Titel: F. Fischer, über das Brennen von Ziegelsteinen im Ringofen.
Autor: Fischer, Ferd.
Fundstelle: 1878, Band 228 (S. 242–249)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/ar228082

Ueber das Brennen von Ziegelsteinen im Ringofen; von Ferd. Fischer.

Mit Abbildungen auf Tafel 14.

(Fortsetzung von S. 69 dieses Bandes.)

Ueber den Einfluſs der Zusammensetzung des Thones auf sein Verhalten in höheren Temperaturen haben namentlich C. Bischof14) und in neuester Zeit F. Seger15) umfassende Versuche angestellt.16) Schon Richters (1869 191 59) 150 und 229. 1870 197 268) hatte gezeigt, daſs äquivalente Mengen der als Fluſsmittel auftretenden Basen auf die Schmelzbarkeit der Thone einen gleichen Einfluſs ausüben, unter der Voraussetzung, daſs sämmtliche Basen bereits als Silicate vorhanden sind. Bischof hebt hervor, daſs das Schmelzen der Thone in der Bildung |243| von Doppelsilicaten und Thonerdesilicat einerseits und einer kieselsauren Base andererseits besteht, die entweder Magnesia, Kalk oder Eisen, Kali oder Natron sein kann. Reines Thonerdesilicat ist in unseren gewöhnlichen Feuerungen schon unschmelzbar; es ist um so schwerer schmelzbar, je mehr Thonerde es enthält. Kommt dazu eine der genannten Basen, so nimmt mit deren Menge die Schmelzbarkeit stetig zu und zwar um so stärker, je mehr (bis zu einem gewissen Grade) gleichzeitig der Kieselsäuregehalt wächst. Berechnet man aus der Gesammtanalyse eines Thones, wie viel Thonerde auf 1 Aeq. Fluſsmittel (Fluſsmittelverhältniſs) und wie viel Kieselsäure auf 1 Aeq. Thonerde kommt (Kieselsäureverhältniſs), so ist der durch Division des meist kleineren Kieselsäurewerthes in den Fluſsmittelwerth erhaltene Quotient der Feuerfestigkeit proportional.17) Die von Seger ausgeführte Bestimmung der näheren Bestandtheile eines Thones hält Bischof für unwesentlich gegenüber der Gesammtanalyse; als entscheidend zur pyrometrischen Beurtheilung verlangt er auch für Ziegelthone eine möglichst gesteigerte Prüfungshitze.

H. Seger führt dagegen aus, daſs, wenn es überhaupt gelänge, aus der chemischen Zusammensetzung eines Thones Schlüsse auf die Schmelzbarkeit desselben zu ziehen, diese nur dann zutreffen können, wenn derselbe sich in einem solchen Zustande befindet, daſs man ihn als eine chemisch homogene Masse ansehen kann, wenn er also völlig geflossen ist. Die chemische Analyse wird aber um so weniger einen sichern Maſsstab für die Beurtheilung abgeben können, je weniger Substanz des Thones sich wirklich verflüssigt hat, je weiter die Zusammensetzung dieses Theiles demnach von der Zusammensetzung des Thones als Ganzes abweicht.

Es ist offenbar schwer, die Beziehungen zwischen der Zusammensetzung und der Schmelzbarkeit der Thone wissenschaftlich festzustellen, weil manche Momente, welche die Schmelzbarkeit beeinflussen, nach ihrem Wirkungswerthe unbekannt sind (z.B. der Einfluſs der physikalischen Zustände, die Art der Fluſsmittel, ob sie aus Kali, Natron, Kalk, Eisenoxydul und in welchem gegenseitigen Verhältniſs zu einander bestehen) und deshalb unberücksichtigt bleiben müssen. Es folgt daraus, daſs die Schmelzbarkeit theoretisch immer nur sehr annäherungsweise wird festgestellt werden können, um so mehr als ein Schmelzpunkt der Thone sich überhaupt nicht mit Sicherheit als solcher feststellen läſst. Immerhin gewährt doch die Bischof'sche Methode einen Anhalt für eine relative Vergleichung und erhält dadurch ihren Werth; ihr Werth wird aber ganz entschieden noch vergröſsert – ihr völliges Zutreffen für alle Silicatverbindungen |244| vorausgesetzt – wenn man sie nicht auf das mechanische Gemenge, den Thon, sondern auf die einzelnen Bestandtheile, die Thonsubstanz, die Quarz- und Mineraltrümmer und sonstigen Gemengtheile einzeln verwendet, die, für sich betrachtet, homogene chemische Verbindungen von bestimmtem Schmelzpunkt und bestimmten Eigenschaften darstellen, während von einem Schmelzpunkt des Thones, als Ganzes, eigentlich nicht die Rede sein kann. Das Bischof'sche Schmelzbarkeitsgesetz auf die Einzelbestandtheile der Thone, wie sie durch die rationelle Analyse, wenn auch nicht mit wissenschaftlicher Schärfe, doch mit einer für die Praxis genügenden Genauigkeit sich ermitteln lassen, gestattet wenigstens ein Urtheil darüber, in welchem Verhältnisse die leicht zu verflüssigenden Theile zu den nicht schmelzenden, die äuſsere Form erhaltenden Theilen stehen, welchen relativen Widerstand dieselben der Wirkung der Hitze entgegensetzen, und welche inneren chemischen Vorgänge, die auf den Gang der Versinterung von Einfluſs sind, sich vorhersehen lassen.

Wenn wir mit Seger den Sinterungsproceſs so auffassen, daſs zunächst einer oder mehrere Gemengtheile des Thones ins Schmelzen gerathen müssen, um dadurch zu weiteren gegenseitigen Einwirkungen, welche als Resultat wieder flüssige Verbindungen haben, Veranlassung zu geben, während die ungeschmolzenen Bestandtheile gleichsam ein festes Gerüst bilden, das die Form der aus Thon geformten Gegenstände erhält, so müssen wir uns die Poren des Thones in hoher Temperatur als mit Flüssigkeit mehr oder weniger erfüllt denken. Ist die Menge der geschmolzenen Bestandtheile gegenüber den ungeschmolzenen eine nur geringe, so wird diese nur stärkere Erhärtung des Thones unter geringer Volumverminderung (Schwindung) hervorrufen, ohne daſs die Porosität völlig vernichtet wird. Bei steigender Temperatur, wobei immer mehr der Bestandtheile des vorher festen Gerüstes verflüssigt werden, füllen sich die Poren unter zunehmender Schwindung mehr und mehr mit glasartiger geschmolzener Substanz, bis bei dem Sinterungsgrade des Porzellans und der Klinker die Poren völlig erfüllt und geschlossen sind. Bei darüber hinausgehender Verflüssigung bilden die ungeschmolzenen Bestandtheile kein genügend festes Gerüst mehr, um die äuſsere Formen unter dem Eigengewichte der Gegenstände zu erhalten. Bei diesem Punkte ist man vom praktischen Gesichtspunkte aus, wenn man überhaupt von einem Schmelzpunkte des Thones reden darf, an der äuſsersten Grenze der zulässigen Temperaturerhöhung angekommen, eine Erhitzung darüber hinaus und eine Prüfung des Verhaltens bei noch höherer Temperatur erscheint deshalb nur von geringem praktischem Werth, denn die Erhitzung des Thones geschieht immer nur unter der Voraussetzung der möglichsten Erhaltung der Form- was bei stärkerem Erhitzen eintritt, ist zwar wissenschaftlich von Werth, für die Praxis der Thonwaaren-industrie aber gleich giltig.

Ist die Erweichung des Thones durch hohe Temperatur so weit gediehen, daſs wirklich die Form der gebrannten Gegenstände eine erhebliche und praktisch nicht mehr zulässige Veränderung erfahren hat, so ist damit aber noch nicht sämmtliche Substanz in den geschmolzenen Zustand übergeführt, sondern der Thon ist zunächst erst in ein breiartiges Gemisch von geschmolzenen und ungeschmolzenen Massentheilen übergeführt, in welchem die ersteren überwiegen; auch bei einem Ueberhandnehmen des Flüssigen bis zur beginnenden Tropfenbildung entspricht dann noch nicht der flüssig gewordene Theil, wie es das Bischof'sche Gesetz zur Voraussetzung hat, der chemischen Zusammensetzung des Thones, und dies um so weniger, je mehr einzelne Gemengtheile durch den gröſseren oder den geringeren Grad ihrer Körnigkeit sich den lösendem Angriff des bereits Verflüssigten entziehen.

