Titel: Telephonisches.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229/Miszelle 22 (S. 102–104)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/mi229mi01_22

Telephonisches.

1) Siemens und Halske in Berlin (D. R. P. Anmeldung Nr. 6418 vom 6. März 1878) bauen Telephone, in denen die schwingende Platte während der Ruhe nicht von einem Magnete einseitig durchgebogen wird, sondern sich in einer natürlichen Gleichgewichtslage in einem magnetischen Felde befindet. Dabei können zugleich kräftigere Magnete angewendet werden. Die hierbei verwendeten Magnetsysteme ähneln anderen von Siemens und Halske schon früher für andere Zwecke verwendeten. Bei der einen Form lassen sie die kleine Spule selbst mit dem dünnen Messing- oder Neusilberblech, woran sie befestigt ist, schwingen. In dem gebenden Telephon bringen sie dabei die Spule an einer die Form des Trommelfelles des Ohres nachahmenden Membran aus Pergament oder einem andern Stoffe an. Auf S. 48 der Monatsberichte der Berliner Akademie für 1848 weist Dr. Werner Siemens darauf hin, daſs zur Wiedergabe der Sprachlaute die Trommelfell-Membran-Form weniger gut geeignet sei. Es erscheine auch allgemein zweckmäſsiger, mit kräftigen, gröſseren Instrumenten zu geben und mit kleineren, zarter und leichter construirten Telephonen zu empfangen, wobei man das Instrument in die zweckmäſsigste Lage zum Ohre zu bringen habe. – Zu kräftige Empfangsapparate haben den Nachtheil, daſs die durch die Schwingungen ihrer Membran erzeugten Gegenströme die bewegenden Ströme schwächen und die sinusoiden Wellenzüge verschieben, wodurch die Sprache undeutlich werde und fremde Klangfarben |103| annehme. Näher beschrieben sind diese verbesserten Telephone in Zetzsche: Handbuch der Telegraphie (Berlin 1878), Bd. 4 S. 106 ff.

2) Der Artillerie-Oberstlieutenant a. D. Navez und Louis Navez (Sohn) berichteten der belgischen Akademie, daſs sie zum Thelephoniren auf Linien mit beträchtlichem Widerstände Inductionsströme von hoher Spannung wählen. Zum Geben benutzen sie ein Edison'sches Graphit-Telephon (vgl. 1878 227 51) in localer Schlieſsung mit einer Batterie aus 4 paarweise neben einander geschalteten Leclanché-Elementen und den inducirenden Windungen eines Inductors, dessen inducirte Windungen in die als Empfänger ein Bell'sches Telephon (1878 227 53) enthaltende Linie eingeschaltet wird. Das Bell'sche Telephon wurde in mehreren seiner Theile abgeändert, damit es die Vortheile der kräftigen Inductionsströme möglichst ausnutzen konnte. In der Inductionsspule würden zweckmäſsig wohl keine Zwischenlagen von mit Stearin getränktem Papier zwischen den einzelnen Drahtlagen verwendet; die bei dem ersten Versuche verwendete Spule von mittlerer Gröſse hatte indeſsen solche Zwischenlagen. Navez halten es für zweckmäſsig, zum Sprechen und zum Hören verschiedene Telephone anzuwenden, weil man so jedes seiner Bestimmung besser anpassen könne. (Vgl. 1.) Das benutzte Bell'sche Telephon ist aus Hartgummi, hat 8cm Durchmesser und nur 2cm Dicke; der groſse Magnet ist durch einen Kranz kleiner Magnete von Nähnadel gröſse ersetzt, welche radial und normal zur Achse der Büchse stehen und den nämlichen Pol dem in der Mitte befindlichen kleinen, von der Spule umgebenen Cylinder aus weichem Eisen zukehren. Der Cylinder hat ein Paar Schraubengänge, das Muttergewinde dazu ist im Hartgummi; somit läſst sich der Cylinder genau in der richtigen Entfernung von der Platte einstellen. Dieses Telephon läſst sich mittels eines elastischen Bandes bequem am Ohr befestigen. Indem Navez die Platte im Empfänger durch einen an dem einen Ende befestigten, mit dem andern frei schwingenden Blechstreifen ersetzten und am freien Ende einen Stift von gewisser Länge anbrachten, konnten sie die Schwingungen stark vergröſsert auf einen Schirm werfen; sie glauben selbst, daſs man ein bleibendes Bild eines Wortes oder Satzes erhalten könne, wenn man den Weg der Schwingungen durch Funken einer Rhümkorff'schen Spule markirt, welche man zwischen dem Stifte und einem bewegten, mit einem dünnen Papierstreifen belegten Metallbande überspringen läſst. (Nach dem Moniteur industriell 1878 S. 267.)

3) Auf den Blyth'schen (vgl. 1878 228 187) ähnliche Versuche gestützt, bezeichnete Du Moncel am 4. März l. J. in der französischen Akademie die elektromagnetische Theorie des Telephons als unzulässig, oder doch mindestens als unvollständig; die tönenden Schwingungen im Empfänger würden vorwiegend vom Eisenkern der Spule erzeugt, seien also von derselben Natur, wie die in den Telephonen von Reis und Wray benutzten und früher schon von Page, Henry, Wertheim studirten. – Dies widerlegen Navez Vater und Sohn eingehend auf Grund von angestellten Versuchen im Journal télégraphique, 1878 Bd. 4 S. 72, wobei sie zugleich darauf hinweisen, daſs im Empfänger auch ein Magnet und nicht ein weicher Eisenstab der Platte gegenüber stehen müsse, damit nicht durch die Inductionsströme die Polarität des Stabes umgekehrt würde und dann zwei Schwingungen der empfangenden Platte auf jede der gebenden Platte kämen. – Dagegen vertheidigt (a. a. O. S. 94) Du Moncel seine Ansicht, indem er dieselbe zugleich aus den Beobachtungen von Edison, Preece und Warwick weiter zu begründen sucht und namentlich hervorhebt, daſs bei den äuſserst schwachen telephonischen Strömen das Tönen des Kernes nur sehr leise sein könne, wenn nicht durch das Hinzutreten der Eisenplatte die Aenderungen des magnetischen Zustandes im Kern ganz wesentlich verstärkt würden, wobei ja auch die Eisen platte, dem Kern entsprechend, in Folge des Magnetisirens und Entmagnetisirens tönend schwinge; dieses Tönen komme natürlich zu dem des Kernes hinzu, ja es sei vielleicht für das Ohr vorwiegend, wegen der gröſseren Nähe der Platte am Ohre. Durch Anziehungen hervorgerufene Schwingungen der empfangenden Platte, namentlich transversale, habe Du Moncel weder durch Lycopodium, noch durch Quecksilber, noch durch |104| Wasser als Wellen nachweisen können, selbst nicht bei Zuhilfenahme von Lichtstrahlen zur Vergröſserung der Wirkung.

4) Der Schiffscapitän Trèves vom Desaix hat das Telephon zur Herstellung des Verkehres mit einem geschleppten Schiffe während der Nacht und mit den mit Schwimmkleidern ausgerüsteten Tauchern benutzt. Bei einer seiner letzten Fahrten schleppte der Desaix den Argonaut, ein altes Schiff, das dem Uebungsgeschwader als Ziel für Torpedoversuche dient. Um eines der Schlepptaue war ein Leitungsdraht gewunden, dessen Enden auf dem Desaix und dem Argonaut, unter Einschaltung eines Telephons, mit der kupfernen Schiffsverkleidung verbunden war, so daſs das Meer den Stromkreis vervollständigte. Während der ganzen Fahrt konnte man sich ganz leicht verständigen. – Der Schiffslieutenant Desportes am Bord des Desaix kam auf den Gedanken, das Telephon bei den Arbeiten der Taucher zu verwenden. Man ersetzte das eine Glas des Taucherhelmes durch eine Kupferplatte, in welcher das Telephon befestigt war. Der Taucher brauchte daher nur den Kopf ein wenig zu bewegen, um entweder eine Mittheilung zu machen oder zu empfangen. Wenn man den Kiel zu besichtigen nöthig hat, so können die hinabgeschickten Taucher berichten, was sie sehen und thun, ohne daſs man sie, wie es bisher erforderlich war, erst wieder auf Deck heraufholen muſs. Die Taucher können selbst auf dem Meeresgründe in beständiger Sprechverbindung mit dem Deck bleiben. (Nach der Revue indusrielle, 1878 S. 215)

5) Bei Breguet's Telephon gleicht der Empfänger dem Sender. Jeder besteht aus einem Glasgefäſs mit einer Schicht Quecksilber und darüber einer Schicht angesäuerten Wassers. In das Wasser taucht die Spitze einer z. Th. mit Quecksilber gefüllten Röhre, welche in ihrem oberen Theile Luft enthält, offen ist oder mit einer Platte verschlossen, welche sich in Schwingungen versetzen läſst. Das Quecksilber in der Röhre des Empfängers und des Senders stehen durch einen Draht in leitender Verbindung; ebenso das Quecksilber in den beiden Gefäſsen. Spricht man gegen die Röhre des Senders, so werden die Luftschwingungen auf die Spitze der Röhre übertragen, wo das Quecksilber in der Röhre mit dem Wasser durch die feine Höhlung der Spitze Contact macht. Die hier eintretende elektrocapillare Wirkung sendet elektrocapillare Ströme nach dem Empfänger, in welchem dieselben sich wieder in Luftschwingungen umsetzen. Lippmann hat dieses Telephon in tragbarer Form ausgeführt; es besteht aus einer einige Centimeter langen Röhre, welche abwechselnd Tropfen von Quecksilber und angesäuertem Wasser enthält; an den Enden ist sie zugesiegelt und Platindrähte machen Contact mit den letzten Quecksilbertropfen. Eine Scheibe aus Föhrenholz ist in ihrer Mitte normal zur Röhre an dieser befestigt; gegen diese wird gesprochen, die des Empfängers aber wird an das Ohr gehalten.

6) Nach P. Serpieri und S. Cappanera (Beiblätter zu den Annalen der Physik, 1878 S. 297) werden die einzelnen Vocale und Silben beim Telephoniren nicht genau so gehört, wie sie gesprochen werden, wie man namentlich bei Versuchen in einer dem Hörenden unbekannten Sprache beobachten könne; so höre man:

e a tr n s et eb d t ic dra, tra ti at i u l o v
wie a e cr, dr, pr, fr m f el eu t d ip gra chi ai u i r e b

Habe werde wie fode oder ode, ich wie ir, wichtiges wie vistiges, geschlafen wie teslafen oder geflagen gehört. Es bedürfe also noch des Urtheiles und der Combinationsgabe des Hörenden, um die empfangene Depesche richtig wiederzugeben; zum Selbstregistriren werde aber kaum ein telephonischer Zeichenempfänger angewendet werden können.

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