Titel: Meyer's Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229 (S. 530–534)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/ar229189

Verbesserungen an B. Meyer's vierfachem Telegraph.

Mit einer Abbildung.

I) An dem vierfachen Telegraph Meyer's (*1875 215 310) 1878 228 120) sind in Frankreich folgende Verbesserungen angebracht worden.

1) Nach einem Vorschlage von O. Morel, Beamten der Pariser Centralstation, werden anstatt eines einzigen zwei verschiedene Relais angewendet, von denen das eine blos von den ankommenden, das andere blos von den abgehenden Strömen durchlaufen wird. Ersteres erhält eine groſse Anzahl von Windungen, damit es für den durch die Ableitungen geschwächten Strom empfindlich genug ist; letzteres braucht nur geringere Empfindlichkeit und bietet deshalb einen kleineren Widerstand. Dabei können zugleich beide Stationen die Batterien mit gleichem Pol an die Linie legen, was bei unterirdischen oder unterseeischen Linien erwünscht sein kann.

2) Damit dann aber das empfangende Relais der gebenden Station nicht etwa auf die Rückströme anspreche, hat B. Meyer selbst die Claviaturen so abgeändert, daſs jede ihre besondere Erdleitung erhalten kann. Die 4 Erdlamellen des Vertheilers, welche zu derselben Claviatur gehören, sind noch unter sich verbunden, zugleich aber auch mit einem beweglichen Rahmen, welcher so über den 4 Tasten liegt, daſs er beim Niederdrücken einer jeden Taste gehoben und dadurch eine Contactfeder von einer nach dem empfangenden Relais führenden Contactschraube an eine andere unmittelbar mit der Erde verbundene gelegt und so dem Rückstrome ein Weg aus der Linie unmittelbar zur Erde eröffnet wird.

3) Durch eine dritte Verbesserung beabsichtigt Morel die ungleiche Entladung nach dem Geben eines Punktes oder eines Striches zu beseitigen. Beim Strich ist die Stromdauer doppelt so lang als beim |531| Punkte; die Entladung aber besorgt in beiden Fällen dieselbe Erdlamelle, und deshalb behält die Linie nach jedem Striche eine stärkere Ladung, was bei schnellem Telegraphiren auf langen Linien nicht wünschenswerth ist. Morel will daher die Tasten noch mit einer Contactfeder ausrüsten und so während der zweiten Hälfte der Stromsendung bei einem Striche den Strom durch einen stellbaren Rheostat hindurch der Linie zuführen. Sollte dabei sich die gewünschte Wirkung nur durch eine so beträchtliche Schwächung des in der zweiten Hälfte der Linie zugeführten Stromes erreichen lassen, daſs in dieser Zeit der Relaisanker nicht mehr abgestoſsen erhalten würde, so würde es vortheilhaft sein, den Schreibapparat beim Anziehen des Relaisankers schreiben zu lassen, weil da der remanente Magnetismus den Anker am Ende des Striches trotz bedeutender Schwächung des Stromes angezogen erhalten würde. (Annales télégraphiques, 1876 Bd. 4 S. 301.)

Ebenfalls zur gleichmäſsigeren Entladung der Linie nach Punkt und Strich und ebenfalls durch eine an jeder Taste angebrachte Contactfeder will der Beamte Willot der Centralstation nach jeder Stromgebung einen entgegengesetzten Entladungsstrom der Linie zuführen. (Annales télégraphiques, Bd. 4 S. 309.)

II). Der gegenwärtig in Deutschland zwischen Berlin und Frankfurt a. M. arbeitende vierfache Apparat unterscheidet sich (nach der Allgemeinen Polytechnischen Zeitung, 1877 S. 150) von dem zuerst gebauten in der Correction des Synchronismus, in der Schrifterzeugung auf dem Papierstreifen, in einer kleinen Abänderung am Zeiger, in der Benutzung des Arbeitsstromes statt des Ruhestromes und in der Anwendung zweier Relais statt eines einzigen.

Der Vertheiler besteht aus einer feststehenden, isolirten Ebonitscheibe von 25mm Breite und 155mm Durchmesser, worauf 50 gegen einander isolirte metallene Lamellen liegen; etwa 0,1 des Umfanges gehört der Correctionsvorrichtung an und enthält 3 Lamellen, deren Breite bezieh. 27, 18, 26 beträgt, während die 12 Lamellen jedes Quadranten bezieh. 7, 8, 9, 7, 8, 9, 7, 8, 9, 7, 8, 27 Theile breit sind; dabei ist der ganze Umfang in 500 Theile getheilt gedacht. Der innere Metallring (vgl. 1875 215 318) des Vertheilers ist 10mm breit und enthält gegenüber den 3 Correctionslamellen eine mit dem Correctionselektromagnete verbundene Lamelle.

