Titel: Glasfabrikation der Orientalen während des Mittelalters.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229/Miszelle 5 (S. 192–193)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/mi229mi02_5
|193|

Glasfabrikation der Orientalen während des Mittelalters.

Es liegt auf der Hand, daſs die Nachrichten über orientalische Glasfabrikation im Mittelalter nur sehr dürftig sind. Das älteste Glasdenkmal dieser Zeit ist der sogen. Becher des persischen Königs Chosroes I. (531 bis 579.) in der Nationalbibliothek zu Paris, ein goldenes Gefäſs mit Medaillons aus Bergkrystall und grünem und rothem Glase. Besondere Glasfabriken kann es aber selbst ums Jahr 1000 noch nicht in Arabien gegeben haben, da die Glasmosaiken der Moschee zu Damascus von den byzantinischen Kaisern Justinian II. und Romanus II. geschenkt wurden. Im 11. Jahrhundert blühte bereits die Glasfabrikation in Alexandria, und i. J. 1163 gab es in Antiochia schon 10 Glasfabriken; auch in Tyrus gab es mehrere. Aus dieser Zeit stammen die wenigen Glasgefäſse echt orientalischen Ursprunges in europäischen Museen, die meist von Kreuzfahrern als Siegesbeute mitgebracht sind. Etwas später scheint die Glasfabrikation in Damascus in Aufnahme gekommen zu sein. Als Timur (1403) Damascus eroberte, lieſs er Glasarbeiter nach Samarkand bringen, um dort Fabriken anzulegen.

Betrachtet man die aus dieser Zeit stammenden orientalischen Gläser genau, so sieht man, wie Grässe in der Glashütte, 1878 S. 5 ausführt, daſs sie im Ganzen sich fast alle ähnlich sind. Das Glas ist schlecht und durchaus nicht weiſs, voll Blasen und Unebenheiten, und die Bläser, welche ihre Kunst möglicherweise in Byzanz lernten, hatten sicher unvollkommene Instrumente. Sehr häufig finden sich darauf arabische Inschriften, meist Widmungen; als Ornamente waren Vögel, Fabelthiere etc. mehr beliebt als Personenbilder. Die Umrisse der Figuren sind meist in Roth angegeben, die Zwischenräume häufig vergoldet, die Emailfarben, welche zuweilen den Grund bilden, öfter freilich nur die Ornamente, sind weiſs, dunkel- und blaſsroth, gelb, blau und grün. Leider scheint nach Timur's Raubzug die Kunst in Damascus untergegangen zu sein; wenigstens finden sich keine Ueberreste derselben mehr aus dem 15. bis 17. Jahrhundert vor. Nur in Persien scheint man fortgearbeitet zu haben, wenigstens ist jener im britischen Museum aufbewahrte Gieſser von blauem Glas mit Vergoldung geradezu ein Meisterwerk zu nennen. Aus demselben azurblauen, vergoldeten Glase waren die Fenster des Grabmals des Schah Ablas II. († 1666) zu Kom gemacht, welche der französische Reisende Chardin (1664–77) dort sah. Allein derselbe sagt auch, das Glas, welches damals in Persien erzeugt werde, sei schlecht und unvollkommen, was an dem elenden Brennmaterial liege, da man überhaupt das Feuer im Ofen nicht länger als 3 bis 4 Tage zu erhalten vermöge; das beste Glas werde noch zu Schiras in einer 80 Jahre früher von einem Italiener angelegten Fabrik gemacht, doch kämen Spiegel und gläserne Schnupftabaksdosen stets aus Venedig. Sonst kommt vom ganzen Orient nur noch der Name der Stadt Smyrna (um 1680) als Glasfabrikationsort vor.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: