Titel: Ueber giftige Gase.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 230/Miszelle 16 (S. 92–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/mi230mi01_16

Ueber giftige Gase.

Umfassenden Versuchen von Poleck und Biefel (Chemisches Centralblatt, 1878 S. 334) über die Wirkung giftiger Gase auf Thiere entnehmen wir folgende Mittheilungen. Der Tod des Thieres bei Vergiftung mit Kohlendunst aus Steinkohlen trat ein, wenn die Zimmerluft im Mittel aus 6,56 Proc. Kohlensäure, 0,46 Proc. Kohlenoxyd, 13,40 Proc. Sauerstoff und 79,58 Proc. Stickstoff bestand. Das Kohlenoxyd-Spectrum trat in dem Blute aller auch der nicht getödteten Thiere auf. Zucker wurde nur in dem Harne jener Thiere beobachtet, bei denen sich die Intoxication sehr langsam und nur mit vereinzelten Krampfanfällen vollzog, während bei allen Thieren, bei denen die Vergiftung mit heftigen, tonischen und klonischen Krämpfen auftrat und den Tod schon in ½ bis 1½ Stunden herbeiführte, Zucker im Harne in keinem Falle beobachtet werden konnte. Bei den Versuchen mit Leuchtgas war das Gasgemisch der Zimmerluft, welches zum Tode des Thieres führte, stets explosiv. In einem Falle, in welchem der Tod des Thieres nach 2 Stunden eintrat, enthielt es 0,08 Proc. CO2, 0,35 Proc. durch rauchende Schwefelsäure absorbirte Gase, 2,36 Proc. CH4, 4,42 Proc. Wasserstoff, 1,48 Proc. CO, 19,15 Proc. Sauerstoff und 72,16 Proc. Stickstoff, während das zum Versuche benutzte Leuchtgas 2,12 Proc. CO2, 4,85 Proc. schwere Kohlenwasserstoffe, 30,8 Proc. CH4, 53,13 Proc. Wasserstoff, 6,75 Proc. CO, 0,42 Proc. Sauerstoff und 1,93 Proc. Stickstoff enthielt. H2S und SO2 konnte weder in der Luft einer Kohlendunst- noch einer Leuchtgas-Vergiftung nachgewiesen werden. Durch besondere |93| Versuche mit reinem CO und reiner CO2 wurde die Kenntniſs der letalen Mengen und des Krankheitsbildes dieser Gase gewonnen. In drei Versuchsreihen wurde beim Tode des Thieres in der Luft 1,94, 1,53, 1,65, und 1,02 Proc. CO gefunden, während bei einer Kohlensäure-Vergiftung die Luft beim Tode des Thieres 50,41 Proc. CO2, 10,01 Proc. Sauerstoff und 39,58 Proc. Stickstoff enthielt und schon 0,06, 0,05 und 0,37 Proc. H2S die Thiere unter heftigen Schreikrämpfen rasch zum Tode führte. Dies stimmt mit Versuchen anderer Forscher überein. Ganz analog fielen die Versuche mit CS2 aus. Als Resultat sämmtlicher Versuche stellt sich heraus, daſs die Leuchtgas-Vergiftung bei Abwesenheit von H2S, welcher im normalen Leuchtgase stets fehlt, als eine reine Kohlenoxyd-Vergiftung aufzufassen ist, während im Kohlendunst CO2, CO und die Verminderung des Sauerstoffes gleichzeitig zur Wirkung gelangen.

N. Grehant (Comptes rendus, 1878 Bd. 86 S. 895) findet, daſs Menschen und Thiere durch halbstündiges Athmen einer Luft, welche 0,13 Proc. Kohlenoxyd enthält, so viel dieses giftigen Gases aufnehmen, daſs die Hälfte der Blutzellen zur Sauerstoffaufnahme unfähig wird.

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