Titel: Karl Möller's Schwimmwehr.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235/Miszelle 1 (S. 240–241)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/mi235mi03_1

Karl Möller's Schwimmwehr.

Zum Anstauen eines Stromes will K. Möller in Kupferhammer bei Brackwede, Westfalen (* D. R. P. Nr. 6140 vom 23. Juli 1878) statt fester Wehre ein Schiff in Anwendung bringen, welches quer in die Stromrichtung gestellt wird und mit beiden Enden an senkrechten Winkelschienen anliegt, welche an Uferpfeilern befestigt sind. Die Sicherung der Schiffslage erfolgt durch eine Anzahl von Ankerketten, welche übrigens dem Schiff gestatten müssen, sich mit dem veränderlichen Wasserspiegel zu heben und zu senken. Während nämlich bei dem tiefsten zulässigen Wasserstand das Schiff den Strom gänzlich sperrt, indem es sich auf dessen Sohle (die an der Absperrstelle der Kielform des Schiffes entsprechend hergerichtet sein muſs) setzt, hebt sich bei steigendem Wasser das Schiff so lange, bis die unter demselben entstehende Durchfluſsöffnung sich so zur Stauhöhe verhält, daſs Zufluſs und Abfluſs im Gleichgewicht stehen. Diese selbstthätige Regulirung bildet einen wesentlichen Vorzug des Schwimmwehrs; doch ist der Umstand nicht geringer anzuschlagen, daſs sich bei Eisgang und Hochwasser das Schiff gänzlich bei Seite schaffen läſst, zu welchem Zweck ein kleiner Winterhafen anzulegen ist. Die Stauhöhe hängt natürlich vom Schiffsgewicht ab. Da nun der Ballast von Wasser gebildet wird, läſst sich das Gewicht durch Auspumpen des Wassers aus dem Schiffskörper leicht verringern. Erreicht der Wasserstand vor dem Schiff eine gewisse Tiefe, so erfolgt dieses Auspumpen selbstthätig mittels einer Centrifugalpumpe, welche durch eine Turbine bethätigt wird; letztere ist in einem das Schiff durchsetzenden Rohr eingebaut, dessen gegen das Stauwasser gerichtete Einströmungsöffnung in der Regel durch einen Schieber geschlossen ist. Steigt das Schiff bis zu einer bestimmten Höhe, so wird dieser Schieber selbstthätig aufgezogen, die Pumpe kommt in Betrieb und dieser wird erst dann unterbrochen, wenn die Einströmungsöffnung des Turbinenrohres wieder gänzlich über Wasser liegt. Wenn umgekehrt bei abnehmendem Wasserstand das Schiff wieder sinkt, so öffnet ein Schwimmer ein Bodenventil, durch welches die als |241| Ballast dienende Wassermenge wieder in den Schiffsrumpf eintreten kann. Von den Vortheilen des Schwimmwehres gegenüber festen Wehranlagen sei noch die billigere und leichter und rascher ausführbare Anbringung desselben in groſsen Strömen bemerkt; auch würde es als Schiffsbrücke benutzbar sein.

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