes x
Arbeitsverbrauch
für 100 Spindeln
22 25 2,14
23 22 2,02

Aus den hiernach aufzustellenden Gleichungen:

und

berechnen sich die Werthe und , daher für die Maschine dieser Gattung die totale Betriebsarbeit zu berechnen wäre nach:

.

Leider sind bei Hartig's Versuchen keine sehr weiten Grenzen der Garnnummer erreicht worden, so daſs auch aus diesen eine ganz sichere Feststellung der Werthe von a und b nicht zu bewirken ist.

Kennt man den Arbeitsverbrauch der Maschinen bei Arbeits- und Leergang und bezeichnet denselben mit M resp. V, so ergibt sich ein Maſsstab für den Wirkungsgrad der Maschinen durch Berechnung des Ausdruckes . Cornut fand folgende Zahlen, neben denen die von Hartig gefundenen angegeben sind.



Bezeichnung der Maschine
Arbeitsverbrauch
bei

Diffe-
renz
Wirkungsgrad E
nach
Arbeits-
gang
Leer-
gang
Cornut Hartig

1) Hechelm., für die Kluppe
e
0,0792
e
0,0215
e
0,0577

0,730

0,35
2) Krempeln 2,1050 1,4229 0,6820 0,320 0,17 bis 0,26
3) Trockenspinnm, 100 Spdln.

4) Naſsspinnmasch. 100 Spdln.
3,2100

2,0000
2,5150

1,6130
0,6950

0,3870
0,216

0,190

0,32 bis 0,35
5) Durchzüge, für das Band 0,0934 0,0794 0,0140 0,150 0,13 bis 0,16
6) Vorspinnmasch., 100 Spdln. 2,6270 2,4340 0,1930 0,073 0,04 bis 0,07

Es zeigt sich, daſs beide Scalen bis auf eine Abweichung, vollkommen übereinstimmen. Bemerkt sei, daſs bei den Feinspinnmaschinen – unter Annahme von Cornut's Formel – der Wirkungsgrad mit wachsender Feinheit des producirten Garnes abnimmt.

Dies in der Kürze die wesentlichsten Resultate von Cornut's Versuchen. Eine Vergleichung derselben mit den Hartig'schen hat |197| Cornut selbst angestellt; Renouard a. a. O. gibt sie in der Hauptsache wieder und schlieſsen wir uns an das von Beiden gegebene an.

Die von Hartig untersuchten Maschinen stammen aus den Fabriken Lawson and Sons in Leeds und von Combe and Co. in Belfast, während die von Cornut untersuchten aus drei französischen Fabriken von Windsor Frères, J. Ward und Arnold Fils in Lille hervorgegangen sind. Besonders wichtig sind die Resultate, die sich aus der Vergleichung des Arbeitsverbrauches der Maschinen beim Leergange ergeben, indem sie gestatten, die für eine Fabrik nöthigen Maschinen so zusammenzustellen, daſs die zu ihrem Betriebe bei Leergang erforderliche Kraft eine möglichst geringe wird.

1) Die Krempeln von Combe und von Windsor zeigen beim Leergange einen fast gleichen Arbeitsverbrauch, während die von Lawson eine beträchtlich gröſsere Kraft beanspruchen. Beim Arbeitsgange betragen die Unterschiede im Verhältniſs zu Windsor 1,31 und 4,04 Proc. Als ein bei industriellen Berechnungen brauchbarer Mittelwerth würde sich für Krempeln, die für Nr. 8 bis 20 arbeiten und wie die untersuchten eingerichtet sind, 2e,15 als Arbeitsverbrauch im Arbeitsgange annehmen lassen.


