Titel: Flammentemperaturen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229/Miszelle 8 (S. 194–195)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/mi229mi02_8

Flammentemperaturen.

Nach den fortgesetzten Versuchen (1878 227 209) von Rosetti (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1878 S. 809) sind Gasflammen bei stärkerem Gasdruck allerdings viel gröſser, aber die entsprechenden Flammenzonen zeigen doch nahezu dieselbe Temperatur und bei bedeutend verschiedenem Druck ist die Temperaturdifferenz kaum gröſser als 20°. In einem kräftigen Bunsenbrenner treten auf 1 Vol. Gas etwa 2,2 Vol. Luft zu und das Temperaturmaximum ist 1360°. Bei Zutritt von gröſseren oder geringeren Luftmengen ist die Temperatur niedriger, bei gleichen Volumen von Gas und Luft nur 1150°. Für im unten geschlossenen Bunsenbrenner verbrannte Mischungen von Gas und Stickstoff oder Kohlensäure wurden folgende Temperaturen beobachtet:

1 Vol. Gas und 1 Vol. Stickstoff 1180°
1 1,5 1240
1 2 1150
1 2,5 1080
1 3 1040
1 4 960
1 0,5 Kohlensäure 1190
1 1170
|195|
1 Vol. Gas und 1 Vol. Stickstoff 1100°
1 1,5 1020
1 2 880
1 3 780

Der Stickstoff, dessen specifische Wärme bei gleichem Volum nur 0,71 von derjenigen der Kohlensäure ist, kühlt also die Flammen viel weniger ab. Ferner wurde noch beobachtet:

in einem Stearinlicht 940°
in einer Locatellilampe 920
Petroleumlampe ohne Cylinder
im leuchtenden Rand 920
im ruſsenden Theil 780
Petroleumlampe mit Cylinder 1030
Alkohollampe (Alkohol von 0,912) 1170
„ (Alkohol von 0,822) 1180.

Es ist in der That auffallend, daſs so groſse Differenzen im Alkoholgehalt und die Verdampfung entsprechend gröſserer Wassermengen nicht gröſsere Differenzen in den erzeugten Temperaturen bewirken. Hätten am Ende unsere Hausfrauen doch Recht., wenn sie so manches Mal, gegen unsere Einsprache, ihren Weingeistvorrath durch Wasserzusatz vermehrten, „weil er ja doch brennt“?

Für Temperaturen bis zu 2000° empfiehlt Rosetti ein aus Platin und Retortenkohle zusammengesetztes thermoelektrisches Pyrometer, bemerkt aber dabei, daſs ein solches Element sich sehr leicht verändere und durch Ueberkleidung mit zusammengesintertem Kaolin nicht gehörig geschützt werde. Er deutet an, daſs die Einführung der Berührungsstellen in dünne Porzellanröhrchen wohl ein haltbareres Instrument liefern würden.

Hierbei muſs aber bemerkt werden, daſs Platin nach Violle (1878 227 108) bereits bei 1779° schmilzt.

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