Titel: Eisenindustrie im Königreich Siam.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229/Miszelle 3 (S. 562–563)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/mi229mi06_3
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Eisenindustrie im Königreich Siam.

Die Geographische Gesellschaft in Paris veröffentlicht im Bulletin de la Société d'Encouragement, 1878 Bd. 5 S. 274 einige Mittheilungen über den Stand der Eisenindustrie im Lande der Konys (Königreich Siam), denen wir folgendes entnehmen.

Dort, wo in den stark beholzten Thalniederungen reiche Eisenerzlager vorkommen, vereinigen sich die Bewohner eines Dorfes zu deren Ausbeutung. Es wird eine provisorische Hütte zum Schutz gegen die Witterung gebaut und mit der Meilerverkohlung begonnen, in ganz ähnlicher Weise, wie dies bei uns geschieht. Der zum Schmelzen der Erze bestimmte Ofen erhält ein rechteckiges Gehäuse aus Bambusstämmen von 2m Länge und 1m Breite und wird innerlich mit einer dicken Schicht feuerfester Thonerde bekleidet. Auf der Sohle befindet sich eine der Längenrichtung des Ofens nachlaufende Rinne, welche zum Schlackenabfluſs dient. Die Ofenhöhe beträgt etwa 0m,7. Als Gebläse dient je ein an den langen Seiten aufgestellter dreieckiger, mit einer Hirschhaut überspannter Holzkasten, dessen eine Seite, parallel zur Ofenwand, mit 26 thönernen Düsen versehen ist. Diese münden mit einem Abstand von etwa lern in ebenso viele in der Ofenseite befestigte thönerne Windzuleitungsröhren. Die den Gebläsekasten überspannende Hirschhaut kann durch einen an einem hölzernen Bogen befestigten Strick angezogen werden, wodurch bewirkt wird, daſs eine gewisse Luftmenge durch die Düsen in den Kasten einströmt, um unmittelbar darauf durch einen Druck mit dem Fuſs, welchen der zur Bedienung des Gebläses bestellte Arbeiter ausübt, in den Ofen gepreſst zu werden. Der Gebläsekasten ist ebenfalls innerlich mit feuerfester Masse gefüttert. In dem Ofen selbst werden abwechselnd dünne Lagen von Holzkohle und bis zu Nuſsgroſse zerkleinerten Eisenstein eingetragen. Jede Schmelzung, welche Morgens früh beginnt, dauert einen Tag, und das Product derselben, ein unreines, mit Schlacke und Kohle durchsetztes Eisen, ist der Reihe nach Eigenthum einer der zur Gesellschaft gehörigen Personen. An dem auf die Schmelzung folgenden Tage werden Ofen und Gebläse abgerissen und neu zugestellt. Von den Kosten eines solchen Betriebes legen sich die Interessenten keine Rechnung und verhandeln die gewonnenen Eisenmassen gegen Producte ihres eigenen Bedarfes. Die Weiterverarbeitung des erwähnten Eisens erfolgt auf Schmiedeherden von ebenso alter und unvollkommener Einrichtung wie die beschriebenen Schmelzöfen.

r.

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