Titel: Ueber fremde Farbstoffe im Rothwein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 228/Miszelle 21 (S. 383–384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/mi228mi04_21
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Ueber fremde Farbstoffe im Rothwein.

J. Neſsler (Annalen der Oenologie, 1878 S. 148) zeigt, daſs zur Erkennung fremder Farbstoffe im Rothwein die bisher vorgeschlagenen analytischen Methoden nicht ausreichen, daſs wir bis jetzt namentlich nicht im Stande sind, den rothen Farbstoff der Malven, Heidelbeeren und der Trauben zu unterscheiden, ja daſs es sogar sehr wahrscheinlich ist, daſs eine wesentliche Verschiedenheit unter diesen Farbstoffen überhaupt nicht besteht. Wir können also nur mittelbar auf den Zusatz solcher Farbstoffe schlieſsen. Wenn z.B. ein gerbstoffreicher Rothwein mit essigsaurem Natron und Alaun, oder in Papierstreifen mit reinem Wasser blau und mit gebranntem Kalk rein grün wird, so können wir annehmen, daſs wir einen ursprünglich weiſsen, mit Malven oder Heidelbeeren gefärbten, mit Gerbstoff versetzten Wein vor uns haben. Wir haben dann aber nicht den Farbstoff, sondern die Abwesenheit der braun werdenden Stoffe von Kämmen, Hülsen und Kernen, oder mehr oder weniger veränderten Farbstoff erkannt.

Es scheint für uns in Deutschland sehr wichtig, daſs man sich in dieser Frage klar werde. Einerseits wurden unsere Beerweine oft für künstlich gefärbt gehalten, sogar da und dort vor Gericht als solche angeklagt. Andererseits hat man die in groſser Menge aus Frankreich zu uns kommenden, mit Malven und Heidelbeeren gefärbten Tresterweine überall als echt betrachtet, weil sie eben jene braunwerdenden Stoffe in hinreichend groſser Menge enthalten. Erst kürzlich hat ein hervorragender Oenologe gesagt, daſs ihm noch keine französischen Weine mit fremdem Zusätze vorgekommen seien, während es doch bekannt ist, daſs in Frankreich jährlich auſserordentlich viel Malven und Heidelbeeren zum Färben der Weine verwendet und ungeheure Mengen von Tresterwein verkauft werden.

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