Titel: Die Terpentinöle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229/Miszelle 15 (S. 301–302)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/mi229mi03_15

Die Terpentinöle.

Nach Mittheilungen Godeffroy's in der Oesterreichischen Zeitschrift für Pharmacie unterscheidet man im Handel wesentlich folgende Sorten: 1) Oesterreichisches Terpentinöl von Pinus austriaca, farblos oder schwach gelblich, vollkommen klar, hat 0,864 sp. G., siedet bei 155 bis 157° und lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach links. 2) Deutsches Terpentinöl von Pinus sylvestris, Pinus Abies L., Pinus vulgaris L.y Pinus picea L., Pinus rotundata Lk. gleicht dem vorigen; sp. G. 0,86 bis 0,87, siedet bei 155 bis 160° und lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach links. 3) Französisches Terpentinöl, aus französischem Terpentin von Pinus maritima, ist farblos oder schwach gelblich, vollkommen klar, hat 0,86 sp. G. und siedet bei 156 bis 1570; es riecht eigentümlich, schmeckt brennend, lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach links ab und wird hauptsächlich in der Umgebung von Bordeaux gewonnen. 4) Venetianisches Terpentinöl, aus venetianischem Terpentin von Pinus Larix L. oder Larix decidua Milk, gleicht dem französischen, riecht aber angenehmer und lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach links ab; kommt zumeist vom südlichen Tirol, vom Thale St. Martin in Piemont u.a. 5) Englisches Terpentinöl, aus dem amerikanischen Terpentinöl von Pinus palustris (australis) und Pinus Taeda, gleicht dem französischen, hat 0,864 sp. G., siedet bei 156 bis 157° und lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach rechts ab.

Auſser diesen fünf Hauptsorten erscheinen im Handel noch folgende Terpentinöle: 1) Tannenzapfenöl, Oleum Abietis pini, wird aus den Zapfen von Abies pectinata durch Destillation mit Wasser gewonnen; es riecht viel feiner als Terpentinöl, zeigt 0,868 sp. G., siedet bei 160 bis 162° und lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach rechts ab. 2) Latschen- oder Krummholzöl, Oleum |302| Pini pumilionis, wird aus jungen Spitzen und Zapfen von Pinus Pumilio Hänke durch Destillation mit Wasser gewonnen; es besitzt einen eigenthümlichen, etwas an Wachholder erinnernden Geruch, hat 0,865 sp. G., siedet bei 170° und lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach links ab. 3) Fichtennadelöl, durch Destillation der Nadeln von Pinus sylvestris oder Pinus Abies mit Wasserdämpfen gewonnen, hat einen auſserordentlich feinen, aromatischen Geruch, 0,876 sp. G., siedet bei 160° und lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach rechts ab. 4) Unter dem Namen Templin- oder Kienöl bezeichnet man im Handel ein Terpentinöl, welches durch Destilliren des Holzes, der Zweige, Zapfen, Nadeln u.s.w. mit Wasser gewonnen und namentlich im Canton Bern, in Emmenthal und Aargau in der Schweiz und in manchen Gegenden Tirols erzeugt wird; es riecht citronenartig, hat ein specifisches Gewicht von 0,86 bis 0,88, siedet zwischen 160 bis 164° und lenkt die Ebene des polarisirten Lichtes nach links ab.

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