Titel: Kick, technologische Mittheilungen über die Weltausstellung zu Paris 1878.
Autor: Kick, Friedrich
Fundstelle: 1878, Band 229 (S. 1–14)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/ar229001

Technologische Mittheilungen über die Weltausstellung in Paris 1878; von Friedrich Kick.

Mit Abbildungen.

Rasch folgten in den letzten Jahren die Weltausstellungen, und ich theilte mit vielen meiner Freunde und Fachgenossen die Ansicht, daſs die Weltausstellung 1878 nicht sehr viel Neues bringen kann. Zu meiner freudigen Ueberraschung belehrte mich jedoch schon die zur allgemeinen Orientirung unternommene Wanderung der ersten Tage, daſs ich mich gewaltig geirrt und daſs die Ausstellung wohl für jedes Fach, namentlich aber für den Technologen, genug des Neuen darbietet, welches den Besuch zu einem lohnenden, sehr belehrenden macht.

Bevor ich mein technologisches Referat beginne, seien mir einige allgemeine Bemerkungen gestattet. Es scheint zunächst erforderlich, den von manchen Seiten erhobenen Vorwurf, daſs diese Weltausstellung zumeist ein Weltmarkt sei, insofern zurückzuweisen, als damit kein Tadel gemeint sein sollte. Die Pflege der materiellen Interessen gestattet die Förderung der ideelen, und wenn der Fabrikant und Kaufmann am Ausstellungsplatze unmittelbaren Vortheil zieht, so ist dies ebenso erfreulich, als wenn der Künstler zugleich den Mäcen für seine Schöpfungen findet. Alle diese materiellen Transactionen finden ohne die leiseste Störung der Besucher statt, welche sich der Besichtigung und dem Studium ungestört hingeben können. Die Weltausstellungen bringen die Völker einander näher, und wenn auch nur das Reich, welches in seinen Grenzen die Ausstellung birgt, ein umfassendes Bild seiner Production zu bieten vermag, so können und sollen die anderen Staaten doch in so weit theilnehmen, als sie mit ihrer Production am Welthandel Antheil zu nehmen vermögen; ja sie können, wie es thatsächlich geschieht, auch Productionseigenthümlichkeiten zur Schau stellen, mehr aus Patriotismus zwar, als mit Aussicht auf materiellen Erfolg. Die Weltausstellungen lassen auch besser, concentrirter den Fortschritt erkennen als andere Mittel, und sie haben daher auch in dieser Richtung ihre volle Berechtigung.

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Die Absicht, welche den Referenten bei diesen Mittheilungen leitet und die ihn veranlaſst, selbe möglichst rasch der Redaction zur Verfügung zu stellen, ist eine doppelte. Es soll das Wesentlichste auf dem ganzen Gebiete der mechanischen Technologie, das dem Referenten als neu erscheint, d.h. welches er sich nicht erinnert, aus früheren Ausstellungen oder aus technischen Zeitschriften bereits zu kennen, im Principe besprochen werden; ferner soll dies so geschehen, daſs der Besucher der Ausstellung hierin zugleich einen Führer besitzt, welchem er nur zu folgen braucht, um die betreffenden Objecte selbst leicht aufzufinden. Die zweite Absicht läſst nur die Behandlung nach Reichen zu, weil eine systematische Darstellung weder in so kurzer Zeit möglich wäre, noch dem Besucher das Auffinden der Objecte so leicht machen würde.

Abgesehen von den später zu behandelnden Annexen nimmt das Ausstellungsgebäude den Raum eines kolossalen Rechteckes von etwa 700m Länge und 300m Breite ein, in welchem an den beiden Längsseiten die Maschinen aufgestellt sind. Die eine Längsseite „Galerie des Machines“ von der Porte Tourville bis gegen die Porte de la Seine, ist ausschlieſslich den französischen Fabrikaten gewidmet, für welche übrigens parallel mit dieser Gallerie, aber auſserhalb des eigentlichen Ausstellungsgebäudes, Annexe von fast gleicher Länge sich hinziehen. Die Maschinen aller anderen Staaten sind an der gegenüber liegenden Rechtecksseite und hierzu parallelen Annexen (zwischen Porte Dupleix und Porte de Grenelle aufgestellt.

Betreten wir die ersterwähnte Gallerie, so gelangen wir an der den Eckpavillon einnehmenden groſsartigen Ausstellung von Kupfer- und Messingwaaren (Röhren u.a.) von Laveissier und Sohn vorüber in die Maschinengallerie, deren erster Theil den typographischen Maschinen und Nebenerfordernissen gewidmet ist.

Als der Construction nach neu treten uns hier zwei Systeme von Buntdruck-Schnellpressen für je 6 Farben entgegen. Die erste dieser Maschinen, von Vauthier (Paris, boulevard de Strasbourg 53), arbeitet mit sechs horizontal neben einander liegenden Typencylindern, deren natürlich jeder sein eigenes Farbzeug hat. Jeder Typencylinder arbeitet mit einem Druckcylinder zusammen, und ist die Führung des Papieres so eingerichtet, daſs dasselbe sowohl in Bogen, als in Rollenform der Maschine zugeführt werden kann. Ein auſserordentlich hoher Grad des Passens der Farben ist wohl nicht zu erzielen, aber für den häufig namentlich in Paris vorkommenden ordinären Buntdruck eignet sich die Maschine, welche eine hohe Leistungsfähigkeit besitzt (angeblich 10000 Drucke in der Stunde), vorzüglich.

