Titel: Meidinger, über Feuerungsroste.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229 (S. 553–559)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/ar229200

Ueber Feuerungsroste.

(Schluſs von S. 479 dieses Bandes.)

Ein Urtheil über den Werth der vorgenommenen Veränderungen werden wir uns bilden können, wenn wir die Bedingungen, die der Rost zu erfüllen hat, einer kurzen Untersuchung unterziehen. Es lassen sich deren vier namhaft machen:

  • I) der Rost muſs die genügende Menge Luft durchlassen;
  • II) er darf nicht zu viel Kohle zwischen den Fugen durchfallen lassen;
  • III) er muſs eine leichte Reinigung gestatten;
  • IV) er muſs Dauer besitzen, d.h. er soll sich nicht verziehen und nicht schmelzen oder verbrennen.

I) Um dieser Bedingung zu genügen, geht man so weit, daſs die freie Fläche die Hälfte der ganzen Rostfläche erreicht. Man ist der Ansicht, die Roststäbe setzten dem Durchgang der Luft einen erheblichen Widerstand entgegen, und will deshalb das Material derselben möglichst verringern. Diese Annahme ist doch wohl nur in sehr beschränktem Grade richtig. Der Brennstoff über dem Rost von mehr oder weniger hoher Lage verengt den Gesammtdurchlaſs für die Luft an sich ganz bedeutend. Weiter ist zu beachten, daſs die Luft bei der Verbrennung innerhalb des Brennstoffes sehr stark ausgedehnt wird, gewiſs auf das 3 bis 4fache ihres ursprünglichen Volums. Dies wirkt sowohl vor- wie rückwärts, vorwärts die Geschwindigkeit der Luft vermehrend, rückwärts dieselbe vermindernd, gewissermaſsen stauend, gerade so als wäre der Durchlaſs für die Luft innerhalb des Brennstoffes verengert worden. Berücksichtigt man beides zusammen, so muſs man den Schluſs ziehen, daſs eine Gesammtfuge von der Hälfte der Rostfläche viel zu groſs gemessen ist, daſs man damit gewiſs ohne Bedenken bis zu ein Viertel wird hinuntergehen kennen. Wirklich erreicht auch ein Rost (Nr. 2 von Hillig) beinahe diesen Werth, einige andere stehen nicht viel weiter davon, und damit hat die Praxis bereits wohl entschieden. Es wird allerdings durch den über der Fuge liegenden Brennstoff deren Oeffnung noch verkleinert, so daſs der Gesammtdurchlaſs für die Luft nicht der freien Rostfläche entspricht. Bei der so unregelmäſsigen Form der Stücke, wo nicht Fläche an Fläche sich auf den Rost legt, sondern vielfach Ecken und Kanten, macht die Bedeckung der Fuge jedoch nicht so viel aus, zumal wenn man berücksichtigt, daſs die über der Fuge liegenden Stücke von der auftreffenden Luft ausgehöhlt werden müssen, so daſs ein freierer Austritt aus der Fuge rasch erfolgt; auch sind die gerade auf dem Kost liegenden Kohlen (Kokes) zumeist porös, so daſs die Luft in dieselben |554| eintritt und sie auch im Inneren verbrennt. Vielleicht, daſs bei kleinstückigen anthracitartigen Kohlen, die viele ebene Flächen haben, wie die Kohlscheider, eine etwas gröſsere freie Rostfläche geboten erscheint; doch müssen gerade solche in hoher Schicht gebrannt werden, wodurch sich der Widerstand für die Luft innerhalb deren Masse so vermehrt, daſs auch wieder eine kleinere Fugenöffnung genügt.

Es scheinen bis jetzt keine exacten vergleichenden Versuche angestellt zu sein, wenigstens nicht vorzuliegen, wie weit man in der Verengung des Gesammtdurchlaſses des Rostes gehen kann. Die Versuche wären sehr einfach und ohne nennenswerthe Kosten anzustellen. Man dürfte nur die Hälfte eines im Gebrauche befindlichen Rostes, der von zwei Thüren aus bedient wird, mit Roststäben anderer Form, die eine geringere freie Fläche geben, belegen und beobachten, wie viel Kohle darauf verbrannt wird und welches Licht bezieh. Helligkeit die Flamme besitzt im Vergleich zu dem Rost auf der anderen Hälfte. Man würde dermaſsen die Grenzen des Durchlaſses finden, bei welcher die Verbrennung geschwächt zu werden beginnt.

Ein enger Durchlaſs dürfte übrigens mit Rücksicht auf Nutzeffect, d.h. Wärmeausnutzung einem weiten vorzuziehen sein. Ein Rost bleibt nicht immer gleichmäſsig mit dem Brennstoff bedeckt; da wo der letztere niedriger liegt, oder wo der Rost ganz davon entblöſst ist, wird ein Ueberschuſs von Luft einströmen, der auf die Temperatur der weiterziehenden Verbrennungsproducte abkühlend wirkt und damit die Wärmeabgabe auf Kessel u.s.w. etwas vermindert, nebenbei auch die Entwicklung der Wärme schwächt, da weniger Luft durch den übrigen Brennstoff strömt. Durch einen groſsen Durchlaſs kann mehr Luft ziehen als durch einen kleinen, sofern der Brennstoff keinen Widerstand entgegensetzt, und somit wird ersterer mehr abkühlend wirken und gröſsere Wärmeverluste bedingen als letzterer. Auch noch das Folgende ist geltend zu machen. Der auf dem Roste liegende glühende Brennstoff strahlt immer Wärme nach unten; dieselbe geht gröſstentheils verloren, da sie sich weiter in der Erde verbreitet. Die Stärke der Ausstrahlung steht im Verhältniſs der freien Rostfläche; durch Verkleinerung derselben wird somit der Wärmeverlust geringer.

Wenn ein genügend groſser Gesammtdurchlaſs als erstes Erforderniſs eines Rostes hingestellt wird, so geschieht dies nicht nur mit Rücksicht auf eine starke Verbrennung, sondern insbesondere auch auf eine vollkommene, bezieh. beste Verbrennung. Die beste Verbrennung, d.h. solche bei vollständiger Umwandlung des Brennstoffes in Kohlensäure und Wasserdampf mit geringstem Sauerstoffüberschuſs, ist bedingt durch die Schichthöhe des Brennstoffes bei gegebener Zugstärke (Menge der in der Zeiteinheit durch die Brennstoff-Flächeneinheit strömenden Luft). Kann die Luft den Brennstoff doppelt so rasch durchströmen, so muſs der Brennstoff beiläufig doppelte Schichthöhe besitzen, damit kein Ueberschuſs abkühlender Luft in die Verbrennungsproducte gelange. Würde man hingegen bei schwachem Zug hohe Schicht führen, so bliebe die Verbrennung unvollkommen, in dem Verbrennungsproducte befänden sich noch unverbrannte Theile. Schwacher Zug kann entstehen sowohl bei für die gegebenen Verhältniſse zu niedrigem Kamin, oder wenn dessen Kanal durch die Klappe verengt wird, wie wenn rückwärts die Luft verhindert wird, zu dem Brennstoff zu gelangen. Das letztere kann geschehen sowohl durch Zustellen von Thüren am Aschenkasten, wie bei zu engem Durchlaſs im Rost. Bei zu kleiner freier Rostfläche ist somit die Wärmeentwicklung schwach, und darf für vollständige Verbrennung die Brennstoffschicht nicht hoch sein. Es ist übrigens nicht unwahrscheinlich, daſs die Gröſse der freien Rostfläche in gewissem Verhältniſs zu der Kaminhöhe, d.h. zu der Geschwindigkeit steht, mit welcher die Luft den Brennstoff durchströmt, und zwar in einem umgekehrten. Bei starkem Zug muſs die Brennstoffschicht höher sein, die Luft erfährt somit gröſsere Widerstände beim Durchströmen des Brennstoffes als bei schwachem Zug und niedriger Schicht, somit kann man wohl auch im ersteren Falle die Gesammtrostfuge etwas kleiner halten. Da gasarme Brennstoffe für beste Verbrennung eine höhere Brenn Stoffschicht verlangen als gasreiche, so werden letztere eine gröſsere freie Rostfläche- |555| beanspruchen als erstere. Kleine Stücke legen sich dichter an einander als groſse und setzen dem Durchgange der Luft gröſseren Widerstand entgegen als jene. Für beste Verbrennung muſs jedoch eine höhere Lage groſsstückigen Brennstoffes angewendet werden; damit mag sich die Wirkung ausgleichen und deshalb die Stückgröſse als ohne Einfluſs auf die freie Rostfläche angesehen werden.