Bezeichnet man nach der Voraussetzung Bischof's die Verhältnisse der Bestandtheile eines Thones allgemein mit , so wäre das Kieselsäureverhältniſs und die pyrometrische Formel , somit und . Hieraus ergibt sich, daſs der Bischof'sche Feuerfestigkeitsquotient im Quadrate des Thonerdeverhältnisses wächst und abnimmt im einfachen Verhältniſs der Zunahme der Kieselsäure, daſs der |245| Schmelzbarkeitsquotient aber einfach nur das Verhältniſs der Fluſsmittel zur Kieselsäure ausdrückt, ohne daſs der Thonerdegehalt Berücksichtigung findet. Es ist nun zwar durch die Versuche nachgewiesen, daſs eine Erhöhung des Thonerdegehaltes in hohem Maſse zur Erhöhung der Feuerfestigkeit beiträgt; es ist aber, wie Seger betont, der Nachweis bisher nicht geführt worden, daſs dies im quadratischen Verhältnisse desselben geschieht. Die Gröſse des Feuerfestigkeitsquotienten ist einzig abhängig von dem Verhältniſs , also einer Beziehung zwischen Thonerde und Kieselsäure; die absolute Fluſsmittelmenge gegenüber den nicht schmelzbaren Bestandtheilen kommt aber nicht zum Ausdruck. Bei der Gruppirung der Zahlen, welche bei leichter schmelzenden Thonen den Schmelzbarkeitsquotienten ergibt, wird aber die Beziehung, in welcher die Thonerde zu den anderen Bestandtheilen steht, gänzlich aus dem Ausdrucke ausgeschieden. Die Bischof'schen Zahlen können somit nur zur Vergleichung ähnlich zusammengesetzter Thone dienen und dann erst bei Temperaturen, bei denen die Praxis meist kein Interesse mehr hat, das Verhalten des Thones kennen zu lernen.

Sofern man nach den von Bischof und Richters angestellten Versuchen Schlüsse auf die Feuerfestigkeit von Thonerdesilicaten, und zwar in erster Linie auf feste chemische Verbindungen (Thonsubstanz der Kaoline, Feldspath u.a.), dann mit weniger zuverlässigem Resultat für sehr innige Gemenge, bei welchen der physikalische Zustand der chemischen Action keine gröſsere Schwierigkeiten entgegensetzt (Thonsubstanz der unreineren Thone), ziehen darf, kann dies nur so geschehen, daſs man die Fluſsmittel der Summe der nicht schmelzbaren Bestandtheile (Thonerde und Kieselsäure) gegenüberstellt und diese Summe der nicht schmelzbaren Bestandtheile mit dem Verhältniſs der Thonerde durch die Kieselsäure multiplicirt, wodurch zum Ausdruck kommt, daſs die Feuerfestigkeit sich vergröſsert in dem Maſse, als der Thonerdegehalt, und sich verringert in dem Maſse, als der Kieselsäuregehalt zunimmt. Es wird dies indessen nicht im einfachen Verhältnisse von deren Mengen geschehen können, da ja diese beiden Stoffe in verschiedenem Maſse die Schmelzbarkeit beeinflussen, sondern das Verhältniſs wird mit einem Coëfficienten (y) zu versehen sein, welcher ausdrückt, um wieviel gröſser der Wirkungswerth der Thonerde ist als der der Kieselsäure. Der ganze Ausdruck wird endlich mit einem weiteren Coëfficienten (x) zu multipliciren sein, welcher den Einfluſs ausdrückt, der durch Zahl und Natur der verschiedenen Fluſsmittel hervorgebracht wird, da dieselben in verschiedener Combination mehr oder weniger auf Verflüssigung hinwirken.

Man kann hiernach einen zahlenmäſsigen Ausdruck für die Schmelzbarkeit nur in der Weise gewinnen, daſs man die durch die Analyse gefundenen Werthe in folgender Weise zusammenstellt:

,

wobei a wieder das Verhältniſs der Thonerde, b das der Kieselsäure zu den Fluſsmitteln als Einheit ausdrückt. Ueber die Gröſse der Zahlen x und y geben die bisherigen Untersuchungen keinen Aufschluſs. Man wird deswegen unter Fortlassung dieser variablen Unbekannten auch gleichfalls nur einen zu relativen Vergleichen brauchbaren Ausdruck gewinnen können, der jedoch wenigstens das, was als unumstöſslich durch das Experiment festgestellt ist, ausdrückt und für alle Thonerdesilicate, gleichgiltig, ob sie schwer- oder leichtflüssig sind, brauchbar ist. Der Ausdruck für die Feuerfestigkeit des Zettlitzer Kaolins würde hiernach sein: .

Von Seger ausgeführte Brennversuche zeigen, daſs bei Kaolinen der Grad der Versinterung und schlieſslich die Erweichung in erster Linie von der Thonsubstanz abhängig ist, daſs deren Widerstand aber wesentlich von der Menge der Feldspathtrümmer und des Quarzes beeinfluſst wird. Dem entsprechend haben bei den höchsten Temperaturgraden diejenigen Kaoline ihre Form erhalten, welche bei hoher Feuerbeständigkeit der Thonsubstanz frei oder fast frei

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Textabbildung Bd. 228, S. 246
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von Feldspath sind, die Kaoline von Kaschkau und Zettlitz; dann kommen diejenigen, welche bei gleicher oder höherer Feuerfestigkeit der Thonsubstanz einen erheblichen Gehalt an leicht zu verflüssigender Substanz, Feldspath und Quarz etc., enthalten, die Kaoline von Ledetz, Kottiken und Tremosna, endlich die in ihrer Feuerfestigkeit der Thonsubstanz niedriger stehenden von Lettin und Sennewitz, welcher letztere auch einen Bestandtheil der Porzellanmasse von Charlottenburg ausmacht. Aber nicht nur für die höchste, im Groſsen nicht leicht erreichbare Temperatur, sondern besonders für die niedrigeren, wirklich angewendeten Temperaturen gibt der Gehalt an Feldspath einen Anhalt für den Gang der Verdichtung, besonders wenn man zugleich den Quarzgehalt ins Auge faſst. Die Versuche zeigen, daſs der Quarz nicht allgemein als Fluſsmittel aufgefaſst werden darf, sondern daſs dessen Wirkung erst frühestens mit der Schmelzung des Feldspathes beginnt, welcher bekanntlich im feurigen Fluſs Kieselsäure zu lösen vermag und dadurch das Fluſsmittelquantum vermehrt, daſs derselbe aber bei Mangel an Feldspath oder sonstiger leichtschmelzender Substanz den Kaolinen einen hohen Grad von Feuerfestigkeit ertheilt und dann erst mit der Erweichung der Thonsubstanz selbst schmelzend wirken kann.

Bei den Kaolinen ist somit die Thonsubstanz sowohl ihrer Menge, als ihrer hohen Feuerbeständigkeit nach derjenige Stoff, welcher stets bestimmt ist, die Form der daraus gefertigten Gegenstände zu erhalten, das feste Gerüst zu bilden, während die feldspathähnlichen Mineraltrümmer durch ihren relativ niedrigen Schmelzpunkt in erster Linie die Verdichtung der Masse, die Schlieſsung der Porenräume herbeiführen. Das stets vorhandene feine Quarzpulver bewirkt, je nach Anwesenheit oder Abwesenheit des Feldspathes, bald eine Vermehrung der Fluſsmittelmenge, bald eine Erhöhung der Feuerbeständigkeit. Bei den weniger feuerfesten plastischen Thonen dagegen ist der Unterschied der Schmelzbarkeit zwischen Thonsubstanz und feldspathähnligen Mineraltrümmern viel geringer. Bei den untersuchten Kaolinen schwankt der Feuerfestigkeitsquotient der Thonsubstanz zwischen 36,29 und 10,29, bei den plastischen Thonen zwischen 8,70 und 3,29, während der des Feldspathes auf 1,25 zu setzen wäre. Der Einflufs des Feldspathes wird hier deshalb weniger augenfällig sein als bei den Kaolinen., und es wird auch in den niederen Temperaturen die schon früher erweichende Thonsubstanz in ihrem Einfluſs auf die Verdichtung mehr hervortreten. Der Quarz dagegen wird hier noch viel weniger fluſsbildend auftreten als bei den Kaolinen, da bei der Mehrzahl derartiger Thone eine völlige, zur Formveränderung führende Erweichung der Thone schon unterhalb derjenigen Temperatur eintritt, bei welcher eine chemische Einwirkung des Feldspathes auf den Quarz beginnt. Der Quarz wird hier also um so mehr zur Erhöhung der Feuerbeständigkeit beitragen, um so niedriger im Ganzen genommen ein Thon in der Feuerfestigkeitsscale steht. Bei den leicht-schmelzbaren Ziegelthonen ist sogar kaum ein Unterschied zwischen der Schmelzbarkeit der Thonsubstanz und den feldspathartigen Mineraltrümmern zu bemerken; unter Umständen werden diese sogar feuerfester sein als die Thonsubstanz. Hier ist namentlich die Quarz der die Form erhaltene Bestandtheil, wie aus den Brennversuchen auf S. 246 und der nachfolgenden kleinen Tabelle hervorgeht. Für die höchsten Temperaturen ergibt sich demnach für die vier ersten Thone die Reihenfolge: Ledetz, Liegnitz, Greppin und Kottiken, nach den ersten Sinterungserscheinungen aber: Ledetz, Greppin, Kottiken und Liegnitz.

