Titel: Zur Kenntniss der Thone und Thonwaaren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235 (S. 445–452)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/ar235183

Zur Kenntniſs der Thone und Thonwaaren.

(Fortsetzung des Berichtes S. 294 dieses Bandes.)

Vergleichende Untersuchungen einiger Ziegelmaterialien im rohen und gebrannten Zustande. (Schluſs.) Bemerkenswerth sind die Versuche, welche W. Olschewsky über die Widerstandsfähigkeit der vier (S. 294 d. Bd.) genannten Thone im gebrannten Zustande ausführte. Die Einwirkung von Frost konnte im milden Winter 1878/9 nicht sicher festgestellt werden. Die Probesteine wurden nun zunächst 8 Tage lang mit kochendem Wasser behandelt, dann allmählich getrocknet, gewogen und zerrissen. Die erhaltenen Resultate sind in folgender Tabelle zusammengestellt.

Thon von Brenn-
schwindung
Zerreiſs-
querschnitt
Gewicht
des Steines vor
dem Kochen
mit Wasser
Gewicht
des Steines nach
dem Kochen
Gewichtsverlust Festigkeit
des Steines
Festigkeit des
Steines nach dem
Kochen
Differenz
der Festigkeiten
Proc. qc g g g k/qc k/qc k/qc
Siegersdorf – 6,0
– 6,0
– 7,2
– 7,8
– 8,0
8,0
3,78
3,78
3,68
3,63
3,61
3,61
100,2632
99,5340
98,1005
99,3464
101,0327
100,7385
100,2496
99,5310
98,0985
99,3464
101,0327
100,7382
0,0136
0,0030
0,0020


0,0003
39,8
39,8
50,1
54,2
55,4
55,4
37,4
40,3
48,7
53,8
51,2
56,4
– 2,4
+ 0,5
– 1,4
– 0,4
– 4,2
+ 1,0
Osterode + 0,5
+ 0,9
+ 0,9
– 2,5
– 3,6
– 5,0
4,38
4,42
4,42
4,10
4,00
3,88
112,4911
112,8707
111,4805
112,1870
111,9955
112,1438
112,2365
112,6421
111,2825
112,1034
111,9590
112,1105
0,1546
0,2286
0,1980
0,0836
0,0365
0,0333
18,4
16,2
16,2
56,1
72,2
85,3
17,8
16,4
15,9
58,7
71,0
81,2
– 0,6
+ 0,2
– 0,3
+ 2,6
– 1,2
– 4,1
Rathenow + 1,0
+ 1,0
+ 0,5
+ 0,4
– 1,0
– 1,8
– 3,3
4,23
4,23
4,19
4,17
4,05
3,98
3,85
103,0802
102,7430
103,9826
102,3530
102,5387
102,3392
101,3065
102,8274
102,4998
103,7814
102,1456
102,4117
102,2655
101,2337
0,2528
0,2432
0,2012
0,2074
0,1270
0,0737
0,0728
25,1
25,1
28,8
29,4
38,6
47,6
59,1
23,6
26,8
30,3
27,5
35,2
45,8
61,2
– 1,5
+ 1,7
+ 1,5
– 1,9
– 3,4
– 1,8
+ 2,1
Eberswalde + 0,5
+ 0,2
+ 0,9
+ 0,9
+ 0,9
– 1,9
– 1,4
– 6,0
4,54
4,51
4,58
4,58
4,58
4,32
4,36
3,95
121,3648
121,1885
122,6296
120,9407
122,2435
122,4775
120,2886
121,7045
120,9200
120,8234
122,4100
120,4417
122,0184
122,4983
120,3124
121,7434
0,4448
0,3651
0,2196
0,4990
0,2251
+ 0,0208
+ 0,0238
+ 0,0389
16,5
17,6
14,4
14,4
14,4
33,9
31,3
53,4
16,1
16,0
13,3
11,3
13,9
34,2
31,1
52,3
– 0,4
– 1,6
– 1,1
– 3,1
– 0,5
+ 0,3
– 0,2
– 1,1