Beobachter

Erbauer
Arbeitsverbrauch bei Differenz
bei
Leergang
Leergang Arbeitsgang

Hartig

Lawson
e
1,8625
e
2,1325
Proc.
31
Hartig Combe 1,4300 2,1900 5
Cornut Windsor 1,4229 2,1050

2) In der Tabelle für Hechelmaschinen geben die Zahlen der letzten Spalten an, wie viel Procent an Arbeit die von Cornut untersuchten Maschinen beim Leergang weniger brauchen, als die von Hartig untersuchten. Die Differenzen im Arbeitsverbrauche beim Arbeitsgange sind geringer als beim Leergange. Es scheint der auf die Kluppe entfallende Arbeitsverbrauch geringer zu werden, wenn die Anzahl der Kluppen in der Maschine wächst. Als Mittel könnte man für die mit 6 bis 8 Kluppen arbeitenden Maschinen 0e,078 für die Kluppe annehmen.


Beobachter

Erbauer
Arbeitsverbrauch für die
Kluppe bei

Differenz
Leergang Arbeitsgang

Hartig

Combe and Co.
e
0,0446
e
0,0775
Proc.
51,8
Hartig Horner 0,0302 0,0424 19,5
Cornut Combe-Ward
Roussel-Dosche
0,0215 0,0792
|198|

3) Durchzüge. Cornut hat die Anlegemaschinen und Durchzüge nicht getrennt untersucht, ebenso auch die für Langflachs und Werg bestimmten Maschinen nicht einzeln geprüft. Hartig konnte diese Trennung durchführen. Seine Resultate sind, bezogen auf je 1 Band in der Maschine folgende:


Maschine

Beob-
achter

Erbauer
Arbeitsverbrauch für
1 Band bei
Differenz
bei
Leergang
Leergang Arbeitsgang

Langflachs

Anlege

1. Durchzug

2. Durchzug

Hartig





Lawson
Combe
Lawson
Combe
Lawson
Combe
e
0,155
0,123
0,078
0,028
0,044
0,021
e
0,206
0,136
0,094
0,031
0,050
0,024
Proc.

20,6

64

52
Werg 1. Durchzug

2. Durchzug



Lawson
Combe
Lawson
Combe
0,050
0,043
0,036
0,020
0,063
0,024
0,042
0,023

14

48

Die Zahlen der letzten Spalte geben an, wie viel Procent Arbeit die Combe'schen Maschinen im Leergange weniger brauchen als die Lawson'schen. Die 14 von Cornut untersuchten Anlegen und Durchzüge hatten einen Arbeitsverbrauch von 5e,595 beim Leergange und von 6e,496 beim Arbeitsgange. Es ist nun interessant, zu sehen, wie sich der Arbeitsverbrauch der in Hamégicourt befindlichen Maschinen stellen würde, wenn dieselben von Lawson und Combe ausgeführt worden wären, unter der Voraussetzung, daſs in jeder Maschine so viel Bänder sich befänden, als in den von Cornut untersuchten.


Erbauer

Maschine
Anzahl
der
Bander
Lawson Combe
Leer-
gang
Arbeits-
gang
Leer-
gang
Arbeits-
gang

Ward, Flachs

Anlege

4
e
0,620
e
0,820
e
0,492
e
0,544
" „ 1. Durchzug 8 0,616 0,752 0,224 0,248
" „ 2. „ 12 0,528 0,600 0,252 0,288
" „ 3. „ 24 1,000 1,125 0,455 0,518
Windsor, Flachs Anlege 4 0,620 0,820 0,492 0,544
" „ 1. Durchzug 8 0,616 0,752 0,224 0,248
" „ 2. „ 12 0,528 0,600 0,252 0,288
" „ 3. „ 16 0,633 0,720 0,302 0,346
Windsor, Werg 1. Durchzug 12 0,600 0,756 0,516 0,576
" " 2. " 16 0,576 0,672 0,320 0,368
" " 1. " 8 0,400 0,504 0,344 0,384
" " 2. " 12 0,432 0,504 0,240 0,276
" " 1. " 8 0,400 0,504 0,344 0,384
" " 2. " 12 0,432 0,504 0,240 0,276
––––– ––––– –––––– ––––– ––––––
Summe 156 8,001 9,633 4,696 5,288
|199|

Da Versuche über dritte Durchzüge nicht vorliegen, so sind für dieselben die für zweite Durchzüge gefundenen Resultate benutzt, aber nach Cornut's Vorgänge um 10 Proc. vermindert worden. Es ergibt sich so folgende Zusammenstellung:

Erbauer Im Arbeits-
gang
Differenz Im Leergang Differenz
Lawson
Windsor und
9,633 48,3 Proc. 8,001 43 Proc.
Ward
Combe
6,496
5,288

18,6 „
5,595
4,696

19 "

Wären also die von Windsor und Ward gelieferten Maschinen von Lawson gebaut worden, so würde zu ihrem Betriebe beim Leergange eine um 43 Proc. gröſsere, wären sie von Combe gebaut worden, eine um 19 Proc. kleinere Arbeit erforderlich sein.