Die 6farbige Buntdruck-Schnellpresse von D. Hutinet (Paris, rue Greneta 43) gehört in die Gruppe der Tiegelschnellpressen, und man |3| könnte sie Revolverpresse nennen; denn die sehr kleinen ebenen Formen (Satz) sind derart mit einer horizontalen Welle verbunden, daſs sie in sechs Perioden eine Tour um die Wellenachse ausführen. Auf derselben Welle befinden sich auch die 6 Farbzeuge, und zwar besitzt jedes derselben den bei den Tiegelpressen üblichen Verreibungsteller; diese Farbzeuge machen die ruckweise Drehbewegung mit. Bei jeder Sechsteldrehung gelangt eine mit Farbe versehene Form über den Tiegel, und bei dessen Aufgang erfolgt der Druck. Der Tiegel senkt sich hierauf, gestattet die nächste Sechsteldrehung, es gelangt die mit einer andern Farbe bekleidete nächste Form zum Druck u.s.f., bis die 6 Farben ausgedruckt sind. Nun schiebt ein Zuführungsapparat die unterste Karte eines Stoſses dem Tiegel zu und hierdurch das bedruckte Blatt ab. (Leistung nach Beobachtung 100 Drucke sechsfarbig stündlich, nach Angabe bis 250 möglich.) Diese Maschine eignet sich gleichfalls für ordinären und für mittleren Buntdruck in der Gröſse von Octavblättern, und zwar bei der ausgestellten Zuführung für Cartons.

Daſs die Schnellpressen der diesbezüglich bekannten groſsen Firmen hier gleichfalls zahlreich vertreten sind, bedarf wohl keiner Erwähnung.

Numerirapparate und Maschinen sind gleichfalls mehrfach ausgestellt und zeichnen sich für den Handgebrauch die Apparatchen von Aug. Trouillet (Paris, boulevard Sébastopol 112) und besonders die Numerirmaschinen von L. Bodel und Comp. (Paris, rue St. Maur 140) aus, welche das Numeriren mit Hochdruck mit und ohne Farbe, sowie Farbgebung auf der Höhe und in der Tiefe der eingedruckten Ziffern (also auf beiden Papierseiten) gestatten. Auch ist eine Drückervorrichtung vorhanden, welche das Verstellen jeder Ziffernscheibe für sich ermöglicht, was besonders bei Cheks erwünschlich sein soll. (Diese Objecte stehen im Anfange dieser Abtheilung an der rechten Wand.)

Für den Fachmann bieten noch einiges Interesse die kleinen autographischen Pressen von Briet, die Setzmaschine von Journaux, vorzügliche Galvanos und der galvanoplastische Apparat von A. Stöſser (Paris, St. Germain 110), die Zeichnung eines Gasofens für Letterngieſsmaschinen von Renault und Robcis und von Anderen (linke Wand).

Die zweite Gruppe umfaſst Maschinen der Textilindustrie.

Als bemerkenswerthestes Object erscheint die von Vimont in Calvados ausgestellte Streichgarn-Spinnmaschine und das Versuchsmodell einer Baumwoll-Spinnmaschine für weiche Garne, beide auf dem Principe der Continue (Ringbank) beruhend. Vimont hat auch bei seiner neuesten Streichgarn-Spinnmaschine ein Röhrchen vor die Abziehwalze gelegt, die Einziehwalzen aber ersetzt durch eine kleine Nadelwalze. Doch liegt das Wesen der neuen Anordnung einerseits in einer solchen Construction des Röhrchens und Anordnung desselben, daſs hierdurch |4| ein möglichst gleichförmiger Verzug bedingt ist, andererseits in einer solchen Construction der am Ringe herumlaufenden Fadenführung aus Draht, daſs hierdurch die Anwendung von Papierröhrchen ermöglicht ist, die früher angewendeten ziemlich dicken Holzrohre daher entfallen können. Im Interesse des Ausstellers, welcher im Begriffe ist, ein deutsches Patent zu erwerben, muſs die Veröffentlichung der Einzelheiten verschoben werden.

Die Vimont'sche Feinspinnmaschine für schwachgedrehtes Baumwollgarn wird unserer Ansicht nach in ihrer weiteren Vervollkommnung in nicht ferner Zeit den Selfactor verdrängen. Gegenwärtig hat Vimont eigentlich nur eine wenige Spindeln enthaltende Probeconstruction ausgestellt. Die wesentlichsten Theile sind das gewöhnliche, bei Baumwoll-Spinnmaschinen vorkommende Streckwerk, welches wie die Spindeln constante Bewegung erhält, und die Ringbank, welche für jede Tour sich langsam aufwärts und rasch abwärts bewegt und hierbei einen Kötzer bildet von ganz ähnlicher Beschaffenheit, wie solche an den Selfactors erhalten werden. Die Häkchen und deren Drahtverbindung sind jener der vorerwähnten Maschine gleich. Natürlich bleibt bei Bildung des Ansatzes die Ringbank mit ihren Hüben fast im selben Niveau, während später ein rascheres Steigen des Hubniveau eintritt. Auf den Spindeln sitzt das Papierröhrchen, wie beim Selfactor, und die überaus leichte Beweglichkeit des Drahtes (Oese, Fliege, Läufer, traveller) verlangt keine groſse Fadenspannung, gestattet daher wie beim Selfactor, schwach gedrehte Garne herzustellen.

Auf dem Principe des Zusammenwirkens von Spindel und Spule beruht die für die Seilerei dienliche Spinnmaschine von F. Maigron (Paris, rue du Chemin-Vert 79). Das kardirte Hanfband tritt aus einer vorgesetzten Kanne von unten in die hohle Spindel S (Fig. 1) und, indem es den Weg 1 bis 5 zurücklegt, gelangt es zur Spule, welche durch den Zug des dicken Fadens (Seillitze) mitgenommen wird. Die Spindel S erhält ihre Drehung von dem Rade r aus. Mit der Spindel fest sind die beiden Scheiben f1, f2, welche durch zwei Verbindungsstangen n und die links- und rechtsgängige Bewegungsschraube m mit einander verbunden sind und den Flügel ersetzen. Die Spindel ist unten in dem Lager l1, oben durch die punktirt gezeichnete Stange i gehalten. Die Spule ist mit der von oben durch l2 eingeführten Stange i fest verbunden und, indem sie sich dreht, dreht sie i mit, und da diese Stange in die Bremsscheibe b endet, so wird auch diese gezwungen, die Rotation mitzumachen. Man kann nun eine Feder, welche den Bremsbacken c an b preſst, nach Bedarf zur Wirkung bringen, somit den Widerstand der Spule gegen das Mitdrehen so sehr erhöhen, als es der wünschenswerthe Grad der Preſsion verlangt. Die regelmäſsige Bewicklung der Spule erfolgt durch die Bewegung der Mutter o längs |5| der Schraube m. Um die Schraube zu bethätigen, ist centrisch zu i an l2 ein Rohr p angebracht, welches auſsen mit Schraubengewinden versehen ist. Auf der Scheibe f2 befinden sich die Lager der Welle q, welche ein Schraubenrad und das Kegelrad t trägt. Bei jeder Tour wird das Schraubenrad (in der Figur hinter p liegend) um einen Zahn gedreht und hierdurch bei entsprechend gewählten Verhältnissen die Bewegung durch t, u auf m übertragen. Noch wäre zu bemerken, daſs Maigron es für nöthig fand, mit b und i die Bronzescheibe d und mit S die Scheibe e zu verbinden und diese Scheiben auf kleinen Stahlkugeln laufen zu lassen, welche sich in concentrischen Rinnen von d1 bezieh. e1 bewegen. Der Zweck der Trichter und der Rollen r1, r2 ist wohl aus der Figur ersichtlich. Die Maschine arbeitet sehr rasch, soll nach Angabe 100k Garn in der Stunde liefern und ist mit 4 Spindeln doppelseitig ausgeführt. – Lieſse sich auch diese Leistung constructiv einfacher erreichen, so muſs die Maigron'sche Construction doch als zweckentsprechend bezeichnet werden.

Fig. 1., Bd. 229, S. 5
Da die Flachsvorbereitungsmaschinen im Annexe stehen, so kommen wir hierauf später zu sprechen; die sehr reichhaltige Exposition von Kämmmaschinen u. dgl. erfordert ein längeres Studium und sei deren Besprechung gleichfalls aufgeschoben.

Von den Baumwoll-Spinnereimaschinen verdient die in dieser Abtheilung stehende Karde Plantrou's Erwähnung, welche von der gebräuchlichen Construction völlig abweicht, indem die groſse Trommel durch drei Nadelcylinder und zwei kleine Kardencylinder ersetzt ist, durch deren Zusammenarbeiten eine erhöhte Production erzielt werden soll. Die nähere Einrichtung der Plantrou'schen Karte ist in D. p. J. * 1876 220 140 mitgetheilt; es genüge daher hier, auf dieselbe hinzuweisen.

Als sehr nachahmungswerthe Neuerung mag erwähnt sein, daſs einige hervorragende Werke über Textilindustrie, so die bekannten Schriften von Alcan, ferner Jules Persoz: Essai sur le conditionnement, le tirage et le décreusage de la soie (Paris 1878) und L. Bertin: Les tissus in der Maschinengallerie (linke Wand) ihre Ausstellung fanden; behandeln sie ja doch groſsentheils verwandte Maschinen. Das fortgesetzt lieferungsweise erscheinende Werk L. Bertin's ist ein Bericht über die Moden in Beinkleider- und Paletots-Stoffen |6| mit Stoffproben, Bindungszeichnungen und der vollständigen Anweisung für das Schweifen und die Stuhlvorrichtung. Es erscheint deutsch, französisch und englisch in Elbeuf (rue du Neubourg 48) in vorzüglicher Ausstattung zu dem allerdings sehr hohen Preise von 300 Franken halbjährig.

