Titel: E. Schneider's neue Hängebögen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/ar229051

E. Schneider's neue Hängebögen.

Mit Abbildungen auf Tafel 16.

Der in der Grube zur Bestimmung des Tonnlagswinkels noch immer, wenn auch seltener benutzte Gradbogen leidet an zwei Uebelständen: seinem groſsen und in geneigter Lage unausgeglichenen Gewichte und an der durch den Senkel bedingten Unsicherheit im Ablesen, welche in von Wettern stark bestrichenen Strecken noch bedeutend vermehrt wird, wozu noch die mehr oder weniger unbequeme Beobachtung kommt. Um diesen Uebelständen abzuhelfen, hat Mechaniker E. Schneider in Währing bei Wien neue Hängebögen1) construirt, bei welchen vor Allem auf geringes Gewicht, auf eine solche Vertheilung des Materials, daſs die gespannte Schnur unter jedem Tonnlagswinkel gleichmäſsig belastet erscheint, und auf Beseitigung des Einflusses der Excentricität der Alhidate durch Anbringung von diametralen Nonien Rücksicht genommen wurde. Der eine dieser Bögen (Fig. 1 und 2 Taf. 16) unterscheidet sich im Wesentlichen wenig von dem alten Gradbogen; denn auch bei ihm kommt ein Senkel L zur Verwendung, der allerdings stärker ist als ein solcher, welcher an einem Haare hängt, der aber doch die Nachtheile des Haarsenkels, wenn auch in geringerem Grade, besitzt, wie der Erfinder selbst zugibt. Hingegen ist der zweite Hängebögen (Fig. 3 und 4 Taf. 16) geeignet, den alten Gradbogen ganz zu verdrängen.

In Fig. 3 ist AB eine dachförmig gebogene, 32cm lange Schiene aus Aluminiumblech von entsprechender Stärke; an beiden Endpunkten ist je ein Elfenbeinklötzchen k angebracht, damit die Schiene nur mit beiden Endpunkten auf der Schnur aufliege. In der Mitte der Schiene ist eine Achse aa' aufgeschraubt, um welche sich die Alhidate drehen und nach Anziehen der Klemmschraube z fein einstellen läſst; die Alhidate trägt zwei diametrale Nonien, deren Angabe 2 Minuten ist (der Kreis ist in halbe Grade getheilt), und eine mit Schräubchen zum Berichtigen versehene Libelle L.

Diese Einrichtung hat folgende Vorzüge vor dem Gradbogen: 1) ist der Bogen sehr leicht (er wiegt 85g); 2) ist der Ablesefehler geringer und überdies der Fehler wegen der Excentricität der Alhidate beseitigt; 3) ist man von dem Wetterzuge unabhängig; 4) kann man nach erfolgter Einstellung der Libelle den Bogen von der Schnur abheben und die Ablesung erst dann vornehmen; endlich 5) kann man jeden Winkel in beiden Lagen des Bogens von demselben Standpunkte aus bestimmen.

Dem von E. Schneider noch angegebenen Vorzuge der Zeitersparniſs |154| wird von Ziegelheim (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1878 S. 46. 59. 67) im Allgemeinen nicht zugestimmt; dieser gibt aber an, daſs die Nonienebenen bei dem von ihm untersuchten Instrumente nicht mit der Limbusebene zusammenfallen, ja daſs der untere Nonius etwa 1mm weit vom Limbus abstehe und Limbus und Noniusebene gegen einander geneigt seien, und weiters, daſs der Bogen sich nicht von selbst vertical hänge, was allerdings nur für gröſsere Tonnlagswinkel bedeutende Fehler nach sich zieht und in so lange als der Hauptmangel des Bogens angesehen werden müsse, als stärkere Verziehschnüre in Verwendung sind.

Dem entsprechend wurde empfohlen, das Gewicht zu vergröſsern und den Schwerpunkt, ohne daſs aber die gleichmäſsige Belastung der Schnur leidet, unter die Aufhängepunkte zu verlegen, was durch Verlängerung des Alhidatenarmes und Anbringung der Libelle unter dem Hängebogen geschehen kann. Schneider ist auch auf diese Anregung im Allgemeinen eingegangen; nur verwarf er die Anbringung der Libelle unter dem Bogen aus Besorgniſs einer Gefahr für dieselbe; er hat nun neuerlich einen dem in Fig. 3 abgebildeten ähnlichen Hängebogen hergestellt, bei welchem der Schwerpunkt, durch die Anfertigung der Libellenpfropfen und der Blende hinter dem unteren Nonius aus Blei, unter die Aufhängepunkte verlegt und durch stärker gebaute Alhidatenarme ein Verbiegen derselben sowie das damit verbundene Heraustreten der Nonien aus der Limbusebene verhindert ist, welcher Zweck überdies auch durch eine feinere Feder bei der Schraube M gefördert wird. Das Instrument wiegt in dieser Ausführung 127g, und zwar ist der die Libelle tragende Alhidatenarm um 36g schwerer als der die Klemme tragende, so daſs selbst bei 9mm dicken Schnüren der Bogen von selbst die verticale Stellung annimmt.

Der Preis eines solchen umgearbeiteten Hängebogens (35 fl. ö. W. oder etwa 60 M.) ist nicht zu hoch bemessen.

L.

|153|

Vgl. Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1877 S. 367. 1878 S. 87. Carl's Repertorium, 1878 S. 109.

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