Titel: Reifer, über Wood's Holzhobelmaschine.
Autor: Reifer, F.
Fundstelle: 1878, Band 230 (S. 220–223)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/ar230056

S. A. Wood's Holzhobelmaschine mit endlosem Kettentisch; von F. Reifer.

Mit einer Abbildung.

Die amerikanische Hobelmaschine mit endlosem Kettentisch (Endless bed planer), bei welcher das zu hobelnde Holzstück durch den als Kette ohne Ende sich bewegenden Tisch zum Hobelmesserkopfe vorgezogen wird, besitzt die Eigenschaft der Hobelmaschine mit beweglichem Tische, als auch jener mit Walzenvorschub1) vereint, indem |221| dieselbe sowohl für das Hobeln starker, als auch schwacher Hölzer in unbegrenzter Länge sich eignet und mit geringem Materialaufwande sich herstellen läſst. Diese Hobelmaschinengattung, welche fast bei den meisten der Aussteller von Holzbearbeitungsmaschinen in Philadelphia 1876 in einem oder zwei Exemplaren vertreten war, hat in Amerika eine sehr groſse Verbreitung und wird hauptsächlich bei der Herstellung des im Handel dort allgemein in gehobeltem Zustande zu Markte kommenden Holzes verwendet. Die Leistungsfähigkeit dieser Maschine wird auf 3200 bis 3700qm in 10 Stunden gerechnet, wobei Holzstücke von 10 bis 300mm Dicke und 762mm Breite bearbeitet werden können. Es werden zwei Gattungen von Hobelmaschinen mit endlosem Kettentische gebaut: einfache, auf denen das Holz nur von der oberen Seite, und doppelte, auf welchen von zwei Seiten, und zwar von oben und unten gleichzeitig, gehobelt werden kann.

Die Messerkopfwelle ist bei der einfachen Hobelmaschine oberhalb des Kettentisches gelagert, und bei der doppelten ist auſser dem oberen Messerkopfe noch ein zweiter Messerkopf an dem der Speisungsseite entgegengesetztem Ende angebracht, mit welchem die untere Fläche des Holzstückes gehobelt werden kann.

Jede mit endlosem Kettentisch arbeitende Hobelmaschine hat einen äuſseren und einen inneren Gestellrahmen. Der erstere bildet das eigentliche Hauptgestell, an welchem stets der obere, und bei den doppelt hobelnden Maschinen zuweilen auch der untere Messerkopf befestigt, sowie auch die Führung für den inneren Rahmen angebracht wird. Der innere Rahmen dient nur als Unterlage für den auf demselben gleitenden Kettentisch und als Lagerstütze für jene Wellen, an welchen die den Kettentisch bewegenden Zahnräder befestigt sind. Zwei starke Schraubenspindeln in der Mitte der Langseiten oder vier solche an den Enden der Hobelmaschine, welche mit Stirn-, Kegel- oder mit Schneckenrädern gedreht werden, dienen zur Einstellung des Kettentisches auf die erforderliche Höhe. Diese Arbeit wird stets von Hand mittels Kurbel- oder Griffrad bewerkstelligt. Damit zwischen dem inneren und äuſseren Rahmen keine Verschiebung stattfindet, sind breite Schlittenführungen an der Innenseite des Hauptrahmens angebracht, an welchen der innere Gestellrahmen bei dessen Aufwärts- und Abwärtsbewegung gleitet.

Die Kettentische sind aus Flachstäben zusammengesetzt, die eine Breite von etwa 75mm und eine Dicke von etwa 30mm haben. Die |222| Länge dieser Stäbe richtet sich nach der inneren lichten Breite der Hobelmaschine. Die Verbindung der einzelnen Flachstäbe mit einander, damit dieselben eine Kette formen, wird mittels Bolzen bewerkstelligt, welche durch die an der Rückseite der Stäbe angegossenen Gelenkosen gesteckt werden, wie dies bei den am Fuſse der beigedruckten Figur, welche die von der S. A. Wood's Machine Company in Boston, Mass., ausgestellte einfache Kettentisch-Hobelmaschine zeigt, mit der Rückseite nach aufwärts gekehrten zwei Flachstäben zu ersehen ist. Diese gelenkartige Verbindung wird auch vielfach durch schmiedeiserne Laschen und Bolzen, welche zu beiden Seiten von einfachen, an den Flachstäben angegossenen Oesen befestigt werden, hergestellt.