Unter den ausgestellten Jacquardstühlen erregt der Stuhl von P. Delporte in Roubaix (Construction von F. Broux) besonderes Interesse, indem jeder Heber aus 4 Schnüren besteht, welche je zu einer Platine von vier oben am Stuhle angebrachten Jacquardmaschinen gleicher Platinenzahl gehen. Am Stuhle befinden sich der obigen Zahl der Jacquardmaschinen entsprechend auch vier Tritte, und kann man nach Erfordeniſs des Musters sowohl jede der vier Jacquardmechanismen einzeln, als je zwei gleichzeitig bethätigen. Natürlich wird in letzterem Falle die Anfertigung der Karten schwieriger; ebenso erfordert das Weben mehr Aufmerksamkeit. Der Gewinn besteht jedoch in einer bedeutenden Ersparniſs an Karten.

Die Anwendung endlosen Papieres statt der Karten datirt zwar in den Anfang der Sechziger Jahre zurück (das erste französische Patent wurde sogar schon im J. 1819 erhoben); doch verdienen die hierzu verwendeten Jacquardmaschinen nach Jul. Verdol in Paris (boulevard Méuilmontant 120), welche in mehreren Exemplaren auf der Ausstellung vertreten sind, der Erwähnung. Der Jacquardmechanismus ist ganz in Metall construirt, um in verhältniſsmäſsig kleinem Raume einer gröſseren Platinenzahl Raum zu bieten. Statt der Kartenkette läuft ein endloses, mit entsprechenden Löchern, wie es das Muster erfordert, versehenes präparirtes Papier über eine mit Löchern versehene horizontale Bronzeplatte. Diese Bronzeplatte gestattet einem System von feinen verticalen Messingnadeln den Eintritt, wenn die Löcher der Platte nicht durch das Papier gedeckt sind. Natürlich correspondirt daher die Theilung der Löcher in der Bronzeplatte mit der Theilung der Lochungen des Papieres ganz ebenso, wie diese Beziehung zwischen der Theilung (Abstand) der Löcher am gewöhnlichen Cylinder und an den Karten stattfindet. Die erwähnten verticalen Messingnadeln sind sehr leicht beweglich, und ihr Zweck ist nur, die horizontal liegenden Nadeln (budoir), welche auf die Platinen einwirken, an ihrem Ende gehoben zu halten, wenn bei dem Spiele der Maschine die betreffenden Messingnadeln auf das Papier aufstoſsen. Statt des gewöhnlichen Cylinders ist ein oscillirender Rost vorhanden, dessen Roststäbe beim Spiel der Maschinen gegen die horizontalen Nadeln stoſsen und durch diese die Platinen zurückdrücken. Jene Nadeln jedoch, deren Enden durch die Messingnadeln gehoben sind, treten beim Anschlagen des Rostes durch die Rostspalten und deren Platinen werden nicht zurückgedrückt. – Der Mechanismus dieser Jacquardmaschine ist allerdings viel complicirter und theurer als jener der gewöhnlich gebrauchten; aber für Gewebe von sehr umfangreichen, |7| complicirten Mustern stellen sich die Kosten des gelochten Papieres billiger wie jene der Karten, angeblich im Verhältniſs von 80 zu 100.

Hier wäre auch der Stuhl mit Contremarsch und eigentümlicher Trittmaschine von Aug. Gadel in Bohain zu erwähnen. An dem ausgestellten kleinen Stuhl (linke Wand) ist auf der einen Seite die mit dem Stuhle vereinigte Trittmaschine vorhanden, auf der zweiten Seite eine noch einfachere Trittmaschine desselben Grundprincipes ausgestellt. Die Karten sind in bekannter Weise durch mit Stiften armirte Leisten ersetzt. Eigenthümlich jedoch erscheint uns bei der ersterwähnten Trittmaschine jene Anordnung, welche durch das blose Ziehen an einer Schnur gestattet, abwechselnd eine der zwei an der Maschine angebrachten Leistenketten zur Wirkung zu bringen. Hierdurch ist es möglich gemacht, zwei Muster in Querstreifen von beliebiger Breite abwechseln zu lassen und dies mit weniger Zeitaufwand bezieh. bei geringster Leistenzahl.

Fig. 2., Bd. 229, S. 7
Sehr in die Augen fallend (gleich beim Beginne der Abtheilung für Textilindustrie) sind vier kleine prächtige Maschinchen von Ludw. Razes (Nachfolger) in Paris aufgestellt, welche Schnüre zu Uhrkettchen liefern. Die Arbeit ist eigentlich ein Häckeln (Tambouriren), durch welches sehr schöne Rundschnüre aus schwarzer Seide erhalten werden. Die Bildung des Gestrickes erfolgt dadurch, daſs über die drei Zinken (Haken), welche am Ende einer horizontalen, in drei Absätzen rotirenden hohlen Welle sich befinden, der Fadenführer den Faden herumschlingt, daſs ferner eine Hakennadel die zuletzt aufgelegte Schlinge faſst und durch die Schlinge vom vorhergegangenen Spiele hindurchzieht, und daſs endlich eine zweite Hakennadel die frühere Schlinge abwirft. Fig. 2 zeigt (in etwa 5facher Gröſse) in a eine der drei Zinken der horizontalen Welle, in b die Hakennadel, welche die Schlinge des vorletzten Ganges zuerst hebt und hierauf über die Spitze von a abwirft, endlich in c jene Hakennadel, welche das Durchziehen der Schlinge des letzten Ganges bewirkt, während d den Fadenführer darstellt. Wir haben also vier zusammenwirkende Werkzeuge: die Zinke a, die beiden Hakennadeln b, c und den Fadenführer d. Der scheinbar sehr verwickelte Apparat löst sich in vier Theilmechanismen auf, welche kurz besprochen werden sollen.

Die Zinkenwelle dreht sich ruckweise um 120°, und wird diese Bewegung durch Sternräder erzielt. Bei jeder Dritteldrehung hat eine der Zinken a die höchste Lage erreicht, und während der kurzen Zeit ihres Stillstandes erfolgt das Spiel der übrigen Theile.

Die Hakennadel b bewegt sich zuerst nach abwärts, bis der Haken in die Zinkenfurche kommt, dann nach links, faſst die Schlinge, hierauf erfolgt die |8| Hebung, endlich die weitere Bewegung nach links, Sinken und Abwerfen der Schlinge, hierauf der Rückgang. Diese etwas complicirte Bewegung ist in ähnlicher Weise gelöst, wie jene des Transporteur bei den Greifer-Nähmaschinen, nämlich durch zwei sogen. Excenter.

Die Hakennadel c bewegt sich zunächst vorwärts und gleichzeitig abwärts, faſst die Schlinge 2, geht hierauf zurück, dann hoch mit kurzem Vorgang. Diese Bewegung ist durch zwei weitere Excenter ähnlich wie vorher erzielt.

Der Fadenführer d ist am Ende eines oscillirenden, durch eine kleine Kurbel angetriebenen Hebels angebracht, und da der Drehpunkt eine geringe Verschiebung gestattet, so beschreibt d eine geschlossene Curve um die Zinke a und schlingt hierbei den Faden um.

Diese Maschinchen sind exact gebaut, arbeiten mit der Geschwindigkeit einer Nähmaschine und kosten 580 Fr.

Fig. 3., Bd. 229, S. 8

Ein Webstuhl für Säcke ohne Naht mit einer Vereinfachung bezieh. Verbesserung der Bodenbildung ist von J. B. Beau (Paris, rue St. Maur 96) ausgestellt. Die Säcke liegen am Webstuhl wie gewöhnlich in der Längenrichtung, und deutet Fig. 3 einen Längsschnitt durch das Gewebe an. Beide Gewebe a und b sind beiderseits durch den Uebertritt des Schuſses in der bekannten Art verbunden. Hat nun der Schlauch die doppelte Sacklänge erreicht, so wird (durch Treten anderer Tritte) innerhalb eines kurzen Stückes die Lage umgekehrt, d.h. diejenige Kette, welche früher das Gewebe a oben bildete, liefert jetzt ein unten liegendes kurzes Stück Gewebe a' und jener Kettentheil, welcher früher das unten liegende Gewebe b erzeugte, gibt nun ein oben liegendes Gewebe b'. Hierauf werden wieder die Tritte getreten, welche a oben und b unten bilden. Will man nun die Säcke einzeln herstellen, so schneidet man in der Mitte zwischen den Kreuzungsstellen bei 1 und 2 sowohl die doppelt langen Säcke, als die kurzen Zwischenstücke a'b' quer durch und kehrt den Sack um. Hierbei hat man nur noch die Schnittkanten an der Sacköffnung zu säumen.

Eine Webevorrichtung für Schuhe (Hausschuhe) von Peter Delpeuch (Paris, rue Planchat 3) reiht sich hier naturgemäſs an, indem das Gewebe wenigstens für den Vorderfuſs einen verjüngten Schlauch bildet. Die Anwendungsfähigkeit dieser Vorrichtung ist wohl eine beschränkte, indem mit derselben das Gewebe nur aus schmalen Bändchen (Bördeln) gebildet werden kann und dies ziemlich viel und geübte Handarbeit erfordert; aber diese einfache Maschine weist bei dem Bilden des Schuhobertheiles eine neue Anordnung auf, die Leinwandbindung hervorzubringen, welche besonders erwähnt zu werden verdient. Denkt man sich einerseits über ein System von neben einander liegenden Haken h, wie Fig. 4 einen solchen darstellt, andererseits über die Zinken z eines Kammes die |9| Bändchen, welche hier die Kette bilden, geschlungen und hierauf das Bändchen b eingeschossen, so ist ein Schuſs der Leinwandbindung erhalten. Werden hierauf sämmtliche Haken h um 180° gedreht, so kommen alle durch o bezeichneten Bändertheile hinab, die mit u bezeichneten hinauf, und schieſst man nun wieder ein, so erhält man die zweite Schuſslage der Leinwandbindung. Die Schuhe, welche diese Maschine (Preis 120 Fr.) liefert, könnten zwar so, wie sie von der Maschine kommen, getragen werden; man zieht es jedoch vor, dieselben durch eine Ledersohle und Einfassung dauerhafter zu machen.

