Titel: Beco, über die Zinkindustrie in Nordamerika.
Autor: Beco, J.
Fundstelle: 1878, Band 229 (S. 467–474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/ar229171

Die gegenwärtige Lage der Zinkindustrie in Nordamerika; von J. Beco.

Seitdem die Ausstellung zu Philadelphia 1876 die rasche Entwicklung der amerikanischen Industrie, zumal auf dem Gebiete der metallurgischen Gewerbe, Europa vor Augen geführt hat und die Möglichkeit einer Ueberflügelung auf gewissen Gebieten, durchgängig aber die Aequivalenz der amerikanischen Gewerbethätigkeit mit der europäischen anerkannt werden muſste, haben sich die Fachleute aller Länder mit dem eingehenderen Studium der verschiedenen Industriezweige Amerikas beschäftigt und die Bedingungen dieses schnellen Aufschwunges zu erforschen gesucht. Muſs nun auch zugestanden werden, daſs der dem Amerikaner eigenthümliche Unternehmungsgeist, sein fieberhafter Thätigkeitstrieb, sein praktischer Sinn als Hauptfactoren dabei mitgewirkt haben, so geht doch auf der anderen Seite mit überzeugender Klarheit hervor, daſs das Hauptmoment der groſse Reichthum des Bodens an Mineralschätzen aller Art ist – ein Reichthum, der in mancher Beziehung (wie bei Kohlen, Eisen und Petroleum) als ganz unerschöpflich bezeichnet werden muſs.

Ganz besonders tritt dies bei der Entwicklung des Zinkhüttenwesens hervor, welches bis noch vor wenigen Jahren dem Verbrauch nicht gewachsen war, jetzt aber, durch den groſsen Reichthum an Erzen begünstigt, nicht nur den eigenen Bedarf deckt, sondern sogar die Aussicht eröffnet, daſs in nicht zu ferner Zeit der europäischen Production auf eigenem Markte eine amerikanische Concurrenz erwachsen dürfte. Als so wahrscheinlich ist diese Möglichkeit aufgefaſst worden, daſs schon an eine Einführung amerikanischer Erze gedacht wird, obwohl es mindestens bezweifelt werden muſs, daſs eine solche überhaupt möglich ist.

Wir theilen im Folgenden einen Auszug aus dem interessanten Aufsatze von J. Beco in der Revue universelle, 1877 Bd. 2 S. 129 bis 232 mit, welcher in eingehendster Weise die Zinkindustrie Amerikas schildert und beleuchtet, |468| Man kann die Zinkbergwerke und Hüttenwerke in zwei Gruppen theilen, in eine östliche und in eine westliche Gruppe. Zu der ersten gehören die Werke der Staaten am atlantischen Ocean: Pennsylvanien, New-Jersey, New-York, Virginien, zu der westlichen, welche die Ebene des Mississippi zwischen dem Alleghany-Gebirge und den Rocky Mountains in sich begreift, die Staaten Jowa, Illinois, Wisconsin, Missouri, Tenessee, Arkansas u.a.

Pennsylvanien. Hier wurde i. J. 1847 die erste Galmeilagerstätte (bei Friedensville südlich von Bethlehem) entdeckt, aber erst i. J. 1853 das Erz nach mehreren verunglückten Versuchen, Zink daraus darzustellen, zur Fabrikation von Zinkweiſs nach Wheterill's Verfahren benutzt. Im J. 1859 ging man dann auch zur Fabrikation von metallischem Zink über, welche durch belgische Techniker und Arbeiter eingeleitet wurde. Sechs Jahre später, im J. 1865, wurde ebendaselbst das erste Zinkwalzwerk in den Vereinigten Staaten angelegt. Die Hauptmenge des in Gängen im unteren Silur auftretenden Zinkerzes besteht aus Galmei und Silicat; daneben kommt eine eigenthümliche derbe Blende vor, von schwarzer Farbe, ähnlich gewissen Kohlenkalken, aber von groſser Reinheit (bis 66 Proc. Zink). Beachtenswerth ist noch ein thoniges Gemenge von Silicat, welches zumal in den oberen Teufen auftritt und trotz seines geringeren Gehaltes (26 Proc. Zink) durch seine Menge für die Verhüttung von groſsem Werthe ist.

Der Abbau des Hauptganges, der in den ersten Jahren 12000 bis 15000t jährlich lieferte, geschah anfänglich durch Tagebau; erst später ging man zu unterirdischem Betriebe über, der durch starke Wasserzuflüsse erschwert wurde. Die Production blieb dabei 12000t jährlich.

