Titel: Wever's Laufkrahn mit Seilbetrieb.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 230 (S. 15–16)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/ar230003

Laufkrahn mit Seilbetrieb in der Maschinenfabrik von A. Wever und Comp. in Barmen.

Die wiederholten Unglücksfälle beim Betrieb der Laufkrähne, welche auch in letzter Zeit wieder Menschenleben gekostet haben, veranlaſsten A. Wever und Comp. bei der Construction des Laufkrahnes in ihrer Montirungswerkstätte den Grund der vorherrschenden Gefahren zu untersuchen und dieselben abzuwenden. Die Unglücksfälle treten gewöhnlich ein: 1) beim Senken der Lasten, 2) durch unrichtige Handhabung der Steuerhebel und 3) durch Seilbrüche.

Beim Senken der Lasten muſs bei den meisten Erahnen die Last erst angehoben werden, um die Sperrklinken lösen zu können, und geschieht das Senken dadurch, daſs man gewöhnlich die zum Heben benutzte Frictionskupplung, seltener eine Bremsscheibe mit Band verwendet. Die letztere Einrichtung ist nicht zu empfehlen, weil beim Lösen der Sperrklinken die Zahnräder zum Heben der Last in Betrieb bleiben und gleichzeitig die Bremse festgeklemmt werden muſs. Bruch der Zahnräder, welche den doppelten Widerstand der Last und der Bremse nicht überwinden können, ist die oft wiederkehrende Folge. Als Bremse kann die Frictionskupplung ebenso wohl benutzt werden. Nun ist aber Guſseisen oder Rothguſs so wenig elastisch, daſs die Grenze zwischen der vollständigen Bremsung und der zum Sinkenlassen nöthigen Reibung sehr knapp ist. Es ist deshalb auch dem geübten Krahnführer nicht möglich, die Lasten mit einer vorher bestimmten Geschwindigkeit oder bis auf eine bestimmte Höhe sinken zu lassen. Die Folge davon ist, daſs die Lasten oft zu schnell sinken und daſs das Fallen derselben durch Anziehen der Kupplung und Heben der Last aufgehoben werden muſs. Auch dabei treten Brüche der Zahnräder leicht ein.

An ihrem Laufkrahn brachten Wever und Comp. zwei getrennte Mechanismen zum Heben und zum Senken der Lasten an. Das Heben geschieht durch Zahnräder in gewöhnlicher Weise, das Senken durch ein Schneckengetriebe. Im Schneckenrade ist ein Sperrrad mit 5 Zähnen und 4 Sperrklinken angebracht, so daſs beim Heben ohne Drehung |16| der Schnecke die Last fortwährend durch die Sperrklinken und die Schnecke gehalten wird. Beim Senken der Lasten wird die Schnecke durch eine Frictionskupplung in Bewegung gesetzt, und kann, wie ohne weiteres einleuchtet, die Last ohne vorheriges Lösen von Sperrklinken mit derselben Sicherheit gesenkt und gehoben werden.

Die zweite Gefahr der unrichtigen Handhabung der Steuerapparate beseitigt die genannte Maschinenfabrik dadurch, daſs sie für jede der. vier Bewegungen der Last (Längsgang, Quergang, Heben und Senken) einen besondern Hebel anordneten, welcher nur in der Richtung sich bewegen läſst, in der sich die Last bewegen soll, und daſs jeder Hebel nur so lange den von ihm beherrschten Mechanismus functioniren läſst, als der Krahnführer denselben in der Hand hält.

Zur Verminderung der dritten Gefahr, des Seilbruches und dadurch bedingten Wechsels des Maschinenbetriebes zum Handbetrieb, wurde die Längsbewegung des Krahnes durch ein Riemenscheiben-Vorgelege bewirkt. Bei dieser Bewegung muſs auſser der Nutzlast das Eigengewicht des Krahnes in Gang gesetzt werden. Da nun in der Regel die Geschwindigkeit, mit welcher die Last in beiden horizontalen Richtungen bewegt wird, dieselbe sein soll, während der Betrieb von derselben Welle oder zwei gleich schnell laufenden Wellen erfolgt, ist leicht ersichtlich, daſs gerade für die Längsbewegung das Betriebsseil am stärksten in Anspruch genommen wird. Notorisch ist, daſs das Seil bei Beginn der Längsbewegung stets etwas gleitet, daſs das Seil durch das Gleiten auf den Laufrädern am meisten leidet und gerade dabei Seilbrüche eintreten. Das Uebel wird dadurch vergröſsert, daſs die Erahne in der Praxis selten mit der zuläſsigen Belastung, meist nur für kleine Lasten benutzt werden, bei denen das Seil gar nicht leiden würde, wenn das Gewicht des Krahnes nicht bewegt werden müſste. Dadurch aber, daſs nun das Seil die Kraft erst durch einen Riemen überträgt, gleitet nicht das Seil, sondern der Riemen auf den Riemenscheiben. Die Erfahrung hat auch gezeigt, daſs das Seil bei 2jährigem Gebrauch noch in ganz gutem Zustand ist, während der Riemen allerdings ausgewechselt werden muſste, welche Arbeit aber nur wenige Minuten erforderte.

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