Fig. 4., Bd. 229, S. 9

Eine Egrenirmaschine sehr netter Construction und sehr guter Wirkung ist von Chaufourier (Paris, rue de Varennes 9) ausgestellt, welcher auch 1867 in Paris und 1872 in London (vgl. * 1872 205 394) vertreten war. Am Ende der schiefen Ebene des Zuführtrichters bewegt sich ein oscillirender Doppelkamm, d.h. eine Eisenplatte in Form eines Cylindersegmentes, welche einen breiten Schlitz hat, dessen oberer und unterer Rand aus ziemlich breiten Zähnen gebildet erscheint. Hart an diese oscillirende Kammplatte schlieſst sich ein Paar kleiner Stahlwalzen, etwa 17 bis 20mm im Durchmesser, mit seichten, schraubenähnlichen Furchen zum Zwecke besseren Fassens der Baumwolle versehen. Diese kleinen Walzen führen die Baumwolle einem gröſseren Walzenpaare zu. Indem nun die kleinen Walzen die Wolle fassen und einziehen, der Kamm aber rasch auf und nieder schwingt, so schlägt derselbe die Wollkerne aus, was mit einer solchen Schonung der Wolle geschieht, daſs an den Kernen fast gar keine Fäserchen hängen bleiben. Als Leistung der kleinen Maschinen von etwa 30cm Walzenbreite wird 150k für den Tag angegeben.

Fig. 5., Bd. 229, S. 9
Bei der Doppelkarde von Mercier in Louviers ist ein noch nicht allgemein bekannter Mechanismus für die Hackerbewegung zu erwähnen, welcher durch beistehende Skizze Fig. 5 versinnlicht wird. Das Eigentümliche liegt aber zumeist nur darin, daſs die Theile e, s und o, deren Function aus der Skizze ersichtlich ist, in einem Oelbehälter sich bewegen, welcher so vorzüglich abgeschlossen |10| ist, daſs eine Verunreinigung der übrigen Kardentheile und daher des Vlieſses nicht eintritt, während doch diese rasch bewegten Theile durch die reichliche Schmierung vor der Abnutzung bewahrt sind. Man kann daher durch Aufgieſsen von Oel die bewegten Theile sehr reichlich schmieren, ohne daſs ein Umherspritzen des Oeles eintreten könnte.

Maschinen für Kammgarnspinnerei sind von Pierrard-Parpaite und Sohn in Reims, von Meunier resp. A. Grün in Lure und von Mercier in Louviers ausgestellt. Die beiden erstgenannten Firmen haben das Heilmann'sche System beibehalten und verbessert; die Parpaite'sche Maschine geht sehr exact, die anderen Maschinen sind zur Zeit (Mitte Juni) noch nicht in Arbeit gesetzt. Zu erwähnen wäre hier etwa noch, daſs Pierrard-Parpaite den Wagen des Selfactor ganz in Eisen construirt hat (wie dies ja auch von Rieter auf der Wiener Weltausstellung 1873 bei einem Baumwollselfactor zum Theil wenigstens ausgeführt war), wodurch die durch das Schwinden und Werfen der Holzconstructionstheile bedingte Formveränderung in eine unschädliche Dilatation umgewandelt wird.

Die Baumwoll-Kämmmaschine von Jos. Imbs in Paris (vgl. * 1875 217 449) erscheint dem Referenten in ihrer Construction neu und ihre Function ist vorzüglich. Die arbeitenden Theile sind:

1) Eine Zuführungszange, über die ganze Breite der Maschine, etwa lm, reichend. Dieselbe macht im horizontalen Sinne eine hin- und hergehende Bewegung, wobei sie durch rechtzeitiges Oeffnen und Schlieſsen eine Partie des zugeführten Vlieſses faſst und dessen vorstehende Enden dem vertical auf- und absteigenden Kamme nähert.

2) Der aus drei kurzen Nadelreihen bestehende Kamm. Derselbe tritt von unten in die aus der ersten Zange vorstehenden Fasern und bleibt in dieser Lage so lange ruhig stehen, bis die zweite Zange den Faserbüschel erfaſst und durchgezogen hat. Hierauf senkt sich der Kamin ziemlich weit hinab, um auf diesem Wege durch Bürstenwalzen vom Kämmling (den kurzen Fasern) befreit zu werden.

3) Die zweite Zange, welche, wie bereits angedeutet, die Faserenden faſst und so einen Faserbüschel von der Breite der Maschine aus dem Kamme zieht, macht ebenfalls im horizontalen Sinne eine hin- und hergehende Bewegung und öffnet und schlieſst sich rechtzeitig. Hat dieselbe den Faserbüschel ausgezogen, so nähert sich diese Zange einer rotirenden Welle, welche auf etwa1/7 des Umfanges mit Borsten (einem Bürstenstabe) armirt ist.

4) Diese Bürstenwelle streift mit dem mit Borsten versehenen Theile langsam an der geöffneten Zange vorbei und nimmt die Fasern auf die Bürste auf. Bei der weiteren Drehung übergibt die Bürste die auf ihr liegenden Fasern an eine Kratzwalze.

5) Die Kratzwelle, welche sich langsam dreht und von welcher |11| ein Kamm ein dickes Vlieſs abkämmt, dem man noch sehr deutlich seine Entstehung aus in Querstreifen erhaltenen Faserbüscheln ansieht.

6) Dieses Vlieſs gelangt aber zu einem Streckwerk, welches die Ungleichförmigkeiten beseitigt und ein sehr schönes Band liefert.

Die Leistung wird zu 35k im Tag angegeben.

Fig. 6., Bd. 229, S. 11
Die Flachshechel- und Anlegemaschine von Masurel jun. hat die Aufgabe, den bereits ziemlich rein gehechelten Flachs auszuhecheln und auf der (einen Theil der Maschine bildenden) Anlegemaschine in ein möglichst gleichförmiges Band zu verwandeln. Zu diesem Zwecke wirkt ein Zangenapparat (Fig. 6), welcher aus zwei endlosen Gliederketten besteht, in der Weise, daſs bei a die abgewogenen, bereits gehechelten Flachsbüschel in der Mitte erfaſst und bei b ausgelassen werden. Zwischen den beiden Punkten, welche eine Entfernung von etwa 2m haben, findet das Hecheln und zwar anfänglich nur an den Spitzen und allmälig weiter bis zu der Zange statt. Die endlosen Hecheltücher sind zur Richtung ab schief gestellt, wodurch das allmälige tiefere Eingreifen erzielt wird. Die Lage der wirksamen Hechelstäbe ist nahezu horizontal, und ist das erste Hecheltuch einfach, das zweite und dritte beiderseits doppelt, d.h. es sind je zwei Hecheltücher (an 2. und 3. Stelle sowohl rechts als links von ab) angebracht und greifen die Nadeln des einen von unten, die des andern von oben in die Enden der Flachsbüschel ein. Die beiderseits so nachgehechelten Flachsbüschel verlassen bei b die Zangen und werden durch einen sehr sinnreich construirten Abstreifapparat ihrer ganzen Länge nach abwechselnd auf eines der beiden Einziehbänder der Anlegemaschine geschoben, in welcher sie in bekannter Weise bearbeitet werden.

Schnurmaschine oder Maschine zur Erzeugung des Spagats (cableuse) von P. Motiron in Lille. (Construction von S. Walker und Comp.) Die umstehende Skizze Fig. 7 zeigt uns bei l die mit der Spindel S verbundene Laterne, in welcher drei Spulenrahmen r gelagert sind (in unserer Figur ist nur einer gezeichnet). Von jeder der drei Spulen s geht ein Faden (Litze) aus und vereinigen sich diese drei Litzen oben zur Schnur. Durch Drehung des Spulenrahmens r dreht sich die Litze, die Drehung der Laterne l dreht die Schnur, beide Drehungen sind entgegengesetzt, wie gewöhnlich. Neu hinzugegeben aber ist ein Mechanismus, welcher bewirkt, daſs die von jeder Spule s kommende Litze über einen Cylinder d läuft, dessen Construction Aehnlichkeit mit den Fadenspannern an Nähmaschinen besitzt und dessen Zweck darin besteht, auf eine bestimmte Tourenzahl der Spindel S eine |12| genau bestimmte und zwar gleiche Länge jeder Litze kommen zu lassen. Zu diesem Zwecke erhält der Lieferungscylinder d eine genau bestimmte Tourenzahl, zieht also von der Spule eine ganz bestimmte Litzenlänge ab, gleichviel ob die Spule einen geringeren oder einen gröſseren Durchmesser besitzt. Wir haben also bei dieser Schnurmaschine drei Bewegungen: 1) Die vom obersten, an der verticalen Hauptwelle w sitzenden Rade a1 auf a2, l und S; 2) die von b1 auf b2, b 3 und b4 übertragene Rotation, welche, wie aus der Figur ersichtlich ist, die Rahmen r im entgegengesetzten Sinne von jenem antreibt, in welchem sich die Laterne l bewegt; 3) die Drehung der Lieferungscylinder d, welche von c1 auf c2, c3, c4 und durch das Röhrchen n auf das Kegelrad c5 und endlich c6 an der Achse von d übertragen wird. Diese ganze Construction gestattet die genaueste Herstellung der Schnüre, welche man sich nur wünschen kann. Durch Veränderung des Umsetzungsverhältnisses c3, c4 läſst sich der Grad der Drehung ändern; doch scheint es, daſs der Constructeur die Verhältniſse im Ganzen so gewählt hat, daſs stark gedrehte Schnüre erhalten werden. Die ausgestellte Maschine erzeugt zwei Schnüre gleichzeitig: doch lieſsen sich ohne Schwierigkeit auch mehrere Spindeln anbringen.

