Titel: Ueber die Schädigung der Gerste durch Auswachsen auf dem Felde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 230/Miszelle 23 (S. 288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/mi230mi03_23

Ueber die Schädigung der Gerste durch Auswachsen auf dem Felde.

Nach den Untersuchungen von Lauenstein und M. Märcker (Zeitschrift für Spiritusindustrie, 1878 S. 62) hatte Gerste ausgewachsen, verglichen mit normaler, folgende Zusammensetzung:

Ausgewachsen Normal
Rohfaser 5,91 6,14
Fett 1,80 2,07
Mineralstoffe 3,46 3,25
Stickstofffreie Exactstoffe 76,05 76,66
Stickstoffhaltige Stoffe 12,78 11,88
––––––––––––––––––––––
100,00 100,00.

Die ausgewachsenen Gerstenkörner enthielten 18,64 Proc. die nicht gewachsenen nur 11,62 Proc. wasserlösliche Stoffe von folgender Zusammensetzung (Zucker auf Maltose berechnet):

Ausgewachsen Normal
Lösliche Stärke 1,17 1,76
Dextrin 0 1,10
Dextrose
Maltose
4,92
7,32
12,24 0
3,12
Sonstige lösliche Stoffe 5,23 5,64
–––––––––––––––––––––––––––
18,64 11,62
Stärkewerth aller Kohlehydrate 70,41 69,87 Proc.

Für die Praxis des Brennereigewerbes ergibt sich hieraus, daſs ausgewachsene Gerste noch ebenso viel zur Alkoholerzeugung geeignete Stoffe enthält als nicht gewachsene; zur Stärkefabrikation ist ausgewachsenes Getreide jedoch offenbar nicht geeignet.

Zur Beurtheilung des Futterwerthes ist die Beschaffenheit der Stickstoffverbindungen wesentlich. 100 Th. trockene Gerste enthielt nun:

Ausgewachsen Normal
Gesammtstickstoff 2,045 1,900
Stickstoff als Salpetersäure Spuren Spuren
Amide 0,454 0,028
Ammoniak 0,044 0,045
lösliches Eiweiſs 0,036 0,087
unlösliches Eiweiſs 1,511 1,740
–––––––––––––––––––––
2,045 1,900

Da somit ein groſser Theil des Stickstoffes beim Auswachsen bereits in Amide übergeführt war, so hatte der Nahrwerth wesentlich abgenommen. Da ferner die Keimfähigkeit der ausgewachsenen Gerste bedeutend geringer war als die der gewöhnlichen, so ist erstere für Brauerei- und Brennereizwecke um so weniger geeignet, als die gewachsene Gerste auch noch zahlreiche Pilzsporen trug.

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