Titel: Gillet, über David und Damoizeau's Ketten ohne Schweiſsung.
Autor: Gillet, C.
Fundstelle: 1878, Band 228 (S. 296–301)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/ar228097

David und Damoizeau's Ketten ohne Schweiſsung aus geschmiedetem Stahl; von C. Gillet.

Mit Abbildungen auf Tafel 19.

Um die bekannten Mängel geschweiſster Ketten aus Schmiedeisen zu vermeiden – nämlich die Schweiſsung als den schwächsten Punkt der gewöhnlichen Ketten, ferner die geringe Tragfähigkeit im Vergleiche zum Gewichte der Ketten, die rasche Abnutzung der Kettenglieder durch Reibung unter einander, als Folge der geringen Härte gut schweiſsenden Eisens, die groſse Streckung und endlich die in vielen Fällen störende Ungenauigkeit und Ungleichförmigkeit der Kettenglieder in ihren Dimensionen – wird von David und Damoizeau nach der Revue universelle, 1877 Bd. 2 S. 391 zur Herstellung der Kettenglieder Stahl verwendet und die Gliedbildung durch Schmieden in Gesenken bewerkstelligt. Stahl, als Material, welches das Eisen in dem gröſsten Theile seiner Verwendungen täglich mehr zu ersetzen strebt, schien den Erfindern gerade hier am Platze, wo es sich um vorzügliche Qualität bezüglich der Festigkeit und um groſse Härte |297| handelt, und es scheint besonders der Bessemerstahl alle für die Fabrikation von Ketten erforderlichen Eigenschaften in sich zu vereinigen. In der That besitzt dieser nicht die Sprödigkeit anderer Stahlsorten und ist, obwohl ganz eben so hart wie jene, biegsam und zähe wie Eisen; er besitzt groſse Festigkeit, Dichtigkeit und Gleichförmigkeit und unterliegt daher weniger der Abnutzung durch Reibung. Versuche haben gezeigt, daſs weicher Stahl mit 50 bis 65k absoluter Festigkeit auf lqmm für die Erzeugung von Kettengliedern im Allgemeinen am geeignetsten ist. Er enthält 0,20 bis 0,30 Proc. Kohlenstoff und zeigt in geraden Stäben auf Zug beansprucht im Augenblick des Bruches eine Dehnung von 18 bis 25 Proc. Zu bemerken ist jedoch noch, daſs solcher Stahl mit 0,35 bis 0,40 Proc. Kohlenstoff und 65 bis 75k absoluter Festigkeit auf 1qmm, welcher im Momente des Bruches eine Dehnung von nur 8 bis 10 Proc. zeigt, für Ketten von geringem Durchmesser am besten zu entsprechen scheint.

Das System der Ketten ohne Schweiſsung aus geschmiedetem Stahl charakterisirt sich durch Kettenglieder mit doppelter Schlinge. Jedes Kettenglied besteht nämlich aus einem runden Schaft, an dessen beiden Enden sich die einerseis flachen, andererseits halbrunden Schlingen befinden, wie Fig. 15 Taf. 19 zeigt, welche ein noch ungebogenes Kettenglied in der Ansicht und im Längs- und Querschnitt darstellt. Die Herstellung der Kettenglieder erfolgt, wie schon erwähnt, durch Schmieden in Gesenken und wird dazu bis jetzt flacher Stahl in folgenden Dimensionen verwendet:

24 × 7mm für Ketten von 12mm Durchmesser.
27 × 9,5 16
36 × 12 20
44 × 14 25
46 × 16 28
54 × 18 30

Das erste Gesenk begrenzt der Länge nach das Material, welches für je ein Kettenglied erforderlich ist, und rundet zugleich die Kanten ab, wie in Fig. 12 in Ansicht und Querschnitt ersichtlich ist. Das zweite Gesenk erzeugt den runden Schaft mit den zwei abgeflachten Enden (Fig. 13). Das dritte Gesenk treibt das Material an den Enden auf und rundet zugleich die inneren Kanten der dabei entstehenden Schlingen ab (Fig. 14). Das vierte Gesenk endlich vollendet die Schlingen und zugleich die Kettenglieder (Fig. 15). Bei diesem Processe wird also das Material in den Gesenken in der Mitte auf den Durchmesser d zusammengestaucht, die Schlingen aber erhalten an ihren Enden eine Breite d' welche gröſser ist als jene, die dem normalen Schnitte entspricht. An den Enden der Schlingen kommen aber die einzelnen Kettenglieder mit einander in Berührung, und werden diese daher auch dann noch hinreichende Festigkeit besitzen, wenn sie schon theilweise abgenutzt sind.

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Das Ausschmieden erfolgt bei Ketten von geringem Durchmesser in allen vier Gesenken in einer Hitze und auf einer und derselben Gesenkplatte; bei Ketten von groſsem Durchmesser erfolgt dasselbe in zwei Hitzen und auf zwei Gesenkplatten.

Der Schaft der soweit fertigen Kettenglieder wird nun mit einem leichten Schlage gleichfalls zu einer Schlinge zusammengebogen, wie in Fig. 20 Taf. 19 ersichtlich ist. Zur Anschlieſsung des folgenden Kettengliedes muſs nun die Oeffnung o der beiden Schlingen (Fig. 15) so groſs sein, daſs eine andere Schlinge mit ihrer gröſsten Breite l hindurch gesteckt werden kann. Hiermit würde aber die Oeffnung nach der stark ausgebauchten Curve c (Fig. 15) begrenzt erscheinen, was nicht zweckmäſsig wäre, und es wird deshalb jede Schlinge nach dem Durchstecken des nächstfolgenden Gliedes noch etwas zusammengedrückt, wonach sich die Begrenzung nach der Curve c' (Fig. 16) ergibt und die einzelnen Kettenglieder in der Kette das Aussehen Fig. 16 erhalten.

Die Maschinen für diese Arbeiten werden bei Ketten von geringem Durchmesser von Hand, bei Ketten von groſsem Durchmesser aber mittels Transmission angetrieben.

Die Schlieſsung der Kette ohne Schweiſsung erfolgt durch ein sogen, falsches Glied, welches genau die äuſseren Umrisse der übrigen Kettenglieder aufweist. Das falsche Glied gewöhnlicher Ketten bildet bekanntlich eine Ursache fortgesetzter Gefahr; hier aber ist es viel fester und widerstandsfähiger als die übrigen Kettenglieder selbst, weshalb seine Anwendung keinerlei Nachtheil in sich schlieſst. Das falsche Glied besteht hier aus zwei im Gesenke ausgeschlagenen, in der Form und den Dimensionen genau gleichen Stücken, deren eines in Fig. 17 im geraden Zustande dargestellt ist. In Fig. 16 ist ersichtlich, wie die beiden Endglieder a, a einer Kette mittels des falschen Gliedes verbunden werden. Das Zusammenbiegen der beiden Theile dieses falschen Gliedes erfolgt im warmen Zustande. Bei der Form des falschen Gliedes, wie sie in Fig. 18 dargestellt ist, kann die Schlieſsung der Kette ohne vorhergehende Erwärmung der Theile des falschen Gliedes erfolgen. Mit Hilfe dieser falschen Glieder wird die Schlieſsung der Kette sehr leicht bewerkstelligt und noch rascher als durch Schweiſsung.

Das im Gesenke erzeugte Kettenglied mit zwei Schlingen ermöglicht auch die leichte Herstellung der Vaucanson'schen Kette (Fig. 19 Taf. 19), welche in dieser Art mit Vortheil auch die Gall'sche Kette zu ersetzen in der Lage ist.

Form und Querschnitt der Kettenglieder ohne Schweiſsung aus geschmiedetem Stahl sind so gebildet, daſs diese in allen ihren Theilen die gleiche Festigkeit aufweisen; die Form erlaubt überdies das Abwickeln der Kette von der Trommel ohne Sprung und ohne Verwicklung.

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[Tabelle I–III.]

Textabbildung Bd. 228, S. 299
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Tabelle IV. Auszug der Ergebnisse vergleichender Versuche der Belastung von Eisenketten und von Ketten ohne Schweiſsung aus geschmiedetem Stahl.

Textabbildung Bd. 228, S. 300
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Man kann diese Ketten ohne jede Gefahr der Deformation bis auf die Hälfte ihrer Bruchfestigkeit beanspruchen; so z.B. kann man für eine Belastung von 7500 und 20000k Ketten von 16 und 26mm Durchmesser verwenden, welche bis zum Bruche 15000 und 40000k aushalten würden. Dabei wird die totale Ausdehnung gleichförmig ungefähr 1 Proc. betragen, während sie bei einer die halbe Bruchgrenze übersteigenden und bis zur Bruchgrenze wachsenden Belastung 5 bis 15 Proc. beträgt. Diese Eigenschaft, sowie die constant bleibende Elasticität sichern diese Ketten vor unzeitigem Bruche.

Die vorstehenden Tabellen enthalten noch nähere Daten über diese Ketten und zwar:

Tab. I die Dimensionen der verschiedenen Nummern der Kette ohne Schweiſsung aus geschmiedetem Stahl, mit den Bezeichnungen nach Fig. 20.

Tab. II die zulässige Belastung und das Gewicht der Ketten für je lm sowie die Angabe der dadurch ersetzten Eisenketten. (Die Dehnung beträgt 6 bis 8mm auf 1m Länge. – Die Ketten werden vor der Ablieferung mit einer Spannung von 18 bis 20k auf lqmm des Querschnittes probirt. Der Bruch findet erst bei einer Beanspruchung von 38 bis 45k auf 1qmm statt.)

Tab. III Vergleich der Gewichte und zulässigen Belastungen dieser Ketten und solcher aus Eisen. S bezeichnet hierin die Belastung auf 1qmm des doppelten Querschnittes.

Tab. IV Auszug der Ergebnisse vergleichender Versuche der Belastung von Eisenketten und von Ketten ohne Schweiſsung aus geschmiedetem Stahl.

Das alleinige Recht, diese Ketten zu erzeugen, besitzt die Société anonyme des forges et ateliers de construction de Chapelle-lez-Herlaimont et Carnières.

Director Greiner in Seraing hat Zerreiſsversuche mit solchen Ketten ohne Schweiſsung aus geschmiedetem Stahl angestellt und folgende Resultate mit Ketten von 20 und 12mm Durchmesser erhalten.

Die Kette von 20mm Durchmesser unter einer Belastung von:

t mm mm
10 zeigte eine Dehnung von 0,5 auf 100 Länge
15 " " " " 3,5 " " "
20 " " " " 7,0 " " "
22 " " " " 9,5 " " "
23 " " " " 10,5 " " "
24 " " " " 11,5 " " "
25 " " " " 12,6 " " "
26 Bruch.

Der Bruch erfolgte dabei mit 41k,4 Beanspruchung auf 1qmm des doppelten Querschnittes.

Die Kette von 12mm Durchmesser unter einer Belastung von:

t mm mm
5 zeigte eine Dehnung von 0,8 auf 100 Länge
7 " " " " 1,5 " " "
8 " " " " 3,7 " " "
8,5 " " " " 4,2 " " "
9 " " " " 4,2 " " "
9,5 " " " " 5,1 " " "
10 " " " " 5,7 " " "
10,5 Bruch.

Der Bruch erfolgte dabei mit 46k,4 Beanspruchung auf 1qmm des doppelten Querschnittes.

J. P.

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