Textabbildung Bd. 230, S. 222

Die erwähnten, am Fuſse der Figur dargestellten Flachstäbe haben in der Mitte eine Rippe als Verstärkung, um. das Durchbiegen derselben während der Bearbeitung des Holzes zu verhindern. Es werden aber auch vielfach glatte Flachstäbe ohne Rippen angewendet, und die Durchbiegung derselben während der Anarbeitung des Holzes dadurch vermieden, daſs der innere Rahmen, auf welchem die Flachstäbe gleiten, mit angegossenen Quer- und Längen Verbindungen versehen ist, welche die Flachstäbe von unten stützen.

|223|

Die Vorbewegung des Kettentisches geschieht mittels zwei auf einer Welle sitzenden starken Zahnrädchen, deren Zähne zwischen den Gelenken der Flachstäbe von unten eingreifen. Die Welle, auf welcher diese Zahnrädchen sitzen, ist stets an dem der Speisungsseite entgegengesetzten Ende der Maschine hinter dem oberen und vor dem unteren Hobelmesserkopfe angebracht, so daſs der Kettentisch nicht geschoben, sondern gezogen wird.

Die Bewegung der Welle erfolgt von der Auſsenseite durch Zahnradübersetzung.

Die Kosten einer Hobelmaschine mit endlosem Kettentisch stellen sich, je nach deren Einrichtung zum Hobeln von einer oder zwei Seiten, auf 500 bis 900 Dollars. Das Gewicht einer solchen Maschine beträgt 1400 bis 2000k. (Vgl. die Ganz'sche Maschine * 1874 212 23.)

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Für das Hobeln starker Holzstücke werden im Allgemeinen Hobelmaschinen mit beweglicher, der ganzen Länge nach unterstützter Tischplatte und vertical verstellbarem Hobelmesserkopfe angewendet. Auf solchen Hobelmaschinen, gleichviel ob mit transversal (d. i. quer über die Vorschubsrichtung und Holzfaser) oder tangential (d. i. gegen oder in der Richtung des Vorschubes und der Holzfaser) wirkendem Hobelschnitte, können nur Hölzer abgehobelt werden, welche nicht länger als die Tischplatte selbst sind. Die Construction dieser Maschinen bedingt ein Bett von der doppelten Tischlänge, ferner, daſs die Ständer, auf denen der Messerwellensupport bald höher, bald niedriger je nach der zu hobelnden Holzdicke gestellt wird, sehr stark gebaut seien, da sonst durch die schnelle Rotation der Messerwelle Erschütterungen entstehen, welche für die Herstellung reiner glatter Hobelflächen von Nachtheil sind. Eine weitere Bedingung für die Hobelmaschine mit beweglichem Tische ist, daſs das zu hobelnde Holzstück immer mit Einspannklammern an den Tisch selbst befestigt und nach dessen Abhobelung wieder losgemacht werden muſs. Die Herstellung der Hobelmaschinen mit beweglichem Tischvorschube ist somit einerseits mit groſsem Materialaufwande verbunden, andererseits ist deren Verwendung gewissermaſsen eine beschränkte und durch das |221| bedingte Auf- und Abspannen des zu hobelnden Holzstückes mit ziemlich bedeutendem Zeitaufwande verbunden. Hobelmaschinen mit Walzenvorschub sind wohl mit geringerem Materialaufwand herzustellen, und ist man bei denselben mit der Länge des zu bearbeitenden Holzstückes nicht beschränkt; es können jedoch auf denselben nur Hölzer von geringer Dicke vortheilhaft bearbeitet werden.

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