4) Als Arbeitsverbrauch der Vorspinnmaschinen hat Hartig folgende Werthe, auf 100 Spindeln bezogen, gefunden:

Erbauer Betriebskraft für 100 Spindeln
im Leergange Differenz im Arbeitsgange
Langflachs Lawson
Combe
3,48
2,25
35 Proc.
3,74
2,40
Werg Lawson
Combe
2,89
2,16
25 Proc.
3,08
2,18.

Die von Cornut untersuchten Maschinen hatten 330 Spindeln und vertheilten sich diese auf Langflachs und Werg folgendermaſsen:

Langflachs,
construirt
von
Windsor,
Ward,
60
120
Spindeln
180
Werg, Windsor, 150 150.

Für 100 Spindeln waren nöthig: beim Leergange 2e,434, beim Arbeitsgange 2e,627.

Berechnet man die Betriebsarbeit für 100 Spindeln unter der Voraussetzung, daſs sie von Lawson und Combe, statt von Windsor und Ward construirt wären, und unter Berücksichtigung der Vertheilung auf Langflachs und Werg, so ergibt sich:

Für Lawson Für Combe
Leergang Arbeitsgang Leergang Arbeitsgang.
3e,21 3e,44 2e,20 2e,30.

Berücksichtigt man nur den Arbeitsverbrauch beim Leergange, so erhält man für:

für 100 Spindeln Differenz
Lawson 3,21 31 Proc.
Ward und Windsor 2,43 9 "
Combe 2,20 – „

Die Combe'schen Maschinen brauchen mithin nur 9 Proc. weniger Kraft als die von Ward und Windsor, dagegen 31 Proc. weniger als die von Lawson.

|200|

5) Trockenspinnmaschinen. Für diese hat Cornut als Durchschnittszahl 2e,515 für 100 Spindeln gefunden. In den beiden Spinnereien, in denen Hartig untersuchte, waren nur Naſsspinnmaschinen im Gebrauche.

6) Naſsspinnmaschinen. Der Arbeitsverbrauch der von Lawson und von Combe construirten Maschinen für 100 Spindeln stellt sich nach Hartig auf:

Lawson Leergang Arbeitsgang
2¾ Zoll Theilung 0,77 1,20 Flachsgarn Nr. 30
2½ „ „ 0,65 1,07 „ „ 40
Mittel 0,71
Combe
2¼ Zoll Theilung 1,84 2,75 Flachsgarn Nr. 25
„ „ 2,66 3,21 „ „ 40
2½ Zoll „ 2,33 3,34 Werggarn Nr. 14, naſs
„ „ 2,39 3,45 Werggarn „ 14, naſs.

Bei den Werg-Spinnmaschinen stellen sich die Zahlen für den Arbeitsverbrauch nach Cornut zu:

2,10
2,15
bei Leergang und zu 3,01
3,11
bei Arbeitsgang.

Als Mittelwerth für den Leergang der 4 Combe'schen Maschinen ergibt sich nach unserer Rechnung 2e,305, nach Cornut 2e,187.

Zu dem Betriebe von 1880 Feinspindeln, welche Cornut zur Verfügung standen und von denen 1000 mit 2¾ Zoll und 880 mit 2½ Zoll Spindeltheilung angeordnet waren, würden sich beim Leergange ergeben bei Lawson: 0e,714 für 100 Spindeln, bei Combe 2e,305 für 100 Spindeln (nach Cornut 2e,187). Hierbei ist allerdings die wohl nicht ganz zutreffende Voraussetzung gemacht, daſs der Arbeitsverbrauch der Maschinen bei 2¾ Zoll Theilung derselbe sei, wie bei 21/4 Zoll.