Eine Schwächung der Festigkeit zeigt sich demnach nur beim Thon von Eberswalde. An löslichen Salzen enthalten die Thone von Siegersdorf 0,14 Proc., Osterode 0,14, Rathenow 0,09 und Eberswalde 013 Proc., für die verwendeten Steinchen daher 0,14, 0,16, 0,092 und 0g,158. Die |446| Siegersdorf er Steinchen verloren aber nicht annähernd so viel, so daſs also hier selbst beim Schwachbrand die löslichen Salze gröſstentheils zur Silicatbildung gedient hatten. Beim Osteroder Thon wurden beim Schwach- und Mittelbrand wenig mehr als 0g,16 entzogen, ohne Abnahme der Festigkeit. Dem Thon von Rathenow entzog aber kochendes Wasser wesentlich mehr als 0g,092, so daſs es scheint, als ob hier etwas von der Thonsubstanz gelöst sei. Weit stärker noch ist dieses gröſsere Lösungsvermögen beim Thon von Eberswalde. Dies erklärt sich theils durch Lösen von gebildetem Aetzkalk und Gyps, theils aber auch durch die zersetzende Wirkung des Wassers auf das Kalksilicat. Beim Trocknen nahmen diese mit Wasser behandelten Klinker, wohl vermöge ihres nunmehr aus dem beim Brennen gebildeten, durch das Wasser aber wieder zersetzten Kalksilicates Kohlensäure aus der Atmosphäre auf und wurden dadurch schwerer.

Man wird aus diesen Versuchen wohl schlieſsen dürfen, daſs auch kaltes Wasser unter Mitwirkung der darin enthaltenen Kohlensäure ähnlich auf die Steine einwirken wird. Bei Kalk haltigen Thonen wird diese Einwirkung eine stärkere sein als bei Kalk freien; sie wird ferner meist um so schneller verlaufen, je schwächer der Stein gebrannt und je gröſser die durch die poröse Beschaffenheit bedingte Angriffsfläche ist. Mindestens ist Hartbrand erforderlich, um die Steine gegen Wasser widerstandsfähig zu machen; ja vom Eberswalder an Kalk reichen Thon werden selbst die Klinker noch angegriffen. Immerhin bleibt es gerathen, selbst bei Verwendung besserer Steine für Hochbauten, durch gute Isolirung das Eindringen von Feuchtigkeit in die Steine möglichst zu verhindern.

Die Probesteine wurden ferner 4 Monate lang in eine 2,5 procentige Salzsäure gelegt; die dabei beobachteten Erscheinungen sind in der Tabelle auf S. 447 zusammengestellt.

Auf den Thon von Siegersdorf wirkt demnach verdünnte Salzsäure fast gar nicht ein. Beim Osteroder Thon ist die Salzsäure nach 4 Monaten gelb geworden, hat somit beträchtliche Mengen Eisen ausgezogen. Die Einwirkung ist um so geringer, je höher die Brenntemperatur war, je geringer daher die Porosität ist. Dem entsprechend wird auch der Thon von Rathenow wegen seiner geringeren Porosität etwas schwächer angegriffen als der Osteroder. Die Salzsäure ist hier ebenfalls gelb geworden, hat daher auch Eisenoxyd gelöst. Die Abnahme der Festigkeit ist etwas geringer als beim Osteroder Thon. Beim Thone von Eberswalde trübt sich die verdünnte Salzsäure allmählich durch sich abscheidende Kieselsäure und bildet nach 4 Monaten eine dicke Gallerte. Der Gewichtsverlust ist mit Ausschluſs der Klinker bei gleich groſser Porosität ein nahezu gleicher, so daſs dieser Thon durch höhere Brenntemperatur wohl nicht widerstandsfähiger gegen verdünnte Salzsäure gemacht werden kann. Erst beim Klinkerbrand