Manche Constructeure glauben, die einfache Fuge genüge nicht, damit die. Luft den Brennstoff allseitig treffe oder durchdringe, und sind dadurch auf die eigenthümliche siebartige Rostform geführt worden, wie sie die Fig. 9, 10 und 11 zeigen, wobei die Luft mehr vertheilt aus dem Roste strömen soll. Es läſst sich jedoch nicht erwarten, daſs dadurch die Verbrennung irgendwie verbessert werde. Sobald die Luft durch die Fuge dringend auf die Kohlenstücke trifft, breitet sie sich nach rechts und links aus und gelangt so auch zu den seitlich über der Stabfläche liegenden Stücken; auſserdem findet auch noch durch Diffusion ein Durchdringen der frisch zuflieſsenden Luft und der etwa auſserhalb der Hauptströmung befindlichen, mehr ruhenden Gase statt, wodurch alle auf dem Rost liegenden Kohlentheilchen verbrennen müssen, wenn auch vielleicht die unmittelbar auf der Stabfläche etwas weniger rasch als die übrigen. Eine Brennstoffersparniſs läſst sich aus der vertheilteren Luftzuführung physikalisch nicht ableiten.

II) und III) Der Bedingung, daſs nicht zu viele Kohlen unverbrannt zwischen den Rostfugen durchfallen, ward dadurch entsprochen, daſs man die Fugen eng macht. Einige Constructeure sind hier sehr weit gegangen. Hillig macht die Fugen blos 3mm breit. Die Frage ist nur, wie es sich dann mit dem Abgang der Asche verhält? So weit dieselbe pulverig ist, fällt sie gewiſs auch durch enge Fugen hindurch. Schieferstücke bleiben allerdings zurück, zum groſsen Theil jedoch auch bei breiteren Fugen. Hillig gibt an, daſs wenn man seine Stäbe nicht ganz dicht zusammensetze, man die Asche dadurch leicht zu Falle bringen könne, daſs man mit dem Feuerhaken einige Mal quer über den Rost fährt und dadurch die Stäbe in schwingende Bewegung versetzt. Die zusammengeschmolzene Asche, Schlacke, bleibt bei breiten wie engen Fugen über dem Rost, bei breiten kann sie jedoch leichter zwischen die Stäbe hineinflieſsen und sich festkeilen als bei engen, da sie eben doch nur mäſsig weich wird. Enge Fugen werden wohl auch bei backender Kohle den Vorzug besitzen, da sie bei deren Erweichen das Eindringen ebenso wie bei der Schlacke mehr verhindern. Bei oberflächlich durchbrochenen Stäben wird die Entfernung der eingedrungenen Schlacke mehr Schwierigkeit verursachen als beim geraden vollen Stab, bezieh. bei einfacher Schlitzfuge. Kurze und leichte Stäbe werden beim Abstoſsen der Schlacke eher herausgerissen als lange und schwere. Einzelstäbe gestatten die Entfernung tief eingedrungener Schlacke besser als verbundene, da der Einzelstab sich für sich lüften läſst.

IV) Ein Rost wird um so gröſsere Dauer besitzen, je niedriger die Temperatur ist, in welcher er erhalten bleiben kann. Auf die Oberfläche wirkt nun immer eine hohe Glühhitze ein; derselben kann an sich das Eisen nicht Widerstand leisten. Guſseisen schmilzt in derselben, Schmiedeisen erweicht, und oxydirt sich rasch. Würden wir uns als Rost nur dünne Schienen von Eisen denken, so wären dieselben in kürzester Zeit vernichtet. Die Ausdehnung der Schiene nach unten, die Herstellung eines hohen Stabes verlängert die Dauer. Die Wärme zieht von der Auflagefläche des Brennstoffes nach unten und bringt damit den ganzen Stab in hohe Temperatur. Würde sie daraus nun nicht entfernt, so käme nach einiger Zeit der, ganze Stab in Glut und fiele baldiger Zerstörung anheim. Zwei Umstände wirken auf den Wärmeverlust des Stabes ein. Erstens die Ausstrahlung nach unten, nach dem Boden des Aschenbehälters; die Gröſse dieser Wirkung hängt von der Temperatur des Bodens ab; sie ist um so gröſser, je niedriger die Temperatur. Tiefe Aschenbehälter befördern die Wirkung, niedrige vermindern sie; in letzterem Falle läſst sich durch Unterstellen von Gefäſsen mit Wasser, das sich nur bis zu 100° erwärmen kann, die Ausstrahlung vergröſsern. Zum zweiten wird |556| dem Stabe Wärme durch die vorbeiströmende Luft entzogen. Diese Wirkung hängt von der Zahl der Berührungspunkte zwischen Stab und Luft ab, somit von der Höhe des Stabes. Ein hoher Stab erwärmt die Luft mehr als ein niedriger; ein hoher Stab wird somit weniger heiſs als ein niedriger; ein hoher Stab ist folglich haltbarer als ein niedriger.

