Titel: [Ueber anormale Löslichkeit gewisser Substanzen in Seifen.]
Autor: Livache, A.
Fundstelle: 1878, Band 230 (S. 356)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/ar230085

Ueber anormale Löslichkeit gewisser Substanzen in Seifen; von A. Livache.

Seit einiger Zeit kommen unter dem Namen „Petroleumseifen“1) Producte in den Handel, welche in der Weise hergestellt sind, daſs man den gewöhnlichen Rohstoffen für die Seifen Petroleum, das mit einer bestimmten Menge Carnaubawachs gemischt ist, zusetzt. Unterwirft man diese Producte bei mäſsiger Wärme der Destillation, so läſst sich das Petroleum unverändert abdestilliren und auch die zurückbleibende Seife zeigt sich vollkommen unverändert; bringt man diese Petroleumseifen in Wasser, so lösen sie sich darin, während weder Petroleum, noch Carnaubawachs sich ausscheiden, selbst nicht in Form einer Emulsion. Dabei ist bekanntlich Seife in Petroleum unlöslich, und man kann das letztere weder in Seife beim Versieden, noch in Seifenwasser lösen.

Aus diesen Thatsachen schloſs A. Livache (Comptes rendus, 1878 Bd. 87 S. 249), daſs der Gehalt an Carnaubawachs den Petroleumseifen die Löslichkeit ertheilt. Carnaubawachs ist ein zusammengesetzter Körper; ein Theil läſst sich mit Alkalien verseifen, während ein anderer Theil, Myricylalkohol, dabei frei wird. Dieser letztere muſs als die wirkliche Ursache der gedachten eigenthümlichen Erscheinung angesehen werden. Und in der That, gieſst man Myricylalkohol in Seifenwasser, so läſst sich eine vollkommen klare Lösung erhalten. Erdöl und Myricylalkohol mischen sich in jedem Verhältniſs; setzt man solche Mischungen zu Seifenwasser, so lösen sie sich ebenfalls darin. Man muſs demnach die Sache so ansehen, daſs der Myricylalkohol oder das Carnaubawachs, welches denselben enthält, zugleich das Seifenwasser und das Petroleum in Lösung halten. Nachdem Livache diese Thatsache erkannt hatte, suchte er sie zu verallgemeinern und fand bald, daſs die Eigenschaft, Petroleum in Seife löslich zu machen, allen den Verbindungen zukommt, die zugleich in Seife und in Petroleum sich zu losen vermögen. So konnte er mit Hilfe geringer Mengen von Methyl- und Amylalkohol 50 bis 100 Proc. Petroleum in den gewöhnlichen Seifen lösen und Producte erhalten, die im Wasser vollkommen löslich waren. Steinkohlenöl gab ähnliche Resultate. – Harzseifen verhalten sich in diesem Falle ganz wie gewöhnliche Seifen.

Dte.

|356|

Auf der Pariser Weltausstellung 1878 sind Petroleumseifen von Vincent und Lecanu in Havre ausgestellt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: