Titel: Mittheilungen von der Weltausstellung in Paris 1878.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229 (S. 489–507)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/ar229173

Mittheilungen von der Weltausstellung in Paris 1878.

Mit Abbildungen.

(Fortsetzung von S. 413 dieses Bandes.)

(Schluſs der Einleitung von S. 406.) Die französische Maschinenhalle im östlichsten Flügel des Hauptgebäudes bildet in ihrer systematischen Gliederung und consequenten Anordnung einen angenehmen Contrast zu der Maschinenhalle der anderen Länder; hier ist auch, durch zwei die Transmission tragende Säulenreihen, ein Mittelgang geschaffen, welcher das Ausgestellte in kleinere Gruppen zerlegt und so die Besichtigung bequemer und ordnungsmäſsiger vorzunehmen gestattet.

Die ersten drei Blocks, welche uns hier, von Süden aus beginnend, entgegentreten, umfassen Typographie, sowie Textilindustrie und sind schon von Prof. Kick früher gründlich behandelt worden.

Die horizontale Antriebsmaschine des ersten Blocks ist von der Compagnie de Fives-Lille, welche überhaupt glänzend in der Ausstellung vertreten ist. Sie hat Farcot-Schleppschieber auf dem als Langschieber angeordneten Grundschieber und trägt auſserdem an beiden Enden des Cylinders kleine Anlaſsschieber, welche von einem gemeinsamen Hebel aus bewegt werden können. Da die Farcot-Steuerung nur Füllungen bis zu etwa 30 Proc. gibt, so ist eine derartige Anordnung zur Erleichterung des Anlassens besonders wichtig, da bei schwer beladener Maschine der Kolben erst mit beiläufig halbem Hub anzugehen beginnt. (Vgl. eine demselben Zwecke dienende Anordnung * 1876 220 390.)

Der zweite Block (Textilmaschinen) hat zwei Antriebe, rechts eine Woolf'sche Balanciermaschine mit Correy-Steuerung von Powell in Rouen (*1876 221 495), links eine sehr schöne Woolf'sche Horizontalmaschine von J. Hermann-Lachapelle. in Paris. Bei dieser liegen groſser und kleiner Cylinder dicht neben einander und greifen mit ihren Kolbenstangen beiderseits- am Kreuzkopfe an, welcher in einer runden, vom gemeinsamen Deckel beider Cylinder ausgehenden Führung läuft und sammt Führungsschuhen und Zapfen aus einem Stück Stahlguſs besteht. Die Kolbenstangen des groſsen und des kleinen Cylinders gehen nach hinten durch und treiben beziehungsweise die Luftpumpe und die Speisepumpe. Die Steuerung des kleinen Cylinders ist vom Regulator abhängig, welcher eine der Schieberstange parallel laufende, fest gelagerte Stange umdreht und auf Farcot'sche Schleppschieber wirken dürfte.

Der Antrieb des dritten Block (Textilindustrie) findet rechts durch eine horizontale Compound-Maschine von Weyher und Richemond in Pantin statt, welche auf plumpem Gestelle über einem Locomotivkessel gelagert ist und seitlich von demselben die Luftpumpe aufgestellt hat. Die Steuerung ist eine modificirte Farcot'sche für alle Füllungsgrade. Links geschieht der Antrieb durch eine seltsame Horizontalmaschine der Société anonyme des usines de la Marquise zu St. Maurice-Lille; sie ist nach „System Fourlinnie gebaut, trägt ihren Cylinder auf einem hohen Gestelle, in welchem der Kreuzkopf mittels Lenkern geführt wird, und verändert die Expansion durch einen von der façonnirten Regulatorhülse bewegten Rückenschieber. Bemerkenswerth ist noch, daſs bei jedem Hubende die Cylinder-Ausblashähne selbstthätig geöffnet werden, was |490| insofern gerechtfertigt erscheint, als die Steuerung über, dem Cylinder liegt und die Maschine mit Condensation arbeitet.

Wir gelangen jetzt zum vierten Block, welcher die Maschinen zum Bergwerks- und Hüttenbetrieb enthält und vor allem durch zwei mächtige Fördermaschinen imponirt, die eine von der Compagnie de Fives-Lille, die andere von der Société anonyme d'Anzin (A. de Quillacq), welche in Wien die schöne Fördermaschine mit Guinotte's Steuerung ausgestellt hatte (*1874 212 261). Beide Maschinen, welche leider nicht in Betrieb gesetzt werden können, wetteifern in eleganten Formen und vortrefflicher Ausführung- beide haben Ventilsteuerung, aber während die Maschine von Fives-Lille nach älterem Systeme mit rotirenden Wülsten expandirt und reversirt, hat die Maschine von Anzin eine vom Regulator abhängige Auslösesteuerung. Die Société d'Anzin hat auch eine nette Grubenlocomotive, mit comprimirter Luft nach System L. Mékarski, ausgestellt. Weiters sind in dieser Abtheilung, ausgestellt von Lippmann und Comp., kolossale Freifallbohrer zum Schachtabteufen zu sehen, Gesteinsbohrmaschinen, Luftcompressoren, Briquettepressen und verschiedene Aufzüge. Eine kleine Grubenlocomotive der Société anonyme de Passy, zum Arbeiten mit comprimirter Luft bestimmt, führt die Cornpressionsluftpumpe zum Nachfüllen mit sich, welche einfach durch Auflegen eines Riemens in Gang gesetzt wird.

Die Antriebsmaschinen dieser Abtheilung sind rechts eine Horizontalmaschine mit Sulzer's Ventilsteuerung von der Société anonyme d'Anzin, links, eine Horizontalmaschine mit Condensation und Farcot-Steuerung von Bréval in Paris.

Nach diesen vier Blocks wird die Maschinenhalle von einem Hauptgang durchkreuzt, welcher, südlich am Centralgebäude der Stadt Paris vorübergehend, die ganze Ausstellung durchzieht und mit einem zweiten nördlich der „Stadt Paris“ laufenden Quergange das ganze Marsfeld in einen südlichen, mittleren und nördlichen Tract trennt. Bei der gänzlich mangelnden Bezeichnung einzelner Abtheilungen, weder durch Nummern und Buchstaben, noch durch Namen, ist es gut, wenigstens an dieser Eintheilung einigen Anhalt zu finden.

Der mittlere Theil der französischen Maschinenhalle enthält nun wieder drei Blocks, welche sämmtlich der Mechanik im Allgemeinen und Werkzeugsmaschinen speciell gewidmet sind. Letztere sind schon in dem Berichte Prof. Kick's (S. 107 d. Bd.) allgemein erledigt worden und sollen hier nur noch einige besonders bemerkenswerthe Objecte hervorgehoben werden.

Im ersten Block des Mitteltractes sind interessante Gasmaschinen ausgestellt, darunter Otto und Langen's verticale Gasmaschine (*1877 223 557), Otto's neuer Motor (*1878 228 201), beide von der Compagnie parisienne de chauffage et d'éclairage par le gaz; ferner von P. Hugon ein horizontaler Gasmotor und von Mignon und Rouart in Paris Bisschop's Gasmotor, der wie die alte Otto-Langen'sche Maschine vertical angeordnet ist, aber den Kraftkolben durch Kreuzkopf und Schubstange direct mit der Schwungradwelle verbunden hat. Diesen Motor sieht man, neben dem Otto'schen, vielfach zum Betriebe kleiner Industrien in der Ausstellung in Thätigkeit. Im selben Block sind noch verschiedene Centrifugalpumpen, Ventilatoren und Doppel Ventilatoren in Thätigkeit, eine Kaltluftmaschine von Giffard und Berger in Paris u.a.m., und werden angetrieben rechts und links von je einer horizontalen Corliſsmaschine mit Flachfeder-Steuerung (*1874 214 272, vgl. auch 1876 222 100), erstere von Leconteux und Garnier in Paris, die andere von Le Gavrian und Sohn in Lille. Von Dampfmaschinen sind ferner hier im Betrieb: eine kleine rotirende Dampfmaschine nach Martin's Patent, welche bis 3000 Touren macht und von Fau in Bordeaux zum directen Antrieb verschiedener Holzbearbeitungsmaschinen verwendet ist; eine West'sche Sechscylinder-Maschine (*1875 217 441, vgl. auch 218 458) von Le Blanc in Paris, eine einfache Verticalmaschine mit Säulenständer und hoch gelagerter Schwungradwelle zum directen Antrieb der Transmission von Aubert in Paris, eine oscillirende Dampfmaschine von Molard (vgl. *1877 224 26) und eine schöne Horizontalmaschine von A. Damey in Dole mit automatisch regulirbarer Doppelschiebersteuerung durch Fink'sche Coulisse und Regulator-Schaltwerk. Dabei geht von demselben Hebel, welcher den Gleitklotz der Coulisse bethätigt, eine kleine Zugstange zu einer Drosselklappe, |491| so daſs man mittels einer Stellschraube auch die Drosselklappe zur Wirkung bringen kann. Dies geschieht, um bei ganz niedrigen Füllungsgraden, speciell beim Leerlauf, wie hier in der Ausstellung, die Regulirung genügend empfindlich zu machen, und dürfte sich bei manchen Maschinen sehr empfehlen.

Endlich sind noch im ersten Block ausgestellt einige Turbinen, ein Elektromotor von Cance in Paris, ein Pumpwerk mit gemeinsamem, möglichst schlechtem Antrieb der drei unter 120° aufgestellten Pumpencylinder von dem Kurbelzapfen einer verticalen gekröpften Turbinenwelle, einige schöne Festigkeitsmaschinen und hydraulische Pressen und endlich verschiedene Collectionen von Armaturen für Dampfkessel und Dampfmaschinen. Unter diesen heben wir hervor die bekannte Firma F. E. Bourdon in Paris, welche auch einen netten tragbaren Ventilator ausgestellt hat, Lethuilier und Pinel's magnetische Wasserstandzeiger (vgl. *1874 214 97) und Chaudré's metallische Schwimmer (*1878 229 132).

Der zweite Block enthält die Ausstellungen der beiden groſsen Maschinenfirmen Cail und Comp. in Paris und Farcot und Söhne in St. Ouen. Von Cail ist auch die Antriebsmaschine der rechten Seite des zweiten Block geliefert, eine Horizontalmaschine mit Bahnsteuerung und vom Regulator verstellter Auslösevorrichtung. Dieselbe Firma, welche auch in einer anderen Abtheilung verschiedene Maschinen für Zuckerfabrikation ausgestellt hat, zeigt hier noch eine Halblocomobile mit Röhrenkessel und Condensation, sowie ferner die Vorwärmpumpe des italienischen Ingenieurs Chiarzari. Die groſsartige Ausstellung von Farcot und Söhne enthält zunächst die zweite Antriebsmaschine dieses Block, eine Horizontalmaschine mit Farcot-Steuerung, welche mittels unterirdischer Kegelrädertransmission und Riemenübersetzung den linken Transmissionsstrang antreibt; ferner eine Halblocomobile mit Farcot-Steuerung, groſse Dampfkessel mit Innenfeuerung und herausnehmbaren Siederohren, einen Ueberhänghammer von etwa 1000k mit complicirter Hahnsteuerung u.a.m.; endlich die gröſste Dampfmaschine der Ausstellung, zweicylindrig von 700e, mit in den Deckel gelagerten Schieberhähnen und modificirter Corliſs-Steuerung für alle Expansionsgrade, Diese Maschine ist, natürlich leerlaufend, im Betrieb.

Auſserdem sind noch folgende Dampfmaschinen im Gange: von Windsor und Sohn in Rouen eine Woolf'sche Balanciermaschine, deren Vertheilungsschieber von einer fixen Daumenwelle gesteuert wird, der Expansionsschieber automatisch variabel vom façonnirten Regulatormuff; von der Compagnie des fonderies et Jorges de l'Horme eine rotirende Wasserhaltungsmaschine mit Ventilsteuerung (die zu den Pumpensitzen führenden Schubstangen greifen an einer Vorgelegewelle an); von Crespin und Marteau in Paris eine Horizontalmaschine mit Ventil-Auslösesteuerung.

Von den (wenigstens bis Anfang Juli) kalt stehenden Maschinen ist besonders bemerkenswerth durch ihre originelle Steuerung die horizontale Compound-Maschine der Société de construction des Batignolles (E. Gouin) in Paris. Hier scheint nämlich der kleine Cylinder von einer normalen Stephenson'schen Coulisse gesteuert zu sein, welche mittels Regulatorschaltwerk verstellt wird; bei näherer Untersuchung bemerkt man aber, daſs die Coulisse vollständig gerade ist und, obwohl die Schieberschubstange ziemlich kurz ist, so zeigen doch die ausgestellten Diagramme eine ganz gleichmäſsige und gute Dampfvertheilung für Füllungen von 15 bis 50 Proc. Da die Coulisse in der Mitte aufgehängt ist und der dieser Fabrik eigenthümliche Coulissenstein dieselbe auſsen umfaſst, so ist nur die obere Hälfte der Coulisse verwendbar. Reversirung wäre auch bei dem hier stattfindenden directen Antrieb des Schiebers für den groſsen Cylinder von einem Excenter der Schwungradwelle überhaupt nicht möglich. Dieselbe Firma hat im französischen Annex eine Eilzugsmaschine für die französische Westbahn ausgestellt, welche dieselbe hübsche Construction der Coulisse hat, aber mit Allan-Steuerung arbeitet. Endlich ist noch von ihr im Trocadero-Annex der französischen Eisenbahnen ein Schmalspur-Sechskuppler ausgestellt, welcher als die best construirte unter dieser Gattung von Locomotiven anerkannt wird; hier greift die Coulisse die doppelt |492| geführte Schieberstange unmittelbar hinter deren Stopfbüchse an und ist gleichfalls ganz gerade; sie wird wie eine gewöhnliche Stephenson'sche Coulisse mittels eines am oberen Ende angreifenden Hängeeisens gehoben und gesenkt. Die langen Excenterstangen lassen hier diese für kleine Locomotiven besonders wichtige und empfehlenswerthe Anordnung um so zulässiger erscheinen.

Auſser der Compound-Maschine von Batignolles sind unter den im zweiten Block des Mitteltractes stehenden Maschinen noch zwei Maschinen von Gebrüder Buffand in Lyon zu bemerken – die eine mit Farcot-Steuerung, die andere mit Meyer-Steuerung, durch directe Verdrehung der Schieberstange vom Regulator stellbar; ferner eine horizontale Zweicylindermaschine mit Corliſs-Flachfeder-Steuerung von Corbran und Le Marchand aus Ronen, eine Maschine mit Farcot-Steuerung von Calla in Paris, zwei eigenthümliche „Box-Maschinen“ von L. Vallet in St. Dié (système compound à un seul cylindre) und von der Compagnie de Fives-Lille (Compound-Maschine, System Demenge). Bemerkenswerth ist auch eine verticale Compound-Pumpenmaschine von Durenne in Paris, mit zwei horizontalen Pump- und zwei verticalen Dampfcylindern auf einem Hammergestell, in welchem die zweimal gekröpfte Welle liegt und an jedem Zapfen von je einer verticalen und einer horizontalen Schubstange angegriffen wird.

Endlich sind in diesem Block noch verschiedene Aufzüge (darunter Megy *1876 222 532) und Werkzeugsmaschinen ausgestellt, unter welch letzteren wir besonders die Schmirgelsteine und -Maschinen von P. Henry und die bereits von Kick beschriebenen praktischen Schweifsmaschinen von Dard (S. *108 d. Bd.) erwähnen.

Der dritte und letzte Block des mittleren Tractes der Maschinenhalle enthält hauptsächlich Werkzeugsmaschinen, darunter besonders zahlreich Fräsmaschinen, Maschinen zum Mutternschmieden und Kalt- und Warmpressen. Bemerkenswerth ist eine Planschmirgelmaschine von Poulot in Paris, bei welcher die Schmirgelscheibe mit ihrer flachen Seite arbeitet und direct durch Klauen auf einer Planscheibe befestigt ist, daſs sie möglichst vollständig abgenutzt werden kann. Am hervorragendsten in dieser Gruppe ist die groſse Ausstellung des Pariser Werkzeugsfabrikanten Bouhey und in dieser selbst wieder eine kolossale Locomotivräder-Drehbank. Zum Antrieb dieses Block dient rechts eine horizontale Woolf'sche Maschine mit Auslöse-Expansionsschieber, der sich quer gegen die Richtung des Vertheilungsschiebers bewegt, links eine Woolf'sche Balanciermaschine gleichfalls mit auslösbarem Expansionsschieber, beide Maschinen von Gebrüder Boudier in Rouen.

Wir durchschreiten die zweite Quergallerie, welche nördlich vom Ausstellungsgebäude der „Stadt Paris“ läuft und zum Hauptthor der Ausstellung, der Porte Rapp, führt, und gelangen in den dritten, nördlichen Tract der französischen Maschinenhalle.

Hier sind im ersten Block noch Werkzeugsmaschinen zur Metall- und Holzbearbeitung ausgestellt, welche sich bis in den zweiten Block erstrecken, der mit verschiedenen Präcisionswerkzeugen und Maschinen für Galanterie- und Kurzwaaren u.s.w. schlieſst. Der dritte Block enthält Maschinen zur Erzeugung von Nahrungsmitteln und anderen Artikeln häuslichen Consums, der vierte Block endlich Maschinen für Bekleidungsgegenstände., also speciell für Leder- und Schuhzeug-Fabrikation, Zuschneid-, Bügel-, Plissirmaschinen u.s.f. und endlich die ganze Legion von Nähmaschinen für Wäsche, Kleider, Hüte, Stiefel, Handschuhe, Riemenzeug u. dgl.

