Titel: Notizen über eine amerikanische Manilla-Papierfabrik.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1879, Band 234/Miszelle 1 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj234/mi234mi01_1

Notizen über eine amerikanische Manilla-Papierfabrik.

Textabbildung Bd. 234, S. 72
Die Fabrik hat nach Mittheilungen in der Papierzeitung, 1879 S. 476 eine tägliche Leistung von 1500k. Sie besitzt einen Hadernschneider gewöhnlicher Anordnung mit zwei Messern. Die geschnittenen Hadern werden durch ein endloses Tuch nach dem Füllrumpf des im unteren Stockwerk stehenden Cylinderkochers gebracht. Dieser faſst 2500 bis 2750k und macht etwa 36 bis 40 Umdrehungen in der Stunde. Der Dampf strömt durch ein vielfach durchlöchertes, von Zapfen zu Zapfen reichendes, etwa 300mm weites Rohr ein; vereinzelt angebrachte, 300mm lange Stifte sollen die Klumpenbildung verhüten.

Der Betrieb des Kochers erfolgt durch ein recht schwerfälliges Stirnrädervorgelege nach nebenstehender Anordnung. Macht die Deckenvorgelegswelle 175 Umdrehungen und besitzen die Antriebscheiben bei (4½ Zoll engl. =) 114mm Breite einen Durchmesser von (21 Zoll engl. =) 533mm, so vollführt der Kocher in der Minute:

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Umdrehungen beim Kochen und Umdrehungen beim Entleeren.

Die Kochung geschieht mit Kalkwasser zur Beförderung desselben nach dem Kochapparat dient eine Centrifugalpumpe.

Zum Mahlen und Waschen sind vorhanden 2 hölzerne Ganzzeugholländer von je 275k Inhalt und 1 Waschholländer gleicher Gröſse; die ersteren besitzen eine, der letztere 2 Waschtrommeln; die Messerwalzen erhalten 160 Umdrehungen. Das Halbzeug wird in Kästen abgelassen, welche zugleich die Fundamente der Holländer bilden. Der Boden dieser Kästen ist zur Entwässerung mit durchlöcherten Bretern bedeckt, über welchen man Jutesäcke – je nach der Güte des Stoffes neue oder gebrauchte – ausbreitet.

Textabbildung Bd. 234, S. 73
Das Papier wird auf einer Cylindermaschine mit 2 Cylindern von 1575mm Durchmesser gebildet. Etwas hinter dem Scheitel der Cylinder liegen in Hebeln frei schwingende Gautschwalzen b von 180k Gewicht; c sind 3kantige Bretchen, welche über die ganze Breite des Filzes reichen und das Zurückflieſsen des ausgepreſsten Wassers nach dem Cylinder verhindern. 2 Naſspressen entwässern das Papier; die Unterwalze der ersten Presse ist von Holz, die Oberwalzen und die Walzen der zweiten Presse sind von galvanisirtem Eisen. Der Filz von Presse I ist mit einem ununterbrochen arbeitenden Waschapparat, bestehend aus Spritzrohr, Schläger mit 2 Flügeln und Preſswalzen, versehen.

Die Trockenbatterie enthält 6 Cylinder von 712mm Durchmesser mit Dampfzuleitung und Ableitung von beiden Seiten. Ferner sind vorhanden: 1 Kalander mit 9 Walzen, 1 Haspel mit 4 und 1 Haspel mit 10 Wellen, 1 Querschneider, System Hammond (vgl. C. Hofmann: Handbuch der Papierfabrikation, S. 320), 1 hydraulische Presse, 1 Papierschneidmaschine zur Herstellung von Closetpapier. Von diesen Apparaten besitzt nur der zehnwellige Haspel einiges Interesse. Die Wellen sind in zwei Verticalebenen angeordnet und erhalten durch einen Riemen Betrieb. Jede einzelne Welle läſst sich durch Lösen einer Kupplung stillstellen.

Die Bremse zum Spannen des Papieres besteht aus einem um eine Scheibe gelegten Lederstreifen, welcher durch eine im Gestell befindliche Schraube mehr oder weniger gespannt werden kann.

A. L.

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