Titel: Neuerungen an Nähmaschinen und Stickmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235 (S. 28–36)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/ar235019

Neuerungen an Nähmaschinen und Stickmaschinen.

Mit Abbildungen auf Tafel 4.

(Fortsetzung des Berichtes S. 287 Bd. 233.)

Von J. Heſs und L. Kleiber in Carlsruhe (* D. R. P. Nr. 5291 vom 20. October 1878) ist ein Bewegungsmechanismus für Nähmaschinen erfunden worden, welcher mit eigenthümlichen Mitteln und in sehr einfacher Weise den Betrieb der Nadelstange und des Schiffchens von der Hauptwelle der Maschine ableitet. Die Einrichtung ist wesentlich für Handnähmaschinen bestimmt, für welche man zunächst die Räder- oder Riemenverbindung zwischen dem Handrade und der Hauptwelle dadurch in Wegfall gebracht hat, daſs man das Schwung- oder Handrad direct auf der letzteren befestigt und zu ihrer Umdrehung benutzt hat. Da indeſs die Arbeit zu beschwerlich und zeitraubend sein würde, wenn während einer Umdrehung mit der Hand auch nur ein Stich hergestellt würde, so ist durch die neue Vorrichtung ermöglicht, daſs einer Wellenumdrehung die Vollendung von drei Stichen entspricht, welches Verhältniſs auch bei den bisher verwendeten Uebersetzungen selten übertroffen wird. Zu dem Zwecke ist die Triebwelle auf einen Theil ihrer Länge vierkantig und trägt an dieser Stelle eine verschiebbare Hülse, auf welcher ein Excenter fest geschraubt werden kann. In der mehrfach gebogenen Nuth dieses Excenters wird der eine Arm des Winkelhebels für die Nadelstangenbewegung geführt und die eben erwähnte Hülse ist ringförmig eingedreht und hält mit ihrer Nuth einen Arm des zur Schiffchenbewegung verwendeten Winkelhebels. In die Excenterführung greift aber auch die Rolle eines am Gestell befestigten Zapfens, so daſs bei der Umdrehung der Welle und des Excenters das letztere mit der Hülse auf der Welle sich hin und her verschieben muſs. Die Hülse zieht nun bei der geradlinigen Bewegung mit ihrer ringförmigen Nuth den Schiffchenhebel hin und her und bewirkt dadurch die Ausschwingung des Schiffchens in einer Kreisbahn und das Excenter veranlaſst durch seine Drehung sowohl, als auch durch seine Längsverschiebung die Ausschwingung des Nadelstangen-Hebels. Hierdurch wird es ferner möglich, mit einer kleinen Ausbiegung des Excenters einen groſsen Ausschub der Nadelstange zu erreichen und diese Ausbiegungen auf dem Excenter dreimal anzubringen, also während einer Wellendrehung drei Verschiebungen der Nadel und des Schiffchens vorzunehmen und drei Stiche zu vollenden. Behufs Hebung und Verschiebung des Stoffrückers ist die Welle nahe ihrem vorderen Ende dreikantig geformt und zwar so, daſs an zwei Stellen die Flächen verschiedene Richtungen haben. Hier wirkt nun die Welle mit ihren Kanten wie zwei Excenter; sie hebt den Stoffrücker und drückt ihn auch horizontal fort, worauf eine Feder ihn, wie gewöhnlich, zurückzieht.