Es mögen im ersten Block nur die herrlichen Werkzeugsmaschinen der in Paris als erste anerkannten Fabrik von Varall, Elwell und Middleton in Paris erwähnt werden, darunter eine kolossale Hobelmaschine mit vier Supports und eine mächtige Horizontal-Bohrmaschine; von Pihet in Paris eine schöne Stoſsmaschine mit variabler Stoſsrichtung zum Conischstoſsen und eine zweite Stoſsmaschine mit auf und nieder zu stellendem Werkzeugkopf, um in verschiedenen Höhen stoſsen zu können; endlich von Hurtu und Hantin eine kleine (unter Glasglocke stehende) Spiralbohrer-Fräsbank für Uhrmacherwerkzeuge u.a. Dieses Maschinchen arbeitet nämlich mit zwei genau über einander |493| stehenden Fräsen, von denen die eine oben, die andere unten die zweite Nuth des Bohrers schneidet, und welche dem entsprechend ihre Achsen unter rechten Winkeln gegen einander geneigt haben. Es wird hierdurch das einseitige Verdrücken des Arbeitsstückes hintangehalten, was für die hier vorkommenden minimalen Dimensionen unumgänglich nothwendig ist, gewiſs aber auch bei manchen groſsen Maschinen vortheilhaft wäre.

Die weiteren Maschinen des nördlichen Tractes der französischen Maschinenhalle sind schon, so weit sie ein allgemeineres Interesse haben, in den erwähnten Mittheilungen von Kick erledigt und sollen hier nur noch die Antriebsmaschinen der verschiedenen Gruppen angeführt werden. Den ersten Block treiben rechts und links Maschinen von E. Boyer in Lille: eine Woolf'sche Balanciermaschine mit auslösbaren Expansionsschiebern ähnlich wie bei Correy (s. oben) und eine Horizontalmaschine mit Bajonnetständer, Langschieber und Farcot-Steuerung. Beide Maschinen gehören in ihrer Ausführung und die Horizontalmaschine speciell ihrer trefflichen Construction halber zu den sehenswerthesten der Ausstellung.

Im zweiten Block dient rechts eine horizontale Condensationsmaschine (System Demenge) von Orly und Granddemange in Paris zum Antrieb, mit einer Zweischieber-Steuerung, deren Grundschieber von einem Excenter, der eigenthümliche Expansionsschieberhahn aber von dem façonnirten Regulatormuff angetrieben wird; links eine äuſserst interessante Maschine von Duvergier in Lyon mit Doppelschieber-Steuerung.

Im dritten Block geschieht der Antrieb rechts durch eine ziemlich unförmliche horizontale Compound-Maschine von Claparède in St. Denis. Die Steuerung geschieht hier durch kleine Doppelsitzventile, welche vorn und hinten an die Cylinderdeckel aufgeflickt erscheinen und von quer über die Cylinderenden gelagerten Daumenwellen angetrieben werden; zur Expansionsregulirung im kleinen Cylinder werden die Wellen vom Regulator verschoben.

Den vierten Block treibt nur eine Dampfmaschine, von Lecointe und Villette in St. Quentin. Dieselbe hat horizontale Zwillingscylinder und die Luftpumpen an den verlängerten Kolbenstangen; die hübsch construirte Steuerung erfolgt durch Ventile mit Auslösemechanismus vom Regulator stellbar.

Westlich von der französischen Maschinenhalle enthält das Hauptgebäude in seinem nördlichen Theile noch zahlreiche schöne Ausstellungen französischer Eisen- und Guſswerke; darunter vielfach gelungene Stahlgüsse, welche in Frankreich neuerdings sehr in Mode gekommen sind und speciell im Locomotivbau vielfach angewendet werden. Oestlich von der Maschinenhalle begrenzt noch eine schmälere Halle diesen Flügel des Ausstellungsgebäudes, enthält jedoch nichts speciell technisches.

Dagegen bieten die beiden östlichen Annexe Frankreichs noch eine reiche Sammlung Maschinen aller Art. Zwischen denselben und dem Hauptgebäude erheben sich die fünf französischen Kesselhäuser.

Das erste derselben (wie stets von Süden beginnend), von der Compagnie de Fives-Lille, fällt vor allem auf durch seinen gewaltigen Kamin, der sich auf maſsigem guſseisernen Sockel in cylindrischem Schaft aus Eisenblechtrommeln erhebt and mit geschmackvoll ausladendem Gesims, gleichfalls aus Blech, abschlieſst; es enthält zwei riesige Locomotiv-Röhrenkessel, deren Gase aus der Rauchkammer nach abwärts zum Kamin geleitet werden.

Im zweiten Kesselhaus von der Société centrale de Pantin (Weyher und Richemond) sind drei Paar über einander liegende Kessel, von denen die unteren, in herauszunehmender Box, die Feuerung enthalten.

Das dritte Kesselhaus enthält Belleville'sche Dampferzeuger neuester Construction für 300e.

Im vierten Kesselhaus sind zwei einfache Bouilleur-Kessel mit seitlichen Vorwärmern, von echt französischem Type zu sehen; sie sind von P. Villette in Lille.

Das letzte Kesselhaus überdacht in geschmackvoller Eisenconstruction drei mächtige Lancashire-Kessel mit Vorwärmern von Chevalier Grenier und Droux im Lyon.

Der erste französische Annex, südlich der Porte Rapp, enthält in seinem südlichen Theil eine groſse Papiermaschine, Druckerei-, Färberei- und Appreturmaschinen |494| und noch einiges andere, das augenscheinlich nur aus Platzmangel hierher gekommen ist. Der Antrieb der einfachen hier durchlaufenden Transmission erfolgt von einer vortrefflich arbeitenden verticalen Halblocomobile von Rikkers in St. Denis mit directem Antrieb der Kurbel von einer Coulissenschleife an zwei seitlichen Kolbenstangen und mit äuſserst empfindlicher Rider-Steuerung. Weiters dient hier zum Antrieb eine Locomobile mit Farcot-Steuerung.

Die zweite Abtheilung dieses Annexes bildet die ausgedehnte, aber dennoch ziemlich unvollständige Ausstellung französischer Eisenbahnen. Besonders die Wagen sind mangelhaft vertreten, wenn verglichen mit den schönen Ausstellungen österreichischer und deutscher Bahnen in Wien 1873; aber auch Locomotiven lassen manchen Type vermissen; so sehen wir zwar 6 gewaltige Eilzugslocomotiven mit Rädern von 2m oder mehr und meistens je einem vorderen und einem hinteren Laufräderpaar, aber keine einzige normale Personenzugsmaschine, und auch die Eilzugsmaschinen lassen erkennen, daſs noch viele ihrer Details nicht endgiltig festgestellt sind. Durch besonders gute Arbeit ragt hier nur die Société des chemins de fer Paris Lyon Méditerrannée hervor, sowohl in Locomotiven als einigen ausgestellten Werkzeugsmaschinen. Die französische Nordbahn hat eine Eilzugslocomotive, ausgeführt von Köchlin in Mülhausen (Elsaſs), ausgestellt, bei welcher in Folge der Nichtbetheiligung Deutschlands jedes Zeichen der fremden Provenienz entfernt werden muſste.

Von der Société anonyme des atéliers de construction de Passy ist eine Locomotive nach System Mallet ausgestellt, rechts mit groſsem, links mit kleinem Cylinder, von denen jeder seine gesonderte Steuerung hat; die Maschine erhält normal frischen Dampf nur im kleinen Cylinder, und expandirt im groſsen Cylinder nach dem Compoundsystem, da die Kurbeln normal unter rechtem Winkel geblieben sind; zum Anfahren und für schwere Steigungen ist in die Rohrverbindungen ein Volldruckschieber eingeschaltet, der beiden Cylindern directen Dampf zu geben ermöglicht (vgl. 1876 222 187) 394).

Der dritte Tract des südlichen französischen Annexes enthält hauptsächlich Dampfkessel und Halblocomobilen; letztere sind von zahlreichen Firmen, darunter auch von der bekannten Fabrik J. Hermann-Lachapelle, ausgestellt, zeigen jedoch keine besonderen Neuerungen; bemerkenswerth im Allgemeinen ist die zahlreiche Anwendung von Farcot-Steuerungen.

Von Dampfkesseln ist verhältniſsmäſsig wenig ausgestellt und meistens normales. Bemerkenswerth sind die schönen Blechschweiſs- und Börtelarbeiten von Gebrüder Imbert in St. Chaumond (Loire), darunter verschiedene geschweiſste Feuerbüchsen recht complicirter Form für die in Frankreich beliebten Locomobilkessel, deren Stehkessel von einem verticalen Cylinder gebildet wird, in welchen der Feuerkasten rund hineinragt und nur an der Stelle der Rohre abgeflacht wird.

Meunier und Comp. in Fives-Lille zeigen générateurs à vapeur semitubulaires mit zwei Bouilleurs über dem Rost, darüber liegendem Hauptkessel mit Retoursiederohren. Die vordere Rohrwand, welche beim Oeffnen der hier befindlichen Ausputzthüren dem Zuge ausgesetzt wird, ist durch eine in ca. 50mm Distanz vorgeschraubte Platte geschützt; dieselbe ist natürlich nach dem lichten Durchmesser der Siederohre ausgebohrt, um den Heizgasen Durchgang zu gestatten.

Noch ist von A. Girard in Paris ein Röhrenkessel mit cylindrischer Box in der Längsachse zu erwähnen, in welchem die Rohre nicht direct in die Rohrwände eingezogen werden, sondern nach Constant (*1875 215 488) in diese ein conischer Ring, in welchem das Rohr etwa 2mm rundum Spiel hat und schlieſslich durch Einpressen von Asbest abgedichtet wird. Zum Herausnehmen der Rohre wird mit einem eigenen Kronbohrer der Asbestring herausgebohrt.

Die beiden nördlichen Tracte dieses Annexes enthalten Modelle und Zeichnungen von Gruben- und Förderanlagen und endlich eine schöne Collection elektrischer und telegraphischer Apparate in allen möglichen Anwendungen.

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Wir überschreiten den Haupteingang, die Porte Rapp, und kommen zum zweiten, nördlichen Annex Frankreichs. Die ersten Blocks enthalten ein wahres Chaos von Gasapparaten, chemischen Apparaten, Waschmaschinen, Chocolademaschinen, Feldbacköfen, Refrigeratoren und Eismaschinen, Mühlen (merkwürdigerweise nur ein einziger Walzenstuhl), Trieurs und Sortirmaschinen und allerlei Apparate zur Zucker- und Confiturenfabrikation, alles dies unter dem Namen „Apparate und Verfahrungsarten der Chemie, Pharmacie und Gerberei, der Landwirthschaft und der Nahrungsmittelfabrikation“ zusammengefaſst. Als Antrieb dienen hier zwei Locomobilen gewöhnlicher Construction. Aufgefallen ist uns eine mächtige Plandrehbank für Mühlsteine, welche von C. Roger und Comp. in La Ferté sous Jouarre ausgestellt ist und im Werkzeugsupport einen rotirenden Fräskopf mit eingesetzten Diamanten trägt (vgl. *1877 226 576. 1878 227 532).

Der dritte Block, welcher den ganzen nördlichen Theil dieses Annexes ausfüllt, enthält ausschlieſslich Locomobilen und landwirtschaftliche Maschinen, bei welchen sich selbstverständlich manche hübsche Detailconstruction, aber nichts wesentlich Neues findet. Als typisch erscheint der schon vorhin erwähnte Locomobilkessel mit vertical cylindrischem Kasten; auffallend ist auch das häufige Vorkommen von kleinen Locomobilen auf nur zwei Rädern. Eine derartige zweirädrige Locomobile von der Compagnie de Fives-Lille trägt eine Compound-Maschine, System Demenge, eine andere in sehr netter Anordnung einen regulären Belleville-Kessel.

Zum Antrieb einiger landwirtschaftlichen Maschinen und der hier auch noch untergebrachten Sägen von F. Arbey in Paris dient eine hübsche Locomobile mit Farcot-Steuerung von Crespin und Marteau in Paris; dieselbe macht ihre 80 bis 100 Touren ganz anstandslos und widerlegt so das gangbare Vorurtheil, daſs Farcot-Steuerungen nur bei geringer Tourenzahl verwendbar seien.

Auf dem Marsfelde bleiben hiernach nur noch einige Pavillons zu besichtigen. Vor allem der Glanzpunkt der Ausstellung, der Pavillon von Schneider und Comp. zu Creuzot, ferner der Pavillon der Compagnie des fonderies et forges de Terre-Noire, welcher auſser einer imposanten Zusammenstellung von Walzproducten und Eisenguſs speciell noch sehr schöne Muster von Stahl-Façonguſs enthält. Aehnliches ist auch in dem Pavillon der Compagnie de St. Chaumond (Director Montgolfier) zu sehen, hier auſserdem einige interessante Panzerplatten, welche durch Zusammenschweiſsen und Walzen mehrerer schwächerer Stahlplatten gebildet sind.

Wir verlassen das Marsfeld und sehen, zur Jena-Brücke gehend, längs der Seine links die commercielle Ausstellung der französischen Seehäfen, rechts den Marine-Annex und hinter demselben den Annex für Pumpen. Beide waren Anfang Juli noch nicht eröffnet und enthielten, soweit sich aus dem hier herrschenden Chaos schlieſsen lieſs, noch wenig bemerkenswerthes.

Jenseits der Jena-Brücke, auf dem Trocadero, zeigt sich rechts der Annex für die Ingenieurwissenschaften, welcher auch erst Ende Juni eröffnet wurde; links sind noch drei kleinere Hallen dem Eisenbahnwesen gewidmet und enthalten das interessanteste dieser Branche in der Ausstellung.

Der erste Pavillon enthält speciell Straſsen-Locomotiven und Wagen, u.a. von Tilkin Mention aus Lüttich und von der Compagnie de Fives-Lille je eine kleine Locomotivmaschine mit zwei gekuppelten Achsen, von Cail eine „feuerlose“ Locomotive, System Lamm-Francq (1877 226 428), von L. Mékarski einen automobilen Wagen und eine Locomotive für Straſsenbahnen, beide mit comprimirter Luft arbeitend.

Der zweite Pavillon enthält verschiedenes Eisenbahnmaterial, darunter herrliche schmiedeiserne Räder, deren interessante Fabrikation Specialität von Lucien Arbel in Rive de Gier ist.

Im dritten Pavillon endlich ist die „transportable Eisenbahn für landwirtschaftliche Zwecke“ von Decauville (1878 227 310) in Gleisen, Wechseln, Drehscheiben, Waggons und Locomotiven ausgestellt, und wird so ein anschauliches Bild dieser bedeutungsvollen Neuerung gegeben. Hier sehen wir auſserdem zwei Dampfwagen von A. Bollée in Mans (1876 219 275), die aber mehr dem ersten als dem achten Decennium dieses Jahrhunderts anzugehören |496| scheinen. Schlieſslich sind noch verschiedene interessante Schmalspur-Locomotiven ausgestellt., darunter auch die schon oben erwähnte der Société des Batignolles.

Hiermit schlieſst unser Rundgang durch die maschinen-technischen Abtheilungen der Ausstellung; es ist überflüssig zu sagen, daſs begreiflicherweise vieles Wichtige und Bedeutungsvolle übersehen wurde; aber auch darauf möge hingewiesen werden, daſs selbst Anfang Juli noch manches erst in der Aufstellung begriffen, anderes noch gar nicht an Ort und Stelle war. Auch so möge diese Uebersicht wenigstens den Nutzen haben, dem Besucher die ersten Orientirungsgänge in der Ausstellung zu ersparen oder zu erleichtern, und denen, welche nicht die Ausstellung besuchen, ein gewisses Bild über den allgemeinen Eindruck der siebenten Weltausstellung zu verschaffen.

Specielle Charakterisirungen einzelner Maschinengattungen, Vergleichung der Praxis verschiedener Länder und Schlüsse über die voraussichtliche Entwicklung der hier auftretenden neuen Gedanken können rationeller Weise erst im Verlaufe der einzelnen Notizen vorgeführt werden. Auch läſst sich bei der mehr oder weniger unvollständigen Ausstellung der fremden Länder, welche doch meistens nur Auſsergewöhnliches zur Ausstellung senden wollen, nur bei der französischen Ausstellung ein Urtheil über die normale Praxis im Maschinenbau bilden. Da fällt zunächst in die Augen der wahrhaft nationale Charakter der französischen Industrie, welche sich wie vor dem Import fremder Fabrikate durch Schutzzölle so vor der Nachahmung fremder Gedanken durch das allüberall hoch entwickelte Selbstbewuſstsein schützt. Der sonst allgemein präponderante Einfluſs Englands ist hier nirgends sichtbar, und hierin dürfte vielleicht die hauptsächliche Ursache zu finden sein, daſs uns deutschen Ingenieuren, denen immer mehr oder weniger englischer Maschinenbau als Ideal vorschwebt, so vieles an französischen Maschinen durchaus nicht gefallen will.

Bedenkt man aber, daſs trotzdem diese Maschinen gut, dauerhaft und billig arbeiten, daſs dabei der Maschinenfabrikant und das ganze Land reich und reicher wird, daſs Frankreich allein in der ganzen Welt die Krisis der letzten Jahre fast unbemerkt vorüberziehen sah, so muſs man anerkennen, daſs diese nationale Abschlieſsung in materieller Hinsicht gewiſs ihr Gutes hat.