Der Schreibhebel ist auf einer verticalen Achse befestigt; seine beiden Arme verhalten sich in ihren Längen wie 1 : 2; der vordere längere Arm trägt das Schreibrädchen und über diesem die mit Filz bekleidete Farbwalze, welche neuerdings in Berlin auch verstellbar eingerichtet worden ist. Auf das äuſserste Ende des kürzern Armes wirkt ein auf die Welle gg' aufgesteckter, schraubenförmig abgeschnittener Hohlcylinder (die Schnecke) k und läſst den vorderen Arm |532| mit dem Schreibrädchen in der Zeit, während welcher die Schleiffeder des Vertheilers über einen Quadranten hinstreicht, einen Bogen1) von etwa 36° beschreiben. Dabei dreht sich das Schreibrädchen zugleich um seine Achse, da ein auf dieser sitzendes Zahnrädchen in eine Zahnstange eingreift. Die Elektromagnetkerne stehen auf den beiden Polen eines liegenden Magnetes; der Strom durchläuft die Windungen so, daſs er den durch Vertheilung in den Kernen erzeugten Magnetismus so weit verstärkt, daſs der über den Polen der Kerne liegende Anker, auf dessen Abreiſsung Spiralfedern wirken, angezogen wird. Den Ankerhebel bildet ein horizontaler Rahmen, innerhalb dessen der von einer Rolle kommende, unter dem Schreibrädchen hin gehende, 30mm breite Papierstreifen nach einer Walze geführt wird, gegen welche ihn zwei scharf geränderte, in einem Rahmen liegende Rädchen andrücken. An dieser Walze ist zugleich ein Sperrrad angebracht, welches durch einen Sperrhaken um einen Zahn gedreht wird, so oft das Schreibrädchen in seine Ruhelage zurückgeht; dazu ist auf die Achse des Schreibhebels ein Winkelhebel aufgesteckt, welcher einen entsprechend geführten, an seinem vorderen Ende den Sperrhaken tragenden Stab vorwärts schiebt, während das Schreibrädchen die schreibende Bewegung macht, worauf ihn eine Spiralfeder zurückbewegt; hierbei rückt der Papierstreifen schrittweise um je 3mm fort. Der angezogene Anker hebt das hintere Ende seines rahmenförmigen Hebels und drückt durch dieses den Papierstreifen so lange an das Schreibrädchen, als der Strom währt. Die Ankerbewegung wird durch 2 Stellschrauben begrenzt.

Textabbildung Bd. 229, S. 532

Das treibende Gewicht wiegt 40 bis 50k. Als Regulator dient ein conisches Pendel; dieses besteht aus einem elastischen Stabe von Aluminiumbronze, welcher sich in einem Cardan'schen Gelenke bewegt und bei dieser Bewegung ein in zwei Ketten hängendes, 5k schweres Gewicht mitnimmt. Das Heben und Senken dieses Gewichtes werden durch eine Stellschraube bewirkt. Von den beiden in Deutschland versuchsweise aufgestellten Meyer'schen Apparaten besitzt der Berliner Apparat diese Einrichtung, während der Frankfurter Apparat dieselbe nicht besitzt, sich daher mit unveränderlicher Geschwindigkeit bewegt. Die Correctionsvorrichtung, welche zur Ausgleichung der durch die kleinen Abweichungen im Bau und in der Abnutzung der beiden Apparate2) bestimmt ist, stimmt im Wesentlichen ganz mit der in |533| diesem Journal (1875 215 323) beschriebenen überein; dieselbe wirkt mechanisch und unausgesetzt auf eine Verzögerung hin, wogegen der Correctionsstrom eine Beschleunigung herbeiführt. Die Gröſse der Correction ist mehr oder weniger immer dieselbe; sie ist gröſser als der durchschnittliche Betrag der Abweichungen und beträgt ungefähr 0,005 Secunde.

Das Relais enthält einen horizontal liegenden Stahlmagnet, dessen Pole sich dicht vor den oberen Enden der Spulen des stehenden Elektromagnetes befinden. Der Anker ist, auf Stahlspitzen beweglich, auf den Polen des Stahlmagnetes gelagert und macht so auch die Kerne, auf denen er aufliegt, magnetisch. Wegen der groſsen Differenz in den Stromstärken zwischen den abgehenden und ankommenden Strömen auf einer langen oberirdischen Leitung benutzt Meyer gegenwärtig zwei Relais (vgl. I. 1). Das eine spricht auf den abgehenden Strom an und dient dazu, um die abgehende Schrift auf dem Papierstreifen zu haben und sich auf diese Weise eine Ueberzeugung zu verschaffen, ob richtig telegraphirt worden ist, wie dies beim Hughes-Apparat der Fall ist. Das zweite Relais spricht auf den ankommenden Strom an und dient zur Erzeugung der ankommenden Schriftzeichen. Das auf den abgehenden Strom ansprechende Relais ist auf Anziehen, das auf den ankommenden Strom ansprechende auf Abstoſsen eingestellt. Erreicht wird diese Einstellung durch entsprechende Stellung der Schrauben, welche zur Regulirung der Entfernung zwischen Anker und Polflächen der Kerne dienen. Auf die in unserer Quelle (S. 178) näher angegebenen Stromläufe gehen wir hier nicht weiter ein.

Die Leistungsfähigkeit eines vierfachen Telegraphen bei 80 Umdrehungen ja der Minute (Berlin-Frankfurt) belief sich auf 320 Zeichen. Mehrfache Zählungen weisen im Durchschnitt 6 Zeichen in einem Worte aus; rechnet man ein 7. Zeichen zur Trennung der Wörter von einander, so liefern 320 Zeichen rund 46 Wörter. Diese Leistung von 2760 Wörtern in der Stunde wird in Wirklichkeit nie erreicht, theils wegen der eintretenden Ermüdung, theils wegen der Zeitverluste durch undeutliche Schrift. Die letzte offizielle Zählung (nach Einführung des Worttariſs) gab als Durchschnittswortzahl 20 (6 amtliche und 14 Textwörter); dazu sind also 7 × 20 = 140 Umdrehungen nöthig, zur Trennung des Textes von Kopf und Unterschrift weitere 9, zu Anfangs- und Schluſszeichen je 2 Umdrehungen; bei der Collationirung wird man aber nicht unter 17 Umdrehungen wegkommen. Somit sind für 1 Telegramm 140 + 30 = 170 Umläufe nöthig, wozu 2⅛ Minuten gebraucht werden; in dieser Zeit werden 4, in 1 Stunde also 113 Telegramme mit 2260 Wörtern befördert. Fehler und Störungen sind dabei nicht in Rechnung gestellt. Beim Geben ist ein zweiter Beamter erforderlich, welcher die nöthigen amtlichen Vermerke macht; der vierfache Telegraph fordert also 10 Beamte; sollen blos 8 arbeiten, so gehen bei jedem Telegramm noch 20 Umläufe während der Eintragung der Beförderungsvermerke verloren und man kommt auf 100 Telegramme herab; bei nöthig werdenden Nachfragen, Berichtigungen u.s.w. beim Collationiren aber auf 90.

Nun veranlassen ferner die ungleiche Dauer des Stromes bei den Punkten und den Strichen und die ungleichen Entladungszeiten nach denselben leicht undeutliche Schrift und dadurch gröſseren Zeitaufwand beim Collationiren. Auſserdem treten trotz der Correction nicht selten Störungen im Synchronismus |534| ein; öfters bricht der aus Aluminiumbronze gefertigte Stab u.s.w. Daher wird die stündliche Durchschnittsleistung nicht über 80 Telegramme betragen. Die Leistung bei dem Meyer betrug nach einer Zählung der in einem Zeitraum von 20 Tagen verarbeiteten Telegramme im Durchschnitt und in der Stunde 57 Telegramme und reducirt sich auf höchstens 40 Telegramme, wenn diejenigen Zeiten mit in Anrechnung gebracht werden, wo der Meyer in Folge von Nebenschlieſsungen oder kleinen Stromübertragungen nicht arbeiten konnte, während der Hughes noch vollkommen sicher arbeitete. Diese Leistung wird mit dem Meyer unter Aufwand einer doppelten Beamtenzahl gegen diejenige für den Hughes erreicht.

Beim Hughes werden während eines Umlaufes durchschnittlich 1,45 Zeichen gedruckt; dies gibt bei 120 Umläufen in der Minute 174 Zeichen- rechnet man wieder wegen der unvermeidlichen Berichtigungen u.s.w. 200 bis 210 Zeichen auf 1 Telegramm, so braucht man dazu 140 Umdrehungen oder 1,2 Minuten, und die Durchschnittsleistung wäre 50 Telegramme in der Stunde. Dabei arbeitet aber der Hughes auf der Linie Berlin-Frankfurt bei eintretenden Nebenschlieſsungen noch sicher, wenn der Meyer bereits ganz oder fast versagt; auch steht beim Hughes ein unrichtiges Ablesen von Streifen nicht zu befürchten.

E–e.

|532|

Daher erscheint auch jede Zeile der Schrift deutlich als ein schwach gekrümmter Bogen, während die älteren Meyer'schen Telegraphen die Schrift in geraden Zeilen lieferten.

Der Ref.

|532|

Die kaum wahrnehmbaren Abweichungen in der Fabrikation und Abnutzung bedingen in der Laufgeschwindigkeit ebenfalls kleine Abweichungen, welche z.B. zwischen zwei Meyer'schen Apparaten eine Differenz von 0,002 Secunden in jeder Umdrehung herbeiführen.

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