Titel: Einfluss der Blätter auf die Zuckerbildung in den Rüben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235/Miszelle 21 (S. 86–87)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/mi235mi01_21

Einfluſs der Blätter auf die Zuckerbildung in den Rüben.

Nach den früheren Versuchen von Violette und Corenwinder (1876 219 183) wird der Zuckergehalt der Rüben durch Wegnahme der Blätter während der Wachsthumzeit vermindert. Heute weiſs man, daſs das Abblatten nicht nur den Zuckergehalt, sondern auch die Ernte vermindert. Schneidet man alle Blätter ab, so gehen innerhalb 40 Tagen etwa 45 Procent des vorhandenen Zuckers verloren, welche zur Bildung neuer Blätter verwendet werden.

B. Corenwinder und G. Contamine (Zeitschrift des Vereines für Rübenzucker-Industrie, 1879 S. 783) haben nun zur weiteren Aufklärung des Einflusses der Blätter auf die Zuckerbildung in den Rüben eine Reihe vergleichender Versuche über den Zuckergehalt der Rüben mit groſsen und kleinen Blättern gemacht und in folgender Tabelle zusammengestellt. Die Dichte ist in französischen Densimetergraden ausgedrückt, also 4,9 Grad = 1,049 sp. G.



Gewicht
der Rüben
Blätter 1876 Blätter 1877
klein groſs klein groſs
Dichte
des
Saftes
Zucker
in 100cc
Saft
Dichte
des
Saftes
Zucker
in 100cc
Saft
Dichte
des
Saftes
Zucker
in 100cc
Saft
Dichte
des
Saftes
Zucker
in 100cc
Saft
g
300 bis 400

400 bis 500



500 bis 600


600 bis 700




700 bis 800



800 bis 900


900 bis 1000


1000 bis 1100

1200 bis 1300
Grad
4,9
5,3
4,4
4,7


4,4
4,8
4,9
3,9
4,3
4,5


4,4



3,5
4,0

4,2
4,5
4,7
4,2
4,2
3,4
g
9,97
10,55
8,66
9,20


8,31
9,30
10,13
6,82
8,21
8,45


8,45



6,21
7,89

7,91
8,71
8,99
7,35
7,42
5,65
Grad
5,9
6,5
5,0
5,3
6,0
6,0
5,2
5,3
5,3
5,2
5,2
5,3
5,5
5,5
4,7
4,8


4,6
5,2
5,4
4,8

5,7
4,5
4,8
4,4
4,9
g
12,91
14,39
9,15
11,52
12,85
13,08
10,42
11,23
11,29
10,56
10,70
11,04
11,77
11,86
9,16
9,61


8,90
10,70
11,54
9,32

11,77
8,75
9,53
8,25
9,64
Grad
6,3
6,4
5,7



6,1
6,1
6,2
5,9




5,2



4,2


5,0





g
14,20
14,56
11,61



13,31
13,48
13,85
13,19




10,60



8,09


10,30





Grad
6,7

6,1
6,2
6,5

6,6


6,2
6,3
6,3
6,3

5,5
5,9
6,2
6,5
5,3


5,7





g
15,28

13,57
13,75
14,74

14,92


14,01
14,20
14,38
14,38

11,59
12,90
13,40
14,83
11,43


12,57





Durchschnitt 4,4 8,23 5,1 10,79 5,7 12,35 6,1 13,73
|87|

Die Rüben mit groſsen Blättern haben demnach einen erheblich dichteren und an Zucker reicheren Saft als die mit kleineren Blättern.

Eine bestimmte Beziehung zwischen der Zahl der Blätter und der Zuckermenge ist nicht ersichtlich gewesen, was sich dadurch erklärt, daſs die jüngsten mittleren Blätter reichlich athmen, den Zucker der Wurzel verbrauchen und nur wenig assimiliren. Dies geschieht dagegen von den am Umfang des Kopfes ausgebreiteten Blättern, welche nur wenig athmen. Nach den gemachten Beobachtungen darf man wohl den wesentlichen Antheil der Blätter an dem Wachsthum der Rüben nicht bezweifeln; sie sind es, welche die Pflanze mit dem Kohlenstoff versorgen, der durch eine noch unbekannte Verarbeitung den Zucker liefert, welchen die Pflanze für spätere Bedürfnisse aufspeichert. Dasselbe gilt unzweifelhaft, wie schon längst angenommen, für alle anderen Kohlenstoff und Wasserstoff enthaltenden Pflanzenverbindungen.

Der Zuckergehalt der Hauptrippen der Rübenblätter stellt sich zu verschiedenen Zeiten in folgender Weise:

Datum der
Versuche
Gesammtgewicht
der Blätter einer
Rübenpflanze
Glycose in 100g
Rippen
Krystallisirbarer
Zucker in 100g
Rippen
g g g
29. Juni 67 1,400 0,490
13. Juli 127 1,746 0,545
2. August 288 2,042 0,258
14. „ 528 2,070 0,224.

Der Blattkörper enthielt dagegen im Juni 0,28 Proc. Glycose und 0,15 Proc. krystallisirbaren Zucker, somit viel weniger als die Rippen. Während nun aber die Mittelrippen der in der Bildung begriffenen Blätter am 27. September 3,2 Proc. Glycose und 0,57 Proc. krystallisirbaren Zucker, am 5. October 3,31 und 0,6 Proc. davon enthielten, zeigten die äuſseren erwachsenen Blätter an denselben Tagen 1,85 und 2,0 Proc. Glycose, 0,266 und 0,295 Proc. krystallisirbaren Zucker.

Wenn somit auch die Wirkung der Blätter noch nicht völlig aufgeklärt ist, so haben doch diese Versuche gezeigt, daſs die Menge Kohlenstoff, welcher in Form von Zucker in der Pflanze niedergelegt wird, im bestimmten Verhältniſs zu der Gröſse der Blätter steht, und da man leicht beweisen kann, daſs letztere tagesüber aus der Atmosphäre um so mehr Kohlensäure aufnehmen, je gröſser ihre Oberfläche ist, so muſs man auch die Annahme machen, daſs die erstere Thatsache eine Folge der letzteren ist.

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