Dieser Schutz des Eigenen gegen Fremdes macht sich nicht allein im groſsen Ganzen, sondern fast bei jedem Einzelnen geltend; daher gehen die gediegenen Normalconstructionen ab, welche englische Maschinen so imposant machen, und manches absonderliche Gebilde, bisweilen an Amerika erinnernd, wird gezeichnet und ausgeführt. Während aber in Amerika bei derartigen Fällen gewöhnlich nur die Praxis ihr Wort spricht und das Studium, die Theorie, ignorirt wird, findet bei Frankreichs hochgebildetem Ingenieurstande vielleicht etwas |497| Gegentheiliges statt; in anderen Ländern geht leider der Praxis die Erfindungsgabe, dem Wissen der Muth ab.

Darum muſs die deutsche Industrie so oft den Vorwurf der Nachahmung hinnehmen, obwohl sie Wissen und Können zu einer nationalen Industrie reichlich besitzt. Möge endlich die Zeit kommen, wo wir es verstehen, den reichen Bildungsstoff, der im Volke angesammelt ist, auch thatkräftig wirksam zu machen, und wir werden ebenso sehr uns selbst, als dem gemeinsamen Interesse aller Culturvölker genutzt haben!

Müller-Melchiors.

Maschine und Steuerung der Schweizerischen Locomotiv- und Maschinenfabrik zu Winterthur. (Tafel 39.)

In der vortrefflichen Ausstellung der Schweizerischen Maschinenfabriken nimmt die oben genannte Firma, deren Werkstätten unter der Leitung des bekannten Ingenieurs Ch. Brown stehen, einen hervorragenden Rang ein. Die Fabrik hat auſser einer Schmalspur- und einer Straſsenbahn-Locomotive, entsprechend dem zweiten Theil ihres Titels, auch eine Dampfmaschine ausgestellt und darin gewissermaſsen die Vorzüge der Locomotivmaschine auf die Stabilmaschine übertragen. Leichtigkeit, Kühnheit der Construction, elegante Formen und prachtvolle Ausführung aller Details, ohne Entfaltung unnützen Prunkes, zeichnen diese Maschine schon beim ersten Anblick vor vielen anderen aus, und der wunderbar ruhige Gang, in dem sich ihre 120 Touren in der Minute abspielen, kann das günstige Urtheil nur noch befestigen. Sie ist entsprechend der ausgesprochenen Tendenz unsers Decenniums eine Ventilmaschine, unterscheidet sich aber gleich der Collmann'schen Maschine (*1877 225 316) von den anderen Ventilmaschinen der Ausstellung dadurch, daſs kein Auslösemechanismus vorhanden ist und somit auf den plötzlichen Schluſs der Einströmung verzichtet wird. Das Ventil steht vom Momente der Eröffnung bis wieder zum Abschluſs stets unter dem Einflusse festgegliederter Steuerungsorgane und kann daher eine viel höhere Tourenzahl mitmachen, als wenn es, zum Beginn der Expansion ausgelöst, unter dem Stoſse von Federn oder Gewichten auf seinen Sitz geschleudert würde. Daſs hierbei der Abschluſs verlangsamt und dadurch die Vollkommenheit der inneren Steuerung beeinträchtigt wird, ist offenbar; andererseits werden Ventile und Sitze mehr geschont, die äuſseren Mechanismen einfacher und dauerhafter und die mindere Vollkommenheit des Abschlusses durch die Vortheile hoher Tourenzahl theilweise wieder hereingebracht (vgl. 1877 225 317). In der Wesenheit ihres Effectes stimmt die Brown'sche Steuerung mit einer gewöhnlichen, und zwar der Gooch'schen Coulissensteuerung, beiläufig überein; sie ist daher in gleicher Anordnung auf einfache Muschelschieber anwendbar und in dieser Form an der Straſsenbahn- und der |498| Schmalspur-Locomotive der Austellung angebracht; wir beginnen unsere Beschreibung mit letzterer.

Hier liegt, wie aus Fig. 1 Taf. 39 ersichtlich, der Cylinder hoch oberhalb der zwei gekuppelten Achsen und treibt dieselben mittels einer Blindwelle an, auf welcher beiderseits Balanciers angebracht sind – eine Anordnung, welche behufs bequemer Disposition im Allgemeinen empfehlenswerth ist und hier auch mit Rücksicht auf die Steuerung vorgezogen werden muſste. Die Treibstange, welche vom Balancier zum Hinterrade führt, hat im zweiten Drittel ihrer Länge einen Bolzen angebracht, welcher somit die bekannte, einer Ellipse sehr ähnliche Curve beschreibt.1) Hier ist nun die verticale Stange angelenkt, welche die Excenterstange einer gewöhnlichen Steuerung vertritt; das obere Ende derselben greift an einem Lenker an, der einerseits von einem um festen Drehpunkt schwingenden Hebel geführt wird, andererseits in einer drehbaren Hülse gleitet und derart einen angenäherten Ellipsenlenker bildet. In Folge dessen wird das obere Ende der Excenterstange in einer Graden, senkrecht zur Verbindungslinie beider Lenkerdrehpunkte, geführt, und jeder Zwischenpunkt der Excenterstange beschreibt eine eigentümliche birnförmige Curve, die sich in der Nähe des geradegeführten Punktes wieder einigermaſsen einer Ellipse nähert. Hier wird nun die Schieberbewegung abgeleitet und der unterhalb des Cylinders liegende, mit Trick'schem Kanale versehene und entlastete Schieber in der aus Fig. 1 ersichtlichen Weise bewegt. Wird das Verbindungsglied der beiden Lenkerdrehpunkte verstellt, was wie bei einer Coulissensteuerung mittels des Reversirhebels geschieht, so neigt sich auch die Geradführungslinie und mit ihr die Curve des Schieberführungspunktes parallel zum Reversirhebel. Die Füllung wird vergröſsert, je stärker die Neigung wird; die Maschine fährt vorwärts, wenn die Reversirstange in der Richtung des Pfeiles verdreht wird, rückwärts bei der entgegengesetzten Verstellung.

In ähnlicher Weise ist die Steuerung bei der Straſsenbahn-Locomotive angeordnet; auch hier wird die Bewegung des Kolbens mittels Balancier auf die Räder übertragen; sie wiegt 7t,5 im Dienst und ist die Modification einer gewöhnlichen Locomotivmaschine mit dem hauptsächlichen Unterschiede, daſs die Feuerbüchse den Rundkessel bedeutend überragt und einen groſsen Wasserbehälter bildet, damit sich der Führer längere Zeit hindurch weder um die Speisung, noch um das Feuer zu kümmern hat.

Die Stabilmaschine ist in Fig. 2 und 3 im Längsschnitt und Grundriſs, in Fig. 4 im vergröſserten Längsschnitt durch den Cylinder und in Fig. 5 und 6 im halben Querschnitt durch den Cylinder, bezieh. Vorderansicht, gezeichnet. Der mit Dampf geheizte Cylinder ist in |499| ähnlicher Weise wie bei der Sulzer-Steuerung mit den Eintrittventilen oben, den Austrittventiten unten construirt, letztere in der aus Fig. 2 ersichtlichen Weise bewegt. Die Eintrittventile und die zu ihrer Bewegung dienenden kleinen Winkelhebel sind aus Fig. 4 genauer zu ersehen. Es sind Doppelsitzventile, welche von den Kämmen der Ventilspindel erfaſst werden und sich daher frei drehen können; sie werden von dem nach aufwärts verlängerten Ventilsitze central geführt und finden in dem beim Niedergange hier eingeschlossenen Dampf zur Vermittlung sanfteren Aufsitzens ein Dampfkissen. In den verticalen Armen der Winkelhebel ist die Schieberstange geführt und kommt mit ihren plattenförmigen Anschlägen abwechselnd mit dem hinteren oder vorderen Winkelhebel in Berührung; in ihrer Verlängerung zur Excenterstange ist sie aus einem Gasrohre gebildet. Der Steuermechanismus entspricht vollständig dem früher beschriebenen und ist geschmackvoll am Regulator angeordnet.

Hier ist der oben besprochene Ellipsenlenker angebracht und trägt an dem Verbindungsglied der Drehpunkte einen Bügel, welcher den Regulatorständer umfaſst und in der aus Fig. 6 ersichtlichen Weise die Lagerung der Geradführung vermittelt. Am unteren Ende empfängt die Excenterstange ihre Bewegung von der Treibstange – hier nicht direct, sondern zur Verminderung des Hubes durch Vermittlung eines Zwischengliedes. Die Verdrehung der Geradführung findet selbstverständlich vom Regulator statt; zu dem Zwecke wird der Regulatormuff von einem Bügel umfaſst, der in seiner Verlängerung nach rechts an einer festen Zugstange aufgehängt ist (vgl. Fig. 2), während links eine Zugstange zum Oelkatarakt führt und in der Mitte an das Verbindungsglied der Geradführung angelenkt ist.

