Titel: Ott, über Lichtdruck.
Autor: Ott, Adolf
Fundstelle: 1879, Band 231 (S. 349–357)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj231/ar231106

Der Lichtdruck in seiner gegenwärtigen Vervollkommnung; von Adolf Ott.

Lichtdruck1) nennen wir ein photomechanisches Verfahren, bei welchem eine durch Chromsalz lichtempfindlich gemachte und ausgewässerte Gelatineschicht als Druckplatte dient, von der auf einer lithographischen Presse durch Einwalzen eine gröſsere Zahl Abdrücke abgezogen werden kann, welche an Feinheit den besten Photographien nicht allein gleichkommen, sondern sie sowohl an Dauerhaftigkeit (wenigstens was die Silberbilder betrifft), als an Billigkeit übertreffen, sowie den weitern Vorzug besitzen, daſs sie, wie sie aus der Presse kommen, fertig und verwendbar sind, ohne einer nachträglichen Operation zu bedürfen.

Verwendbar ist der Lichtdruck zur Wiedergabe von bildlichen Darstellungen jeder Art; indeſs eignet er sich ganz besonders zur Vervielfältigung von Aufnahmen nach der Natur, Gemälden u. dgl., welche in gröſserer Auflage gewünscht werden. Zur Reproduction von Plänen, Karten und Zeichnungen wird man ihm die billigere Photolithographie wohl meist vorziehen.

Geschichtliches. Poitevin (1862) war der Erste, welcher erkannte, daſs eine unter einem Cliché exponirte und ausgewässerte Chromgelatineschicht, wenn mit Firniſsfarbe eingewalzt, nur an den belichteten Stellen Farbe annimmt, an den unbelichteten sie aber abstöſst.2) Da hierin das Princip des Lichtdruckes klar ausgesprochen ist, so kann man ihn mit Davanne wohl mit Recht den „Vater der Phototypie“ nennen, wenn er auch nicht im Stande war, mehr als einige Abdrücke von einer Platte zu erzeugen. Poitevin benutzte als Unterlage lithographische Steine, welche Tessié du Mothay und Maréchal fils i. J. 1867 durch Metallplatten ersetzten. Da sie jedoch, wie ihr Vorgänger, mit dem Ablösen der Schicht ebenso sehr zu kämpfen hatten, so suchten sie sowohl durch Erwärmen der Platten bei einer Temperatur von 50°, als durch complicirte chemische Reactionen (Anwendung reducirender Substanzen) das bessere Anhaften zu ermöglichen, sowie die Widerstandsfähigkeit der Schicht zu erhöhen, freilich mit wenig Erfolg; denn sie brachten es nur zu 75 Abzügen von einer Platte. Nach Husnik lassen sich mit der betreffenden Methode nur unvollkommene Resultate, und diese nur mit groſsen Schwierigkeiten, erzielen.

Im J. 1869 sollte der Lichtdruck indeſs eine groſse Vervollkommnung erfahren. Albert und Maier in München hatten erkannt, daſs sich ein festes |350| Anhaften der eigentlichen Bildschicht nur dadurch erzielen läſst, wenn man auf die betreffende Unterlage (wozu sie dicke Glasplatten wählten) eine erste Schicht von Eiweiſs mit Kaliumbichromat ausbreitet und sie durch Belichten in den unlöslichen Zustand überführt, ehe man zur Herstellung der zweiten Schicht geht. Jene erste Mischung bildet eine auſserordentlich feste und der Feuchtigkeit widerstehende Lage, auf welcher auch die Bildschicht besonders gut haftet – um so mehr, wenn, wie Albert und Maier erkannten, nach der Exposition unter einem Negativ, also nach Erscheinen des Bildes, die hier durchsichtige Platte noch für 1½ bis 3 Minuten von der Rückseite im zerstreuten Lichte exponirt wird. Diese nachträgliche kurze Belichtung genügt, um die beiden Schichten vollständig mit einander zu verbinden und die Möglichkeit eines späteren Ablösens durch Feuchtigkeit auf ein Minimum zu beschränken. Durch diese Verbesserung wurde man in Stand gesetzt, nicht allein einige hundert, nein einige tausend fehlerfreie Abdrücke von ein und derselben Druckplatte herzustellen.

Brauneck und Maier in Mainz führten im J. 1874 die Schnellpresse zur Erzeugung von Lichtdrucken ein. Hiermit ist man nun im Stande, bis zu 5000 Abdrücke im Format von 12 × 15cm täglich zu erzeugen; freilich haben dieselben gewöhnlich ein weniger feines Aussehen, als die auf der Handpresse gewonnenen; allein die neue Anwendung gab sich dennoch als ein bedeutender Fortschritt zu erkennen, weil sie der Reproduction technischer und wissenschaftlicher Darstellungen ein weites Feld eröffnet hat. Uebrigens soll man durch zweimaligen Druck Bilder gewinnen, welche an Schönheit jedes Silberbild übertreffen.

Später noch schritt man zur Substituirung der gewöhnlichen Glasplatten durch Hartglas und benutzte das Verfahren zur Herstellung sogen. „Heliochromien“, besser „Chromophototypien“, indem man, um wie in der Chromolithographie ein Bild zu erzeugen, eine mehr oder weniger groſse Anzahl Lichtdruckplatten mit verschiedenen Farben einwalzte und zum Druck verwendete.

Hierher gehört auch die vielversprechende Erfindung Albert's (prismatischer Farbenlichtdruck), welche indeſs unseres Wissens noch nicht industriell ausgenutzt wird.

Heute nimmt der Lichtdruck unter den Zweigen der vervielfältigenden Technik eine Achtung gebietende Stelle ein und wird bei dem stets zunehmenden Bedürfnisse der Industrie und Wissenschaft an absolut getreuen Darstellungen voraussichtlich noch bedeutend an Ausdehnung gewinnen.

Verfahren, Man nimmt dicke, plan geschliffene Glasplatten, deren Kanten schräg ablaufen und übergieſst sie mit der auf folgende Weise hergestellten Mischung: 30 Th. Eiweiſs werden zu Schaum geschlagen:, hierzu gibt man 25 Th. Wasser und eine concentrirte Lösung von 1 Th. Kaliumbichromat, ferner 10 Th. Ammoniakflüssigkeit. Diese Lösung wird filtrirt und unter Vermeidung von Blasen auf der genannten Unterlage ausgebreitet. Hierauf läſst man ablaufen, stellt die Platte senkrecht auf einen Plattenständer und läſst bei gewöhnlicher Temperatur im Dunkeln trocknen. Ist die Schicht vollständig trocken, so legt man die Platte mit der präparirten Seite auf eine ebene Unterlage, auf der ein schwarzes Tuch ausgebreitet ist, und belichtet sie so lange in zerstreutem Licht, bis die Schicht, mit einem nassen Finger betupft, nicht mehr klebt. Man thut indeſs gut, sich die ersten Male zu merken, bis zu welchem Grade eines (mit stets gleich empfindlichem Papier gefüllten) Photometers man zu exponiren hat, um später in jeder Beziehung sicher gehen zu können. (Im Juli vorigen Jahres exponirte ich im Schatten von 7 bis 10 Uhr Vormittags.) Mehrere Experimentatoren |351| schreiben vor, daſs man die chromirte Schicht nunmehr in lauem Wasser ausszuwässern habe; es ist dies aber nicht nöthig.

Hierauf bereitet man sich folgende, für die Bildschicht dienende Mischung: Man läſst einerseits 10 Th. Hausenblase in ihrem 15fachen Gewicht Wassers für 2 bis 3 Stunden und andererseits 40 Th. einer guten Gelatine in ihrem 10 bis 12fachen Gewicht Wassers für eine Stunde einweichen. Man löst sowohl Hausenblase als Gelatine bei gelinder Wärme, gieſst beides zusammen, mischt eine Lösung hinzu, die 12½. Th. Kaliumbichromat enthält, und filtrirt das Ganze. Durch Zusatz einer bis zur Gelbfärbung nöthigen Menge Ammoniaks verhindert man das sonst so leicht eintretende freiwillige Unlöslichwerden der Schicht. Mehrere Lichtdrucker verwenden statt gewöhnlichen Kaliumbichromates das zuerst von Kopp empfohlene theuere Kaliumammoniumchromat oder eine Mischung von Kaliummonochromat mit Ammoniummonochromat; es ist dies aber nicht nöthig, wenn man, wie vorgeschrieben, zu der von uns empfohlenen Lösung so viel Ammon gibt, bis sie hellgelb gefärbt ist.3)

Bevor man diese Mischung auf die erste Schicht aufgieſst, ist es nöthig, die Platte auf etwa 40° zu erwärmen. Dies geschieht in einem Trockenkasten, in welchem der Länge nach mit Stellschrauben versehene, genau horizontal gelegte Eisenstäbe verlaufen. Sehr wünschenswerth ist es, daſs diese Trockenvorrichtungen in einem möglichst staubfreien, den äuſseren Temperaturschwankungen wenig unterworfenen Lokale aufgestellt sind. Sie sind mit Deckeln versehen und werden aus Holz construirt und in gröſsern Anstalten mit Dampf erwärmt.

Zur Erzielung einer möglichst gleichmäſsigen Schicht, was von äuſserster Wichtigkeit ist, verfährt man bei Braun und Comp. in Dornach i. E. auf folgende Weise: Die richtig erwärmte Platte wird auf einen nivellirten hölzernen Dreifuſs gelegt, der in einer hinreichend groſsen, aus galvanisirtem Eisenblech bestehenden Cüvette steht. |352| Nachdem sie mit einem groſsen Pinsel abgestaubt ist, übergieſst man sie mit einer nach der Gröſse der Platte abgemessenen Menge der warmen, aber vollständig blasenfreien Lösung und vertheilt dieselbe mit einem Papierstreifchen gleichmäſsig nach allen Seiten hin. Sodann streicht man die Flüssigkeit mit dem Zeigfinger rasch über die schrägen Kanten, kippt einmal leicht nach vorwärts (von sich hin), damit ein Ueberfluſs ablaufe, und gleicherweise gegen sich zu, läſst aber die Platte in beiden Fällen rasch in die horizontale Lage fallen; zuletzt hebt man sie noch ein wenig an dem Ende, welches dem Operateur zugewendet ist, senkt wieder und trägt sie in möglichst horizontaler Lage in den erwärmten Trockenkasten, doch so, daſs sie genau dieselbe Lage einnimmt, wie zuvor, als sie nivellirt wurde. Dies ist nöthig, weil die Platten nicht immer überall gleich dick sind. Getrocknet wird bei einer Temperatur von 50°. Bei niedrigerer Temperatur erhält die Schicht kein genügendes Korn, bei höherer wird sie leicht unlöslich; auch bilden sich bei zu raschem Trocknen Zonen, die beim spätem Drucken der Bilder zum Vorschein kommen. Bemerkenswerth ist, daſs die Gelatineschichten beim raschen Trocknen sehr widerstandsfähig gegen mechanischen Druck sind; langsam getrocknete Platten werden mürber.4)

Die Belichtung kann entweder in der Sonne oder in zerstreutem Lichte stattfinden. In der Regel wählt man aber letzteres, weil Fehler im Cliché, wie Kratzer, sich sonst zu leicht abzeichnen. Bei äuſserst feinen Gegenständen mit kleinen, mikroskopischen Details ist (nach Husnik) der gröſsern Schärfe wegen das directe Sonnenlicht beim Copiren vorzuziehen; die Copirrahmen müssen aber rein und unbeschädigt sein. Das Cliché muſs ein sogen, umgekehrtes sein, weil andernfalls das Bild ein verkehrtes würde; meist bedient man sich abgezogener., aus Gelatinefolien bestehender Negativen; doch hat Obernetter ein Verfahren bekannt gemacht, um durch einen Einstaubproceſs sofort zweckdienliche Clichés zu erzeugen. Behufs der Exposition wird das Negativ mit der Bildseite auf die präparirte Lage gebracht, in einen Copirrahmen eingespannt, selbstverständlich bei gelbem Licht und auf ein schwarzes Tuch gelegt, um jede Reflexion der Lichstrahlen zu verhindern.

Ueber die Zeit der Exposition läſst sich natürlich Bestimmtes nicht sagen, weil sie je nach der Beleuchtung und der Transparenz des Negatives variirt; gewöhnliche Clichés erfordern etwa ¼ Stunde in der Sonne und 1½ Stunden im zerstreuten Licht. Die Exposition wird unterbrochen, wenn man von der Rückseite alle Details wahrnimmt; man achte dabei besonders auf die weiſsen Partien. Sind in diesen alle Mitteltöne bemerkbar, so spannt man den Rahmen auf, |353| hebt die Platte heraus und belichtet sie nochmals in diffusem Lichte für 1½ bis 3 Minuten, indem man sie, wie bei der Belichtung der Grundschicht, mit der präparirten Seite auf ein schwarzes Tuch legt. Durch theilweises Unlöslichwerden der Bildschicht findet eine innigere Vereinigung beider Schichten, also verminderte Gefahr des Ablösens statt. Schlieſslich wird die Platte senkrecht in einen mit Rinnen versehenen Trog gestellt und unter stetem Einfluſs frischen Quellwassers so lange ausgewässert, bis jede Spur ungebundenen Chromsalzes entfernt ist und die Schicht ein mattweiſses Ansehen darbietet. Sodann wird sie in einer einprocentigen Lösung von Alaun gehärtet, abgespült und zum Trocknen hingestellt.