Fig. 7., Bd. 229, S. 12

Seillitzen-Spinnmaschine. Auch Heraud hat eine Spinnmaschine für die Litzen der Schnüre ausgestellt, im Wesentlichen von bekannter Einrichtung. Das Hanfband tritt bei a (Fig. 8) in die Spindel s, welche durch Frictionsscheiben den Antrieb empfängt. Der Faden erhält zwischen a und c die Drehung, wird um den Cylinder c herumgeschlungen und gelangt über Führungsröllchen am Flügel zur Spule S. Die Räder r1 fest an s, r2 und r3, fest am Transportstifte, also sich gemeinschaftlich drehend, und r4 fest an jenem Rohre, auf welchem |13| das Kegelrad k1 sitzt, haben die Aufgabe, den Cylinder c langsam zu drehen, also die Zuführung genau zu fixiren. Von der Schraube b wird durch einen in der Figur weggelassenen Apparat der Schlitten d langsam hin und her bewegt, welcher bei e mit der Spule auf Drehung verbunden diese mitnimmt und so ein regelmäſsiges Aufwinden bewirkt. Zum Zwecke der Ertheilung der erforderlichen Preſsion wirkt auf die Spule eine Bremsfeder, welche nach Bedarf angezogen werden kann.

Fig. 8., Bd. 229, S. 13
Zu den interessantesten Appreturmaschinen der Ausstellung gehört die Veloutirmaschine von Franz Delamare-Deboutteville in Rouen. (Construction von Nos d'Argence und Chendelier.) Diese Maschine rauht Baumwoll- und Schafwollstoffe in Längs streifen, und sind namentlich gedruckte Baumwollstoffe (Englisch-Leder) bei der Maschine ausgestellt, welche die Arbeit als eine solche darthun, welche schönen Effect erzielt. Die Waare s (Fig. 9) läuft vom Zeugbaum über eine Führungswalze und hierauf über eine Kratzwalze, welche zumeist die Aufgabe hat, den Stoff auszuspannen, denselben jedoch auch an der unteren Seite etwas rauht, und gelangt hierauf zwischen die eigentliche Veloutirwalze a und die mit Tuch überzogene Walze b. Zwischen diese beiden Walzen reichen die dünneren, federnden Stahllamellen des Kammes k und decken so jene Streifen des in der Richtung des Pfeiles sich bewegenden Stoffes s zu, welche nicht gerauht werden sollen. Der Kratzbeleg der Walze a ist aus feinen, etwa 13mm langen Messinghäkchen gebildet. Indem trocken gerauht wird, entsteht natürlich Staub aus den ausgezogenen Fäserchen, und um denselben vom Arbeitslocale abzuführen, ist der skizzirte Apparat oben von einem Holzmantel umgeben, welcher mit einem Saugventilator in Verbindung steht.1)

Fig. 9., Bd. 229, S. 13

Die Walkmaschine (Cylinderwalke) von H. Desplas in Elbeuf zeichnet sich durch mehrere Constructionseigenthümlichkeiten aus. Am |14| auffälligsten ist die Anwendung von Hartgummi (hornisirtem Kautschuk) als Ueberzug über die Cylinder und die sonstigen wirksamen Theile der Walke. Hierdurch soll nicht nur diesen Theilen eine sehr lange Dauer, sondern auch eine stets gleichbleibende, von Rauhigkeiten und Sprüngen freie Oberfläche gesichert sein. Eine andere Eigenthümlichkeit besteht in der Preſsion des oberen Walkcylinders gegen den unteren durch Federn oder Gewicht; diesbezüglich ist die Aus- und Einschaltung der einen oder anderen Preſsion constructiv sehr einfach durchgeführt. Um im Bedarfsfalle das Tuch nur in der Richtung der Breite einzuwalken, kann der Druck des Hemmungsbackens aufgehoben werden, so daſs in der Richtung des Durchganges kein Hinderniſs zu überwinden ist; ja dadurch, daſs das Tuch beim Einlaufe in diesem Falle durch die besondere Führung eine schwache Spannung erhält, wird das Einwalken in der Längenrichtung noch mehr gehindert.

Unmittelbar neben dieser Maschine steht eine Stampfwalke, mit sehr complicirter Führung der Stampfklötze, von A. Dusseaux in Louviers. Dieselbe ist namentlich für solche Schafwollwaaren bestimmt, welche auf Cylinderwalken nicht bearbeitet werden können, wie z.B. Hüte, Kappen etc., und für solche Stoffe, bei welchen die Haare thunlichst abstehen sollen, oder die überhaupt einer sanfteren Walke bedürfen.

Kleine, hübsch gebaute Hammerwalken, sowie Cylinderwalken sind ferner von J. Leclère und Damuceaux in Sedan ausgestellt:, bei letzteren sind Glascylinder bei der Tucheinführung angewendet.

Nahe der Maschinengallerie (im zweiten Längsgang) befindet sich die groſsartige Ausstellung der Kammgarngewebe und Veloure von Sedan (Ardennes), und haben mehrere Aussteller Decken, Mantelstoffe u. dgl. ausgestellt, bei welchen der Velour aus Federn besteht, die eingesponnen und durch Rauhen an die Oberfläche gebracht sind.2) Theils werden hierzu ausgezupfte Flaumfedern, theils aber auch die durch Maschinen von den Federspulen abgetrennten und (wahrscheinlich durch Kratzen) getheilten Fahnen der Federn verwendet. Hervorragend sind diesbezüglich die Ausstellungen von Bourguignon und E. Grosieux in Sedan.

(Fortsetzung folgt.)

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Nähere Beschreibung und Zeichnung dieser Maschine folgt in einem der nächsten Hefte.

Die Red.

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Vgl. G. Bardin's deutsches Reichspatent Nr. 551 vom 9. September 1877.

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