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Mit einer Vorrichtung zur Sicherung der Bewegungsrichtung an Nähmaschinen von Emil Schrabetz in Wien (* D. R. P. Nr. 5338 vom 27. October 1878) wird bezweckt, eine Umdrehung der Maschine in falscher Richtung zu verhindern und, hierdurch unterstützt, zu bewirken, daſs die Ingangsetzung derselben möglichst immer mit dem Fuſstritte erfolgen kann, ohne Nachhilfe mit der Hand. Diese Vorrichtung besteht in einer Bremse, welche am Treibriemen zwischen dem Fuſstrittrade und der Maschine wirkt und den Riemen nur dann festhält, wenn er sich in falscher Richtung bewegt. Es ist zu dem Zwecke, wie Fig. 10 Taf. 4 zeigt, ein Hebel d c e, um c drehbar, angebracht, welcher durch das Gewicht e so ausbalancirt wird, daſs das excentrische Stück d immer leicht am Riemen a anliegt und bei richtigem Laufe desselben, wie ihn der Pfeil angibt, fortwährend wenig abwärts gedrückt wird. Sobald aber der Riemen sich in umgekehrter Richtung bewegt, so nimmt er das Stück d mit aufwärts und wird dadurch sofort zwischen d und dem fest liegenden Backen f eingeklemmt und gehalten. Anstatt dieses zweiten Stückes f kann auch nochmals ein Hebel, wie punktirt angegeben, um b drehbar angebracht werden, oder das Stück d kann mehrere federnde und spitze Arme g erhalten, welche bei falscher Richtung des Riemens in diesen einstechen und ihn festhalten.

Neuerungen an Trittschemeln für Nähmaschinen von J. W. A. Huſs in Bernburg (* D. R. P. Zusatz Nr. 5893 vom 5. September 1878) bilden den Gegenstand einer Ergänzung der ursprünglichen Erfindung (1879 233 395) und bestehen darin, daſs an Stelle der Garnitur des Trittbrettes für Näh-, Spulmaschinen u. dgl. mit hohl liegenden und gebogenen Blechtafeln eine Verbindung der vorderen und hinteren Leisten mit dem Mittel stücke durch starke Gummibänder angegeben ist derart, daſs beide Leisten, auf welchen die Füſse stehen, etwas elastisch sind und beim Betriebe nachgeben.

Eine bemerkenswerthe Neuheit ist der schwingende Nähmaschinenstuhl von J. B. Underwood und J. D. Smith in Fayetteville, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 5552 vom 3. December 1878), welcher in Fig. 11 bis 14 Taf. 4 abgebildet ist. Durch diesen Stuhl soll ermöglicht werden, daſs auch die Körperbewegung, welche der vor der Maschine Sitzende immer dann macht, wenn er mit den Füſsen das Trittbrett bewegt, nutzbar zum Maschinenbetriebe verwendet wird. Es sind zu dem Zwecke unter das Nähmaschinengestell zwei durch Querstangen verbundene Langschwellen G gelegt, in denen die Achse B des gewöhnlichen Trittbrettes C schwingt. Von letzterem reicht ein kurzer Arm g abwärts und dieser ist durch die Zugstange I mit dem Arme H verbunden, welcher vom Stuhlsitzbrette d hinab reicht und an dasselbe festgeschraubt ist. Der Stuhl selbst schwingt in den Lagern d auf zwei Gestellrahmen A und diese drehen sich bei a in den Langschwellen G und stemmen sich bei c auf starke Federn. Wenn nun der auf dem Brette d sitzende Arbeiter sich vor- und rückwärts neigt, so schwingt der Stuhl ein wenig aus und überträgt diese Bewegung durch H, I und g auf den Trittschemel C. |30| Der Arm g ist mit einer besonderen Platte I1 (Fig. 14) an das Trittbrett C angeschraubt. Wenn der Stuhl so eingerichtet sein soll, daſs man sein Sitzbrett höher und tiefer stellen kann, so hat jede Gestellwand, wie in Fig. 13 gezeichnet, eine Nuth h, in welcher der Schieber i in verschiedener Höhe festgeschraubt werden kann, und diese Schieber tragen dann die Lager d für den Stuhlsitz, oder, es wird die in Fig. 12 gezeichnete Construction eines gewöhnlichen Drehstuhles verwendet, dessen Untergestell die vorher angegebene Einrichtung hat, welches aber oben das schwingende Querstück d trägt. In diesem Querstücke bewegt sich die Schraube j des Stuhles auf und ab und von ihm reicht der Arm H nach unten zur Verbindung mit der Schubstange I. Die Langschwellen G haben mehrere Lagerstellen b für die Achse B des Trittschemels C, damit man den Stuhl je nach Bedarf mehr oder weniger nahe an die Maschine rücken kann.

Die Nähmaschine zur Herstellung einer einseitig sichtbaren Naht von Clara P. Hoffmann in Buffalo, N. Y., Nordamerika (* D. R. P. Nr. 5728 vom 14. September 1878) zeigt manche Aehnlichkeit mit der Strohgeflecht-Nähmaschine, Patent J. A. Kurtz in London (vgl. 1879 283 297). Die Nähnadel hat auch hier die Form eines Kreisbogens und enthält an einem Ende die Spitze und das Oehr, ist aber am anderen Ende mit einem besonderen zweiarmigen Hebel verbunden, welcher durch eine Kurbel der Trieb welle bewegt wird. Nadel und Fänger, zur Herstellung einer Einladen-Kettenstichnaht, sind unterhalb der Nähtischplatte angeordnet und bleiben auch während der Arbeit unter derselben. Der Stoff wird durch einen eigenthümlichen Stoffdrücker wenig unter die eigentliche Tischplatte hinabgebogen und die Nadel kann durch seine Lagen so weit hindurchstechen, daſs sie mit dem Faden nicht bis über seine Oberfläche hinaus kommt, also der Stich nur auf der Rückseite der Waare zu sehen ist. Der Arm über dem Nähtische, welcher sonst die Nadelstange führt, trägt jetzt nur den Stoffdrücker; er kann zur Seite gedreht werden, wenn man die Decke des Tisches abheben und zur eigentlichen Maschine gelangen will.

Die Handschuh – Nähmaschine für zweifädige überwendliche Naht von H. P. Henriksen in Kopenhagen (* D. R. P. Nr. 5740 vom 11. August 1878) liefert die in Fig. 15 Taf. 4 dargestellte Fadenverbindung, welche als Nachahmung des Kreuzstiches und der überwendlichen Naht bezeichnet werden kann. Sie führt, wie manche der neueren Nähmaschinen für das Nähen von Lederhandschuhen oder auch von Wirkwaaren (Maschine von Rudolf, Necker u.a.), den Stoff in verticaler Lage zwischen zwei Preſsrollen P1, P2 (Fig. 16) hindurch, so daſs die Stoffkante über die Ränder der Rollen ein wenig empor steht. Der Schieber E trägt die horizontale Nähnadel, welche hart über den Rollen den Stoff durchsticht, und das Schiffchen M wird über ihr in der Kapsel L in verticaler Ebene gehalten. Die Kapsel L ist am Schieber K befestigt, welcher sie abwechselnd über P2 und P1 bringt. Durch eine Oeffnung der Rückwand reicht die Welle I nach L hinein und trägt dort den Schiffchentreiber N (Fig. 17), welcher bei der Umdrehung von I das Schiffchen M in der Kreisbahn von L herumschiebt. Dabei erfaſst die untere Spitze von M die Schleife des Nadelfadens |31| und diese wird in gewöhnlicher Weise um das Schiffchen herum geführt. Während eines Stiches bringt aber der Schieber K die Kapsel und das Schiffchen sowohl in die gezeichnete Lage über P1, als auch in die punktirt angegebene über P2 und M nimmt den Nadelfaden vor und nach dem durch den Stoff geführten Stich über sich hinweg. Wenn man dann die zusammengenähten Stoffstücke so aus einander zieht, daſs ihre Enden stumpf zusammenstoſsen, so erhält man die in Fig. 15 gezeichnete Form der Naht. Die Scheibe y (Fig. 16 und 17) dient nur dazu, die Schiffchenkapsel während der Arbeit mit ihrer Platte zu verdecken.

