Titel: Bestimmung von Eiweiss in thierischen Flüssigkeiten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 230/Miszelle 18 (S. 514–515)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/mi230mi06_18

Bestimmung von Eiweiſs in thierischen Flüssigkeiten.

Ch. Tanret empfiehlt zur Eiweiſsbestimmung im Harn eine Lösung von Jodkaliumquecksilberjodid. (Centralblatt für die medicinische Wissenschaft, 1877 S. 493.)

W. Leube untersuchte den Harn eines Bataillons Soldaten in folgender Weise. Der frisch gelassene Harn wurde filtrirt, eine Probe davon im Reagensglase zum Sieden erhitzt, mit Salpetersäure versetzt, nochmals aufgekocht und mit einer anderen nicht gekochten Probe desselben Urins zum Vergleich gegen eine schwarze Fläche gehalten. Zeigte sich dabei eine Trübung in dem gekochten Urin, so wurde der Harn etwas eingedampft, mit ein Paar Tropfen Essigsäure versetzt und der Niederschlag absitzen gelassen. Die überstehende Flüssigkeit wurde hierauf abgegossen und durch Wasser ersetzt. Dies wurde so lange wiederholt, bis das über dem Niederschlag stehende Wasser möglichst |515| farblos blieb. In einzelnen Proben wurde auſserdem Flüssigkeit und Niederschlag erst neutralisirt und der letztere auf dem Filter heiſs ausgewaschen. Eine Probe des ausgewaschenen Niederschlages wurde nun mit dem Millon'schen Reagens geprüft (Purpurfärbung zeigt Eiweiſs); eine andere mit Kalilauge gekocht und nach dem Erkalten mit einigen Tropfen Kupfervitriollösung versetzt (Violettfärbung). Er fand so, daſs in weitaus der Mehrzahl der Fälle der Urin der Gesunden frei an Eiweiſs ist; in seltenen Fällen tritt bei sonst vollständig normalem Verhalten des Körpers eine ganz geringgradige, aber unzweifelhafte Albuminurie (0,1 Proc.) auf, welche verhältniſsmäſsig häufig sich einstellt, wenn körperliche Anstrengungen der Urinabscheidung vorangehen. (Zeitschrift für analytische Chemie, 1878 S. 524.)

Zur völligen Abscheidung des Eiweiſses aus Milch, Blut u. dgl. wird nach F. Hofmeister die betreffende Lösung zunächst durch Kochen unter gleichzeitigem vorsichtigem Säurezusatz von der Hauptmenge des Eiweiſses befreit, darauf das Filtrat mit Bleihydrat versetzt, einige Minuten im Kochen erhalten und wieder filtrirt. Die erhaltene Flüssigkeit wird durch Einleiten von Schwefelwasserstoff von gelöstem Blei, durch Aufkochen von überschüssigem Schwefelwasserstoff befreit und erweist sich nun auch den empfindlichsten Reagentien gegenüber als eiweisfrei.

Enthält die ursprüngliche Lösung schwefelsaure oder phosphorsaure Salze in groſser Menge, so empfiehlt es sich, vor dem Kochen mit Bleihydrat einige Tropfen einer Bleizuckerlösung zuzusetzen. Das Bleioxyd macht nämlich aus den Sulfaten und Phosphaten die Alkalien frei, welche, wenn sie in gröſserer Menge vorhanden sind einen wenngleich sehr geringen Antheil des Eiweiſses in Form von Albuminat in Lösung erhalten. Zusatz von Bleizucker führt sie in essigsaure Salze über und macht sie so unschädlich. (Chemisches Centralblatt, 1878 S. 635.)

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