Von den übrigen Details der Maschine ist speciell die eigenthümliche Anordnung des Bettes bemerkenswerth. Dasselbe schlieſst sich hinten an den central gestützten Dampfcylinder an, zieht sich als geschlossener Cylinder, die Kreuzkopfführung bildend, nach vorn und geht endlich in zwei Arme aus, welche die Schwungradlager tragen und unterhalb derselben in Tragfüſse ausgehen. Die Lager sind vertical getheilt, die verzahnten Deckel oben mit zwei Schrauben befestigt und zum Nachstellen der Lagerschalen oben und vorn Stellschrauben angebracht; unterhalb des Lagers wird der hier runde Tragfuſs von einem Band umgeben, welches als Tropfschale dient. Zwischen den beiden Lagern und knapp an denselben anliegend befinden sich zwei guſseiserne Kurbelscheiben, verbunden durch den starken Kurbelzapfen, der von der Treibstange, mit gleichfalls vertical getheiltem Kopf, ergriffen wird. In der vorderen Kurbelscheibe ist nur ein kurzes Stück Welle eingepreſst, um zur Lagerung zu dienen; über das hintere Lager geht die Welle hinaus, trägt hier das Riemenschwungrad und findet noch ein drittes Lager auf getrenntem Ständer.

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Hinter dem Dampfcylinder stehen die zwei einfach wirkenden Luftpumpen, welche von der nach rückwärts verlängerten Kolbenstange durch einen Winkelhebel angetrieben werden (vgl. Fig. 2). Das die Luftpumpe umgebende Gehäuse, welches gleichzeitig den Condensator und den Ausguſsbehälter bildet, enthält die Lager des Winkelhebels und trägt mittels einer Säule das hintere Ende der kleinen Kreuzkopfführung, deren vorderes Ende am Cylinderdeckel befestigt ist. Diese ganze Anordnung, welche auch bei den Sulzer'schen Ausstellungsmaschinen wiederkehrt, macht einen vortrefflichen Eindruck. Das vom Cylinder zum Condensator führende Ausströmrohr ist in Fig. 1 und 3 ersichtlich. Hinter demselben mündet das Dampfrohr in den Cylindermantel ein und gelangt von hier aus durch das zwischen den Einströmventilen befindliche Absperrventil zum Cylinder. Auch dieses ist ein Doppelsitzventil, dessen lange Spindel einen den Steuerventilträgern nachgebildeten Ständer passirt und endlich mit einer Kappe verbunden ist, welche dem Ständer mit steilem flachgängigem Gewinde aufgeschraubt wird (vgl. Fig. 4). An der Kappe ist ein Hebel befestigt, mit welchem das Ventil geöffnet und geschlossen wird. Die Ventilspindel hat zur Dichtung Ringnuthen eingedreht, erhält aber auſserdem oben eine Stopfbüchsenpackung.

Zum Schlusse möge noch in wenig Worten die Theorie der Steuerung berührt werden, soweit sie sich überhaupt annäherungsweise geben läſst, und endlich die ältere Brown'sche Ventilsteuerung besprochen werden.

Es bezeichne in Fig. 7, welche die Locomotivsteuerung der Fig. 1, allerdings in verzerrten Verhältnissen, repräsentirt: r den Kurbelradius, v das Verhältniſs der ganzen Treibstangenlänge zu dem zwischen Kreuzkopfbolzen und Excenterstange eingeschlossenen Stücke und ebenso z das Verhältniſs der ganzen Excenterstangenlänge zu dem zwischen Geradführung und Schieberstange eingeschlossenen Stücke, so besteht bei dem Verdrehungswinkel ω der Kurbel und α der Geradführung finden Schieberweg ξ die Gleichung:

Der Werth u ergibt sich, indem man die Neigung der Excenterstange ebenso wie die der Treibstange vernachlässigt, bezieh. den Cosinus ihres Neigungswinkels gleich eins setzt, aus der Gleichung:

und daraus

Hieraus läſst sich ohne weiteres das Zeuner'sche Schieberdiagramm bilden, indem die Ordinaten und die Abscissen |501| der Centralcurve darstellen. Man ersieht auch daraus, daſs die Abscisse für alle Neigungswinkel der Coulisse constant bleibt und wir somit genau das Diagramm einer Gooch'schen Steuerung erhalten. Dem entsprechend sind auch die Eigenschaften dieser Steuerung zu beurtheilen; es lassen sich mit derselben, bei Anwendung einer Schiebersteuerung, ebenso wenig Füllungen unter 30 Proc. erreichen, ohne eine auſserordentlich groſse Compression zu veranlassen. Bei der Ventilsteuerung dagegen, wo nur der Einlaſs durch diesen Mechanismus besorgt wird, lassen sich auch die Diagrammkreise, welche sonst für den Rückwärtsgang gelten, zum Vorwärtsgang benutzen und demgemäſs beliebig kleine Füllungen erzielen. Allerdings fällt hierbei die Ventilerhebung sehr klein aus, wie dieselbe auch thatsächlich beim Leerlauf der Ausstellungsmaschine kaum mehr als 1 bis 2mm betrug.

Interessant ist, daſs die Hackworth'sche Steuerung, deren Theorie wir in D. p. J. * 1876 219 4 aufstellten, genau dieselben Resultate ergibt, wie denn überhaupt zwischen beiden Steuerungen eine gewisse Verwandtschaft existirt; bei der Anwendung auf Locomotiven haben beide den Nachtheil, daſs durch die Wirkung des Federspieles bedeutende Ungenauigkeiten entstehen.

Derselbe Mechanismus ist übrigens schon bei der älteren Brown'schen Steuerung angewendet, wie sie in Fig. 8 angedeutet ist. Hier dient derselbe jedoch nur zur Bewegung des Hilfsventiles, welches auf dem Hauptventil aufsitzt und bei seiner Verdrehung das Anheben des letzteren bewirkt. Dies geschieht dadurch, daſs das Hauptventil nach oben zu einem Kolben erweitert ist, dessen Inneres durch eine Zahl enger Bohrungen mit dem Dampfraum communicirt. Dadurch findet im Ruhezustande auf beiden Seiten des Ventiles gleicher Druck statt; wie aber der Drehschieber die kleinen zum Cylinder führenden Bohrungen, welche er bis jetzt verdeckt hatte, öffnet, strömt der oberhalb des Kolbens befindliche Dampf in den Cylinder, wo grade Ausströmung stattfindet, und der frische Dampf kann durch die Kolbenbohrungen nicht rasch genug nachdringen; es bildet sich ein Ueberdruck, das Ventil hebt sich, schlägt wider den Deckel an und verschlieſst so die Oeffnungen. In Folge dessen bleibt es so lange gehoben, bis der Drehschieber absperrt, worauf der oberhalb durchsickernde Dampf wieder Spannung gewinnt und endlich den Niedergang des Ventiles bewirkt. Die Steuerung beruht auf gleichem Principien wie die Mehrzahl der bei direct wirkenden Pumpen angewendeten Steuerungen und theilt wohl auch deren Fehler mit dem Verlust des Steuerdampfes und nicht absoluter Verläſslichkeit; aber auch sie legt Zeugniſs ab von dem vielseitigen Erfindergenie ihres Schöpfers Ch. Brown.

Müller-Melchiors.

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Massey's Dampfhammer und Schmiedemaschine. (Fig. 1 und 2 Taf. 40.)

Von Dampfhämmern ist noch bemerkenswerth die Ausstellung von B. und S. Massey in Openshaw bei Manchester, von welcher Firma nebst zwei im kleinen Maſsstabe ausgeführten gangbaren Modellen 5 Hämmer ausgestellt sind, welche der Reihe nach 25, 75, 175, 250, 2500k Gewicht des Hammerbärs aufweisen. Die beiden ersten und der vierte haben Selbststeuerung und Handsteuerung vereinigt, der dritte hat blos Selbststeuerung und ist ein sogen. Schnellhammer, der fünfte hat blos Handsteuerung und Selbstumsteuerung beim höchsten Hube des Hammerbärs als Sicherheitsvorkehrung.

Die Selbststeuerung ist zur Veränderung der Hubhöhe eingerichtet und weist zwei interessante Anordnungen auf. Die eine ist schon seit der Wiener Weltausstellung 1873 bekannt und in D. p. J. *1874 212 286 beschrieben; die Hubänderung geschieht mittels Stellhebel und Sperrquadrant. Das andere beim zweiten Hammer angewendete neue Detail bewirkt direct die Verstellung des Schiebers, bezieh. des Bolzens a' (Fig. 1 Taf. 40) durch die in denselben eingehängte Schubstange s, die mit der Rolle r auf der gekrümmten Bahn des Keiles k gleitet. Die Achse b' ist hier im Ständer gelagert und der eine Arm des Winkelhebels bb' wird wie früher durch eine Feder c an der Rolle a anliegend erhalten. Wird der Keil k mittels des Handrades h durch die Schraube t nach einwärts geschoben, so wird a' gehoben, im entgegengesetzten Falle gesenkt und dadurch die Hubveränderung bewirkt. Die Stange s erhält die oscillirende Bewegung vom gebogenen Arme b des Winkelhebels, der an seinem Ende ein Auge besitzt, in welches die Verlängerung von s achsial verschiebbar eingreift. Die oscillirende Bewegung von s um die Achse a' aber bewirkt die Bewegung des Kolbenschiebers während jedes Hubes, somit die Dampfvertheilung. Der Schnellhammer macht bei vollem Dampfdrucke 400 bis 500 Schläge in der Minute.

Bezüglich der Ausführung mag noch bemerkt werden, daſs die vier kleineren Hämmer durchwegs Schmiedeisen als Material für den Fallbär aufweisen, um Sicherheit gegen durch Stöſse leicht eintretende Brüche zu gewähren. Der Fallbär des groſsen Hammers dagegen ist, wie sonst üblich, aus Guſseisen hergestellt. Kolben und Kolbenstange sind aus Schmiedeisen in einem Stücke geschmiedet. Die kleinen Hämmer arbeiten durchwegs mit Oberdampf, der groſse kann sowohl mit, als auch ohne Oberdampf benutzt werden. In letzterem Falle wird durch eine Stellschraube der Ausschlag des Hand-Steuerhebels derart beschränkt, daſs die Dampfeinströmung über den Kolben nicht erfolgen kann.

Von derselben Firma ist noch eine Schmiedemaschine für Bolzen etc. und eine Kreissäge zum Schneiden glühenden Eisens ausgestellt. Bei der Schmiedemaschine, welche in Fig. 2 Taf. 40 dargestellt, kann das Untergesenke während des Ganges der Maschine der Höhe nach verstellt werden, und zwar wird dies von Massey durch Verschiebung der keilförmigen Unterlagen bewirkt. Die Maschine besitzt vier Stempel von je |503| 89mm Durchmesser, welche wie bei der bekannten Whitworth'schen Schmiedemaschine durch Excenter niedergedrückt und durch Spiralfedern gehoben werden. Die Untergesenke ruhen, wie erwähnt, auf in Schlitzen geführten und durch Schrauben niedergehaltenen keilförmigen Stücken, welche mittels Schraubenspindeln und an deren beiden Enden angebrachte Handräder von beiden Seiten der Maschine aus verstellt werden können. Beide Seiten der Maschine sind Arbeitsseiten, und können daher stets zwei, auch vier Arbeiter die Maschine benutzen. Zur Auflage der Arbeitsstücke sind verstellbare Stützenwinkel auf die Tischplatte aufgeschraubt. Die Excenterwelle ist aus Stahl gefertigt, die Lager für dieselbe sind mit Weiſsmetall ausgegossen. Die Antriebsriemenscheiben haben 355mm Durchmesser und 95mm Breite. Die Tourenzahl derselben beträgt 750 in der Minute, das Gesammtgewicht der Maschine 3200k; zum Betriebe derselben ist 1e erforderlich.

Tweddell's hydraulische Schere für Eisenbahnschienen. (Fig. 3 Taf. 40.)2)

Eines der interessantesten Stücke der englischen Ausstellung ist die hydraulische Schere von Tweddell, welche in Fig. 3 Taf. 40 dargestellt und von der Hydraulic Engineering Company in Chester ausgestellt ist; die zugehörige direct wirkende Dampfpumpe, nach Taylor's System wurde bereits in D. p. J. * S. 122 d. Bd. ausführlich beschrieben. Die Verbindung zwischen der Schere und der Preſspumpe ist durch ein Preſsrohr mit entsprechenden Krümmungen hergestellt. Die Schere, welche den Preſskolben von 300mm Durchmesser enthält, wiegt 4t und kann frei auf das Fundament gestellt werden, ohne irgend eine weitere Befestigung zu erfordern. Die Preſspumpe besitzt einen Dampfkolben von groſsem Durchmesser, welcher mit einem Pumpenkolben von kleinem Durchmesser direct durch dieselbe Kolbenstange verbunden ist. Das Wasser wird durch das Preſsrohr mit Ausschluſs irgend welcher Ventile in den Preſscylinder der Schere geleitet und kehrt wieder in den Pumpencylinder zurück, wenn der Druck auf den Dampfkolben aufhört. Ein einziger Hub des Pumpenkolbens genügt für einen vollen Hub des Preſskolbens. Die Preſspumpe, welche ebenfalls keiner weitern Befestigung auf dem Fundamente bedarf, wiegt 5t Mit Inbegriff blos noch eines kleinen transportablen Dampfkessels wird hier die Arbeit ausgeführt, welche sonst eine Maschine von mindestens 18t Gewicht, eine bedeutende Fundirung, eine Transmission und eine Antriebsdampfmaschine sammt Kessel dazu beanspruchen würde. Diese hydraulische Schere kann übrigens auch als Lochmaschine verwendet werden.

Die Ingangsetzung der Preſspumpe erfolgt durch einen vom Maschinenwärter zu stellenden Hebel. Der Abschluſs der Dampfeinströmung erfolgt selbstthätig, so daſs der Dampf noch expandiren kann, und |504| zwar durch eine in entsprechender Höhe vorhandene Oeffnung, deren drei seitlich angebracht und durch Hähne verschlieſsbar sind, wie aus Fig. 3 deutlich ersichtlich ist. Hat der Kolben diese Oeffnung überschritten, so tritt der Dampf aus und schlieſst den Eintrittkanal durch Vermittlung eines Kolbenventiles. Ist die Arbeit vollendet, so bewirkt die Hebelbewegung den Austritt des Dampfes auf der anderen Seite dieses Kolbenventiles und öffnet dann neuerdings das Dampfeinströmungsrohr. Der Dampfverbrauch ist dabei nach Maſsgabe der erforderlichen Leistung regulirt. In dem Falle, als der Maschinenwärter vergessen würde, den einen der drei seitlichen Ausströmhähne vollständig zu öffnen, bevor er den Einströmhahn öffnet, würde ein breiter Kanal, welcher an der oberen Stelle des Dampfcylinders angebracht ist, den Dampf in der höchsten Stellung des Kolbens über den Kolben treten lassen und diesen ins Gleichgewicht stellen. Die Zurückbewegung des Preſskolbens mit dem Schermesser erfolgt durch Gegengewichte, welche an Ketten gehängt sind; letztere sind durch Rollen aus der verticalen in die horizontale Richtung abgelenkt. Zur Geradführung des Schermessers ist der Preſskolben unten mit einem Fuſse versehen, welcher auf einer gehobelten Paſsleiste des Bettes gleitet. Die äuſserst sinnreiche Einrichtung der ganzen Maschine und ihre Einfachheit sichern mit geringen Kosten einen regelmäſsigen Betrieb dieses mächtigen Werkzeuges.

Von der Hydraulic Engineering Company in Chester sind noch eine Reihe hydraulischer Maschinen ausgestellt, wovon die wichtigsten im Folgenden kurz besprochen werden sollen.

Tweddell's hydraulische Lochmaschine und Schere. (Fig. 4 Taf. 40.)

Diese in Fig. 4 Taf. 40 dargestellte Maschine besitzt drei hydraulische Preſskolben von gleichem Durchmesser (300mm) wie die vorbeschriebene Schere für Eisenbahnschienen; der erste Kolben trägt eine gerade Schere, der mittlere eine Winkelschere, der letzte den Lochstempel. Diese 3 Kolben sind jedoch im Querschnitte nicht kreisrund, sondern zur Verhinderung der Verdrehung des Schermessers mit einer angehobelten Fläche versehen, welche sich gegen einen in die Stopfbüchse eingelegten Keil anlegt. Diese Maschine hat wie die vorgenannte zunächst den Hauptvortheil, daſs keinerlei Räderwerk, keine Welle und kein Riemen zum Betriebe erforderlich sind; daſs ferner keine Brüche durch momentane Umsetzung der lebendigen Kraft von Schwungmassen eintreten können, wie groſs auch die zwischen die Schermesser eingebrachten Eisenquerschnitte sein mögen. Es kann eben der Druck auf das Schermesser nur ein ganz bestimmtes Maximum erreichen, das durch die vorhandene Wasserpressung begrenzt ist, und für welches die Dimensionen der Maschine berechnet sind.

