Titel: Neuerungen an Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 230/Miszelle 1 (S. 363–364)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/mi230mi04_1

Neuerungen an Dampfmaschinen.

Quatram's Expansionssteuerung (*D. R. P. Nr. 821 vom 3. Juli 1877) erfüllt den Zweck, die Arbeitsgröſse der Dampfmaschine stets constant zu erhalten dadurch, daſs sie entsprechend den Schwankungen der Dampfspannung die Cylinderfüllungen regulirt. Dies wird dadurch erreicht, daſs der Expansionsschieber nicht in fester Verbindung mit der Maschine steht, sondern von einem Ende eines Winkelhebels bewegt wird, dessen anderes Ende einem |364| eigenthümlichen Spiel von Kräften ausgesetzt ist. Einerseits nämlich wird durch einen kleinen Hilfskolben, der direct unter dem Einflüsse des Kesseldampfes steht, diesem Hebelarme die Tendenz zum Aufwärtsgange und damit dem Expansionsschieber die Richtung zum Absperren ertheilt; andererseits aber lastet ein um den Kreuzkopf bolzen drehbares Gewicht auf diesem Hebelarme und sucht denselben niederzudrücken, den Expansionsschieber offen zu halten. Im todten Punkte ist der Drehpunkt dieses „Wandergewichtes“ genau über der Achse des Hilfskolbens, letzterer kann somit kein Druckmoment zum Aufheben des Gewichtes ausüben; je weiter aber der Kreuzkopf und mit ihm der Drehungspunkt des Wandergewichtes vorrückt, desto günstiger wird der Hebelarm des Hilfskolbens, bis er endlich das stets gleichbleibende Moment des Wandergewichtes überwindet, den Winkelhebel nach aufwärts dreht und den Expansionsschieber schlieſst. Je höher der Dampfdruck, desto früher wird der Schluſs erfolgen. Es liegt in der Natur der Sache, daſs für jedes Cylinderende ein besonderes Wandergewicht vorhanden sein muſs; deshalb bringt der Erfinder, F. Quatram in Berlin, die Steuerung des einen Cylinderendes links, die des anderen rechts von der Cylinderachse an, was sich übrigens ganz gut disponirt. (Nach dem Patentblatt, 1878 S. 397 erloschen.)

Dagegen dürfte ein unüberwindliches Hinderniſs gegen die Einführung dieser so geistreichen Construction darin liegen, daſs sie eben die Dampfarbeit bei allen Dampfspannungen constant erhält; denn wie soll hier die Maschine auf wechselnde Arbeitsleistung regulirt werden?

Bei der Präcisionssteuerung von Menck und Hambrock in Ottensen (*D. R. P. Nr. 1117 vom 11. October 1877) geschieht die Dampfvertheilung durch Doppelschieber, von denen der Grundschieber in normaler Weise durch ein Excenter bewegt wird, der Rückenschieber dagegen ruckweise durch einen kleinen, mit Dampf betriebenen Steuercylinder. Zu diesem Zwecke ist auf die Schieberstange des Rückenschiebers ein Kolben befestigt, der in einem vor den Schieberkasten angebrachten Dampfcylinder arbeitet; letzterer selbst wird durch einen kleinen Muschelschieber gesteuert, welcher durch eine auf der Regulatorantriebswelle befindliche Knaggenscheibe seine Bewegung erhält. Der Regulator verdreht den mit der Knaggenscheibe arbeitenden Ausschlag des Hilfsschiebers und bewirkt dadurch frühere oder spätere Reversirung des Steuerungscylinders; entsprechend erfolgt kleinere oder gröſsere Füllung der Dampfmaschine.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: