Titel: Neuerungen an Dampfkesselfeuerungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1879, Band 233 (S. 437–441)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj233/ar233141

Neuerungen an Dampfkessel-Feuerungen.

Mit Abbildungen auf Tafel 39.

(Fortsetzung des Berichtes S. 353 dieses Bandes.)

Ohne Frage erscheint es auf den ersten Blick als das beste, wenn die Kohlen allmälig vorgeschoben werden, so daſs das vorn entwickelte Leuchtgas über die dahinter befindliche glühende Koke streicht. Mehr oder weniger wird dies erreicht durch die Vorrichtungen von Partridge (*1824 13 76), Maw (* 1832 44 257), Chanter und Gray (*1837 64 323. *1838 68 242), Tenbrink (*1858 150 188. *1863 167 90. *1864 171 324. *1877 224 245. 226 461), Corbin (*1860 155 236), Daelen und Freudenthal (1866 *180 102. 181 15. *182 259), Radisson (*1874 214 96), Heilmann (*1875 215 202) und W. Lawrence in London (*D. R. P. Nr. 4015 vom 15. Juni 1878), vollkommen jedoch nur durch mechanische Vorrichtungen, welche die Kohlen ununterbrochen einschieben oder einstreuen. Vorrichtungen, die zerkleinerten Kohlen gleichmäſsig in die Feuerung einzustreuen sind u.a. angegeben von Stanley (*1829 34 355), Dean (*1847 103 401), Collier (1837 64 463), Oldham (*1839 73 244), Whiteley (*1845 87 323), Deacon (1871 199 73) und Proctor (*1878 229 226), minder vollkommen von Chanter (*1837 64 332), Beaufumet (*1857 143 327) und William (*1857 146 338). Foard (*1843 87 86), Coupland (*1843 87 89), Dumeril (1855 137 28), Dumery (*1856 140 252. 465), Crampton (*1857 143 176) und Holmes (*1876 222 528) schieben die Kohle seitlich oder von vorn ein, Juckes (*1840 76 172) und George (*1859 152 332) von unten mittels einer Schraube.

Dasselbe Princip verfolgt L. Schultz, in Meiſsen (*D. R. P. Nr. 408 vom 12. September 1877). Auf Taf. 39 zeigen Fig. 1 und 2 Längsschnitt und Vorderansicht der Feuerung, Fig. 3 und 4 Vorderansicht und Draufsicht des Rostes. Das Zuführungsrohr A reicht aus der Wand des Kesselmauerwerkes ein Stück heraus und trägt oben den Füllkasten D. Im Innern des Rohres A liegt die Schnecke a, deren |438| Welle in einem langen Lager in der Verschluſsplatte b ruht und auſserhalb dieses Lagers ein Schraubenrad c trägt, durch welches die Welle bewegt wird. Das Rohr A ist vorn mit seinem unteren Theile an das hohle Sohlenstück d des Kanales E festgeschraubt, welches unten mit einem Windzuführungsrohre F versehen ist und an der vorderen Seite, mit welcher es an die schräg ansteigende Fläche des Rostes B stöſst, eine Reihe kleiner, in der Richtung jener Fläche eingebohrter Löcher hat, durch welche die von einem Flügel- oder einem Dampfstrahl-Gebläse kommende Luft in die immer frisch nachrückenden Kohlen geführt wird. Diese Vorrichtung kommt jedoch nur da in Anwendung, wo es sich, wie bei Schweiſs- und Schmelzöfen, darum handelt, in kurzer Zeit hohe und constante Hitzgrade zu erhalten.

Von der Mündung des Rohres A bis an die schräge Fläche des Rostes B erweitert sich der Kanal E bis zu der Breite der Rostrinne, deren Boden jene schräge Fläche bildet, während sich die Decke desselben nach dieser Richtung senkt, also die Höhe des Kanales vermindert. Die Roststäbe, welche den Boden der Rinne bilden, sind bis zu dem Punkte i ohne Rostfugen und schlieſsen dicht an einander. Der hinter dem Roste liegende Schlackenschieber C kann durch zwei Handhaben l bewegt werden.

