Titel: Nachahmung von Elfenbein, Schildpatt und Perlmutter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 228/Miszelle 9 (S. 187–188)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/mi228mi02_9

Nachahmung von Elfenbein, Schildpatt und Perlmutter.

Unter der Bezeichnug „Ivoirit“ fertigt E. Sieger in Wien Nachahmungen, welche dazu dienen, die bisher nur mit groſsem Kostenaufwande hergestellten Intarsien oder echten Elfenbein-Einlagen in Ebenholz durch ein billiges Material zu ersetzen, ohne der Dauerhaftigkeit und Schönheit der damit verzierten Gegenstände Abbruch zu thun. Die Masse, welche vollständig wasserdicht sowie gegen Temperatureinflüsse jeder Art ganz unempfindlich ist, kann sowohl in mattem wie in hellem Glänze erzeugt werden und verleiht den damit überzogenen Gegenständen eine hornartige Feste und Dauerhaftigkeit.

Wird nun eine auf beliebige Weise mit Farbe grundirte, bedruckte oder bemalte Fläche damit überzogen, so erhält dieselbe je nach der angewendeten Farbe täuschende Aehnlichkeit mit farbigem oder schwarzem Holze und die weiſsen Stellen das Aussehen von Elfenbein. Nach erfolgter Abnutzung wird die Masse wie echtes Elfenbein abgeschliffen und neu polirt.

Von Paris aus werden nach Deutschland Mengen von Schildpatt- und Perlmutternachahmungen eingeführt; dieselben werden auch bei Wien in folgender Weise hergestellt. Künstliches Schildpatt wird dadurch hergestellt, daſs man auf einer Schicht reiner Gelatine die charakteristischen Flecken des Schildpatts erzeugt, indem man sie mit einer concentrirten Lösung von Vesuvin, einer Anilinfarbe, der man mit Fuchsin einen röthlichen Ton geben kann, betupft, oder die Lösung aufspritzt und die Tropfen verrinnen läſst. Nach dem Trocknen wird das Ganze mit Leimmasse übergössen.

Die Perlmutternachahmung erhält auf die erste Gelatineschicht einen Aufguſs einer concentrirten Salzlösung. Man kann hierzu verschiedene Salze wählen, so Zinkvitriol, Bittersalz u.a. Nach dem Krystallisiren und Trocknen |188| dieser Salzlösung trägt man mit einem feinen Pinsel Perlessenz auf, die man erhält, indem man die feinen silberglänzenden Bauchschuppen der Weiſsfische abschabt und rein auswäscht. Diese Schicht wird dann mit einer Leimlösung überzogen.

Die unserer Quelle (Ackermann's illustrirte Gewerbezeitung, 1877 S. 278. 1878 S. 5) beigefügten Proben dieser Imitationen sind recht hübsch.

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