Titel: Zur Behandlung der Wolle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 230/Miszelle 9 (S. 284)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/mi230mi03_9

Zur Behandlung der Wolle.

Um die Wolle von den Schafhäuten vollkommen im Zustande des Vlieſses abzunehmen und eine gründliche Waschung, Entfettung und Bleichung derselben innerhalb weniger Minuten zu erzielen, verfahren P. und A. Puech in Mazamet nach dem ihnen ertheilten Patente (D. R. P. Nr. 813 vom 16. October 1877) folgendermaſsen. Man legt die trocknen fremden Felle 8 bis 10 Minuten in ein 50 bis 60° warmes Bad von Wasser mit etwas Soda und Seife; für einheimische Felle genügen 3 bis 5 Minuten. Dann läſst man sie zwischen einer Walzenpresse durchgehen, wäscht sie in einer Wollwaschmaschine und legt sie 10 Minuten lang in laues Wasser. Nun werden sie wieder durch eine Walzenpresse getrocknet, in einer Schlagmaschine heftig geschüttelt, damit sich die Wolle wieder aufrichtet, dann auf der Fleischseite mit einer Enthaarungsflüssigkeit bestrichen, so daſs die Wolle abgenommen werden kann. Die Wolle wird dann nochmals gewaschen, gepreſst und getrocknet.

Ist sie zum Kämmen bestimmt, so wird sie nach dem Zusatzpatent Nr. 1317 vom 29. November 1877 nicht getrocknet, sondern noch feucht den Kammmaschinen übergeben.

Eine Composition zum Einfetten der Wolle (D. R. P. Nr. 538 vom 17. August 1877) wird hergestellt durch Lösen von 1 Th. gepulvertem Colophonium in 1 Th. Ammoniakflüssigkeit und 10 Th. Wasser. Die erhaltene gallertartige Masse wird durch ein feines Sieb gegeben, mit gleichen Theilen Rüböl oder Olein und 1 Proc. Glycerin gemischt und schlieſslich beim Gebrauch noch mit der Hälfte Wasser versetzt. Die Patentinhaber, J. Jungst und Chr. Heinzerling in Biedenkopf (vgl. 1877 226 439) nennen dieses Gemisch Olival.

A. A. Plantrou in Reims (D. R. P. Nr. 108 und 543 vom 5. und 21. August 1877) schlägt zur Reinigung der Textilstoffe Natronwasserglas mit Ammoniakflüssigkeit vor, welche bekanntlich längst zu diesem Zwecke angewendet werden; indeſs hat die besondere Art des Verfahrens den Patentschutz erlangt. So hüllt z.B. das Natron Wasserglas die Strohtheilchen u. dgl. in Wollgeweben ein, bedeckt sie mit einer festwerdenden Kruste, so daſs jene ohne vorherige Verkohlung pulverisirbar gemacht und dergestalt entfernt werden sollen.

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