Titel: Leistungsfähigkeit der hauptsächlichsten photographischen und photomechanischen Druckverfahren; von A. Ott.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229/Miszelle 8 (S. 483–484)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/mi229mi05_8

Leistungsfähigkeit der hauptsächlichsten photographischen und photomechanischen Druckverfahren; von A. Ott.

Für das Portraitfach nimmt der Silberdruck für kleine Formate noch immer den ersten Rang ein und wird in Folge seiner Billigkeit und bequemen Ausübung trotz der Fortschritte auf verwandten Gebieten wohl noch für lange Zeit seine Stelle behaupten.

Für gröſsere Formate, z.B. für solche von 18 × 21cm an, hat ihm der Pigmentdruck neuerdings eine nicht zu unterschätzende Concurrenz bereitet, und es ist die Zeit wohl nahe bevorstehend, wo man Vergröſserungen nur noch in Kohle ausführen wird. Gründe hierfür sind auſser der allerdings nicht unbegrenzten Haltbarkeit der Pigmentbilder ihre groſse Plasticität, welche namentlich bei gröſseren Formaten einen auſserordentlich belebenden Eindruck hervorruft und wohlthuend auf das Auge wirkt, sowie der Umstand, daſs die Retouche sehr leicht gehandhabt werden kann. Photographen, welche dem Pigmentdruck seine Lebensfähigkeit absprachen, werden zweifelsohne ihre Täuschung bereits erkannt und bereut haben, nicht schon früher Freunde dieses Proceſses geworden zu sein.

Der Woodbury-(Relief-)Druck kommt dem Pigmentdruck wohl am nächsten, obgleich seine Resultate sich nicht mit demselben messen können. Doch gehört schon eine ziemliche Uebung dazu, um eine Woodbury-Typie als solche zu erkennen. Der damit Vertraute wird jedoch immer eine gewisse „Trockenheit“, wenn man es so nennen kann, darin gewahren. Ein Kohledruck ist saftiger und wärmer. Für eine beschränkte Anzahl von Abdrücken lohnt sich die Woodbury-Typie nicht, sondern höchstens für Auflagen von über 250; dann ist er allerdings bedeutend billiger als Kohledruck und kaum ein und ein halb Mal so theuer als Lichtdruck. Er empfiehlt sich deshalb schon zur Illustration von Büchern und Zeitschriften. Bemerkt sei noch, daſs in Folge technischer Schwierigkeiten selten Formate von über 24 × 30cm hergestellt werden.

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Einen ganz gewaltigen Aufschwung hat in den letzten Jahren der Lichtdruck genommen, und es scheint derselbe mit jedem Tage mehr an Verbreitung zu gewinnen. Ganz besonders eignet sich der Lichtdruck zur Wiedergabe von Aufnahmen nach der Natur, Gemälden und Compositionen, welche in gröſserer Auflage gewünscht werden. Verwendbar ist er natürlich zur Wiedergabe von bildlichen Darstellungen jeder Art; doch wird man die billigere Photolithographie zur Vervielfältigung von Plänen, Karten und Zeichnungen vorziehen. Ein gut ausgeführter Lichtdruck kommt der besten Photographie nicht allein gleich, sondern übertrifft eine solche noch durch seine Dauerhaftigkeit und den Umstand, daſs er, sowie er aus der Presse kommt, fertig und verwendbar ist, ohne einer nachträglichen Operation, ausgenommen etwa dem Lackiren, zu unterliegen. Neuerdings wird das betreffende Verfahren öfters zur Vervielfältigung von Ansichten nach der Natur benutzt, und wir würden uns nicht wundern, wenn nächstens ein unternehmender Photograph seinen Kunden 50 Visitenkarten im Lichtdruck zu demselben Preise verabfolgen würde, wie sie jetzt für 12 Stück auf Albuminpapier im Silberdruck angefertigt werden.

In Bezug auf die Photolithographie sei bemerkt, daſs sie sich nur für Abbildungen in Strich- oder Kornmanier eignet, dann aber billiger kommt als Lichtdruck. In neuerer Zeit werden namentlich Landkarten auf photolithographischem Wege vervielfältigt. Einen sehr plastischen Eindruck gewinnt man, wenn man das Terrain erst in Gyps als Relief ausführt und die hiernach aufgenommene Photographie auf Stein überträgt. Werden auſserdem entsprechende Farben aufgetragen, so gewinnt eine solche Karte eine sehr belebende Frische. Für den geographisch-naturwissenschaftlichen Anschauungsunterricht sind solche Karten von besonderer Wichtigkeit.

Wir haben bis jetzt kein Verfahren kennen gelernt, welches Platten liefert, die an Stelle des Holzschnittes zu treten vermögen, d.h. zwischen die Lettern einer Buchdruckerpresse geschoben werden können, und doch wäre ein Proceſs, durch den auf photochemischem Wege dieselben Resultate wie durch den Holzschneider unter Ersparung von Zeit und Kosten erzielt würden, wie Jeder zugeben muſs, äuſserst wünschenswerth. Diese Lücke füllt die Photozinkographie, auch Chemiegraphie aus, welche nicht allein mit den besten Resultaten der Holzschneidekunst wetteifern kann, sondern sie in Bezug auf treue Wiedergabe der Originalien noch übertrifft. Ja noch mehr: selbst Kreidezeichnungen, die bisher nur lithographisch vervielfältigt werden konnten, lassen sich chemigraphisch ganz vorzüglich herstellen, und es ist hierdurch dem Buchdruck ein neues lohnendes Feld eröffnet worden.

Wir haben noch der Photostereotypie zu erwähnen, welche ebenfalls an Stelle der Xylographie tritt, allein bis jetzt hauptsächlich nur in Amerika, cultivirt wird. (Nach dem Photographischen Archiv, 1878 S. 121.)

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