Von ganz besonderem Interesse ist bei dieser Grube die kolossale Wasserhaltungsmaschine, die gröſste der Welt vielleicht, welche eine Leistungsfähigkeit von 3000e besitzen soll. Der Cylinder dieser „Mammuth-Maschine“, wie sie die Amerikaner nennen, wiegt 54t, hat 2m,75 Durchmesser bei 3m,05 Hub. 16 Dampfkessel von 9m,20 Länge und 0m,90 Durchmesser liefern den nöthigen Dampf von 4at,22. Der Condensator wiegt 28t,5. Die beiden Schwungräder haben 9m,15 Durchmesser und wiegt jedes 92t. Der Balancier ist aus 4 Stücken zusammengesetzt, sein Gesammtgewicht beträgt 95t. Die beiden Pleuelstangen sind jede 13m lang; ihre gröſste Dicke beträgt 0m,38, ihr Gewicht je 8500k. Das Pumpengestänge hat 510mm Breite und 92mm Dicke und überträgt die Bewegung auf 4 Pumpen von 790mm Durchmesser und 3m Hub. Das Gesammtgewicht der Maschine allein beträgt 650t und mit Pumpen und Kesseln 1000t. Sie fördert jede Minute 77cbm aus 100m Tiefe, was also einer effectiven Leistung von 1711e entspricht. Kürzlich hat man die Arbeit dieses Antriebspunktes unterbrochen und die Wässer auflaufen lassen. Nur ein Theil des Ganges in einem höheren Niveau wird abgebaut und durch eine besondere Maschine von 23cbm Leistungsfähigkeit ausgetrocknet. Die Gesellschaft hat durch dieses Opfer ihrem Zink den Ruf seiner auſsergewöhnlichen Reinheit erhalten wollen.

Die Aufbereitung der Erze ist eine sehr einfache und geschieht auf der Grube selbst. Die Blende gelangt in einen mit Siebtrommel verbundenen Steinbrecher. Die groben Stücke werden ausgeklaubt und direct in Stadeln verröstet. Das Sieb feine wird wegen seines hohen Kalkgehaltes gesondert verarbeitet. Aller Galmei wird in einer Waschtrommel geläutert; das Grobe kommt zur Hütte, das Feine wird auf Rundherden oder continuirlichen Setzsieben weiter concentrirt. Der Kostenpreis des Erzes stellte sich 1876 auf der Hütte auf 60 M. für lt.

Die Verhüttung der Erze ist ganz nach belgischem Muster eingerichtet und kann als typisch für alle anderen Werke der Vereinigten Staaten angesehen werden, da aus der Hütte von Bethlehem, von Belgiern angelegt, der Arbeiterstamm für alle übrigen Zinkhütten hervorgegangen ist. Es wäre also wenig darüber zu sagen, da die kleinen Abweichungen im Betriebe und in der Construction der Oefen durch das Brennmaterial Anthracit bedingt und localer Natur sind. Dagegen wollen wir der Fabrikation des Zinkweiſses nach Wheterill's Methode gröſsere Aufmerksamkeit zuwenden, da sie zuerst auf der Hütte in Bethlehem durch den Erfinder selbst (1853) ausgeführt wurde.

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Das der Zinkweiſs-Darstellung, direct aus den Erzen, zu Grunde liegende Princip ist folgendes. Zinkoxyd wird aus den Erzen mit wenig Kohlenwasserstoff abgebender Kohle zu metallischem Zink reducirt, welches durch die gebildete Kohlensäure wieder zu Zinkoxyd oxydirt wird. Diese Reaction geht in Muffelöfen vor sich, deren Boden von einer durchlöcherten Guſseisenplatte gebildet ist. Unter diesen Boden wird Gebläseluft eingeleitet; die Dämpfe werden mittels eines Ventilators durch eine Oeffnung im Muffelgewölbe in die Condensationsapparate gesaugt. Das Zinkweiſs wird, nachdem es längere Zeit in den Condensationskammern verweilt hat, in Säcken aufgefangen.