Die nun folgende Operation des sogen. „Aetzens“5) bezweckt, daſs man beim Drucken nicht immerfort anzufeuchten braucht, sondern ohne Störung fortdrucken kann. Hierdurch erst wurde die Anwendung der Schnellpresse ermöglicht. Auch kann man so behandelte Platten beliebig lange aufbewahren, ohne daſs sie gänzlich eintrocknen, um dann für die Fertigstellung zum Druck einer langwierigen Vorbereitung zu bedürfen. Husnik und Obernetter behaupten zwar, daſs man durch bloses Einfeuchten mit reinem oder schwach glycerinhaltigern Wasser Bilder von gröſserer Kraft erhalte. Ich habe dies in meiner Praxis indeſs durchaus nicht finden können; auch kann man sagen, daſs das Verfahren der „Aetzung“ jetzt von der Mehrzahl der Lichtdrucker angewendet wird. Die bei Braun und Comp. gebräuchliche Mischung ist folgende: 150 Th. Glycerin, 50 Th. Ammoniakflüssigkeit und 5 Th. Kalisalpeter, in 25 Th. Wasser gelöst. Sie wird über die Bildschicht ausgebreitet und für etwa ½ Stunde darauf gelassen. Glycerin und Salpeter halten die Platte feucht und die Benutzung des letztern namentlich bringt schönere Weiſsen hervor. Ueber die Wirkung des Ammoniaks bin ich nicht ganz im Klaren, vermuthe indeſs, daſs es das Eindringen der genannten Substanzen erleichtert. Statt Kalisalpeter sind auch andere leicht hygroskopische Körper im Gebrauch. Verdünnte Salpetersäure (1 : 6) auf eine Lichtdruckplatte gepinselt, vermindert nach Waterhouse das Relief und befördert das Kommen der feinsten Töne.

Ueber die Kornbildung können wir uns, als zu weit führend, hier nicht verbreiten, ebenso wenig über die Beschreibung des Druckes; nur sei bemerkt, daſs es mit letzterem allerdings seine groſsen Schwierigkeiten hat, wenn die Platte mangelhaft präparirt war, allein schnell und beinahe spielend erlernt werden kann, wenn man wirklich gute Platten besitzt.

|354|

Die Gelatine. Das groſse Geheimniſs beim Lichtdruck besteht in der Wahl einer guten Gelatine, sagt Eder, und wir möchten hinzufügen, daſs sie die Seele des Lichtdruckes sei. Es ist das Verdienst Eder's, zuerst wissenschaftlich untersucht zu haben, welche Gelatinesorten sich am besten zum Lichtdruck eignen, wodurch er der in diesem Gebiete noch herrschenden Geheimniſskrämerei den Boden unter den Füſsen entzogen hat. Das Haupterforderniſs einer Lichtdruckgelatine ist ihre Widerstandsfähigkeit gegen mechanischen Druck. Deshalb ist für die Prüfung der verschiedenen Sorten die Lipowitz'sche Methode, welche die Qualität nach der Consistenz und Tragkraft ihrer Gallerten schätzt, von hohem Werth.6) Eine Lichtdruck-Gelatine soll mit der Lipowitz'schen Methode über 700g ertragen; auch sind die chondrinreichen nach Eder besser geeignet, als die glutinreichen. Chondrin scheint ihm auch brillantere Abdrücke von mehr Contrast zu geben. Einer der ersten Lichtdrucker des Deutschen Reiches bringt bei der Herstellung seiner Gelatine die Abfälle von Kalbsköpfen in das Leimgut; nun sind aber alle jungen, in Bildung begriffenen thierischen Gewebe chondrinreich. Die Angabe Huskin's, daſs aus Abfällen von Häuten und Sehnen älterer Thiere sich die beste Lichtdruck-Gelatine gewinnen lasse, würde somit auf Irrthum beruhen. Starkes und anhaltendes Sieden, sowie das Bleichen machen sie ohne Zweifel unbrauchbar.

Hausenblase wird als Zusatz von 15 bis 25 Procent zur Gelatine von Brauneck in Mainz und Anton Maier in München mit Erfolg benutzt. Man erhält ohne dieselbe allerdings weichere, aber nicht so saftige Abdrücke. Nach Eder besteht sie aus fast reinem Glutin. Sie soll sich nach Lemling schneller verdrucken als gute Gelatine; ich möchte indeſs das Gegentheil behaupten.

Kostenberechnung für die Arbeit von 7 Monaten (bei einer Firma in Süddeutschland).

Auslagen für eine Licenz bezahlt an eine Lichtdruckfirma in
Mitteldeutschland

5600 M.
Schnellpresse von Faber und Schleicher in Offenbach a. M 7816
Handpresse 247
Trockenkasten-Installation 1200
––––––––
Zusammen 14863 M.
––––––––
Hieraus berechnet sich an Zinsen 5 Proc. von 14863 M. für
17 Monate =

1052 M.
Jährl. Zinsen der Dampfmaschine 4020 M.; ⅙ hiervon, da sie
sonst benutzt wird, macht 670 M. für 1 Jahr, für 17 Monate =

949
––––––––
2001 M.
|355|
Handarbeit. Uebertrag 2001 M.
Ein Drucker zu 4 M. für 425 Tage
Ein Plattenpräparateur zu 8 M.
Ein Gehilfe zu 3,50 M.
Ein Mädchen zu 80 Pf.
1700
3400
1487
340

6927
Chemische Producte 1930
Glasplatten 280
765 Ries Papier von Rives zu 16 M. 12240
––––––––
Zusammen 23378 M.
Ausschuſs 10 Proc. 2337
––––––––
Summe 25715 M.

765 Ries zu 500 Blätter sind 382500 Blatt. Ein Blatt Rives (Dimension 44 × 56cm) kostet daher phototypisch bedruckt: 6,7 Pf.

Lichtdruck auf Zinkblech. Der phototypische Druck auf Zinkblech wird es gestatten, das Ideal des Lichtdruckes, die Massenproduction von Lichtbildern zu verwirklichen, indem er es möglich macht, eine Schnellpresse mit einem Papier ohne Ende zu benutzen, wenn die Druckplatte um einen Cylinder gebogen und auf demselben befestigt wird. Jedenfalls ist diese von Albert und Obernetter stammende Idee der von Despaquis, welcher elastische Leinwandbänder vorschlug, bedeutend vorzuziehen, und es bleibt jetzt nur noch abzuwarten, ob man einige eigentlich nicht groſs scheinende Schwierigkeiten zu überwinden im Stande sein wird, welche sich der Ausnutzung des Verfahrens mittels Schnellpressen bislang entgegengestellt haben. Das Haupthinderniſs besteht in der Bildung schwarzer (Oxyd-?) Punkte auf der Bildschicht, die freilich nicht sofort, sondern (bei fortgesetztem Drucken) erst nach einigen Tagen auftreten, aber ohne fortwährendes Betupfen mit concentrirter Kleesalzlösung es zur Unmöglichkeit machen, fehlerfreie Abdrücke zu erhalten. Allerdings will Husnik durch Zusatz von Chromalaun zur lichtempfindlichen Mischung, sowie durch Einfeuchten mit einer Chlornatrium haltigen Glycerin-Ammoniaklösung eine Abschwächung der Schwärzen erzielt haben; allein ehe diese Schwierigkeit gänzlich beseitigt ist, wird Niemand an die Construction neuer und kostspieliger Pressen gehen. Auf Handpressen haben die oben genannten Praktiker freilich schon zahlreiche Drucke hergestellt; Albert hat solche in der Gröſse von 1m aufzuweisen („Lohengrin's Abschied“ für den Wiener Kunstverein ist ausschlieſslich von Zinkplatten gedruckt worden), und ich habe bei Albert selbst so hergestellte Bilder gesehen, welche gewöhnlichen Phototypen nicht allein in jeder Beziehung gleichkamen, sondern sie auch an Schärfe bedeutend übertrafen.

