Titel: Angely's Wasserhebewerk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/ar229103

Angely's hydraulischer Elevator für Brunnen, Eisenbahnstationen, Bergwerke u.s.w.

Mit Abbildungen auf Tafel 25.

Unter der Bezeichnung „hydraulischer Elevator“ hat Ingenieur A. Angely einen Apparat erfunden, welcher sich auf das Princip der Fortpflanzung des Druckes in Flüssigkeiten mit gleicher Stärke nach allen Richtungen gründet. Dieser Elevator besteht aus zwei Theilen: dem eintauchenden Apparat und dem am oberen Ende des Steigrohres angebrachten Compressionsapparat. Der erstere besteht aus zwei über einander angeordneten Cylindern A und B (Fig. 1 Taf. 25), in deren jedem ein Kolben mit Stulpliderung sich bewegt. Die gemeinschaftliche Stange beider Kolben a und b gleitet in einer Stopfbüchse, welche in der beide Cylinder trennenden Scheidewand angebracht ist. Der obere Cylinder A umschlieſst eine Spiralfeder r, welche sich gegen den Cylinderdeckel und den Kolben a legt. Ein Seitenrohr D verbindet das untere Ende des Cylinders A unmittelbar mit dem Steigrohr T, während der untere viel geräumigere Cylinder B durch das Seitenrohr D mit der Ventilkammer E in Verbindung gesetzt ist; letztere ist mit einem Seiher versehen und schlieſst sich hermetisch an das untere Steigrohrende.

Der Compressionsapparat besteht aus einem am oberen Ende des Steigrohres T angebrachten Pumpencylinder F, worin ein Lederkolben p mittels eines Stempels P auf und nieder bewegt werden kann. Die Ausfluſsöffnung o ist frei, wenn der Kolben p seinen höchsten Stand |315| erreicht hat. Der auf den letzteren ausgeübte Druck pflanzt sich mit unverminderter Stärke auf den Kolben a fort und hebt diesen nebst dem Kolben b in die Höhe, wobei die Feder r zusammengedrückt wird. Zugleich füllt sich der Raum x unter dem Kolben b mit Wasser. Sind die beiden Kolben a und b am Ende ihres Hubes angelangt und hört nun der auf sie wirkende Druck auf, so dehnt sich die Feder r aus und treibt vermöge ihrer Spannkraft die Kolben wieder hinab. Das in beiden Räumen x und x' enthaltene Wasser tritt daher in das Steigrohr T und drückt den Kolben p in die Höhe, wodurch die Mündung o wieder frei wird. Man sollte nun denken, daſs alsdann durch diese Mündung eine Wassermenge ausflieſsen muſs, welche dem durch den Kolben b herbeigesaugten Volum genau gleich ist. Diese Menge ist jedoch erfahrungsgemäſs gröſser, eine Erscheinung, die sich dadurch erklärt, daſs bei dem raschen Anhalten der niedersteigenden Kolben a und b die aufsteigende Wassersäule vermöge ihrer erlangten Bewegungsgröſse zu steigen fortfährt. Es muſs daher ein gewisser Ueberschuſs an Wasser durch das Saugventil ins Steigrohr treten. Um das Maximum des Nutzeffectes zu erzielen, muſs der Federdruck auf den kleinen Kolben a bei dessen tiefster Lage etwas gröſser sein, als die Summe der Pressungen auf beide Kolben a und b.

Nach Angely's Angabe ist der hydrauliche Elevator mit ökonomischem Vortheil bei allen Brunnen anwendbar, deren Tiefe 8m übersteigt, indem bei ihm die gewöhnlichen Organe der Druckpumpe, wie Gestänge, Führungen u.s.w., deren Unterhaltung ziemlich kostspielig ist, wegfallen. Ebenso befürwortet der Erfinder die Einführung des Elevators auf Eisenbahnstationen als ein ökonomisches Mittel zur Herbeischaffung des Wasserbedarfes zur Kesselspeisung. Besonders sind es aber die Bergwerke, welche Angely bei der Einführung seines Systemes im Auge hat. Zur Förderung des Grubenwassers dienen, wie bekannt, gewöhnlich jene mächtigen Pumpwerke, welche öfters in bedeutenden Tiefen angebracht, mittels Kunstgestängen, die an sich ein ansehnliches Gewicht repräsentiren, in Betrieb gesetzt werden. Die Vibrationen und Erschütterungen dieser hin- und hergehenden Massen veranlassen an Führungen und Holzwerk lästige Unterhaltungskosten und haben häufige Unfälle im Gefolge, Auſserdem ist die Uebertragung der Bewegung auf Pumpen bei krummen Strecken nicht leicht ausführbar. Durch Anwendung des hydraulischen Elevators bietet jedoch die Lösung dieser Aufgabe nach Angely nicht die geringste Schwierigkeit dar. Von der Hauptleitung zweigen sich, wie die Skizze Fig. 2 Taf. 25 zeigt, mit den nöthigen Hähnen versehene Seitenleitungen in die Nebenstollen ab. Ein einziger zu Tage angebrachter Compressionsapparat F setzt seine sämmtliche in den verschiedenen Tiefen an den Sammelstellen aufgestellten Pumpen in Betrieb, deren Federn je nach der betreffenden Förderhöhe regulirt werden. Für den vorliegenden Fall gibt Angely dem Elevator die in Fig. 3 dargestellte Einrichtung. Der Compressionscylinder liegt hier horizontal, und ein direct auf den Kolben a und b der Druckpumpe wirkendes Gewicht R vertritt die Stelle der Feder r in Fig. 1. (Nach Armengaud's Publication industrielle, 1878 Bd. 24 S. 439.)

A. P.

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