Die Muffelöfen sind entweder einthürige oder zweithürige. Von ersteren sind 32, von letzteren 22 vorhanden. Man zieht die einthürigen Oefen vor, weil ihre Leitung eine leichtere ist und die Arbeit somit regelmäſsiger verläuft. Im Gewölbe sind zwei Oeffnungen angebracht; die eine steht mit einer Esse in Verbindung und dient dazu, die Verbrennungsgase der Kohle abzuführen, wodurch der Ofen in Hitze gebracht wird; die andere 450mm im Quadrat steht mit dem Sammelkanal für die Zinkproducte in Verbindung. Beide können nach Belieben und Bedurfniſs verschlossen werden. Der durchbrochene Boden der zweithürigen Oefen ist 3m,05 lang und 1m,20 breit, bei den einthürigen Oefen ist er 1m,52 lang und 0m,90 breit. Er besteht aus einer Anzahl Guſseisen platten von 31mm Dicke mit je 40 Löchern. Diese Oeffnungen sind conisch von 9mm,5 und 25mm Durchmesser. Die Höhe des Gewölbes über dem Herde beträgt 610mm. Die Thüren sind 660mm breit und 300mm hoch. Die Dämpfe gelangen in einen Kanal von 1m,85 Höhe und 1m,22 Breite, welcher über den Oefen sich hinzieht und bei jedem Ofen um 50mm Höhe zunimmt. Durch ihn ziehen sie in eine kleine Regenkammer, aus dieser in einen Thurm von 30m Höhe und 8m Durchmesser an der Basis und aus diesem abwärts durch einen zweiten Thurm von 15m Höhe und 6m Durchmesser. Am Fuſse dieses letzten Thurmes befindet sich ein kräftiger Saugventilator. Schlieſslich gelangt der Zinkstaub in gewisser Höhe über dem Boden in eine groſse Kühlkammer von 24m,5 Länge und 12m,25 Breite und Höhe, aus welcher er durch horizontale Blechröhren in groſse Säcke abgeleitet wird. Diese Säcke, aus zottigem Zeuge angefertigt, werden um die Sammelröhren angehängt und sind in 3 Kammern zu je 220 Säcken eingeschlossen, so daſs also ihre Gesammtzahl 660 betragt. Jeder Sack hat 10m Länge und 550mm Durchmesser.

Der Gang der Arbeit ist nun folgender. Nachdem die Rückstände von einer vorhergehenden Operation entfernt worden, bringt man eine Lage Anthracitklein auf die durchlöcherte Platte gleichmäſsig vertheilt ein und öffnet den Abzug für die Verbrennungsgase. Sobald der Anthracit vollständig, in Glut ist, wird das Gemenge von Erz mit Anthracitstaub (⅔ Erz, ⅓ Anthracit) in Mengen von 100k auf 1qm Rostfläche möglichst gleichförmig eingetragen. Zum Anfeuern werden 25k Anthracit für 1qm verbraucht. Die Dauer einer Operation beträgt 4 Stunden. Die Eintragöffnungen bleiben während dieser Zeit mit dem für die folgende Charge bestimmten Anthracit verschlossen. Hauptaugenmerk muſs auf die richtige Vertheilung des Unterwindes gerichtet werden und auch auf die Dicke der Erzschicht, die erfahrungsmäſsig 150mm nicht übersteigen soll. Der Gehalt des verarbeiteten Erzes beträgt durchschnittlich 20 Proc., der Zinkgehalt der Rückstände 4 bis 6 Proc., kann aber durch besondere Sorgfalt auf 3 Proc. heruntergedrückt werden.

Der chemische Vorgang ist folgender. Durch die Verbrennung der unteren Anthracitschicht bildet sich Kohlensäure, welche durch die fein zertheilte Kohle der Charge in Kohlenoxyd umgewandelt wird; letzteres reducirt das Zinkoxyd zu metallischem Zink und geht selbst wieder in Kohlensäure über. Durch Einwirkung der letzteren auf das dampfförmige Zink bildet sich dann wiederum Zinkoxyd und Kohlenoxyd. Diese auf einander folgende Reduction und Oxydation in demselben Ofen ist das Charakteristischste des Wheterill'schen Proceſses. Daſs wirklich die Kohlensäure oxydirend auftritt, geht daraus hervor, daſs bei Zutritt von Luft oberhalb der Charge kein Zinkweiſs, sondern nur grauer Zinkstaub erhalten wird.

Das gebildete Zinkoxyd wird nun zugleich mit Aschentheilen des Brennmaterials und den Verbrennungsgasen durch den Ventilator in die oben |470| beschriebenen Condensationsvorrichtungen eingeführt. Die Wirkung des Ventilators wird dabei so beschränkt, daſs nur die leichten Theile in dem Hauptthurme emporsteigen können. In der groſsen Kühlkammer setzt sich unreines Zinkoxyd ab, eine weitere Reinigung geht darauf noch in den Blechleitungen vor sich und schlieſslich bleibt in den Säcken nur reines Zinkweiſs in Flocken hängen, während die Gase durch das Gewebe der Säcke entweichen. Das erhaltene Zinkoxyd ist sehr schön und steht unmittelbar hinter dem Blanc de neige der Werke zu Vieille Montagne. Die Productionsfähigkeit der Hütte beträgt jährlich ungefähr 3000t bei einem Ausbringen von 20 bis 25 Proc. Das Ausbringen an Zinkweiſs ist also dem Gehalt der Erze an Zink ziemlich gleich. Die Kosten der Darstellung sind bedeutend geringer als die des Rohzinkes nach belgischer Methode. Es würde sich also dieses Verfahren besonders da empfehlen, wo es sich darum handelt, bei billigem Brennmaterial arme Galmeie nutzbar zu machen. Ob es für reichhaltige Erze anwendbar ist, muſs vorläufig unentschieden bleiben.

Das Zinkwalzwerk ist ganz nach älterem belgischen System angelegt, und seit seiner Gründung i. J. 1865 sind keine Veränderungen darin vorgenommen worden. Die Fabrikationskosten betragen 7,60 M. für 100k bei einem Abgange von 1 Proc. Die gewalzten Bleche sind ganz vorzüglich und sehr gesucht für feinere Arbeiten.

Die Hütte von Birmingham producirt ausschlieſslich Zinkweiſs mit Erzen aus Missouri, New-Jersey und besonders mit einem pennsylvanischen Erze, welches 6 bis 8 Proc. Bleiglanz enthält. Das Zinkweiſs enthält demnach bis 25 Proc. Bleisulfat. Diese Hütte ist von geringer Bedeutung.

In der Grafschaft Lancaster sind bedeutende Erzlager entdeckt worden, bis jetzt aber noch nicht in Angriff genommen. Die neuen Besitzer wollen den Betrieb einleiten und eine Zinkhütte, nach neuestem Muster eingerichtet, damit verbinden.

Dieses Erzvorkommen besteht aus zwei parallelen, nahe an einander liegenden Lagern, mit einer Gesammtmächtigkeit von 15m; ihre Längenerstreckung scheint eine bedeutende zu sein. Das Erz ist ähnlich dem von Bethlehem, und scheint das Unternehmen eine Zukunft zu haben.

New-Jersey. Wir finden hier die berühmten Lagerstätten von Franklinit und Rothzinkerz, die im metamorphischen krystallinischen Kalke des Urgebirges concordant eingelagert sind. Das eine Lager, auf welchem die Gruben von Stirling Hill bauen, ist auf 575m Länge im Ausgehenden erkannt worden. Das Hauptmittel streicht von Südost nach Nordwest auf 425m Länge, macht dann eine Wendung nach Nordost (150m lang) und schieſst darauf ziemlich steil unter den Kalk ein. Das durchschnittliche Einfallen ist 65°5 die Mächtigkeit wechselt von 4,5 bis 6m im mächtigeren Theile und von 1,25 bis 1m,5 im schmälsten Theile. Die Hauptausfüllung der Lagerstätte besteht aus Mangancalcit mit bis 16,5 Proc. kohlensaurem Manganoxydul; in diesem sind die Erze eingelagert. Der Franklinit sieht dem Magneteisenstein zum Verwechseln ähnlich und enthält 22 Proc. ZnO, der Brucit (in Deutschland H2MgO2), dessen rothe bis orangegelbe Farbe einen Mangangehalt bis zu 12 Proc. zuzuschreiben ist, enthält rein 80,26 Proc. Zink. Der Willemit, der in groſsen Mengen auftritt, von fleischrother und gelblich graugrüner Farbe, enthält rein 72,9 Proc. Zinkoxyd. Er ist gewöhnlich ziemlich rein, mit nur geringen Beimengungen von Manganoxyd und Eisenoxyd. Die Vertheilung der Erze in der Lagerstätte ist eine derartige, daſs sich in der Mitte desselben zwei Erzzonen parallel einander überlagert befinden, deren untere hauptsächlich aus Brucit, deren obere aus Franklinit und Willemit besteht. Erstere, zinc-vein genannt, mit einer Mächtigkeit von 1,8 bis 2m,5 wird allein abgebaut, da der Abbau des Franklinits als eines Eisenerzes von den Concessionseigenthümern benachbarter Eisenlager beansprucht wird. Obwohl nun derselbe allerdings 68 Proc. Eisenoxyd und 10 Proc. Manganoxyd enthält, so müſste er doch wegen seines Zinkoxydgehaltes von 22 Proc. vor Allem als ein Zinkerz angesehen werden. Im Nebengesteine der Lagerstätte finden sich häufig reiche Nester von Galmeisilicat, gewöhnlich stark mit Thon gemengt.