Die Bedingungen für die Erhitzung des Stabes sind nun seiner ganzen Länge nach die gleichen; überall wird dieselbe Menge von Wärme über demselben erzeugt, er wird sonach auch überall in die gleiche Temperatur gelangen. Um den Stab an allen Theilen gleichmäſsig abzukühlen, wird man demselben somit eine gleiche Höhe zu geben haben. Die Erhöhung allein in der Mitte und Verjüngung nach den Enden ist nicht zweckentsprechend; Rücksichten der Festigkeit gebieten diese Ausführung am allerwenigsten, da auf Tragkraft der Rost kaum in Anspruch genommen wird. Einige der beschriebenen Roste haben in dieser Hinsicht richtige Form. Am wirksamsten werden im Uebrigen diejenigen von gröſster Höhe sein. Der Nolden'sche Rost darf unter den oben aufgezählten mit Rücksicht auf groſse gleichmäſsige Höhe als rationellster angesehen werden–, demselben nahe steht der Hillig'sche Rost, welcher nur wegen seiner Verjüngung nach den Enden weniger richtig erscheint.

Wie weit man in der Höhe des Roststabes noch mit Vortheil gehen kann, läſst sich nur experimentell ausfindig machen. Möglich, daſs mit 15cm die Grenze bereits erreicht ist. Ein noch so hoher Stab wird jedoch unter Umständen nicht vor dem Abschmelzen oder dem Verbrennen der unmittelbaren Auflagefläche schützen können. Die Wärme schreitet eben doch nur mit einer gewissen Geschwindigkeit durch Leitung in dem Metall vorwärts. Die jeweilige Temperatur an der Oberfläche des Stabes hängt von der Menge von Wärme ab, welche durch die Verbrennung daselbst erzeugt und in ihn übergeführt wird, sowie von der Schnelligkeit, mit welcher diese Wärme nach unten abgeleitet, bezieh. durch die vorbeiziehende Luft und durch Ausstrahlung nach dem Boden entzogen werden kann. Es wird sich stets ein Gleichgewicht herstellen, aber bei immer höherer Temperatur an der Auflagefläche des Brennstoffes, je mehr Wärme daselbst zur Entwicklung kommt. Immer wird jedoch ein genügend hoher Stab unten dunkel und unnachgiebig bleiben, somit die Form des Stabes erhalten, auch wenn derselbe oben in starkes Glühen gelangen sollte.