S = Seger. B = Bischof I II III IV V VI VII VIII
Thonsubstanz 79,42 46,52 72,21 62,03 64,13 44,06 29,99 49,03
Feldspath 6,28 6,00 4,73 2,89 12,70 14,06 19,37 32,64
Quarz 14,30 47,48 23,06 37,97 27,12 44,88 50,64 18,33
F. Q. der Thonsubstanz S
B
4,63
1,86
3,31
1,07
8,70
3,72
3,29
1,91
1,21
0,63
1,44
0,52
0,71
0,19
0,96
0,31
F. Q. des Ganzen B 1,30 0,40 2,03 0,59 (4,17) (5,12) (6,05) (2,79)
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Bei den leichtest schmelzbaren Ziegelthonen geben die für die Thorsubstanz berechneten Zahlen jedoch keinen Anhalt mehr für die gegenseitige Stellung der Thone bezüglich ihrer Feuerfestigkeit, da hier die unbekannten Factoren x und y eine gröſsere Rolle spielen als bei den reinen Thonen. Bemerkenswerth ist jedoch, daſs die Thonsubstanz derselben in ihrer Schmelzbarkeit mit der der feldspathartigen Gesteinstrümmer nahezu übereinstimmt, Thonsubstanz und Feldspathtrümmer somit nahezu gleichzeitig erweichen, das formerhaltende Gerüst daher von dem Quarz gebildet wird. Dem entsprechend zeigen auch die Thone von Schwarzehütte und Bockhorn, als vorzügliche – sich wenig im Feuer verziehende und zerdrückbare Klinkerthone bekannt – zugleich den höchsten Gehalt an freier ungebundener Kieseläure (nicht als Sand in der gewöhnlichen Bedeutung, sondern in zum Theil der Thonsubstanz an feiner Zertheilung gleichkommendem Quarz), welcher als die am wenigsten durch das Feuer beeinfluſste Substanz die Erhaltung der Form ermöglicht; in dem Maſse, als dieser Quarzgehalt geringer wird, verlieren die Thone auch mehr' ihre Eigenschaft der „Standbarkeit“ und Klinkerungsfähigkeit im Feuer. –

Im vorigen Sommer hatte ich Gelegenheit, an zwei sogen. Ringöfen entsprechende Versuche anstellen zu können. Die Temperaturen unter 300° wurden mittels drei Quecksilberthermometer bestimmt. Dieselben sind 75cm lang, der Nullpunkt befindet sich 40cm über dem Quecksilbergefäſs. Diese wurden an Drahtschlingen in die Schürlöcher hinabgelassen, dann wurden die Schürdeckel aufgesetzt, um das Eindringen kalter Luft zu verhüten, bis die angegebenen Temperaturen bei zwei auf einander folgenden Beobachtungen übereinstimmten. Höhere Temperaturen wurden mit dem von Siemens Brothers in London bezogenen elektrischen Pyrometer (* 1877 225 464) bestimmt. Um den Conus und den obern Theil desselben vor Ueberhitzung zu schützen und um das Eindringen kalter Luft zu verhüten, wurde eine aus starkem Eisenblech hergestellte Hülse, wie Fig. 1 Taf. 14 zeigt so über das Pyrometer geschoben, daſs nur der untere Theil E, der die Platinspirale enthält, frei blieb; der Zwischenraum zwischen Hülse und Pyrometerstange wurde mit langfaserigem Asbest gefüllt. Der so hergestellte Apparat wurde nun in die Schürlöcher hinunter gelassen, so daſs der Theil E etwa 0m,3 in den Ofenkanal hineinragte. Die abgelesene Temperatur wurde erst dann als richtig angenommen, wenn zwei auf einander folgende Bestimmungen keinen gröſseren Unterschied als 5 bis höchstens 15° ergaben.

Das Schema Fig. 2 Taf. 14 zeigt die Resultate der am 25. Juli 1877 an einem Ziegelofen hinter Stöcken ausgeführten Versuche. Die Dauer eines Brandes beträgt für die 14 Kammern nur 7 bis 8 Tage, das Feuer schreitet demnach rasch vor. Während des Versuches waren die Schürlöcher der 14. Kammer zur rascheren Abkühlung geöffnet., Kammer 3 war im Vollfeuer und aus 7 und 8 wurden die Gase abgesaugt. Die höchste Temperatur betrug hier also 1057°, während die Gase mit 108 und 172° entwichen. J. Bührer (Der Thonwaarenfabrikant, 1877 Nr. 14) gibt für einen verkürzten continuirlichen Ziegelofen 1200° an; diese Temperatur scheint jedoch nicht wirklich beobachtet, sondern nur angenommen zu sein.

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Die Skizze Fig. 3 Taf. 14 zeigt die Resultate der am 29. September 1877 an einem andern Ziegelofen am Lindener Berge ausgeführten Versuche. Die Kammern sind hier wie bei Bührer und Hamel sämmtlich viereckig, die Verbindungen zwischen der 7. und 8., 14. und 1. Kammer nur 0m,5 breit. Das Feuer schreitet hier langsamer vor, da die Dauer eines Brandes 14 Tage beträgt. Während der Versuche waren die Schürlöcher der 1. Kammer offen, gefeuert wurde von der letzten Hälfte der 4. Kammer (g bis i) bis zur ersten Hälfte der 7. Kammer (d bis f), während die Gase aus Kammer 9 und 10 in den Schornstein abgesaugt wurden. Die höchste Temperatur betrug hier nur 968°, also fast 100° weniger wie bei dem vorigen Ofen; die Wärme der abziehenden Gase wurde sehr gut ausgenutzt, da die Temperatur derselben selbst bis 80° heruntergeht. Bemerkenswerth ist auch die Vertheilung der Temperatur in der 8. Kammer; die Gase werden durch den engen Schlitz zwischen 7 und 8 zusammengeschnürt und beschreiben in Folge dessen einen groſsen Bogen bis zu der Oeffnung, aus der sie entweichen. Das Diagramm Fig. 4 Taf. 14 zeigt schlieſslich den Gang des Brennprocesses im ersten, Fig. 5 den im zweiten Ofen.

(Schluſs folgt.)

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Vgl. 1861 159 54. 1862 163 127. 164 116. 374. 1863 167 29. 198. 169 41. 353. 455. 170 43. 1864 174 49. 1865 175 447. 1867 183 29. 185 39. 186 454. 1869 194 420. 1870 196 438. 525. 198 396. 1871 199 307. 200 393. 1872 205 120. 206 295. 1873 208 51. 210 53. 1874 211 105. 1875 216 354. 1877 223 606. 224 434. Notizblatt des Vereines für Fabrikation von Ziegeln, 1875 S. 120. 1877 S. 127. 262. Thonindustriezeitung, 1877 S. 360. Die feuerfesten Thone (Leipzig 1876), S. 36 bis 73.

|242|

Thonindustriezeitung, 1877 S. 272 bis 314. 334 und 361.

|242|

Vgl. 1862 163 193. 1864 174 280. 292. 1872 204 419.

|243|

Für den erwähnten Zettlitzer Kaolin (1870 198 397) ergibt sich z.B. für 1 Fluſsmittel 12,82 Thonerde, 17,30 Kieselsäure und auf 1 Thonerde 1,35 Kieselsäure, als pyrometrische Formel daher 12,82 (Al2O3, 1,35 SiO3) + RO und als Feuerfestigkeitsquotienten (F. Q) = 12,82 : 1,35 = 9,49. Wird diese Zahl zum echten Bruch, so rechnet Bischof die Thone nicht mehr zu den feuerfesten; er bildet dann aus den Zahlen einen anderen Quotienten, indem er das Thonerdeverhältniſs mit dem Kieselsäureverhältniſs multiplicirt. Das so entstehende Product, mit dessen Gröſse die Schmelzbarkeit wachsen, mit dessen Verminderung die Schmelzbarkeit abnehmen soll, braucht er für die nicht feuerfesten Thone und nennt es den Schmelzbarkeitsquotienten (S. Q).

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