Titel: Die Zündwaarenfabrikation in der Schweiz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235/Miszelle 15 (S. 166)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/mi235mi02_15

Die Zündwaarenfabrikation in der Schweiz.

Für das J. 1877 ergab sich nach amtlicher Zählung in der Zündholzfabrikation eine Arbeiterzahl von 617, und zwar war dieselbe in 26 Anlagen vertheilt, von denen nur 5 mit Motoren arbeiten; gegenwärtig sind die Zahlen nach einem Bericht der eidgenössischen Fabrikinspectoren indeſs höher. Die Fabrikation scheint den einheimischen Verbrauch zu decken; nimmt man zur Bestimmung des Verbrauches die Zahlen an, welche aus französischen Ermittlungen sich ergeben, d. i. 5 Zündhölzchen für den Tag und Kopf der Bevölkerung, so kommen wir auf etwa 90 Millionen Schachteln zu durchschnittlich 55 Stück.

Der gröſste Theil der Fabrikation besteht aus gewöhnlichen Phosphorzündhölzchen; nur ein kleines Geschäft erzeugt sogenannte schwedische Zündhölzchen. Bezüglich der Preise, so werden Kisten von 1000 Schachteln zu 5,80 bis 13 Franken verkauft.

Der betreffende Gewerbszweig ist in der Schweiz noch vornehmlich Kleinindustrie, ja hat sich kaum über die Stufe der blosen Hausindustrie emporgeschwungen. Von den 26 Anstalten zählen nur neun 30 und mehr Arbeiter; in 7 findet eine reichliche Verwendung von Kindern unter 14 Jahren statt. In der Westschweiz findet man Löhne von 36 Cent, für den Halbtag der Kinder, oder täglichen Lohn von 90 bis 100 Cent, für Einlegerinnen, 140 bis 150 für Füllerinnen, 150 bis 250 für Tunker und Schwefler; in der Ostschweiz belaufen sich die Löhne dagegen beziehungsweise auf 150, 210, 360 bis 400 Centimes.

Bezüglich der Häufigkeit der Phosphornekrose gibt das eidgenössische Fabrikinspectorat nachfolgende Zahlen aus den Kantonen Zürich und Bern: Zürich vom J. 1867 bis 1878, also in 12 Jahren, in vier Fabriken mit 71 Arbeitern 10 Fälle; Bern von 1872 bis 1878, also in 7 Jahren, in 18 Anlagen mit 480 Arbeitern 11 Fälle. Von diesen sind als geheilt angegeben 13, gebessert 3, aus dem Spital, ausgetreten mit unbekanntem Schicksal 2 und gestorben 3. Specielle Nachfragen haben übrigens ergeben, daſs von 8 geheilten Bernern 4, die sich wieder dem Einfluſs des Phosphors aussetzten, innerhalb der darauf folgenden 2 Jahre starben und nur die anderen 4, welche die betreffende Industrie gänzlich mieden, gesund blieben.

Laut Beschluſs der im December 1879 zusammengetretenen Bundesversammlung soll die Fabrikation, die Einfuhr und der Verkauf von Zündhölzchen, bei denen gelber Phosphor zur Verwendung kommt, vom 1. Januar 1881 an verboten sein, und es wird der Bundesrath für die Zündhölzerfabrikation ein Regulativ aufstellen, welches die Bedingungen enthält, unter denen phosphorfreie Zündhölzer, oder solche mit rothem amorphem Phosphor bereitet werden dürfen.

A. O.

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