Neuerungen an Schuhwerks-Nähmaschinen von M. H. Pearson in Leeds (* D. R. P. Nr. 5810 vom 15. December 1878) bestehen in einer Vereinfachung der Mechanismen im sogen. Hörn, d. i. in dem winkelförmigen Nähtischgestell von Stiefelnähmaschinen, und bezwecken dort den Ersatz des Wirbel- oder Fadenführerrädchens durch einen anderen Fadenführer. Dieser letztere, welcher aus einem Blechstreifen mit Oehr besteht, muſs allerdings auch, wie das frühere Rad, den Faden um die Nadel herumdrehen, damit er in den Haken der von oben herabkommenden Nadel eingelegt wird; es ist aber nicht eine eigentliche Kreisdrehung dazu erforderlich, sondern der Führer ist an einem Hebel befestigt, welcher ihn geradlinig hin und her schiebt, und dieser Hebel wird von einem zweiten wiederum geradlinig bewegt, aber rechtwinklig zur Bewegungsrichtung des ersten.

Im Iron, 1879 Bd. 13 S. 708 ist eine Riemen-Nähmaschine besprochen, welche die Vortheile der Erfindung von J. Keats in Wood Green, England, zum Theile verwendet und namentlich von der Einrichtung des Schiffchens Gebrauch macht (vgl. * 1879 233 292), durch welche thunlichst viel Unterfaden angesammelt werden kann. Bei der Riemennäherei kommt es ja vorherrschend auf verhältniſsmäſsig dicken und langen Faden an; doch ist die Maschine auch für andere Arbeiten der Sattler oder Schuhmacher zu verwenden; sie erweitert die Stichlöcher nicht mehr, als für den Faden erforderlich ist, und vermeidet also ein Zusammenlaufen der Stiche. Die Maschine war in Paris 1878 ausgestellt und wird von Greenwood und Batley in Leeds gebaut.

Eine Neuerung an der Schiffchenbahn bei Nähmaschinen haben J. M. Fair und W. Hinze in Buffalo, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 5911 vom 15. December 1878) damit eingeführt, daſs sie das Schiffchen nicht direct an der Wand, an oder auf welcher es liegt, entlang schleifen lassen, sondern Rollen anbringen, welche von Stelleisen auf der entgegengesetzten Seite dieser Wand gehalten werden und durch Schlitze in letzterer nach vorn hindurch reichen, so daſs das Schiffchen während seiner Bewegung an diesen Rollen antrifft. Wenn die Spitze des Schiffchens von seiner Gleitbahn etwas hinweg gerichtet ist., so können die Rollen cylindrisch sein, im anderen Falle werden sie in der Mitte etwas dünner gedreht als an den Enden, um die Abnutzung der Schiffchenspitze zu vermeiden. Die Vorrichtung wird sowohl bei geraden, als auch bei kreisbogenförmigen Schiffchenbahnen verwendet, sie vermindert die Abnutzung dieser Bahnen und der Schiffchen und erleichtert die Bewegung der letzteren, sowie ihren Durchgang durch die Fadenschleife.

Der Nadeleinsatz an Schiffchen-Nähmaschinen von W. P. Kraemer in Bonn (* D. R. P. Nr. 5914 vom 21. December 1878) besteht in der durch Fig. 18 und 19 Taf. 4 verdeutlichten Vorrichtung zum Befestigen der Nähnadel an der Nadelstange er. Diese letztere enthält eine Rinne b und eine Reihe dicht über einander liegender Löcher c. Die Nadel e wird mit einem Theile ihrer Länge in die Rinne eingelegt und ihr |32| umgebogener Endhaken gelangt dabei in eines der Löcher c; dann schiebt man eine Hülse f abwärts und klemmt mit derselben, welche sich an das keilförmige Stück d anlegt, die Nadel fest. Durch Auswahl unter den Oeffnungen c hat man die Möglichkeit, die Nadel höher oder tiefer zu stellen. Die Nadelstange kann nach unten hin auch nach mehreren Seiten sich verbreitern; sie kann auch rund sein und von einer runden Hülse umschlossen werden. Ein besonderes winkelförmig gebogenes Stäbchen wird oben auf die Hülse f gesetzt, wenn die Nadelstange sich hebt, das Stäbchen stöſst dann nach oben gegen das Gestell und klemmt die Hülse fest; um letztere zu lösen, stellt man das Stäbchen unter dieselbe, während die Nadelstange sich senkt; es stöſst dann gegen die Nähtischplatte und drängt die Hülse f nach oben.

Der Einfädler für Nähmaschinen von Wolf und Knippenberg in Ichtershausen bei Erfurt (* D. R. P. Nr. 5915 vom 22. December 1878) besteht aus einem Guſsstahldrahte, welcher entweder gerad gestreckt oder vorn rechtwinklig abgebogen, sehr fein zugespitzt und am Ende mit einem kleinen Häkchen versehen ist. Man bringt nun die Vorrichtung so an die Nähnadel der Maschine, daſs das Häkchen in ihre Nadelrinne gelangt, fährt längs derselben herab bis zum Oehre und durch dieses hindurch; auf der anderen Seite legt man dann den Nähfaden in den Haken und zieht ihn mit diesem durch das Nadelöhr hindurch.

Die Einrichtung an Nähmaschinen zum Hoch- und Tiefstellen des Stoffrückers während des Nähens von B. Stoewer in Stettin (* D. R. P. Nr. 5916 vom 24. December 1878) zeigt unter der Stoffrückerschiene eine Feder, welche erstere immer nach oben drückt. Die Zugstange, welche den Stoffrücker hin und her bewegt, stöſst mit einem keilförmigen Stücke oben an den ebenfalls keilförmigen Ansatz einer Schiene, welche der Arbeiter, während er die Waare führt, noch bequem mit der Hand verschieben kann, so daſs die schiefen Ebenen gegen einander verschoben werden und der Stoffrücker sich höher oder tiefer stellt. Für dicke lockere Stoffe bei vorkommenden mehrfachen Stofflagen oder Quernähten u.s.w. ist es nöthig, den Stoffrücker höher auszuschieben, damit auch diese Stellen ungehindert genäht werden können, während er für dünne Stoffe nicht so hoch gebracht werden darf.

Die Neuerungen an Sacknähmaschinen für überwendliche Naht von Klug und Schultheiſs in Wien (* D. R. P. Nr. 5930 vom 11. September 1878) betreffen eine Nähmaschine, welche mit dem Einfadenkettenstich eine überwendliche Naht nachahmt genau so, wie dies in Hertel's Strumpfnähmaschine geschieht. Hierzu gehört, daſs der Fadenfänger die Schleife, welche er von der zurückgehenden Nadel erfaſst hat, nicht auf derselben Seite bis zum nächsten Stiche festhält, sondern über die Waarenkante hinweg hebt und auf der entgegengesetzten Seite der Nähnadel so vorhält, daſs die letzere durch sie hindurchstechen muſs. Der Fadenfänger hat deshalb dreierlei Bewegungen zu machen, welche ihm im vorliegenden Falle von einem einzigen Excenter ertheilt werden. Ebenso wird die Nadelstange direct von einem Excenter, den sie gabelförmig umfaſst, vor- und rückwärts gezogen und endlich ist zur Staffrückung, d. i. zur Umdrehung zweier cylindrischer Stoffrücker, welche die Waare zwischen sich hindurch führen, ein neuer Klink- und Bremsapparat angebracht, dessen Einrichtung auch die Verstellung der Stichlänge gestattet.

Die Einrichtung zum Nähen von Steppdecken von Harry Edler in Bielefeld (* D. R. P. Nr. 5935 vom 14. November 1878) besteht aus einem Spannrahmen, in welchem die Decken, d. i. der Ober- und Unterstoff mit dazwischen liegender Watte, passend befestigt werden. Der Rahmen ist nur aus vier rechtwinklig mit einander verbundenen Holzleisten gebildet und jede Seite der zu nähenden |33| Decke wird zwischen zwei gekerbte Holz- oder Metallleisten eingelegt, welche man durch einzelne Schraubzwingen aufeinander drückt, so daſs sieden Stoff fest zwischen sich halten. Diese Spannleisten befestigt man dann mit Riemen, Schnuren oder Schrauben auf den vier Seiten des Rahmens. Von letzterem können indeſs auch zwei gegenüber stehende Seiten zugleich als Spannleisten eingerichtet sein, so daſs der Stoff nur an den zwei übrigen Kanten in besonderen Klemmschienen gehalten und durch diese endlich mit dem Rahmen verbunden wird.

Die Neuerungen an Spulvorrichtungen für Nähmaschinen von G. M. Pfaff in Kaiserslautern (* D. R. P. Nr. 6022 vom 1. October 1878) beziehen sich nur auf solche Spulapparate, deren Spindeln durch Andrücken an das Schwungrad und durch Reibung von demselben mit umgedreht werden. In diesen Fällen lockert sich leicht die Stellung des Apparates, so daſs er von dem Schwungradumfange nicht mehr genügend getroffen und getrieben wird. Nach der vorliegenden Einrichtung, welche in Fig. 20 Taf. 4 gezeichnet ist, steckt das ganze Spulgestell an einem Hebel b a, dessen unteres Ende a von einer starken Blattfeder c so gedrückt wird, daſs sein oberes Ende b mit der Triebscheibe d an der Spulenachse immer sicher am Umfange des Schwungrades e anliegen muſs. Die Feder c ist am Gestell befestigt und hält, wenn nicht gespult werden soll, den Apparat in horizontaler Lage fest, weil dann beide Vorsprünge von a an sie anstoſsen, wie punktirt in der Zeichnung angegeben ist.

Die Triebradauslösung für Nähmaschinen von Dürkopp und Comp. in Bielefeld (* D. R. P. Nr. 6264 vom 28. Januar 1879) ist eine sehr einfache Vorrichtung zum Ausschalten des Schnuren- oder Schwungrades an der Triebwelle der Nähmaschine für den Fall, daſs mit dem Rade oder der Treibschnur der Spulapparat gedreht und Nähfaden aufgespult werden soll. Das Schwungrad a (Fig. 21 und 22 Taf. 4) ist locker auf der Welle i und in das Stirnende dieser Welle ist die Scheibe s eingeschraubt, welche den Bolzen f enthält. Wenn dieser Bolzen in eine Oeffnung der Nabenwand des Rades eindringen kann, so verbindet er das Rad fest mit der Welle; seine Verschiebung vermittelt theils die um ihn herum gewundene Spiralfeder, theils seine Führung in der Scheibe b, welche drehbar an der äuſseren Fläche von s sitzt und deren Umfang gerändelt ist, damit man sie leicht mit der Hand drehen kann. Diese Scheibe b hat eine kreisbogenförmige Nuth c von stetig abnehmender Tiefe, deren Grundfläche also eine schiefe Ebene e bildet, und in dieser Nuth wird der Kopf des Bolzens f geführt. Dreht man die Scheibe b, so kann man mit ihrer Führung e den Bolzen f entweder aus der Radnabe herausziehen, oder durch die Spiralfeder in diese Nabe hinein drücken lassen, also das Schwungrad leer auf der Welle gehen lassen, oder mit derselben kuppeln. Bei Räderbetrieb ist die Anordnung, wie Fig. 22 zeigt, so getroffen, daſs das Kupplungsstück m innerhalb des Triebrades und die Regulirungsscheibe p noch weiter nach |34| innen angebracht ist; in gleicher Weise wie in Fig. 21 wird auch hier das Rad entweder durch einen in m liegenden Bolzen mit der Welle gekuppelt, oder lose auf letzterer gelassen, je nachdem man die Scheibe p umdreht und damit den Bolzen vor- oder zurückschiebt.

Neuerungen an Nähmaschinen von O. Mertens in Berlin (* D. R. P. Nr. 6275 vom 18. September 1878) streben eine Vereinigung an von den Vorzügen, welche sich in der Wheeler und Wilson-Nähmaschine vorfinden, hinsichtlich des Stoffrückens und Haltens und der gesammten Anordnung mit den Vorzügen, welche die anderen Nähmaschinensysteme mit hin- und hergehenden Schiffchen bezüglich der Bildung ihrer Naht unleugbar enthalten. Zu dem Zwecke ist das Gestell im Allgemeinen dem der Wheeler und Wilson-Maschine ähnlich, aber die vorn unter der Nadel liegende Greiferwelle wird als Triebwelle benutzt; sie trägt in der Mitte die Riemenscheibe und zu beiden Seiten auſserhalb der Gestellplatte je eine Kurbelscheibe. Der Zapfen der einen Kurbelscheibe läuft in der ungefähr herzförmigen Nuth eines Hebelarmes, welcher mit der Nadelstange zusammen einen Winkelhebel bildet, so daſs durch diese Verbindung die Nadel im Bogen auf und ab bewegt werden kann. Die andere Kurbelscheibe zieht dadurch, daſs ihr excentrischer Zapfen in dem Langschlitze eines einarmigen Hebels läuft, welcher durch eine Zugstange mit dem Schiffchenkorbe verbunden ist, das Schiffchen geradlinig hin und her. Alle anderen Einrichtungen, wie Stoffrückung, Fadenführung u.s.f., sind gleich denen der Wheeler und Wilson-Maschine.

Die Heftmaschine von G. Neidlinger in Hamburg (* D. R. P. Nr. 6289 vom 11. December 1878) ist bestimmt zum Heften der Papierbogen bei dem Einbinden der Bücher. Sie enthält drei in einer Richtung liegende, nach einander folgende Stoffrücker und kann deshalb auch die kleinsten Bogen, z.B. solche für Notizbücher u. dgl., zusammenheften. Zwischen dem zweiten und dritten Stoffrücker ist ein Schneidapparat angebracht, welcher den Heftfaden am Ende eines jeden Bogens abschneidet, und nach dem letzten Transporteur gelangen endlich die Bogen noch durch geeignete Führungen zwischen zwei Walzen (in einen sogen. Schichtapparat), welche sie zusammendrücken und auf einander hinlegen. Die Maschine ist eine Doppelsteppstichmaschine nach dem Singer'schen System; sie verrichtet alle angegebenen Arbeiten selbstthätig, so daſs der Arbeiter nur die Bogenlagen der Reihe nach unter den ersten Stoffrücker zu bringen hat.

Die Fadeneinzieh- und Knüpfmaschine für Stickmaschinen von Albert Voigt in Kappel bei Chemnitz (* D. R. P. Nr. 4617 vom 1. August 1878) ist eine Hilfsmaschine zu den groſsen Plattstich-Stickmaschinen, welche in der Weiſswaarenfabrikation vielfache Verwendung finden. Diese Stickmaschinen nähen mit zweispitzigen, das Oehr in der Mitte ihres Schaftes enthaltenden Nadeln den Plattstich und haben eine groſse Anzahl solcher Nadeln, oft in mehreren Reihen, in gleichzeitiger Arbeit. Bisher hat man die Nadeln einzeln von Kindern einfädeln lassen, ehe man sie der Stickmaschine übergab; die oben genannte neue Maschine verrichtet nun das Einfädeln und das Verknüpfen der ersten Fadenenden kurz hinter dem Oehre mit dem Faden selbstthätig und zwar gleichzeitig mit einer gröſseren Anzahl von Nadeln. Est ist dafür zunächst erforderlich, daſs das Stickgarn in solchen Abständen, welche gleich sind der Länge eines Stickfadens, mit irgend einem Klebmittel (Leim, Gummi, Stärke u.s.w.), dem auch eine Farbe zugesetzt ist, bestrichen und dann getrocknet und so auf eine Strecke von ungefähr 8cm |35| möglichst steif gemacht wird. Das so vorbereitete Garn bringt man in so vielen Zahlen, als die Fädelmaschine gleichzeitig Nadeln aufnehmen kann (etwa 30), in diese Maschine, schneidet die anlaufenden Fäden so ab, daſs jeder ein steifes Ende besitzt und leitet nun diese Enden durch ein Walzenpaar und durch kleine Trichter hindurch, bis sie von diesen in die Oehre der dahinter stehenden Nadeln geschoben werden. Eine breite Zange erfaſst hinter den Nähnadeln die Fadenenden und zieht sie ein Stück weiter fort, während die Nadeln selbst von einzelnen Zangen erfaſst und etwas aufwärts bewegt werden. Hierauf legen sich Hakengabeln, welche von der Seite her zugeführt werden, auf die zwischen den Nadeln und den Trichtern hängenden Fadenstücke, bilden daraus Schlingen und durch diese senken sich die Nadeln hinab, werden unten von anderen Zangen erfaſst und weiter fortgezogen, so daſs in den Fadenstücken Knoten entstehen. Die unteren Zangen sitzen auf einem Wagen, welcher auf die Länge eines Stickfadens ausgefahren wird; dabei ziehen sich die Knoten fest zusammen und die nächst folgenden steifen Stücke gelangen zwischen die Walzen, hinter denen sie von einzelnen Scheren abgeschnitten werden. Man legt nun auf die Nadeln ein Kissen, in welches dieselben sich einsenken, so daſs man sie nach dem Oeffnen der Zangen entfernen kann. Eine neue Nadelschiene, welche durch Handarbeit mit Nadeln besteckt worden ist, wird nun in die Maschine eingelegt und die Arbeit beginnt aufs Neue. Die Bewegungen zur Ausführung aller Arbeiten bis auf das Hinwegnehmen der Nadeln durch das Kissen und Auflegen der neuen Nadelschienen besorgt ein Arbeiter durch Drehen zweier Handkurbeln, von denen die eine den Wagen hin und her führt und die andere die Bewegungen zum Einfädeln und Schlingenbilden vermittelt.