Husnik macht Mittheilungen über diesen Gegenstand, welche wir hier in Kürze angeben. Das verwendete Zinkblech ist das speciell zum Satiniren von Druckpapier verwendete; es bedarf vor der Präparation nur einer Reinigung mit feinstem Schmirgelpapier. Jene wird damit eingeleitet, daſs man die Platte mit einer 3proc. Chromsäurelösung 1 bis 2 Mal übergieſst. Auf der Oberfläche bleibt unlösliches chromsaures Zink zurück, welches als gelbliches Pulver fest anhaftet und die eigentliche |356| Verbindung der Gelatine mit dem Metall bewerkstelligt. Nachdem die Chromsäurelösung etwas abgetropft ist, wird sie in noch nassem Zustande mit reinem Wasser einige Mal abgespült und sodann gleich mit einer sehr heiſsen, gut filtrirten Gelatinelösung von 1 Th. Gelatine, 20 Th. Wasser und 4 Th. Spiritus übergössen. Zu dem Ende muſs das Blech, um eine zu rasche Coagulation zu vermeiden, passend vorgewärmt werden. Obernetter und Albert lassen sie alsdann bei einer Temperatur von 45 bis 55° in horizontaler Lage eintrocknen. Wohl könnte man schon diese erste Schicht mit Chromsalzen versetzen und selbe in der richtigen Stärke herstellen; allein man gewinnt vollkommenere Resultate, wenn man eine zweite Schicht mit ihr verbindet. Man bereitet sich zu diesem Ende eine Mischung, wie sie oben zur Herstellung der sogen. Bildschicht angegeben wurde, der man aber noch auf 100 Th. Gelatine 1 Th. Chromalaun in Lösung ganz allmälig zufügt. Dieselbe wird auf der erwärmten Platte in heiſsem Zustande ausgebreitet und, nachdem sie gehörig vertheilt worden ist, wird die Platte auf ein flaches Blechgefäſs gelegt, in welchem durch Eis abgekühltes Wasser läuft, damit die Schicht erstarrt, bevor sie Zeit gewinnt, in die unegalen, etwas vertieften Stellen flieſsen zu können. Sodann wird sie in horizontaler Lage bei 50 bis 55° im Trockenofen getrocknet.

In Bezug auf die Exposition, so wird dieselbe insbesondere dadurch erleichtert, weil das schwache Blech an jedes selbst noch so krumme Negativ genau angedrückt werden kann und sich gerade so wie beim Copiren der Papierbilder durch Umbiegen nachsehen läſst.

Das Auswässern findet wie oben beschrieben statt. Befestigt wird die Platte auf Stein oder Metall mittels dicken Steindruckerfirnſs und, bevor man zum Drucken schreitet, wird sie durch eine Presse gezogen, damit sie auch gut festsitzt. In Bezug auf die Haltbarkeit läſst die Schicht nichts zu wünschen übrig; die Platte wird auch erst durch mechanische Abnutzung nach langer Zeit unbrauchbar. Das sehr billige Material gestattet namentlich, groſse Platten billig herzustellen, bei denen eine Besorgniſs des Zerspringens natürlich gänzlich wegfällt.7)

|357|

Eingebrannte Lichtdrucke. Ganz neuerdings werden mit Schmelzfarben bedruckte photographische Bilder nach einem äuſserst sinnreichen Verfahren zum Einbrennen auf Porzellan, Glas, Fayence und ähnlichen Materialien verwendet. Der Erfinder, Joh. H. Strumper, von der wohlbekannten Firma Strumper und Comp. in Hamburg, geht in der Weise zu Werke, daſs er Pyroxylinpapier oder sonst ein nitrirtes, feines Papier mit einer Photographie bedruckt, statt gewöhnlichem Druckerfirniſs aber einen Firniſs verwendet, der aus einer Schmelzfarbe und einem in der Hitze sich vollständig verflüchtigenden Oel besteht. Das nitrirte Papier wird zuvor mit Stärke oder mit einem anderen vegetabilischen Kleister bestrichen und, nachdem das Lichtbild darauf übertragen ist, mit Wasser oder leicht verdünnter Salpetersäure angefeuchtet, sodann auf das Porzellan, Glas o. dgl. durch schwachen Druck befestigt. Man läſst das Bild mit dem Papier zusammen eintrocknen und bringt darauf den Gegenstand zum Einbrennen in den Ofen. Das Papier verbrennt vollständig, ohne der Reinheit der Farbe Eintrag zu thun, und man erhält auf diese Weise ein scharfes Bild. Sollen mehrere Farben neben einander oder über einander auf den Gegenstand übertragen werden, so werden mit Hilfe mehrerer Negative desselben Bildes die betreffenden Farbendrucke auf Papier der vorher beschriebenen Art gedruckt und neben bezieh. über einander auf das Porzellan, Glas u. dgl. in feuchtem Zustande aufgetragen und gleichzeitig oder, wenn solches für einzelne Farben nöthig ist, nach einander eingebrannt. (Vgl. D. R. P. Nr. 1384 vom 19. December 1877.)

|349|

Auch Albertotypie, Collotypie, Gelatinedruck, Glasdruck, Heliotypie, Phototypie, Photoverrotypie, photographischer Pressendruck genannt.

|349|

„L'encre grasse adhère aux seules parties modifiées par la lumière d'une surface quelconque recouverte du mélange bichromaté.“ (Davanne: Sur les impressions photographiques aux encres grasses analogues à la lithographie.)

|351|

Wir haben hier die uns zu Gebote stehenden Recepte zusammengestellt, indem wir die Menge der Gelatine auf die Einheit reducirten. Da bei keinem Hausenblase angegeben ist auſser bei dem Maier'schen, so haben wir sie bei diesem in die Gelatine einbezogen:

GelatineWasserGelatineChromsalz
Aeltere
Recepte
Albert
Markl
Lemling
Voigt *
1
1
1
1
:
:
:
:
6
6
6 bis 9
7,7
1
1
1
1
:
:
:
:
0,33
0,26
0,23
0,38
Durchschnittliche
Menge 0,267
Neuere
Recepte
Ott
Albert
Maier *
Husnik
1
1
1
1
:
:
:
:
12
12
15
16
1
1
1
1
:
:
:
:
0,25
0,16
0,33
0,20

Hier ist indeſs nirgends auf die Wassermenge Bezug genommen, welche zur Lösung des Chromsalzes erforderlich ist. Die mit * bezeichneten Praktiker verwenden zur Hälfte Kaliummonochromat, zur Hälfte Ammoniummonochromat; der mit † bezeichnete benutzt nur Ammoniumbichromat.

|352|

Vgl. Dr. Eder: Ueber die Reactionen der Chromsäure und Chromate, (Wien 1878) S. 15.

|353|

Ich lasse es dahingestellt, ob dieser Ausdruck richtig gewählt sei, jedoch hat er sich nun einmal Eingang in den Lichtdruckateliers verschafft. (Herausgeber technologischer Wörterbücher werden darauf aufmerksam gemacht.)

|354|

Nach Dr. Eder, welcher diese Methode auf die Untersuchung von etwa 20 Sorten ausgedehnt hat, eignen sich für unsern Zweck besonders die folgenden: Die Sorten von Coignet in Paris (sie wird mit gutem Erfolge von Braun und Comp. verwendet), die Lichtdruckgelatine von Höchst a. M. (von Albert in München benutzt), von Kriwanek, Photographische Gelatine, F. F., Creutz, Michelstadt 70. Blanc 1re qual. (in Obernetter's Etablissement mit Erfolg in Anwendung).

|356|

Manche Leser werden fragen, ob sich der Lichtdruck nicht auch auf Stoff verwenden lasse, da dies doch sehr nahe liegt. Dazu sei bemerkt, daſs in dieser Anwendung das Verfahren insofern auf Schwierigkeiten stöſst, als man dabei keine Firniſsfarbe anwenden kann, weil sie durch Seifenwasser sofort entfernbar wäre. Technikern, welche sich für diesen Gegenstand interessiren, glaube ich indeſsen einen Weg andeuten zu können, welcher meiner Ansicht nach zum Ziele führen muſs, nämlich es mit ölsaurem Aluminium, entweder für sich, oder mit passenden Substanzen vermischt, zu versuchen. Es besitzt dieser Körper nämlich die drei Eigenschaften, welche für unsern Zweck nöthig sind: Er läſst sich im wasserfreien Zustand herstellen, besitzt eine geeignete Consistenz und ist selbst ein Mordant. Ein damit eingewalztes Stück Zeug würde sich hernach von jedem Färber in verschiedenen Farben ausfärben lassen. Anderweitig in Anspruch genommen, bin ich zur Zeit auſser Stande, Versuche in der bezüglichen Richtung anzustellen, überlasse aber Jedem die Ausbeutung dieser gewiſs nicht unpraktischen Idee.

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