Die Schnecke a wird an der rechten Seite im Zuführungsrohre A (nach welcher Richtung sie sich dreht), so weit dasselbe oben offen ist, etwas überdeckt, und die hintere Linie der Oeffnung, über welcher der Füllkasten D steht, hat genau dieselbe Richtung wie die äuſsere Linie der Schnecke; beides ist deshalb nothwendig, damit sich an diesen Stellen Kohlenstücke nicht festklemmen können, welche entweder von der Schnecke zerdrückt werden müſsten, oder diese zum Stillstand bringen würden.

Durch die zwei nach innen zu niedriger werdenden Schür Oeffnungen H kann der Heizer das flache Schüreisen einbringen, die zu beiden Seiten und hinter der Rostrinne sich bildenden Schlacken losstoſsen und auf den Schlackenschieber C treiben. Letzterer braucht täglich nur zweimal geöffnet zu werden, um die angesammelten Schlacken zu entfernen. In der Rostrinne und auf den einfassenden Terrassen entstehen keine Schlacken, weil dort die Kohlen nicht vollständig verbrennen, sondern durch die frisch nachrückenden langsam aber stetig nach allen Seiten auf den flachen Rost geschoben werden, wo sich erst die vollständige Verbrennung derselben vollzieht.

Beim Beginn des Betriebes einer solchen neu hergestellten Feuerungsanlage müssen die ersten Kohlen aus dem Füllkasten durch die Schnecke in die Rostrinne und auf den Rost gebracht werden, indem man mit der Hand das Vorgelege k so lange in Betrieb setzt, bis der Rost ziemlich bedeckt ist. Dann wird das Feuer, wie gewöhnlich, angezündet und so lauge mittels Handbetrieb mit frischen Kohlen gespeist, |439| bis der Dampfdruck im Kessel die Höhe erreicht hat, welche für den Betrieb der vorhandenen Maschine erforderlich ist. Die von unten stetig nachgeförderten Kohlen heben und schieben die oberen brennenden Schichten nach beiden Seiten und nach dem hinteren Theile des Rostes und ersetzen so regelmäſsig die verbrannte Kohle, ohne daſs dabei der Feuerraum abgekühlt werden kann.

Um die Kohlen von Anfang an schnell über den ganzen Rost vertheilen zu können und die Beweglichkeit des Kohlenhaufens zu erhöhen, wendet L. Schultz nach dem Zusatzpatent (* Nr. 4745 vom 13. August 1878 ab) zuweilen eine Platte J (Fig. 5 und 6 Taf. 39) mit hin- und hergehender Bewegung an. Dieselbe ruht auf Zahnrädchen, welche auf den Zahnstangen n laufen, während über derselben eine zweite Platte J liegt, welche in das Rostlager eingelassen ist. Die Platte J wird durch zwei Rädchen mittels der Pleuelstangen c in Bewegung gesetzt.1)

Feuerungen mit selbstthätiger Aufschüttung der Kohlen und gleichzeitig bewegten Roststäben zum Vorschieben der Brennstoffe und zur Reinhaltung der Rostfugen wurden von Brunton (1823 11 204), Hall (*1854 134 261), Raymondière und Moriscet (*1856 139 349), Vicars (*1871 199 107), Henderson (*1877 225 321), Holroyd Smith (*1878 230 453) und MacDougall (*1878 229 128) angegeben; daſs sich letztere bei richtiger Behandlung bewährt, wurde bereits angeführt (1879 232 346). Brunton (*1823 11 267), Dalesme (*1823 12 163), Bodmer (*1835 58 464), Juckes (*1842 85 134. *1856 142 413) und Ducastel (*1877 223 349) lassen den ganzen Rost vorschreiten.

