Titel: Optische Militär-Telegraphen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 228/Miszelle 4 (S. 280–281)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/mi228mi03_4

Optische Militär-Telegraphen.1)

Das Journal des Débats theilt einiges über Versuche mit, welche während der Pariser Belagerung begonnen und später fortgesetzt wurden, und die darauf abzielten, eine telegraphische Verständigung durch kürzere und längere Lichtblicke zu ermöglichen, welche der zwischenliegende Feind nicht abfangen könnte. Die dazu benutzten Apparate wurden später sehr vervollkommnet. Jetzt bestehen sie aus einem kleinen Kasten aus Weiſsblech, welcher ein Fernrohr zum Beobachten der ankommenden Signale und ein zweites enthält, das entzwei geschnitten ist, damit man in den Brennpunkt des Oculars eine Lichtquelle bringen kann. Beim Geben wird dann eine kleine Blende zwischen die Lampe und ein kleines Loch in der Kastenwand gebracht und wieder zurückgezogen, damit ein Lichtblick eine Zeitlang durch das Loch entsendet wird; beim Empfangen legt man blos das Auge an das Fernrohr, um die ankommenden Signale zu beobachten. Der Feldtelegraph ist in einem quadratischen Kasten von 20cm Seite eingeschlossen und auf einem Fuſse aufgesteckt; er wiegt 15k und trägt auf 15km.

Die durch das Loch ausgesendeten Lichtstrahlen sind nur der Person, für welche sie bestimmt sind, wahrnehmbar, allen andern fallen sie nicht auf. Die beiden Telegraphirenden, die ihre gegenseitige Lage genau kennen, stellen ihre Fernrohre zunächst nach der Karte und gewissen Fixpunkten; auſserdem suchen und finden sie sich schnell durch Lichtblicke, welche sie rasch am Horizonte hin laufen lassen, bis sie das Lichtbündel im Gesichtsfelde des Fernrohres haben.

Die langen Blicke sollen dreimal so lange dauern wie die kurzen. Bei raschem Telegraphiren muſs die Blende aber in richtigem Tackte vorgeschoben und zurückgezogen werden, und deshalb hat Oberst Laussedat einen Tastenapparat entworfen, welcher die einzelnen Buchstaben beim Niederdrücken ihrer Tasten entsendet.

Durch ein grelles Licht könnte man die Tragweite vergröſsern. Die Apparate aber, welche zur Erzeugung des Drummond'schen Kalklichtes erforderlich, sind zu wenig handlich. Magnesiumlicht enthält zu viel violette Strahlen und durchdringt den Nebel nicht gut; auch erzeugt die Verbrennung des Metalles ein weiſses Pulver, das sich zwischen die Linse und den Beobachter legt und das Telegraphiren stört. Das Sonnenlicht ist zu wenig beständig, es erfordert zur Richtung des Lichtblickes einen Heliostat, und dieser ist empfindlich und schwer zu handhaben. Das elektrische Licht ist nach dem Sonnenlichte das hellste und kann auch selbst bei Tage auf groſse Fernen mittels ziemlich schwacher Linsen gut wahrgenommen werden; leider erfordert seine Erzeugung eine Anzahl Apparate, die leicht in Unordnung gerathen. Für jetzt erwies sich unter allen, welche benutzt wurden, das Petroleumlicht als das bequemste. Mit einer Petroleumlampe mit flachem Docht konnte man auch bei Tage auf 36km Entfernung sprechen. Neuerdings wurden die Signale, welche der Commandant Perrier vom Gipfel des Puy-de-Dome gab, auf mehr als 40km Entfernung wahrgenommen. Bei den groſsen geodatischen Signalen kommt man mit Petroleum 75 bis 80, mit elektrischem Licht über 90 und 100km weit.

Die Italiener fanden in Verona und Mantua von den Oesterreichern aufgestellte optische Signalapparate, mittels deren diese beiden, 35km von einander |281| entfernten Festungen unter einander und mit ihren 5 bis 14km entfernten vorgeschobenen Forts sprachen. Zu letzterem Zwecke dienten ebene Silberspiegel von 450mm Durchmesser und eine Petroleumlampe, für ersteren Spiegel von 1m,16 Durchmesser und 180mm Brennweite mit einer elektrischen Lampe, für welche 10 Bunsen'sche Elemente benutzt wurden. Diese Einrichtungen wurden von den Italienern angenommen und in den Jahren 1868 bis 1870 (vgl. das Giornale militare italiano, September 1870) verbessert.

E–e.

|280|

Vgl. 1875 217 511. 1876 219 231.

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