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Der Abbau desjenigen Lagertheiles, welcher der New-Jersey Zinc Company gehört, ist schon bis zu 125m Tiefe vorgedrungen; die Passate Zinc Company baut auf dem unregelmäſsigsten und ärmsten Theile der Lagerstätte. Der Abbau ist durchgängig Tagebau. Letztere Gesellschaft hat eine Aufbereitung nach neuem Styl (continuirliche Setzsiebe) angelegt, in welcher auf folgende Erzsorten hingearbeitet wird: 1) Brucitschlich, 2) Franklinit- und Willemitgraupen. Preis der Tonne fertigen Erzes etwa 13 M; nur der Galmei, dessen Gewinnung eine schwierigere ist, stellt sich auf 52 M. die Tonne.

Einige Kilometer mehr nordöstlich liegt das berühmte Lager der Grube Mine Hill bei Franklin, gänzlich im Besitze der New-Jersey Company in Newark. Es ist von sehr groſser Bedeutung, wie das von Stirling Hill im krystallinischen Kalkstein eingelagert und kann wegen seiner groſsen Regelmäſsigkeit als ein mächtiges Flötz, wenn auch von geringer Ausdehnung, angesehen werden. Den Windungen des Nebengesteins folgend, bildet es eine Mulde, deren einer Flügel, front vein genannt, auf 1100m entwickelt ist, während der andere Flügel sich auf 200m Länge erstreckt und darauf mit 45° Fallen unter den Kalk einschieſst. Die Mächtigkeit der Flügel wechselt von 5 bis 20m, ihr Generalstreichen ist Nord-Nord-Ost. Die Beschaffenheit der Erze ist fast identisch mit der des Lagers von Stirling Hill; durchschnittlich ist jedoch der Gehalt etwas geringer (21 Proc. Zinkoxyd im Franklinit). Die Hauptmasse der Förderung bildet Willemit; Brucit ist seltener.

Der Abbau (Tagebau) hat sich hauptsächlich auf dem östlichen Flügel, der eine bedeutendere Mächtigkeit besitzt, concentrirt. Eine Aufbereitung der Erze auf der Grube ist nicht nöthig; sie enthalten durchgängig 35 Proc. Zinkoxyd und werden zum groſsen Theile an die Zinkweiſsfabrik von Bethlehem (12000t jährlich) zum Preise von 56 M. abgegeben, mit einem Nutzen von 32 M. für 1t. Der übrige Theil der Erze wird auf der Hütte von Newark von der Gesellschaft selbst verarbeitet, nachdem sie zuvor noch einer einfachen Aufbereitung (Reinscheiden) unterworfen worden sind. Da die bedeutende Beimengung von Eisen und Mangan ein directes Verschmelzen der Erze nicht zuläſst, so müssen dieselben zuvor – und dies ist das Eigentümliche des Verfahrens – nach Wheterill's Methode in Oxyd übergeführt werden. Versuche, dieselben im Hohofen behufs gleichzeitiger Gewinnung von Zink und Spiegeleisen zu verschmelzen, haben bislang zu keinem Resultate geführt. Die ganze Anlage war anfangs auf Fabrikation von Zinkweiſs berechnet. Streitigkeiten mit dem Patentinhaber lieſsen aber dieses Vorhaben nicht zur Ausführung kommen, und so wurde denn in der eben angedeuteten Weise die Darstellung von metallischem Zink unternommen. Nachdem das Erz in Oxyd verwandelt ist, wird dasselbe nach der belgischen Methode destillirt. Die Rückstände aus den Oxydationsöfen werden in kleinen Hohöfen auf Spiegeleisen verschmolzen und das dabei noch entweichende Oxyd condensirt und bei der Reduction zugesetzt. Diese Rückstände enthalten gewöhnlich 45 Proc. Eisenoxyd, 24 Proc. Manganoxyd und noch 6 Proc. Zinkoxyd; sie liefern ein Spiegeleisen mit 12 bis 15 Proc. Mangangehalt. Jährliche Production 6500t Spiegel eisen. Ein Phosphorgehalt dieses Eisens von 0,12 bis 0,18 Proc. rührt wahrscheinlich von dem Zuschlag von Austernschalen, statt Kalkstein, her. Neueren Nachrichten zufolge soll ein Uebereinkommen mit dem Patentinhaber (der Hütte zu Bethlehem) getroffen worden sein, wonach die Zinkweiſs-Fabrikation der Hütte in Newark gestattet wird.

