Titel: Bode, über Kalbfleisch's neuen Platinapparat.
Autor: Bode, Friedrich
Fundstelle: 1878, Band 228 (S. 249–252)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/ar228083

Ueber Kalbfleisch's neuen Platinapparat; von Friedr. Bode, Civilingenieur in Hannover.

Mit einer Abbildung.

Die Reihe der Construction neuer Platinapparate, über welche früher berichtet worden ist1) wird jetzt durch einen neuen Vorschlag vermehrt, welchen F. W. Kalbfleisch (D. R. P. Nr. 1005 vom 9. October 1877) in London soeben durch Rundschreiben ankündigt, aus welchem der beigefügte Holzschnitt (a. f. S.) entnommen ist.

A ist ein niedriger Kasten, im Boden und den Seiten aus Eisenblech, in der Decke von dünnerem Stahlblech hergestellt und in einem Asbestmörtel oder einem andern schlecht leitenden Material verlegt; derselbe trägt eine flache Bleipfanne B, in welche vorgewärmte Säure aus C durch den Ueberlauf F gelangt. Der Säurestand in B soll „nicht mehr als ¼ Zoll“ (etwa 6mm) betragen. Die Erwärmung erfolgt durch überhitzten Dampf, und da dieser eine sehr gleichmäſsige Vertheilung der Wärme ermöglicht, so soll einestheils die Ueberhitzung der Pfanne, wie es bei directem Feuer geschehen kann, vermieden sein, |250| andererseits das Blei sehr dünn genommen werden können. Ein Dampfrohr führt den unverbrauchten Dampf durch die Schlange G, um die Kammersäure in G vorzuwärmen, die so vom Boden weg zum Ueberlauf kommt. Der noch übrige Dampf kann sodann weiter zum Vorwärmen des Kesselspeisewassers verwendet und hierauf durch T in der Bleikammer verwendet werden, wo niedrige Dampftemperatur erwünscht ist.2)

Textabbildung Bd. 228, S. 250

Der erhöht gelegte Condensator K ist mit dem Platingefäſs 1 durch ein aufrechtes Rohr P verbunden, worauf der Erfinder Gewicht legt, ebenso auf die erhöhte Lage. Um das Pumpen oder Heben des Destillates zu ersparen, gibt es der Condensator unmittelbar in die Bleikammer H ab. Dies ist aber zu miſsbilligen, weil die leichte Säure auf der Bodensäure der Kammer stets oben schwimmen und durch Verwandlung von salpetriger Säure oder Untersalpetersäure (bei dem reichlich vorhandenen Wassergehalte) in Salpetersäure einerseits den Kammerproceſs erheblich schädigen und überhaupt zu vermehrten Salpeterverlusten Veranlassung geben wird, andererseits das Blei rascher zerstört sein muſs. Im möchte daher (im Geiste der ganzen Anordnung bleibend, welche äuſserste Ausnutzung des Brennmaterials anstrebt) vorschlagen, den restlichen Dampf nicht zum Vorwärmen des Speisewassers zu verwenden – eine Verwendung, die mir bei den Haaren herbeigezogen und nicht streng bei der Sache zu bleiben scheint; denn was soll man thun, wenn man concentrirt, falls der Dampfkessel nicht im Gange oder sehr weit vom Platinapparat entfernt ist? – sondern diesen Dampf vielmehr zum Verstärken des Destillates zu benutzen, wobei man in dem Bestreben, die letzten Consequenzen zu ziehen, meinetwegen den abtreibenden Wasserdampf in die Bleikammern senden oder, falls dieselben nicht im Gange, ihn condensiren und dabei neue Mengen des Destillates vorwärmen mag.

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Hinter dem Platingefäſs trifft das Feuer Röhren zur Ueberhitzung des Dampfes, für deren Controle der Erfinder die Anwendung eines Pyrometers (vgl. 1877 225 272) wünscht.

Das Platingefäſs ist von neuer Construction, viereckig, mit ovaler Decke, die von vorn nach hinten sich neigt. Diese Einrichtung ist getroffen, weil vorn über dem Abzugsrohr P der Einfluſs der Säure stattfindet und die meisten Dämpfe sich entwickeln. Der ganze Boden ist dem Feuer direct ausgesetzt und wird innen getragen durch Querträger L, die mit dem Boden und den Seiten verlöthet sind und das Gefäſs in Fächer theilen, an deren Boden die Säure communicirt, um bei M concentrirt abzuflieſsen. Das Abfluſsrohr ist zum Wasserverschluſs gebogen, und richtet sich nach dem Grade der Biegung der Säurestand im Gefäſs. Je geringer derselbe, desto gröſser die Leistung des Apparates. Die ablaufende Säure wird, wie bei den früheren Apparaten, vom Boden weggenommen.

Die Bildung der Fächer erinnert an meinen früheren Vorschlag (vgl. 1876 221 541, Fig. 23), und ebenfalls deutete ich schon im September 1876 dem Vertreter für Deutschland der Londoner Firma Johnson, Matthey und Comp. brieflich an, daſs sich die Fächerwände zur Versteifung des Gefäſses verwenden lassen.

Der Aufwand an Brennmaterial soll weniger als die Hälfte wie bei den alten Platinkesseln betragen. Ein Gefäſs von 635 × 1270mm Grundfläche, welches unter 1250 Pfund Sterling (rund 25000 M.) mit vollständigem Kühler kostet, soll rund 7710k concentrirte Säure in 24 Stunden mit einem Kohlenaufwande von weniger als 500k liefern, entsprechend 6,5 Proc.3)

Als einen Mangel des Platingefäſses muſs ich es bezeichnen, daſs es behufs der Reinigung sehr schlecht zugänglich ist, und daſs diese Reinigung durch die eingelegten Querwände noch ungemein erschwert wird. Falls die Säure beim Verstärken das bekannte Eisensulfat abscheidet, so wird zur Beseitigung desselben kaum etwas anderes übrig bleiben, als bei erheblich gemäſsigtem Feuer schwache Säure, etwa Destillat, durch das Gefäſs zu schicken, um die Absätze aufzulösen; doch kann man auch in diesem Falle nicht controliren.

Neu meines Wissens und Erfolg versprechend ist der Gedanke, die Abhitze des Platingefäſses zur Bildung und Ueberhitzung von Wasserdampf zu benutzen; doch kann ich mich der Vermuthung nicht entschlagen, daſs die gesammte Einrichtung mit der Ausnutzung desselben |252| bis aufs Aeuſserste etwas complicirt und vielleicht zu häufigen Anständen Anlaſs gebend geworden ist, so daſs in der Praxis wahrscheinlich eine oder die andere der angegebenen Anwendungen fortfallen wird. Die Abführung der Dämpfe durchaus nach oben hat man auch schon bei den Apparaten von Faure und Kessler, welche bekanntlich die in den Glocken nicht condensirten Dämpfe als solche der Bleikammer übergeben. Falls dieselbe keinen Ueberdruck hat, sondern einsaugt, so halte ich dies, auch abgesehen von der Ersparniſs von einem Theile des Kühlwassers, für zweckmäſsiger als das Einlassen des Destillates in die Kammer, weil man dabei die Bodensäure stets in der geeigneten Stärke halten kann.

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Vgl. Faure und Kessler 1874 * 211 26. *213 204. 1876 *220 334. 336 221 85. 384. 1877 223 299. Desmoutis, Quennessen und Le Brun *1876 221 541. Johnson, Matthey und Comp. *1876 221 541. A. de Hemptinne *1878 227 74.

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Ich mache darauf aufmerksam, was in der Quelle nicht geschehen ist, daſs die verschiedenen Dampfrohre geeignete Vorrichtungen zum Entfernen des Condensationswassers haben müssen, da sonst ein erhebliches Schlagen in den Rohren und Bersten derselben eintreten wird.

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Folgende merkwürdige Patenttaxe wird aufgestellt: a) Für die Anwendung des Processes und jedes vollständigen Apparates 100 Guineen, mit einer jährlichen Taxe von 25 Guineen; b) Für die Anwendung des überhitzten Wasserdampfes mit Bleipfannen und des Restdampfes in den Bleikammern 50 Guineen, mit jährlicher Taxe von 15 Guineen; c) für den Gebrauch, eines jeden erhöht gelegten Condensators 25 Guineen und eine jährliche Taxe von 10 Guineen.

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