Titel: Herstellung und Benutzung der Modellplatten im Eisenguss.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235 (S. 20–21)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/ar235009

Ueber Kunstgriffe bei der Herstellung und Benutzung der „Modellplatten“ im Eisenguſs.

Mit Abbildungen.

Unter Voraussetzung, daſs dem Leser die Bedeutung der „Modellplatten“ und Formmaschinen für die Eisengieſserei, namentlich bei Massenproduction geläufig sei1), wollen wir hier nur ein paar sehr wesentliche Kunstgriffe besprechen, welche die Benutzung von Modellplatten erleichtern, weil hierdurch ihre Herstellung und ihre Anwendung billig wird.

Sogenannte „doppelte Modellplatten“, wie sie bei Woolnough-Dehne's Formmaschine gebraucht werden, lassen sich in folgender Weise herstellen: Man formt die gewöhnlichen Modelle in Sand wie herkömmlich ein. Dies stellt unsere Figur 1 dar, wobei der Einfachheit halber der |21| Guſs von Kugeln vorausgesetzt wurde. Nach dem Herausnehmen der Modelle formt man nun an einer Formhälfte einen Sandrand hinzu, dessen Höhe der Dicke der zu bildenden Modellplatte entspricht. Stürzt man hiernach beide Formkästen auf einander, wie es Fig. 2 zeigt, und gieſst, so erhält man die gewünschte doppelte Modellplate, welche nur der gewöhnlichen Nacharbeit bedarf. (Diese Methode wurde schon einige Jahre vor Woolnough und Dehne's Patent in einer hiesigen Gieſserei angewendet, aber geheim gehalten.2)

Fig. 1., Bd. 235, S. 21
Fig. 2., Bd. 235, S. 21

Es ist allgemein bekannt, daſs zu den Modellplatten genau passende Formkästen hergestellt werden müssen, und dieser Umstand vertheuert natürlich die Sache, bezieh. er erschwert die allgemeinere Anwendung der Modellplatten um so mehr, weil man solch passender Formkästen gewöhnlich so viele anwendet, als in einer Guſszeit Güsse herzustellen sind.

Fig. 3., Bd. 235, S. 21

Diesbezüglich kann nun folgender Kunstgriff angewendet werden: Man macht jeden Formkasten zweitheilig, a a Fig. 3 ist der eine, b b der zweite Theil. Diese Theile sind bei c, c durch ein entsprechendes Fig. 3. Schloſs vereinigt, in diesem Zustande des Kastens wird eingeformt und endlich die Form an die betreffende Stelle des Gieſsereilocales gebracht. Ist dies geschehen, so löſst man die Verbindungen bei c, c und zieht die Rahmenstücke in der Richtung der Pfeile ab, wobei die Sandform am Boden stehen bleibt und im Bedarfsfalle rundum noch eine Stütze von Sand o. dgl. erhält. Der Kasten aber kann sogleich wieder zum Formen benutzt werden, so daſs man mit wenigen Kasten ausreicht

Prag, November 1879.

Friedr. Kick.

|20|

Vgl. hierüber Karmarsch und Heeren's technisches Wörterbuch, 3. Auflage Bd. 3 S. 130, bezieh. D. p. J. * 1863 167 4, und bezüglich der Woolnough und Dehne'schen Formmaschine das deutsche Reichspatent Nr. 1391.

|21|

Das Verfahren von G. Woolnough und F. Dehne in Halberstadt wurde bereits i. J. 1876 in Sachsen, Bayern, Baden u.a. patentirt. Die Uebertragung auf das deutsche Reich (* D. R. P. Nr. 1391 vom 3. Juli 1877) erstreckt sich deshalb., statt auf die Dauer von 15 Jahren, nur bis 8. Mai 1891. In der Patentschrift ist im Anhange auch das Verfahren ausführlich angegeben, welches bei ungetheiltem Modelle platzgreift, das jedoch in der Wesenheit mit dem oben Gesagten zusammenfällt.

Die Red.

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