|447|
Thonmaterial
von
Brenn-
schwindung
Zerreiſs-
querschnitt
Steingewicht vor
der Behandlung
mit Salzsäure
Steingewicht
nach der
Behandlung
Gewichts-
differenz durch
die Einwirkung
Festigkeit Festigkeit nach
der Behandlung
Festigkeits-
differenz durch
die Einwirkung
Proc. qc g g g k/qc k/qc k/qc
Siegersdorf 6,0
6,0
5,9
7,0
7,8
8,0
3,78
3,78
3,79
3,70
3,63
3,61
100,3080
100,1265
99,4495
99,3145
98,7868
100,2314
100,2884
100,1134
99,4388
99,3114
98,7853
100,2310
0,0196
0,0131
0,0107
0,0031
0,0015
0,0004
39,8
39,8
39,4
49,6
54,2
55,4
37,7
38,2
41,6
50,8
52,4
54,6
– 1,1
– 1,6
+ 1,8
+ 1,2
– 1,8
– 0,8
Osterode + 0,5
+ 1,0
+ 1,0
– 2,7
– 2,7
– 3,0
– 5,0
4,38
4,43
4,43
4,08
4,08
4,05
3,88
112,9317
111,3680
113,9572
110,0410
109,9805
110,4220
111,0895
112,4230
110,9900
113,3260
109,6950
109,6195
110,1380
110,9465
0,5087
0,3780
0,6312
0,3460
0,3610
0,2840
0,1340
18,4
15,6
15,6
57,2
57,2
60,0
85,3
15,6
14,2
12,0
54,8
55,7
62,4
82,1
– 2,8
– 1,4
– 3,6
– 2,4
– 1,5
+ 2,4
– 3,2
Rathenow + 0,9
+ 0,8
+ 0,1
– 1,0
– 1,8
– 3,3
4,22
4,21
4,14
4,05
3,98
3,85
102,1400
102,2625
103,4550
101,9124
99,9678
102,4285
101,7532
101,8630
103,1236
101,6378
99,6840
102,3645
0,3868
0,3995
0,3314
0,2746
0,2838
0,0640
25,8
26,5
33,0
38,6
47,6
59,1
24,4
24,8
31,9
38,9
46,3
61,2
– 1,4
– 1,7
– 1,1
+ 0,3
– 1,3
+ 2,1
Eberswalde + 1,0
+ 0,7
+ 0,8
+ 0,0
– 2,0
– 2,0
– 6,0
– 5,0
– 5,0
4,59
4,56
4,57
4,49
4,31
4,31
3,95
4,06
4,06
122,5020
123,4980
122,0125
122,3790
121,6385
119,3880
124,1035
120,2430
118,9535
117,9200
119,2100
117,6700
117,9460
117,1200
115,1800
123,6200
119,3400
119,9400
4,5820
4,2880
4,3425
4,4330
4,5185
4,2080
0,4835
0,9030
1,0135
14,0
15,8
15,4
18,5
34,4
34,4
53,4
49,3
49,3
6,7
6,7
7,8
8,3
25,5
23,9
47,7
46,8
45,3
– 7,3
– 9,1
– 7,6
– 10,2
– 8,9
– 10,5
– 5,7
– 2,5
– 4,0

wird der Gewichtsverlust wegen der dichteren Beschaffenheit etwas geringer. Die Festigkeitsschwächung ist sehr bedeutend; ja durch längere Behandlung mit Salzsäure würde der Stein voraussichtlich völlig zerfallen. Kalk haltige Thone können demnach der Einwirkung verdünnter Salzsäure nicht widerstehen.

Bei der Behandlung mit verdünnter Salpetersäure zeigten sich im Wesentlichen dieselben Erscheinungen; nur war die Einwirkung namentlich auf den Thon von Eberswalde geringer als für Salzsäure.

Bei der Behandlung mit 2,5 procentiger Schwefelsäure zeigten sich die in der Tabelle S. 448 zusammengestellten Erscheinungen.

Eigentümlich ist die Gewichtszunahme der Siegersdorfer Steine, auffallend aber für den Thon von Eberswalde die starke Gewichtszunahme und eine damit verknüpfte bedeutende Festigkeitszunahme. Die Gewichtszunahme erklärt sich wohl dadurch, daſs der im Schwächend Mittelbrand enthaltene Aetzkalk Gyps gebildet hat, welcher in den Porenräumen auskrystallisirt ist und dadurch verkittende Wirkungen ausübt. Diese Erscheinung, daſs Thon, welcher viel kohlensauren Kalk |448|

Thonmaterial
von
Brenn-
schwindung
Zerreiſs-
querschnitt
Steingewicht vor
der Einwirkung
mit Schwefel-
säure
Steingewicht
nach der
Einwirkung
Gewichts-
differenz durch
die Einwirkung
Festigkeit Festigkeit nach
der Einwirkung
Festigkeits-
differenz durch
die Einwirkung
Proc. qc g g g k/qc k/qc k/qc
Siegersdorf – 5,8
– 6,0
– 6,0
7,0
– 8,0
– 8,0
3,80
3,78
3,78
3,70
3,61
3,61
97,8637
99,6157
99,7640
97,2104
99,2631
97,8090
98,0250
99,8555
99,8975
97,2940
99,3512
97,9005
+ 0,1613
+ 0,1598
+ 0,1335
+ 0,0836
+ 0,0890
+ 0,0915
38,9
39,8
39,8
49,6
55,4
55,4
40,2
37,9
38,8
50,2
56,2
54,3
+ 1,3
– 0,9
– 1,0
+ 0,6
+ 0,8
– 1,1
Osterode + 0,9
+ 1,3
– 2,2
– 3,4
– 4,0
– 5,0
4,42
4,46
4,12
4,02
3,98
3,88
111,5327
111,3511
110,7670
110,1429
110,3784
111,8631
110,9100
110,8520
110,5085
109,8900
110,1230
111,7975
– 0,6224
– 0,4991
– 0,2585
– 0,2529
– 0,2554
– 0,0656
16,1
14,1
51,9
63,2
76,0
85,3
15,3
12,1
50,4
64,5
74,2
82,8
– 0,8
– 2,0
– 1,5
+ 1,3
– 1,8
– 2,5
Rathenow + 1,0
+ 0,0
+ 0,2
– 1,4
– 2,7
– 3,2
4,23
4,20
4,15
4,01
3,89
3,85
101,3605
101,9995
101,3629
101,9835
101,3495
102,2760
101,2665
101,8740
101,2570
101,8375
101,2125
102,1840
– 0,0940
– 0,1255
– 0,1059
– 0,1460
– 0,1370
– 0,0920
25,1
27,1
32,6
42,9
54,4
58,2
24,7
27,8
34,8
41,7
53,2
57,6
– 0,4
+ 0,7
+ 2,2
– 1,2
– 1,2
– 0,6
Eberswalde + 1,1
+ 1,0
+ 0,2
– 1,7
– 2,0
– 6,0
4,60
4,59
4,51
4,33
4,31
3,95
124,9990
124,2850
123,9910
124,0246
122,3793
123,6789
126,6455
126,2355
126,0345
123,8532
122,2160
123,5000
+ 1,6465
+ 1,9505
+ 2,0435
– 0,1714
– 0,1633
– 0,1289
13,8
14,0
17,6
32,3
34,4
53,4
20,7
22,7
21,5
31,8
34,1
54,6
+ 6,9
+ 8,7
+ 3,9
– 0,5
– 0,3
+ 1,2

enthält, nach dem Brennen durch Behandlung mit verdünnter Schwefelsäure fester wird, dürfte für einige Zwecke praktisch brauchbar sein.