Die drei hier vereinigten Werkzeuge sind ganz unabhängig von |505| einander und können auch getrennt in irgend welcher passend erscheinenden Weise gegen einander aufgestellt werden. Dadurch ist der bedeutende Vortheil gesichert, daſs, falls ja jemals ein unvorhergesehener Bruch eines Theiles einen Stillstand herbeiführt, nicht sofort die ganze Maschine auſser Verwendung kommen muſs, sondern die nicht gebrochenen beiden anderen Werkzeuge ungehindert in Betrieb bleiben können. Die Lochmaschine hat noch einen ganz besonderen Vorzug gegenüber der durch Riemen betriebenen, welcher darin besteht, daſs der Lochstempel niemals unzeitig niedergeht, sondern nur dann, wenn der Maschinenwärter mittels des Handhebels das Einlaſsventil für das Druckwasser öffnet. Durch Anschrauben von Gesenken oder Stanzen kann diese Maschine auch als Schmiedepresse oder als Druckwerk zum Prägen verwendet werden. Die Schermesser können auch beliebig schief gegen die Ständerachse an den Kolben angeschraubt werden, um das Abschneiden langer Stücke Flacheisen u. dgl. zu gestatten.

Am Steuerhebel ist eine abwärts hängende Stange mit verstellbaren Anschlägen angebracht, wie in Fig. 4 links und in der Mitte ersichtlich, welche in einem kleinen, am Preſskolben befestigten Lager geführt ist und zur Hubbegrenzung dient. Durch die Verstellung dieser Anschläge kann die Hubhöhe stets mit Leichtigkeit der, Blechdicke angepaſst werden, so daſs jeder unnütze Wasserverlust vermieden ist.

Diese Maschine ist gleichfalls so schwer, daſs sie keine weitere Befestigung auf dem Fundamente erfordert. Das Druckwasser wird einem Accumulator entnommen, welcher auf 100at Wasserpressung berechnet ist. Die ausgestellte Maschine locht 25mm Durchmesser in Blech von 19mm Dicke 600mm vom Rande und schert 19mm dicke Bleche auf dieselbe Entfernung vom Rande; die Winkelschere endlich schneidet Winkeleisen von 100mm Schenkellänge und 12mm Dicke.

Tweddell's hydraulische Nietmaschinen. (Fig. 5 bis 10 Taf. 40.)

Von diesen Maschinen bekannten Principes (vgl. *1877 224 33) sind mehrere ausgestellt, welche sich durch die Detailconstruction der Ständer, bezieh. der Träger der Nietstempel und Preſscylinder unterscheiden. Danach theilen sich die ausgestellten Maschinen in eine fixe, auf festem Fundamente stehende, mit fest verbundenen Ständerarmen und horizontaler Achse der Nietstempel, eine halbtragbare, bei welcher die bekannte transportable Nietmaschine in einem festgestellten Ständer durch einen Fuſstritt vertical verstellbar ist, um die Nieten einbringen zu können, bei welcher die Achse der Nietstempel vertical steht, und endlich mehrere tragbare Nietmaschinen, welche an Krahnen hängen. Die Rohrleitung führt von der Krahnsäule zur Krahnkatze mit Gelenkstücken (vgl. * S. 418 d. Bd.), von der Katze zum Aufhängestücke der Maschine in einer langgezogenen Spirale und |506| endlich von hier zum Preſscylinder in einem trompetenförmig gebogenen oder spiralförmig gerollten Rohre, wie aus den Fig. 5 bis 9 Taf. 40 ersichtlich ist, welche die vier Typen der ausgestellten tragbaren Nietmaschinen zeigen.

Die Nietmaschinen sind sämmtlich auf der Ausstellung im Gange. Da es jedoch nicht gestattet ist, in den Räumen der Ausstellung ein Schmiedefeuer zum Hitzen eiserner Nieten aufzustellen, so werden mittels derselben Nieten von Blei in entsprechend vorgebohrte Nietlöcher eingezogen. Die Arbeit geht auſserordentlich rasch von statten und das Ergebniſs ist ein sehr befriedigendes. Durchschnitte von in Eisen ausgeführten Nietungen, welche in mehreren Exemplaren ausgestellt sind, zeigen durchwegs guten Anschluſs der Nieten an das Blech, selbst bei ganz unmäſsig gegen einander verschobenen Nietlöchern.

Das erforderliche Druckwasser liefert auch hier ein Accumulator und zwar derselbe, welcher das Druckwasser für die vorbeschriebene Lochmaschine und Schere liefert. Eine mit 3 Pumpenkolben versehene, durch Riemen angetriebene Pumpe sorgt dafür, daſs der Accumulator stets mit dem hinreichenden Wasserquantum versehen ist. Fig. 10 Taf. 40 gibt ein Bild des Accumulators und der damit in Verbindung stehenden Pumpe; derselbe ist ein sogen. Differential-Accumulator und besteht aus einem Cylinder, welcher über die fesstehende verticale Kolbenstange geschoben und mittels Stopfbüchsen an beiden Enden gegen die Kolbenstange abgedichtet ist. Die untere Hälfte der Kolbenstange hat einen gröſseren Durchmesser als die obere, und die Differenz beider Querschnitte gibt die Druckfläche. Wird die Pumpe in Bewegung gesetzt, so steigt der Cylinder rasch aufwärts. Ist dieser hinreichend hoch gehoben, so wird der Antriebriemen selbstthätig auf die Losscheibe geschoben und dadurch die Pumpe abgestellt. Wird dem Accumulator Wasser entnommen, so sinkt der Cylinder und bringt dabei zugleich die Pumpe wieder in Thätigkeit. Bei der ausgestellten Pumpe wird der Riemen nur von Hand von der Festscheibe auf die Losscheibe gerückt, die selbstthätige Abstellung ist hier nicht vorhanden. Durch auſsen um den Cylinder gelegte zweitheilige Ringgewichte kann der Wasserdruck im Accumulator nach Belieben regulirt werden. Die Differenz der beiden Querschnitte der Kolbenstangen, also die Druckfläche, ist im Verhältniſse zu der durch eine Nietmaschine zum Einziehen einer Niete verbrauchten Wassermenge gering und erfolgt daher beim Oeffnen des Ventiles der Nietmaschine das Niedergehen des Accumulatorcylinders ziemlich rasch. In Folge der dadurch erlangten Beschleunigung wird am Ende der Bewegung des Nietstempels ein kleiner Stoſs auf die fertig eingezogene Niete ausgeübt, was für die Nietung als vortheilhaft erachtet wurde.

Bezüglich der Ausführung ist noch zu bemerken, daſs bei der fixen Nietmaschine, welche hauptsächlich zum Nieten von Locomotivkesseln |507| bestimmt ist, der Gegenständer aus Schmiedeisen hergestellt ist. Die freie Höhe im Einschnitte vom Boden bis zu den Nietstempeln (Ausladung) beträgt bei dieser Maschine 1800mm. Diese Maschine ist stark igenug, um Nieten von 25 bis 30mm Durchmesser einzuziehen. Bei der in Fig. 7 und 8 dargestellten tragbaren Nietmaschine sind die beiden mit einander fest verschraubten Arme, welche Nietstempel und Preſscylinder tragen, ebenfalls aus Schmiedeisen hergestellt, und zwar im Querschnitte hohl durch Schweiſsung bei a bis d (Fig. 8). Diese Maschine ist hauptsächlich zum Nieten von Trägern bestimmt. Mit derselben können Nieten von 19 bis 22mm Durchmesser eingezogen werden und zwar in zwei Stellungen, bei horizontaler und bei verticaler Lage der Achse der Nietstempel (Fig. 7 und 9). In der verticalen Lage verharrt die Maschine durch das Eigengewicht, in der horizontalen ist sie durch einen federnden Anschlag gehalten, wie aus Fig. 7 deutlich ersichtlich ist. Die Maschine nach Fig. 5 kann durch Schneckengetriebe im Räume beliebig eingestellt, daher in allen Lagen der Nietnath angewendet werden. Die in Fig. 6 dargestellte Maschine ist nur für horizontale Lage der Achse der Nietstempel eingerichtet und soll hauptsächlich zum Nieten der Feuerthüröffnung bei Locomotivkesseln dienen und hat deshalb nur geringe Ausladung. Der Preſscylinder ist bei dieser Maschine in einem Ringe solid gelagert und durch eingeschnittene Schneckenzähne und im Ringe gelagerte Schnecke im Kreise drehbar.

Tweddell's hydraulische Träger-Richtmaschine. (Fig. 11 Taf. 40.)

Die von der obengenannten Firma ausgestellte hydraulische Trägerrichtmaschine hat einen horizontalen Preſskolben von 130mm Durchmesser. Die Träger werden auf zwei beiderseits am Ständer angebrachte vertical verstellbare Rollen aufgelegt. Am Preſskolben und an den beiden Gegenlagern sind im Gelenk eingehängte Druckstücke befestigt. Die Construction derselben ist im Uebrigen aus Fig. 11 deutlich ersichtlich.

J. Pechan.

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Die Verwendung dieser Bewegung in einer Dampfmaschinensteuerung ist unseres Wissens zuerst von Deprez (*1876 219 9) 221 97) gemacht worden.

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Auf Tafel 40 ist zu lesen Tweddell statt Twedell.

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