Die Hütte zu Bergen Point, der Passaïc Zinc Company gehörig, in sehr günstiger Lage für den Bezug der Rohproducte, erzeugt hauptsächlich Zinkweiſs nach Wheterill's Methode. Nur unreines Oxyd und die Rückstände von der Galvanisirung werden zu metallischem Zink in belgischen Oefen verarbeitet. Es soll in Kurzem ein Walzwerk in Betrieb gesetzt werden. Tägliche Production 7000k Zinkweiſs und 2500k Zink.

Die Hütte zu Trenton stellt blos Zinkweiſs aus virginischem Galmei dar. Tägliche Production 3000k Zinkweiſs.

Staat Virginien. Es ist im Südwesten dieses Staates im Unaka-Gebirge ein bedeutendes Lager aufgeschlossen worden. Dasselbe tritt mit 12m Mächtigkeit und fast verticalem Fallen in dolomitischen Kalkstein auf und erstreckt |472| sich auf mehrere Meilen Länge. Blei- und Zinkerze sind in groſser Menge darin enthalten, an einzelnen Punkten beide scharf von einander getrennt. Die Gruben sind im Besitze der White Lead and Zinc Company und haben seit dem J. 1866 10000t Galmei ausgezeichneter Beschaffenheit nach dem Norden (Trenton) geliefert; da sie bei groſser Ergiebigkeit in sehr günstiger Lage nahe dem Atlantischen Ocean gelegen sind, gehen sie jedenfalls einer guten Zukunft entgegen.

Westliche Gruppe. Die groſse Ablagerung silurischer Schichten, die fast ausschlieſslich den Reichthum an Blei- und Zinkerzen der Mississippi-Ebene in sich bergen, erstreckt sich auf eine Fläche von ungefähr 1200km Länge von Norden nach Süden und verhältniſsmäſsig bedeutender Breitenausdehnung in der Richtung von West nach Ost. Obwohl die Blei- und Zinkerzablagerungen in diesem Districte fast immer zusammen auftreten, so sollen doch speciell blos die letzteren betrachtet werden.

Die Ablagerungen des oberen Mississippi erstrecken sich auf fast 1000qm, von denen ⅔ dem Staate Wisconsin, das übrige ⅓ den Staaten Illinois und Jowa angehören. Sie treten im sogen. Galena Limestone auf, welcher der Trentongruppe des Silur angehört, und zeigen die Form von Gangspalten, die in allen Richtungen das Gestein durchsetzen, zuweilen auch den Schichtungsfugen folgen, ziemlich constante Mächtigkeit zeigen und sich auf mehr oder minder groſse Längenerstreckungen fortsetzen. Ihre Tiefenentwicklung ist an die Kalkschicht gebunden, sie setzen nie unter derselben weiter fort. Ist zwar die Ausfüllung dieser Spaltenräume hauptsächlich aus Bleierzen gebildet, so treten doch auch bedeutende Mengen von Zinkerzen, zumal Blende, darin auf. Gewöhnlich findet man sie in dem unteren Theile der flach liegenden Ablagerungen, seltener in den verticalen Gangspalten; am häufigsten finden sie sich in den unteren Schichten des Galena Limestone und in dem diesen unterlagernden blauen Kalkstein. Die Blende ist ziemlich stark durch Eisen gefärbt, woher ihr Name black jack; häufig ist sie in Galmei umgewandelt und fast stets von Kalkspath und Schwerspath begleitet. Bis vor nicht langer Zeit wurden die Zinkerze auf die Halde gestürzt (als „unreifes Bleierz“), und so haben sich denn ganz bedeutende Mengen angesammelt, deren Werth allerdings nun erkannt ist. Schon i. J. 1860 wurden Hütten daraufhin angelegt; seitdem aber i. J. 1870 die reicheren Zinkerze von Missouri entdeckt wurden, hat der Betrieb dieser Gruben sehr nachgelassen. Nichts desto weniger haben sich die Hütten von Illinois, denen ein reiches Kohlenfeld mit 11 Flötzen (0,35 bis 1m,60 Mächtigkeit) zur Verfügung steht, stetig entwickelt und verarbeiten neben den eben genannten Erzen auch groſse Mengen von Erzen, die sie in Missouri ankaufen. Calcination und Rösten dieser Erze geschieht auf den Hütten, und wäre es wohl vortheilhafter, erstere Operation auf den Gruben selbst vorzunehmen. Das Aufbereiten der Erze, die vielfach in kleineren Partien geliefert werden, geschieht ebenfalls auf den Hütten und wird mit besonderer Sorgfalt und unter Anwendung der neuesten deutschen Apparate betrieben. Die Verhüttung der Erze auf Rohzink geschieht nach belgischem System; erst seit Kurzem sind gröſsere Walzwerke angelegt worden. Die Gesammtproduction der 4 Zinkhütten in Illinois beträgt 10000t Rohzink und 6000t gewalztes, Zink.