Auch Regan läſst nach dem Scientific American Supplement, 1877 S. 1362 die aus dem Fülltrichter A (Fig. 7 Taf. 39) auf den mittels der Walzen c bewegten Rost a fallenden Kohlen gleichmäſsig weiterschieben. Während die Verbrennungsgase über die Feuerbrücke d schlagen, fallen die ausgebrannten Schlacken in den Aschenraum B. Fig. 8 zeigt den vorderen Theil des Rostes von oben. – G. Reichel in Chemnitz (*D. R. P. Nr. 4990 vom 5. Juli 1878) verbindet einen solchen beweglichen Rost mit einem dahinter liegenden Planrost.

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Johnson (*1823 9 406), Witty (*1835 57 182), Neville (*1840 76 95), Prosser (*1840 77 9), Hellmann (*1848 110 93), George (*1855 138 410), Silbermann (*1856 139 82), Schwarz (1858 148 133), Meiſsner (*1858 149 404), Fontenay (*1863 167 93) und Miguet (* 1869 194 32) lassen die Flammen an heiſsen Wänden oder durch Thonrohre hindurch oder aber nach unten gehen, alles Vorrichtungen, die hinter den zuletzt besprochenen weit zurückstehen. Auch das Zuführen von Luft mittels eines Gebläses, welches schon von Palmer (*1824 13 312), Blanchard (*1859 152 332), Walker (1871 199 423), Tissot und Verdié (*1876 219 388) u.a. (vgl. 1858 150 322. * 1878 227 124) vorgeschlagen wurde, dürfte höchstens dann rathsam sein, wenn der Schornstein keinen Zug hat. Geradezu verwerflich ist das Einführen von Wasser oder Dampf in die Feuerung, wie dies Thomas (*1838 68 241), Loyer und Dartois (1839 74 156), Jveson (1838 70 456. *1839 71 216), Chappe (*1840 77 254), Kymer und Leighton (*1844 91 170), Maire und Vallée (1860 158 192) Thierry u.a. versucht haben.

Im Anschluſs mögen hier noch folgende Vorschläge besprochen werden.

C. Schau will nach dem Bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, 1878 S. 296 einen cylindrischen drehbaren Rost A (Fig. 9 Taf. 39) anwenden. Auf dem Umfange der Rosttrommel von 1m,3 Durchmesser befinden sich in regelmäſsigen Zwischenräumen von 5 bis 10cm die breiten Roststäbe a und zwischen diesen eine Anzahl schmaler Roststäbe c. Dadurch entstehen rings am Umfange der Trommel zellenartige Vertiefungen, welche die aus dem Schütttrichter C durch die bewegliche Feder e zugeführten Brennstoffe gegen das Herabrutschen schützen. Bei weiterer Drehung fallen die Kohlen auf den Planrost B, von welchem die Schlacken durch die Thür g entfernt werden; die Thür f dient zur Beobachtung des Feuers. Der Rost wird von einer Riemenscheibe D aus oder aber mit der Hand in Umdrehung versetzt.

I. MacDougall in Cladderton bei Manchester bemerkt in seinem deutschen Zusatzpatent (Nr. 5951 vom 29. December 1878 ab), daſs man bei seiner mechanischen Feuerung (* 1878 229 128) auſser den dort beschriebenen auch jede andere Sorte von Roststäben, ob groſs oder klein, einfach, doppelt oder mehrfach und mit oder ohne Schlitze gebrauchen könne, vorausgesetzt, daſs die Enden der Stäbe von der richtigen Form sind, zu den anderen Theilen des Apparates passen und eine genügende Luftmenge zulassen. Auch können die Roststäbe statt abwechselnd gruppenweise bewegt werden. Die schiefe Stellung der offenen Schlitze an den Roststäben, mit welcher dieselben auf dem Excenter aufliegen, macht die Anwendung eines Verschluſsbügels bei der Aufwärtsbewegung der Roststäbe unnöthig.

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O. Marland in Boston (*D. R. P. Nr. 5863 vom 23. Juli 1878) treibt zur Ausnutzung der Abzugshitze mittels zweier Roots'scher Gebläse atmosphärische Luft durch Röhren, welche von den abziehenden Feuergasen erhitzt werden, und dann theils unter den Rost, theils direct in die Feuerung (vgl. D. Walker 1871 199 423).

J. H. Aufderheide in Kaiserslautern (*D. R. P. Nr. 3919 und Zusatz Nr. 4043 vom 16. December 1877) läſst von der Klappe g aus auf den Rosten e und r (Fig. 10 Taf. 39) mittels Holz und Stückkohle ein kräftiges Feuer anzünden. Dann wird der Trichter a mit Kohle gefüllt, welche von dem Roste e aus allmälig vergast. Das im Fülltrichter selbst aufsteigende Gas geht durch die Oeffnung l und das Rohr f, dann mit der Hauptmenge des Gases und der aus der Oeffnung d zutretenden Luft über das hellbrennende Feuer auf den Rosten e und r. Ist zur völligen Verbrennung noch nicht genug Luft vorhanden, so öffnet man die Klappe h, damit durch den Kanal x vorgewärmte Luft eintritt. Läſst die Verbrennung nach, so schiebt man durch die Klappe m mittels des Hebels l die vergasten Kohlen auf den Rost e und von hier mittels des Hebels k auf den Rost r; die Schlacken werden durch die Thür i entfernt. Zur Beobachtung des Feuers ist schlieſslich die Oeffnung p angebracht.

Kesselfeuerungen für Lohe und Sägespäne sind bereits von Krafft (*1858 148 137. 1859 151 240), F. Wecker (*1872 203 163) und Schedlbauer (*1875 216 395) angegeben. Andererseits haben Crampton (*1869 193 293. *1871 200 358) und G. K. Stevenson (*1877 225 131) Vorrichtungen construirt, pulverförmige Kohle mittels Luftstrahles in die Feuerung zu blasen, während A. Koch (*1870 195 424) die Brennstoffe von oben einstreut. Der letzterwähnten ähnlich ist die Zeltrostfeuerung von A. Godillot in Paris (*D. R. P. Nr. 4360 vom 12. Mai 1878). Unter jeder Schüröffnung G (Fig. 11 und 12 Taf. 39) steht die aus mehreren Flächen B zusammengesetzte pyramidenförmige Rast, deren unterer Rand etwas von dem horizontalen Rost A absteht, um von der Thür D aus durch den guſseisernen Kasten C zur Reinigung des Rostes ein Schüreisen einführen zu können. Die von oben eingefüllten pulverförmigen Brennstoffe, Lohe o. dgl., rutschen nach und nach auf der pyramidenförmigen Rast herunter und verbrennen, wegen der gleichmäſsigen Luftvertheilung, ähnlich wie beim Treppenrost ziemlich vollständig.

Schlieſslich möge noch erwähnt werden, daſs J. Siegert in Berlin (*D. R. P. Nr. 5778 vom 15. Mai 1878) den Vorschlag macht, die Kohlen mittels Knallgasgebläses zu entzünden.

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Nach dem neuesten Zusatzpatent * Nr. 6396 vom 18. Januar 1879 ersetzt L. Schultz die drehende Schraube zur Zuführung des Brennmaterials auf den Rost durch einen in der Längenrichtung vor der Feuerung angeordneten hin- und hergehenden Kolben oder Schieber (Maschinell bewegter Kolben oder Schieber zur Beschickung eines Feuerungsrostes), welche Einrichtung u.a. bereits Vicars (*1871 199 107) ausgeführt hat. Ist schon gar kein logischer Zusammenhang zwischen dem Hauptpatent und diesem Nachtrag, demnach auch kein Grund erkennbar, letzteren als ein Zusatzpatent zu behandeln, so ist es nach Ansicht des Referenten mehr als fraglich, ob der Patentanspruch auf einen Kolben oder Schieber zur Beschickung eines Feuerungsrostes in Hinsicht der Neuheit unanfechtbar ist. Höchstens dürfte L. Schultz als Erfindung für sich beanspruchen die Einschaltung eines retortenförmigen Raumes zwischen Fülltrichter und Rost, welcher in der Patentzeichnung aber einfach als eine Aussparung des Kesselgemäuers vor der Rostfläche erscheint.

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