Titel: Darstellung von Buttersäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 228/Miszelle 14 (S. 557–558)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/mi228mi06_14

Darstellung von Buttersäure.

Einer längeren Arbeit über Schizomyceten-Gährungen von A. Fitz (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1878 S. 42) entnehmen wir den Vorschlag, zur Herstellung der Buttersäure statt der bekannten Käsemethode Stärke mittels Bacillus subtilis in Gährung zu versetzen. Zur Gewinnung desselben wurden verschiedene Pflanzen gewaschen, mit Waschwässern Glyceringährflüssigkeiten hergestellt, 5 Minuten gekocht und die Kolben in den Thermostat gesetzt. Von Pflanzen wurden u.a. verwendet: Erbsen, Reis, Rüben, Schilfrohr, Zuckerrohr. In allen Fällen entwickelte sich nur der schmale Bacillus subtilis. Zur Bereitung der Gährflüssigkeit wurden 2l Wasser auf 40° erwärmt, 100g Kartoffelstärke, 0g,1 phosphorsaures Kali, 0g,02 schwefelsaure Magnesia, 1g Salmiak und 50g kohlensaurer Kalk zugefügt, schlieſslich etwas Ferment. Die Gährung verlief vortrefflich; 10 Tage nach der Aussaat war sie beendigt. Bei mikroskopischer Untersuchung mit Jod ergab sich, daſs die Stärke völlig verschwunden war; es waren nur noch zweifelhafte Reste von Cellulose-Skeletten übrig. Als Gährungsproducte wurden erhalten: 1g,0 Alkohol, 34g,7 Buttersäure, 5g,1 Essigsäure und 0g,33 Bernsteinsäure. Handelt es sich nach Fitz um Darstellungen im Groſsen, so kann man die Quantitäten der Nährsalze bedeutend herabsetzen, doch wohl nicht unter 1/5 der angegebenen Mengen. Was die Temperatur anlangt, so ist es wohl nicht unbedingt nöthig, die Temperatur von 40° einzuhalten; doch möchte es gerathen sein, wenigstens in der Zeit, die vergeht von der Aussaat bis zum Beginn der Gährung (es ist dies die Periode der raschen Vermehrung der Bacillen, man könnte sie auch die Incubationszeit nennen; sie dauert 12 bis 24 Stunden), die Temperatur womöglich nicht unter 35° sinken zu lassen. Es ist nämlich nach den Untersuchungen von Eidam die |558| Temperatur 30 bis 35° das Temperaturoptimum für Bacterium Termo, das der Entwicklung des Bacillus schaden könnte; bei 40° verfällt es in Wärmestarre; vom Beginn der Gährung an kann es wegen Abwesenheit von Sauerstoff nicht mehr schaden.

Um die Buttersäure ganz sicher frei von Essigsäure zu erhalten, ist es wohl am einfachsten, anstatt der theoretischen, nach der Menge des angewendeten, kohlensauren Kalkes berechneten Menge Salzsäure, so viel weniger zu nehmen, als der Essigsäure-Menge entspricht; dieselbe bleibt alsdann im Destillationsgefäſs zurück.

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