Die Locomotiven der badischen Eisenbahnen hatten früher Roste von niedrigen und dicken schmiedeisernen Stäben. Ende des vorigen Jahrzehntes machte der gegenwärtige Vorstand der Eisenbahn – Hauptwerkstätte, Ober-Maschinenmeister Esser in Heidelberg, Versuche mit hohen Guſsstäben, die sich von solchem Erfolg erwiesen, daſs jetzt die Roste bei allen nahe 400 Locomotiven Badens so ausgeführt werden. Die Stäbe erhalten jetzt eine Länge von 83 und 127cm und gleichmäſsige Höhe von dort 13, hier 16cm. Sie sind 12mm oben breit, unten 5mm, ebenso hat die Fuge 12mm. Dieselben werden in der Eisengieſserei von V. Hefft in Heidelberg angefertigt. Die Stäbe halten sich in der Regel über 1 Jahr; sie nehmen jedoch bei der groſsen Hitze im Feuerkasten infolge der intensiven Verbrennung bei hoher Brennstoffschicht von oben nach unten bis zu mehreren Centimeter ab, sei es durch Abschmelzen oder durch Verbrennen, wobei übrigens die Fuge immer gleich offen bleibt, also an den Seitenflächen keine etwa abgeschmolzenen Theilchen sich ansetzen. Wenn derartig hohe Stäbe einer Abnutzung durch die Einwirkung starker Hitze unterworfen sind, so läſst sich erwarten daſs niedrige Stäbe hier sehr rasch der Zerstörung anheimfallen würden. Alles, was das Stabmaterial unterhalb der Auflagefläche des Brennstoffes schwächt, muſs als schädlich bezeichnet werden; die Durchlochung des Stabes, um denselben durch Luftumspülung kühler zu erhalten, verfehlt nicht blos vollständig ihren Zweck, sondern wirkt gerade in entgegengesetzter Weise, indem sie durch Zerstörung des materiellen Zusammenhanges die Ableitung der Wärme nach unten verhindert und die Berührungsfläche der Luft mit dem Eisen vermindert. Wenn gleichwohl solche Roste Eingang in die Praxis gefunden und sich bewährt haben, so beweist dies nur, daſs die Bedingungen der Entstehung höchster Temperaturen über der Rostfläche nicht überall vorhanden sind. Nicht blos verhalten sich |557| die verschiedenen Brennstoffe in dieser Hinsicht ganz ungleich, sondern auch der Betrieb ist von groſsem Einfluſs. Die sehr gasreichen Brennstoffe, wie namentlich Holz, bringen die Wärme vorzugsweise in einer langen Flamme, entfernt vom Roste, zur Entwicklung; auf dem Rost brennt nur wenig Kohle, die Temperatur ist infolge dessen hier verhältniſsmäſsig niedrig. Holzfeuer wird wohl auch ganz schwache Roste nicht zum Schmelzen bringen. Aehnlich verhalten sich Torf, Braunkohle; auch bei den jüngeren Steinkohlen bleibt die Temperatur noch mäſsig. Kokes, als den gröſsten Gegensatz bildend, erzeugen die Wärme jedoch fast ganz innerhalb ihrer Masse selbst; daher denn die groſse Glut im Herde, die auf den Rost zerstörend rückwirken muſs. Aber auch die Art des Betriebes bei demselben Brennstoff beeinfluſst die Herdglut. Dies gibt sich ganz offenbar bei der Locomotivfeuerung zu erkennen. Je stärker der Zug, um so höher die Brennstoffschicht für richtige Verbrennung; oder je kleiner der Feuerherd, um so stärker muſs der Zug sein für eine bestimmte Wärmeentwicklung, und um so höher muſs der Brennstoff geführt werden. Die in dem Brennstoff selbst entwickelte Wärme ist dann bedeutend vermehrt, somit auch die Ableitung nach dem Roste eine gröſsere.

Es läſst sich nach dem Vorhergehenden im Allgemeinen sagen: Kohlenstoffreiche Brennstoffe und hohe Kamine (abgesehen von der Locomotivfeuerung) wirken mehr zerstörend auf den Rost ein als gasreiche Brennstoffe und niedrige Kamine. Je nach Umständen werden deshalb auch die leichtesten Roste lange Dauer zeigen können. Aber für alle Fälle können sie nicht dienen. Allgemein verwendbar sind nur die schweren hohen Roste.

Oekonomische Wirkungen der Roste. Bestehen solche mit Rücksicht auf die Nutzbarmachung der durch die Verbrennung entwickelten Wärme? Unleugbar, wenn auch nicht gerade in dem Sinne, wie die Erfinder neuer Rostformen oft behaupten. Wir sehen ab von dem Brennstoffverlust, der bei zu weiten Rostfugen infolge Durchfallens unverbrannter Theilchen entsteht. Wir haben aber bereits gefunden, daſs bei weiten Fugen die Ausstrahlung der Wärme der glühenden Kohlen nach dem Boden des Aschenkastens gröſser ist als bei schmalen Fugen, sowie auch das Durchströmen abkühlender Luft bei Entblöſsung von Brennstoff. Indem wir auch deshalb schmalen Fugen (abgesehen von dem verringerten Durchfallen unverbrannter Theilchen) den Vorzug ertheilen müſsten, gaben wir damit schon zu erkennen, daſs der Rost durch seine Gegenwart an sich Wärmeverluste vermindert. Er ist unten immer weniger heiſs als der glühende Brennstoff auf demselben, deshalb Temperaturdifferenz und Wärmestrahlung nach dem Boden kleiner. Wenn der Rost aber nicht anderweitig noch Wärme verlöre, so würde er auch unten allmälig in die Glühhitze gelangen, und dann der hohe wie niedrige Stab gleichviel Wärme nach unten strahlen. Durch die vorbeiziehende Luft wird nun dem Rost dauernd alle die Wärme entzogen, die seine Temperatur weiter zu erhöhen sucht. In dieser Speiseluft wird die Wärme in den Brennstoff eingeführt und solchermaſsen wieder gewonnen. Der Rost wirkt also in der Weise, daſs er die nach dem Aschenbehälter ausgestrahlte Wärme vermindert, indem er sie durch seine feste Masse hindurch in die Luft und von da wieder über den Rost gelangen läſst. Diese Wirkung des Rostes hängt von der Gröſse seiner ganzen senkrechten Fläche ab, somit ganz wesentlich von der Höhe der Stäbe. Die Herstellung von Rosten mit zahlreichen hohen, schmalen Stäben und schmalen Fugen, nach Hillig, muſs als durchaus rationell, der ökonomischen Wirkung der Roste am meisten entsprechend angesehen werden.

Ueber die mögliche Gröſse der Nutzwirkung eines Rostes kann man sich folgendermaſsen Rechenschaft geben. Angenommen, 1k Kohle bedarf für vollständige Verbrennung zu Kohlensäure und Wasser 24k Luft (Verbrennung bei doppelter Luftmenge). Da die specifische Wärme der Luft beiläufig ¼ ist, so erwärmen sich 24k in derselben Weise wie 6k Wasser. Nehmen wir nun an, durch die Wirkung des Rostes würde die Speiseluft um 100° erwärmt. Dieselbe hat dann 600c aufgenommen, was, den calorimetrischen Effect der Kohle zu 7000 angenommen, 8,6 Proc. der entwickelten Wärme ausmacht. Werden bei gutem Zug auf 1qm Rostfläche in der Stunde 100k Steinkohle |558| verbrannt, so bedarf jedes Kilogramm 0qm,01; dies entspricht fast genau einem Roststab von Hillig. Die Fläche desselben, an welcher die Luft vorbeiströmt, ist 0qm,17. Die Annahme, daſs die an einer so groſsen Fläche, die sich in einer mittleren Temperatur von gewiſs mehreren Hundert Grad befindet, in der Stunde vorbeistreichende Luft von 24k sich bis zu 100° erwärmen könne, hat nichts Unwahrscheinliches. Sei die Erwärmung der Luft nun auch eine geringere, so bleibt immerhin ein nicht ganz unbedeutender Wärmegewinn durch die Rostwirkung übrig, der übrigens um so geringer ist, je kleiner die senkrechte Gesammtoberfläche des Rostes. Die dritte Zahlenspalte gibt die Reihenfolge an, in welcher die verschiedenen Roste in Hinblick auf diese ihre ökonomische Wirkung stehen, allerdings nicht das directe Verhältniſs, da die Wärmeabgabe an die Luft in geringerem Grade zunimmt als die Oberfläche der Roste. Die Gröſse des Wärmegewinnes bei verschiedenen Rosten Heise sich durch Versuche durch unterhalb der Roste aufgestellte Gefäſse mit Wasser ausfindig machen. Der eine Rost wird das Wasser in gewisser Zeit mehr erwärmen als der andere; man findet auf diese Weise für die ganze unterhalb des Rostes bestrahlte Fläche eine Anzahl Wärmeeinheiten, deren Differenz die ökonomische Wirkung des weniger ausstrahlenden Rostes direct anzeigt.

Die in diesem Abschnitt angestellte Untersuchung kann sich nur beziehen auf Feuerungen auſserhalb des zu heizenden Objectes, im Hinblick auf Kesselheizungen auf solche unterhalb des Kessels. Bei Innenfeuerungen dringt die gesammte nach unten gestrahlte Wärme durch die Kesselwand in das Wasser und wird auf diese Weise vollständig gewonnen. Die Form des Rostes bleibt dabei ohne Einfluſs. Eine starke Unterstrahlung erscheint hier sogar vortheilhaft, weil die derartig dem Brennstoff entzogene Wärme nicht späterhin Heizfläche in Anspruch nimmt. Die niedergefallene Asche muſs nur oft herausgezogen werden, da sie als schlechter Wärmeleiter den Durchgang der Wärme hindert.

