Titel: Zur Herstellung von Flussstahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 230/Miszelle 8 (S. 511)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj230/mi230mi06_8

Zur Herstellung von Fluſsstahl.

F. Osann in Düsseldorf (D. R. P. Nr. 1325 vom 26. Juli 1877) legt der gewöhnlichen Auskleidung der Bessemerbirne und des Ofenherdes beim Siemens-Martin-Proceſs mit kieseligem Futter die Hauptschuld bei, weshalb eine Reduction des Phosphorgehaltes im Eisen bis jetzt nicht nach Wunsch erreicht worden ist. Sehr basische Schlacken haben bekanntlich die Eigenschaft, Phosphor in hohem Grade aufzunehmen, und bei gut geleitetem Puddelproceſs kann man ⅘ des in dem Roheisen enthaltenen Phosphors in die Schlacke überführen. Auf Grund dieser Erfahrung schlägt Osann vor, den Bessemerbezieh. Siemens-Martin-Proceſs nicht ununterbrochen auszuführen, sondern zunächst den Raum, in welchem das geschmolzene Eisen behandelt werden soll, mit einem plastischen Kohlenfutter auszukleiden, damit die sich bildende Schlacke vorerst durchaus keine Oxydation erfahre. Ein solches Futter wird leicht hergestellt aus zerkleinerter Koke oder gemahlenem Graphit in Mischung mit Hartpech, denen als Binde- oder Auflösungsmittel Theeröl oder Erdöl dient. Die gut zusammenballende Masse wird in den Herdofen ähnlich wie das sonst übliche Kieselfutter fest eingestampft.

Nach dem Einschmelzen des Eisens in dem nach obiger Vorschrift ausgekleideten Ofen entläſst man dasselbe in einen zweiten auf gewöhnliche Weise ausgefütterten Schmelzraum, woselbst die Vollendung des Processes unter Zusatz der nothwendigen Materialien vor sich gehen soll. Man bedient sich zu diesem Zwecke einer Gieſspfanne mit durchlochtem Boden und Stopselverschluſs, welche entweder transportabel ist und in diesem Falle die geschmolzene Masse direct aus der Birne oder dem Flammofen aufnimmt und in den zweiten Behälter überführt, oder weiche stationär in unmittelbarer Nähe des letzteren angebracht ist und mittels einer Rinnenleitung aus dem ersten Schmelzraum gespeist wird. Die Oeffnung, durch welche die geschmolzene Masse aus der Gieſspfanne abflieſst, muſs natürlich hinreichend groſs sein- durch rechtzeitiges Schlieſsen derselben mittels des Stöpsels hat man es in der Hand, nur das flüssige Eisen, nicht aber die Schlacke, in den zweiten Schmelzraum überzuführen. Sollte es sich herausstellen, daſs auf die angegebene Weise bei der ersten Schmelzung ein pappiger Zustand des entkohlten Metalles eintritt, so müſste man freilich besondere Einrichtungen treffen, um die gefrischten Massen aus der Birne oder dem Flammofen herauszunehmen.

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