Titel: Aetzflüssigkeit für verschiedene Metalle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 229/Miszelle 4 (S. 563–564)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj229/mi229mi06_4

Aetzflüssigkeit für verschiedene Metalle.

A. Herrburger empfiehlt im Chemischen Centralblatt, 1878 S. 480 folgende Aetzflüssigkeiten für Stahlwaaren: 40g reine concentrirte Essigsäure und 10g absoluter Alkohol werden mit 10g Salpetersäure gemischt; oder aber man löst 20g Soda und 50g Jodkalium in 400cc Wasser. Zum Aetzen von schwächeren Linien verdünnt man diese Lösung noch mit 400cc Wasser.

10g rauchende Salpetersäure mit 50g Essigsäure gemischt, wirkt auf Stahl in ½ Minute so kräftig, wie gewöhnliche Salpetersäure von gleicher Stärke auf Kupfer in 10 Minuten. Für schwächere Töne, sowie um mit mehr Sicherheit und Bequemlichkeit zu ätzen, vermischt man sie noch mit destillirtem oder Regen-Wasser.

Eine Aetzflüssigkeit für Kupfer wird folgendermaſsen bereitet: 100g rauchende Salzsäure verdünnt man mit 700g Wasser und setzt eine siedende Lösung von 20g chlorsaurem Kali in 200g Wasser zu. Diese Lösung kann man noch mit 1000 bis 2000g Wasser verdünnen, um damit die schwächeren Partien zu ätzen. Durch längere Dauer oder durch Zusatz von stärkerer Flüssigkeit bringt man die tieferen Töne hervor.

Für Zink, besonders für Zinkographie, siedet man in 560g Wasser etwa 40g zerstoſsene Galläpfel auf ein Drittel ein, filtrirt das Decoct durch Leinwand und gieſst 2 Tropfen Salpetersäure, sowie 3 bis 4 Tropfen Salzsäure dazu. Bei sehr feinen Arbeiten ist es rathsam, diese ziemlich kräftig wirkende Aetze noch bedeutend zu verdünnen und nur einige Minuten auf Zink einwirken |564| zu lassen, worauf man es nach sorgfältigem Abspülen mit Wasser mit frisch verdünnter Lösung von arabischem Gummi bedeckt.

Bis jetzt wurde zum Aetzen in Kupfer und Stahl hauptsächlich die mehr oder weniger verdünnte Salpetersäure allein in Anwendung gebracht. Diese hatte aber den Miſsstand, daſs sie auf dem Metalle Gasblasen bildete, wodurch die Aetzung unvollkommen wurde, und daſs sie ferner durch Dämpfe die Arbeiter sehr belästigte. Durch die Anwendung der obigen Gemische werden nicht allein diese Uebelstände vermieden, sondern die dadurch erzeugten Linien sind tiefer und viel schöner als bei dem älteren Verfahren mit verdünnter Salpetersäure. Als ein sehr zweckmäſsiges Hilfsmittel beim Aetzen gröſserer Flächen empfiehlt sich die Anwendung einer Tintenscale, dergleichen sich viele Graveure auf einem schmalen Stahl- oder Kupfers treuen anzufertigen pflegen. Eine solche Scale ist gewöhnlich in 10 bis 20 Quadrate eingetheilt und zu einer Hälfte mit einfachen, zur anderen Hälfte mit gekreuzten Schraffirungen ausgefüllt. Nachdem man von 5 zu 5 oder von 10 zu 10 Minuten immer ein solches Quadrat abdeckte, genau die Dauer des Aetzens darunter vermerkte und das nachfolgende ätzt, läſst man sich schlieſslich Abdrücke davon machen, die man in vielen Fällen gleich einer Musterkarte verwenden kann.

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