Zu den bedeutendsten Zinkerzlagerstätten des mittleren Mississippi gehören die des Staates Missouri. Während die des Centrums nach Bedeutung und geologischem Verhalten nicht von den eben angeführten abweichen, so sind die der südwestlichen Region, welche im Kohlenkalke auftreten, in ihrer Gesammtheit so bedeutend und enthalten einen so groſsen Mineralwerth, daſs man wohl behaupten darf, in Europa (das Lager von Moresnet ausgenommen). ist auf gleicher Fläche eine solche Production von Blei- und Zinkerzen nie erzielt worden, wie in den letzten Jahren aus den Gruben dieses Districtes. Ihr Vorkommen ist ähnlich dem früher beschriebenen; zahlreiche Spalten, meist horizontal, häufig auch vertical, durchsetzen den Kalk und setzen sich auch wohl in die zwischengelagerten kieseligen Schichten fort. Man findet allerdings auch Erzablagerungen in einer aus Kalk und Kiesel gebildeten, durch rothen Thon zusammen gekitteten Breccie, welche hauptsächlich die Thalmulden |473| bildet, und sogar in den ebendaselbst auftretenden festen, rothen Thonen. Der Galmei kommt vorzugsweise als liegende stockförmige Masse im Kalkstein vor. Die Anzahl der Erzspalten zählt nach tausenden, ihre Mächtigkeit wechselt von 0,5 bis 2m. Blende und Galmei (kieselsaurer und kohlensaurer) bilden die ganze Menge des producirten Erzes, dessen durchschnittlicher Gehalt zu 64 Proc. Zink für Blende und 52 Proc. Zink für Galmei angenommen werden kann.

Der Bergbau ist auf eine Menge kleiner Gruben vertheilt, die in primitivster Weise, aber gewiſs in ökonomischer Hinsicht ganz passend, von Arbeitern für eigene Rechnung, gegen eine gewisse Abgabe an Erzen an den Grundeigenthümer abgebaut werden. Ebenso ursprünglich ist auch die Aufbereitung, welcher nur die reicheren Erze unterworfen werden, und selbst dann noch beträgt der Gehalt der Abgänge bis 35 Proc. Zink. Hier wäre also noch vieles zu verbessern, wozu auch schon vereinzelte Anfänge gemacht worden sind.

Die bedeutendsten Grubenreviere in diesem Districte sind Granby, Neosho, Joplin, Orenogo und schlieſslich Dade. Im ersteren Bezirke wurden i. J. 1876 gefördert 5129t Zinkerz. Im letzteren Bezirke, welcher erst seit Kurzem in Angriff genommen wurde, ist ein bedeutender Erzreichthum in zwei Zonen von 5km Längenerstreckung bezieh. 52qkm Fläche bei 1, 3 bis 4m,5 Mächtigkeit erschürft worden. Die schwierigen Transportverhältnisse stehen dem Aufschwünge des Bergbaues daselbst noch hindernd entgegen.

Dieselben Schwierigkeiten sind in noch gröſserem Maſse für die Gruben das südöstlichen Missouri vorhanden. Dies und die Verunreinigung der Erze durch Mangan, Arsen und Antimon haben trotz des Reichthums der Lagerstätten einen schwunghaften Betrieb der Gruben bis jetzt nicht zugelassen, so daſs man sich hauptsächlich auf die Gewinnung der mit vorkommenden Bleierze verlegte. Der Erzdistrict hat 100km Länge und 40km Breite. Wie im oberen Mississippi ist auch hier das Vorkommen an eine besondere Kalkschicht des Untersilur von dolomitischer Beschaffenheit (third magnesian limestone) geknüpft und treten auch die Erze (Blende, kohlensaurer und kieselsaurer Galmei) analog in Spalten und stockförmigen Massen auf. Die Hauptgruben sind die von Frumet, woselbst ein wahrer Berg von Galmei existirt, der auf eine Fläche von 528ha erkannt sein soll, ohne eines anderen Lagers von 15m Mächtigkeit und unbekannter Ausdehnung zu erwähnen. Sobald die projectirte Eisenbahn im Anschlusse an die St. Louis Bahn vollendet sein wird, kann dem Unternehmen der Erfolg nicht ausbleiben, und würde die jährliche Production Alles übersteigen, was bis jetzt an Zinkerzen gefördert worden ist.

Die Gesammtproduction Missouris betrug i. J. 1875: Blende 6500, kieselsaurer Galmei 9000 und kohlensaurer Galmei 8500, zusammen 24000t. Die Zinkhütten Missouris liegen mit einer einzigen Ausnahme in der Nähe von St. Louis und verarbeiten fast ausschlieſslich Galmei, während die Hütten von Illinois mehr Blende verschmelzen. Die Hütten stellen das Zink her nach belgischer Methode- die Calcination und Röstung wird besonders sorgfältig geleitet., um die Beimengungen von Antimon und Arsen, welche, wie schon bemerkt, sich besonders in den Erzen aus dem südöstlichen Missouri finden, so vollständig wie möglich auszutreiben. Trotz dieser Sorgfalt ist dennoch das erhaltene Roh zink dem der atlantischen Hütten in Qualität weit nachstehend.

Die Fabrikation des Zinkweiſs geschieht nach Wheterill's Verfahren. Bis vor Kurzem wurde zur Feuerung wie zur Reduction Holzkohle verwendet; da aber das erhaltene Product nicht ganz weiſs war, so bezog man Anthracit aus Pennsylvanien, der natürlich sich sehr hoch im Preise stellte. Um hierin zu sparen, nahm man billigere, aber auch unreinere Erze (Blei), verminderte die Menge der Heizkohle und zugleich die Dauer der Operationen, was auf der anderen Seite natürlich einen vermehrten Metallverlust zur Folge hat. Man scheint also eine ganz verkehrte Auffassung von der Fabrikation zu haben.

Auch die Staaten Arkansas und Tenessee haben Zinkerzlagerstätten aufzuweisen, von denen einige, besonders in ersterem Staate., von Bedeutung zu sein scheinen. Bis jetzt allerdings haben dieselben noch zu keiner gröſseren Production Anlaſs gegeben, wenn auch die Entdeckung von Kohlenlagern in |474| Arkansas gewiſs günstig auf ihre zukünftige Entwicklung einwirken wird. Schon sind Eisenbahnlinien projectirt, die das Kohlenbecken von Arkansas mit dem übrigen Eisenbahnnetz verbinden sollen, und alle diese Linien durchschneiden die Zinkerzdistricte. Ganz dasselbe kann von Tenessee gesagt werden, welches ebenfalls neben reichen Zinkerzlagern bedeutende Kohlenlager besitzt; nur sind die Verkehrsverhältnisse bis jetzt noch ungünstiger als die von Arkansas.

Man wird aus dieser kurzen Uebersicht wohl den Schluſs ziehen können, daſs die Productionsfähigkeit der Vereinigten Staaten an Zink hauptsächlich in dem wirklich staunenerregenden Mineralreichthum des Landes zu suchen ist. Daſs die Amerikaner denselben zu verwerthen gedenken, geht daraus hervor, das die Production i. J. 1875 (15833t) schon mehr als das Doppelte der Production vom J. 1873 (7343t) betrug, während der Import von durchschnittlich 3043t im J. 1875 bereits auf 540t herabgesunken war. Es steht zu befürchten, daſs dieses Verhältniſs sich in Kurzem noch viel ungünstiger für die europäischen Producenten stellen und in vielleicht nicht zu ferner Zeit ganz umkehren wird. Das Project, amerikanische Erze nach Europa einzuführen, ist kühn, aber wohl unausführbar; es beweist jedoch, wie ernstlich der Continent von der amerikanischen Concurrenz bedroht wird.

W. K.

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