Titel: Herstellung von Eisen aus alten Eisenbahnschienen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 228/Miszelle 6 (S. 281)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/mi228mi03_6

Herstellung von Eisen aus alten Eisenbahnschienen.

Die Verwerthung der unbrauchbar gewordenen Stahlschienen ist bisher auf manche Schwierigkeiten gestoſsen. Wenn man das ausgedehnte Netz betrachtet, welches heute mit Stahlschienen belegt ist, und berücksichtigt, daſs der Zeitpunkt nicht mehr fern liegt, wo dieselben durch den Verschleiſs unbrauchbar geworden sein werden, so kann man mit Recht ein Verfahren, welches diese Schienen vortheihaft verwendet, mit Freuden begrüſsen. W. H. Carmont, Director der Cyclops Iron Company in Openshaw bei Manchester, ist ein solcher Proceſs patentirt worden, und das genannte Werk, welches im Februar 1876 gegründet worden ist, verdankt, unter den heutigen traurigen Zeitverhältnissen, seine Lebensfähigkeit hauptsächlich der Ausbeutung dieser Erfindung.

Auf den genannten Werken wird nach Engineering, 1878 Bd. 25 S. 6 Stabeisen vorzüglicher Qualität aus Stahlabfällen, welche zum gröſsten Theil aus alten Schienen bestehen, erzeugt; letztere werden in einem Flammofen erhitzt, ausgehämmert und unter der Schere in die zum Packetiren geeignete Form zerschnitten. Die Packete werden in derselben Weise zusammengesetzt, wie dies gewöhnlich bei der Verwendung von Eisenabfällen geschieht; nur fügt man jedem etwa 180k schweren Packete eine beträchtliche Menge Stahldrehspäne zu. Das Packet wird in einem gewöhnlichen Flammofen erhitzt und zu einer Bramme ausgehämmert. 4 oder 5 dieser Brammen werden sodann zu einem Stück zusammengeschlagen und 3 der letzteren wieder zu einem Ganzen verhämmert, aus welchem man je eine Locomotivachse ausschmiedet. Um ein sehnigeres Eisen herzustellen, walzt man die gehämmerten Blöcke zu Stäben aus, welche nach dem Packetiren wieder gewalzt oder geschmiedet werden. Bei sorgfältiger Auswahl des Materials hat man es in der Hand, sehniges, körniges, weiches oder hartes Eisen herzustellen. Ein Stab Rundeisen von 17mm,5 Durchmesser lieſs sich im kalten Zustand, ohne den geringsten Riſs zu zeigen, umbiegen und zusammenschlagen und war ohne jede Schweiſsnaht. Das schwerste Schmiedestück, welches bisher auf diesem Wege erzeugt worden ist, wiegt 4t, und 7 gekröpfte Locomotivachsen sind auf englischen Eisenbahnen nach überstandener Prüfung zur Verwendung gekommen. Einige Probestücke dieses Eisens hielten bei der directen Belastung 75k auf 1qmm, ohne zu reiſsen, jedoch bei verhältniſsmäſsig geringer Längenausdehnung; andererseits wird ein Fall angeführt, bei welchem ein Stab 51k auf 1qmm trug und eine Verlängerung von 43,7 Proc. zeigte. Dieser auſserordentliche Elasticitätsgrad sichert dem Material jedenfalls hinreichenden Absatz, sobald man mit der Fabrikation auf einer Stufe angelangt sein wird, welche genügende Sicherheit für regelmäſsige Qualität verspricht.

–r.

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