Titel: Elektro-magnetischer Fahrkartenzähler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 230/Miszelle 5 (S. 447–448)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/mi230mi05_5

Elektro-magnetischer Fahrkartenzähler.

Um die Anzahl der bei jedem Zuge ausgegebenen Fahrkarten und danach das Erforderniſs an Personenwagen für diesen Zug rechtzeitig ermitteln zu können, wodurch gewisse, weiter unten näher bezeichnete Vortheile erreicht werden, ist am Personen-Bahnhofe der Kaiser Ferdinands-Nordbahn in Wien ein elektro-magnetischer Fahrkartenzähler eingerichtet worden. Zu diesem Behufe ist die Datumpresse einer jeden der drei Billeten-Kassen mit einem elektrischen Contacte versehen, der beim Markiren einer Fahrkarte, durch die dabei ausgeführte Bewegung des Stempels, zum Schlüsse gebracht werden muſs. An dem fixen Ständer desselben sind ferner Tasterknöpfe für die verschiedenen Klassen angebracht, durch welche es ermöglicht wird, wenn im Bedarfsfalle an einer Kasse Fahrkarten für die verschiedenen Klassen ausgegeben werden sollen, eine und dieselbe Presse für die Markirung am Zähler verwenden zu können.

Von den in den Kassalocalen befindlichen Datumpressen führen drei Leitungen (für jede Wagenklasse eine) zu dem am Perron in der unmittelbaren Nähe des den Zug abfertigenden Beamten aufgestellten uhrförmigen Zähler, der ein 100theiliges Zifferblatt und die entsprechende Zeigerzahl enthält. Die Zeiger sind mit Scheibchen versehen, welche die Nummer der betreffenden Wagenklasse tragen. Mit dem Zeiger für die dritte Klasse, für welche die gröſste Zahl von Karten ausgegeben wird, ist noch ein kleinerer, nicht numerirter Zeiger verbunden, welcher die Anzahl der ganzen Umläufe des ersteren, bezieh. die Anzahl der Hunderte von ausgegebenen Karten dieser Klasse |448| anzeigt. Sämmtliche Zeiger müssen nach Abgang eines jeden Zuges wieder auf den Nullpunkt zurückgestellt werden.

Diese Einrichtung, welche schon unter normalen Verhältnissen vorzügliche Dienste leistet, da bei einer unvermuthet groſsen Anzahl von Reisenden ein sonst erst im letzten Augenblicke vor Abgang des Zuges sich als nothwendig erweisendes Anschieben von Wagen vermieden wird, womit leicht Zugsverspätungen verbunden sind, ist besonders dann von groſsem Werthe, wenn bei einem besonders starken Andränge von Reisenden, wie er zu gewissen Gelegenheiten vorzukommen pflegt, mehrere Züge in rascher Folge abgefertigt werden müssen, da durch diese Einrichtung die denkbar schnellste Verständigung des Verkehrsbeamten über die Anzahl der erforderlichen Wagen erzielt wird und sowohl einem Platzmangel für die Reisenden, als auch einer unter solchen Verhältnissen oft fühlbaren Verschwendung an Personenwagen vorgebeugt und somit eine unnütze Belastung des Zuges vermieden wird.

Diese Einrichtung wurde über Anregung des Betriebs-Oberinspectors Gustav Kuttilek durch die Mechaniker Mayer und Wolf in Wien ausgeführt.

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