Die Einrichtung zur Herstellung mehrerer parallelen Sticknähte mittels mehrerer Nadeln und eines einzigen Fadens von E. Cornely in Paris (* D. R. P. Zusatz Nr. 6635 vom 2. Februar 1879) erstrebt eine Vervollkommnung der ursprünglichen Erfindung (* 1879 231 28) dahin, daſs von den verwendeten drei Tambourirnadeln, welche gleichzeitig neben einander arbeiten, die zwei äuſsern drehbar sind, so daſs ihre Haken nicht immer in der Nahtrichtung, sondern bisweilen auch rechtwinklig gegen dieselbe liegen. Diejenige Nadel, deren Haken so gewendet worden ist, geht leer durch ihre Schleife hindurch, sie bildet nicht eine neue Masche, sondern läſst ihre Schleife frei zur Seite des mittleren Maschenstäbchens liegen. Hierdurch entsteht eine Ziernaht, welche entweder ein oder zwei Mäschenstäbchen mit seitlich daran hängenden freien Schleifen enthält. Besondere Vorrichtungen sind dafür getroffen, daſs bei solchen Fehlstichen einer Nadel nicht so viel Fadenlängen zwischen die drei Sticknadeln eingebogen wird, als wenn sie alle volle Maschen liefern sollten.

Die Neuerungen an Geflechtnähmaschinen von Edm. Wiesemann in Laton, England (* D. R. P. Nr. 6918 vom 21. Januar 1879) ermöglichen eine gute Nachahmung der Handnaht für Strohgeflechtwaaren durch die in Fig. 23 bis 25 Taf. 4 dargestellte eigentümliche Kettenstichnaht. Die Maschine enthält zu dem Zwecke eine gewöhnliche Nähnadel a und eine Tambourirnadel b, welche beide von einer Nadelstange getragen |36| und gleichmäſsig bewegt werden. Beim Aufsteigen beider Nadeln nimmt a den Nähfaden in Schleifenform durch den Stoff mit hindurch; oben erfassen zwei Fadenfänger (oder auch nur ein solcher mit doppelter Bewegung) die Schleife x und führen sie seitlich ab nach der Tambourirnadel, so daſs letztere beim Niedergange mit ihrem Haken diese Schleife wieder durch den Stoff hinabzieht und unten, beim nächsten Stiche, der Nähnadel a vorhält. Der Aufgang der Nadeln a und b führt a durch die Schleife x hindurch und den Haken von b ohne weiteres aus dieser Schleife heraus. Die Stoffrückung erfolgt horizontal und geradlinig. Durch diese neue Stichform wird es möglich, wenig Faden auf der Waarenoberfläche sichtbar werden zu lassen und lange Stiche auf die Rückseite zu bringen.

G. W.

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