Erfahrungen der Praxis. Die bei unserer Untersuchung als besonders zweckmäſsig gefundenen hohen Stäbe müssen aus einem guten Eisen hergestellt werden, wenn sie Stand halten sollen; leichtflüssiges graues und phosphorhaltiges Eisen ist zu vermeiden; ebenso ist auf gute Kühlung zu sehen, wenn die Stäbe im Feuer nicht springen sollen, da eben ihre Temperatur oben und unten eine sehr verschiedene ist.

Sehr dünne Hochstäbe sind aus rein äuſserlichen Gründen in manchen Fällen nicht zu gebrauchen; so haben sich dieselben bei den badischen Locomotiven aus dem Grunde nicht anwendbar gezeigt, weil der ganze Rost beim Reinigen der Feuerung täglich herausgenommen wird und dabei die dünnen Stäbe, unvorsichtig bei Seite gelegt oder fallen gelassen, zerbrechen. Die Stäbe von 12mm Breite oben zeigen sich dauerhaft.

Die Verdickungen der Stäbe in der Mitte, welche das Aneinanderlegen der Stäbe verhindern und die richtige Fugen weite wahren sollen, soll man nicht, wie es zumeist geschieht, oben breit machen, sondern spitz zulaufen und etwas unterhalb der Oberfläche des Stabes endigen lassen, wie es bei dem Schmiederost von Berninghaus der Fall ist, weil dann die ganze Fuge dem Austritt der Luft offen ist. Die Verdickung hat häufig gerade die umgekehrte Form und geht bei allen bis jetzt ausgeführten Guſsstäben, wenigstens Verfassers Sammlung, bis oben, dadurch die Fugenöffnung theilweise verschlieſsend. Unter solchen Umständen verbrennt der hier aufliegende Brennstoff ungenügend, ein Theil der Rostfläche ist unwirksam.

Die Köpfe, auf welchen die Stäbe lagern, dürfen nicht zu hoch sein, damit die Auflage nicht unterhalb des Schwerpunktes der Stäbe komme, sonst legen sich dieselben schief, wenn einmal ein Stab als untauglich aus dem Rost entfernt wird und nicht sofort ersetzt werden kann. Durch Verbindung mehrerer Stäbe zu einem Stück, wie bei einigen der beschriebenen Roste, wird solches auch bei hohen Köpfen verhindert. Es wird empfohlen, die Auflagen der Stäbe nicht eben zu gestalten, sondern in der Weise wie bei Hillig, auf der einen Seite ein Zahn, auf der anderen Seite eine schiefe Fläche. Der Stab wird dabei fest in seiner Stellung gehalten und kann sich frei ausdehnen, ohne, wie es bei ebenen Auflagern vorkommen kann, die Mauern herauszudrücken.

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Für das Abstoſsen der Schlacke, sofern dieselbe zwischen die Roststäbe eingeschmolzen ist, sind zwei besondere von der gewöhnlichen Schürhakenform abweichende Vorrichtungen hergestellt worden, die eine von Kessler, die andere von Fletscher. Beide Roste gestatten nicht, mit einem gewöhnlichen Haken zwischen die Rostfugen zu greifen. Kessler's Instrument ist ein nach vorn keilartig zugeschärfter, etwas breiter und wieder zurückgebogener Haken. Bas Instrument von Fletscher ist eine kleine Schaufel, 10cm breit, vorn auch scharf. Beide keilen sich beim Vorwärtsstoſsen zwischen Rost und Schlacke ein und trennen die letztere ab, worauf dieselbe mit einem gewöhnlichen Haken gezogen wird. Die Anwendung dieser Hilfsmittel dürfte sich auch bei gewöhnlichen Rosten empfehlen.

Das Decken des Feuers in der Feuerstunde mit frischer Kohle und Schlieſsen der Aschenthüren, um das Feuer bei schwachem Brand zu erhalten, wird vielfach als Ursache des Schmelzens der Stäbe angegeben, da der Aschenraum dann sehr heiſs wird und keine reichliche frische Luft zutreten und abkühlend wirken kann.

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