Titel: Verwerthung nassfauler Kartoffeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235/Miszelle 17 (S. 167)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/mi235mi02_17

Verwerthung naſsfauler Kartoffeln.

Nach J. Reinke und G. Berthold hat sich bei hochgradiger Naſsfäule das ganze innere Gewebe der Kartoffel in einen weiſsgelben Brei verwandelt, in welchem die Zellhäute gelöst sind, während die Stärkekörner noch unversehrt in der Flüssigkeit schwimmen und sich erst später lösen. Wenn man nun durch mikroskopische Untersuchung den Augenblick abzupassen weiſs, wo die Zellhäute in Auflösung begriffen, die Stärkekörner aber noch unversehrt sind, so vermag man durch schnelles Austrocknen den gesammten Stärkegehalt der Knolle, also den werthvollsten Bestandtheil der Kartoffel, zu retten. Das Aufschütten faulender Kartoffeln auf luftig stehende und von der Sonne beschienene Hürden dürfte hierfür genügen; erhöht man die Temperatur der umgebenden Luft, so wird man die Austrocknung beschleunigen können. Vielleicht würde es sich auch empfehlen, die stärkehaltige Flüssigkeit durch Auspressen von den Kartoffelschalen zu trennen und dann rasch zu trocknen. Viel weniger bequem wird es sein, aus den trockenfaulen Kartoffeln die Stärke zu gewinnen, weil hier noch die Zellwände erhalten sind und durch die Pilzfäden zu einer zähen, zunderartigen Masse zusammengehalten werden. Es möchte hier von Nutzen sein, die trockenfaulen Kartoffeln durch Uebergieſsen mit Wasser in naſsfaule zu verwandeln, um die Zellhäute hierdurch in Lösung zu bringen und auf diese Weise die Stärke leichter zu isoliren.

Die aus faulen Kartoffeln erhaltene Stärke ist gelblich weiſs und dürfte sich namentlich zur Herstellung von geringeren Sorten Stärkezucker oder von Dextrin für technische Zwecke eignen. (Vgl. Reinke: Untersuchungen aus dem botanischen Institut in Göttingen, 1879.)

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