Um 100 Spindeln beim Leergange zu treiben, würden nöthig sein:


Erbauer
Betriebsarbeit für
100 Spindeln leer

Differenz
Nach Hartig: Combe 2,305 69 Proc.
(2,187 nach Cornut) (67 Proc. nach Cornut)
" Cornut: Arnold 1,613 55 Proc.
" Hartig: Lawson 0,714

Die Maschinen von Lawson wären hiernach in Hinsicht auf den zu ihrem Betriebe bei Leergang nöthigen Arbeitsverbrauch die vorzüglichsten. Am meisten Kraft beanspruchen die Combe'schen Maschinen, 69 Proc. mehr.

Berechnet man nun noch den Arbeitsverbrauch für die gesammten Vorbereitungsmaschinen, welche in Hamégicourt in Gang waren, gemäſs der Angaben, welche sich für die verschiedenen Constructeure ergeben haben, so findet man:

|201|

Maschinen
Lawson Combe Ward u. Windsor
Leer-
gang
Arbeits-
gang
Leer-
gang
Arbeits-
gang
Leer-
gang
Arbeits-
gang

4 Krempeln
e
7,45
e
8,53
e
5,72
e
8,76
e
5,70
e
8,42
14 Durchzüge u.s.w. 8,00 9,63 4,70 5,29 5,59 6,49
330 Vorspinnspindeln 10,59 11,35 7;26 7,59 8,03 8,67
–––––– ––––– –––––– ––––– ––––– ––––– –––––
Summe 26,04 29,51 17,68 21,64 19,32 23,58

Für die Naſsspinnmaschinen erhält man folgende Uebersicht:

Lawson Combe Arnold Fils
2080 Spindeln
2¾ Zoll, 2½ Zoll
14e,85 47e,94 33e,55 Leergang.
(45e,49 nach Cornut)

Mit Hilfe dieser Zahlen ist es nun leicht, die günstigste und ungünstigste Zusammensetzung des ganzen Maschinenmaterials anzugeben. Hätte man Combe'sche Vorbereitungsmaschinen, die den geringsten Kraftbedarf zeigen, und Lawson'sche Feinspinnmaschinen genommen, so hätte man nöthig:

Combe'sche Vorbereitungsmaschinen, leer
Lawson'sche Naſsspinnmaschinen, leer
17,68
14,85
32e,53.

Hätte man dagegen Lawson'sche Vorbereitungsmaschinen und Combe'sche Feinspinnmaschinen genommen, so wären die entsprechenden Zahlen:

Lawson'sche Vorbereitungsmaschinen, leer
Combe'sche Naſsspinnmaschinen, leer
26,04
47,94
73e,98.

Im letzteren ungünstigsten Falle brauchte man daher eine 2,3 mal so groſse Betriebsarbeit für den Leergang als im ersteren günstigsten Falle.

Man hätte nun ähnliche Untersuchungen über die beiden Spinnereien anstellen können, in denen Hartig experimentirte. Das eine hier vorgeführte Beispiel wird jedenfalls genügend sein, um zu zeigen, wie groſse Unterschiede die zum Betriebe der Fabrik nöthige Betriebsarbeit zeigen kann, je nachdem man die Maschinen aus der einen oder anderen Quelle bezog. Gleichzeitig wird aber aus demselben von neuem hervorgehen, wie wichtig es ist, derartige Untersuchungen, wie die von Hartig und Cornut, auszuführen. Vor allem wäre es wünschenswerth, Maschinen aus den verschiedensten Fabriken auf ihren Arbeitsverbrauch beim Leergange zu prüfen.

Vgl. Hartig: Versuche über den Kraftbedarf der Maschinen in der Flachsund Wergspinnerei. Leipzig 1869. – Cornut: Essais dynamométriques. Essais particuliers sur la filature de lin. Lille 1873. – Renouard: Force absorbée par les machines d'une filature de lin (Annales du génie civil, 18775 S. 261 bis 273).

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