Bei der Behandlung mit verdünntem Ammoniak zeigten sämmtliche Steine eine geringe Gewichtszunahme, auch eine gröſsere Festigkeit, die beim Thon von Eberswalde sogar um 7 k/qc stieg. Diese Erscheinungen erklären sich vielleicht durch Bildung Wasser haltiger Silicate. Weitere Versuche in dieser Richtung sind jedenfalls sehr wünschenswerth.

Zur Klinkerfabrikation, H. Rasch (Thonindustriezeitung, 1879 S. 473) hat Versuche darüber angestellt, auf welche Weise aus einem gegebenen Thon ein möglichst dichter Stein hergestellt werden könne, ob namentlich durch Trockenpressung oder Handstrich. Ein auf einer Tittelbach'schen Presse aus lufttrocknem Thonpulver hergestellter Stein wog 3565g bei 1880cc Inhalt, so daſs 100cc 190g wogen. Derselbe Thon, mit Wasser zu einem streichrechten Brei durchgearbeitet und dann ohne Druck zu einem Mauerziegel gestrichen, wog getrocknet bei 1345cc dagegen 2775g; 100cc wogen daher 206g. Derselbe Thon, durch kräftige Hammerschläge in einer kleinen Eisenform möglichst zusammengepreſst zu einem Würfel von 1cc, wog 2g,44, für 100cc somit |449| 244g. Nimmt man diese letztere Probe als frei von Luft an, so befanden sich in 100cc bei den trocken gepreſsten Steinen 78cc Thon und 22cc Porenraum, bei den durch Handstrich hergestellten dagegen 84cc Thon. Bei der Verarbeitung eines lufttrocknen Thonpulvers zu Mauersteinen mittels sogen. Trockenpressen wird somit die Lagerung der einzelnen Thontheilchen nicht so dicht als in einem getrockneten Steine, welcher durch Verarbeitung desselben Thones in dem Weichheitsgrade hergestellt wurde, wie er bei der Handstreicherei erforderlich ist.

Bei einem anderen Thon wurde eine Walzenpresse bester Construction und Handstrich verglichen; 100cc der lufttrocknen Steine wogen 192g von der Walzenpresse, durch Handarbeit hergestellt aber 199g.

Glasiren von Thonwaaren. W. Olschewsky (Töpfer- und Zieglerzeitung, 1879 S. 319) erinnert daran, daſs eine Glasur stets der Beschaffenheit des Thones, für den sie dienen soll, entsprechen muſs. Der Schmelzpunkt der Glasur soll stets mit der Temperatur zusammenfallen, bei welcher die Thonsubstanz im Thone bei genügender Erweichung einen möglichst vollkommenen Porenschluſs unter Einhaltung der scharfen Form des Werkstückes dient.

Erdglasuren wurden namentlich von Seger (1878 229 451. 1879 234 464) untersucht. Salzglasuren werden nur für Thone mit hohem Schmelzpunkt verwendet, Bleiglasuren für leicht schmelzbare Thone. Sehr wesentlich ist die Beschaffenheit des Glasursandes. Der als bewährt bekannte Sand von Malchin in Mecklenburg hat folgende Zusammensetzung:

Bestandtheile Gesammt In Schwefelsäure
unzersetzbar zersetzbar
Kieselsäure 83,88 Proc. 75,99 Proc. 7,89 Proc.
Thonerde 8,78 3,89 4,89
Eisenoxyd 1,49 1,49
Kalk 0,75 0,75
Magnesia
Alkalien
0,41
1,69
1,24 0,86
Wasser und organische Substanz 3,20 3,20

Im Vergleich mit dem Fürstenwalder Sand (vgl. 1878 229 454) ergeben sich demnach folgende Einzelbestandtheile:

Sand
von Fürstenwalde
Sand
aus Mecklenburg
Quarz 76,98 Proc. 67,27 Proc.
Glimmer 7,00 13,65
Thonsubstanz 16,02 19,08

Die im Schöne'schen Schlämmapparat ausgeführte Schlämmanalyse ergab folgende Korngröſsen:

|450|
Sand
von Fürstenwalde
Sand
aus Mecklenburg
Korngröſsen über 0mm,2 0,2 Proc. 0,38 Proc.
„ von 0,2 bis 0,04 57,5 32,70
„ „ 0,04 bis 0,02 27,4 30,90
„ „ 0,02 bis 0,01 6,4 28,98
„ unter 0,01 8,5 6,93

Der verhältniſsmäſsig groſse Gehalt des Sandes an Glimmerblättchen erleichtert die Aufschlieſsung des Sandes bedeutend. Soll jedoch ein solcher Sand für weiſse Glasurmassen Verwendung finden, so setzt man etwas Kochsalz zu, wodurch beim Einschmelzen das Eisenoxyd gröſstentheils als Eisenchlorid verflüchtigt wird.

Die Farben der persischen Fliesen, Die persischen oder Rhodoser Fliesen, welche auf dem Sandstein artigen, fast 90 Proc. Kieselsäure enthaltenden Scherben mit einer Engobe von fast gleicher Farbe versehen sind, zeigen unter einer Bleiglasur, deren Zusammensetzung etwa einem Zweiundeinhalbsilicat entspricht, wenige, aber schöne Farben. Nach Lindhorst (Thonindustriezeitung, 1879 S. 311) finden sich auf den Fliesen Kobaltblau, Kupferblau, Kupfergrün, Antimongelb, Eisenroth, Manganviolett und zu den Conturen Schwarz, welches letztere ein Chromschwarz zu sein scheint, hergestellt durch Glühen von Chromeisenstein.

Das Dunkelblau läſst sich durch Fritten von Kobaltoxyd mit der Glasur der Flieſsen herstellen, ebenso Kupferblau und Kupfergrün, welche sich nur durch den gröſseren oder geringeren Gehalt an Kupferoxyd unterscheiden; setzt man der Fritte etwas Potasche hinzu, so erhält man ein schöneres Blau. In entsprechender Weise erhält man das Manganviolett aus Braunstein, welches namentlich durch Zusatz von etwas Salpeter zur Fritte eine schöne Farbe gibt. Das Gelb erhält man durch Vermischen von Neapelgelb mit einem Gemenge aus 1 Th. gebrannnten weiſsen Thon, 2 Th. Sand und ⅓ der Glasur, bis der gewünschte gelbe Thon erreicht ist. Wird über dieses Gelb Kupferblau gelegt, so erhält man Grün und durch Zusatz von etwas Kobaltblau blaugrüne Töne. Eisenroth wird erhalten durch Mischen des beim Gelb genannten Gemenges mit Ocker; nimmt man statt der Ocker das durch Glühen von Eisenvitriol erhaltene Eisenoxyd, so erhält man ein etwas dunkleres Roth als das der alten Fliesen.

Mosaiken aus Steinmasse. Th. Holzhüter und Ratay (Thonindustriezeitung, 1880 S. 19) stellen Mosaiken mittels kleiner, nur 1qc groſser, scharfkantiger und sehr hart gebrannter Steine aus Mettlacher Material her. Die Mosaiksteinchen werden auf den colorirten oder mit Nummern für die einzelnen Farben auf einer Platte ausgebreiteten Zeichnungen, nach der Art einer Stickarbeit, von Mädchen mit den farbigen Steinwürfeln besetzt und diese, nachdem sie in einen passenden Rahmen eingeschlossen sind, mit einer Schicht Cementmörtel überzogen. |451| Es entstehen dadurch Platten von einer Gröſse bis zu 1qm, die für Fuſsböden und Wandbekleidungen an einander gefügt werden, und bei welchen die nur mit ganz schwachen Fugen eingebetteten farbigen Steinwürfel auf der ebenen Fläche ein farbiges Muster darstellen. Die milden Farben und die verhältniſsmäſsig billige Herstellbarkeit derartiger Mosaiken ermöglichen eine ausgedehntere Verwendbarkeit derselben gegenüber den Glasmosaiken, namentlich zu Fuſsbodenbelägen.

Chamotte-Gasretorten. Bekanntlich versuchten die Engländer schon vor etwa 60 Jahren statt der eisernen Retorten solche, die aus feuerfestem Thon in einem Stück hergestellt waren. Vielfach wurde versucht, die Retorten aus einzelnen kleinen Steinen oder Platten zu mauern, oder aus kurzen, hinter einander gesetzten Rohrstücken herzustellen. Heute sind fast überall die aus einem Stück bestehenden Thonretorten eingeführt.

Nach A. Heintz (Thonindustriezeitung, 1879 S. 343) darf das Retortenmaterial beim Anheizen und Ausgehen der Oefen, beim Laden und Graphitentfernen nicht leicht Sprünge bekommen, bei anhaltender höchster Betriebstemperatur weder schwinden, noch bis zur Formveränderung erweichen öder gar schmelzen. Für Retorten werden Schieferthone nur in England benutzt; in Deutschland verwendet man fette, plastische, ferner gewisse magere, an Kieselsäure reiche Thone und Kaoline. In der Regel wird ein Theil ungebrannter Thon mit 1,5 bis 2 Th. Chamotte gemischt.

Das Formen geschieht noch heute am vortheilhaftesten durch Handarbeit. Die Formen sind meist von Holz, stellenweise mit Eisen beschlagen; nur selten trifft man ganz eiserne oder Gypsformen. Bei der Benutzung von Mantel und Kern, wobei die Retorte stehend geformt wird, hat man auch kurze, dem horizontalen Querschnitt nach mehrfach getheilte Kerne, deren Theile durch Bänder, Keile oder Spannklinken und, so lange es nöthig ist, durch kleine Centrirungskeile festgestellt werden. Mit dem Höherarbeiten der Retorte rückt man mit dem kurzen Kern ebenfalls höher nach.

Die Wandstärke jeder einzelnen Retorte muſs, abgesehen von Kopf und Boden, durchaus gleichmäſsig sein und wird in der Regel zwischen 55 und 75mm gewählt. Eine Ausnahme ist es, wenn die dem Feuer im Betrieb später zuzukehrende Seite der Retorte eine um mehrere Centimeter dickere Wandstärke absichtlich erhält als die entgegengesetzte. So nimmt man auch wohl in ein und demselben Gasofen für die der Hitze und Stichflamme ausgesetzten Stellen Retorten von widerstandsfähigerem Querschnitt und stärkerer Wandung als für die weniger heiſsen Plätze. Nach dem Formen glättet und dichtet man die Oberfläche der Retorte, besonders die innere, um das feste Ansetzen des Graphits zu verringern und seine zeitweise Entfernung |452| zu erleichtern. Auch gibt man wohl den Retorten eine Glasur. Indeſs darf dieselbe, wie es leider stellenweise geschieht, keine leichtflüssige Blei- oder Lehmglasur sein, sondern es ist einer schwer schmelzbaren sogen, ordinären Porzellanglasur als einer wesentlich dauerhafteren der Vorzug zu geben.

Die fertig geformten Retorten werden langsam und allmählich getrocknet, in der Regel mehrere Wochen. Man bringt sie dann auf eigens dazu construirten Wagen liegend oder besser aufrecht stehend sorgfältig in den Brennofen, erhitzt sie hier stehend bis zu einer Temperatur, die höher sein muſs als jene, welcher sie später im Betriebe ausgesetzt sind, weil sonst alsdann ein Nachschwinden und sehr erhebliches Springen mit weitklaffenden Rissen zu befürchten ist. Während des Garbrennens muſs andauernde Weiſsglut gehalten werden, der Ofen so construirt und der Einsatz und die Feuerführung so bewerkstelligt sein, daſs in jedem Stadium des Brandes die Hitze auf alle Theile einer Retorte gleichmäſsig einwirkt.

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