Titel: Ueber die Reaction des Ferrichlorids auf Salicylsäure, Carbolsäure, Gallussäure, Gerbsäure; von H. Hager.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235/Miszelle 15 (S. 406–407)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/mi235mi05_15

Ueber die Reaction des Ferrichlorids auf Salicylsäure, Carbolsäure, Gallussäure, Gerbsäure; von H. Hager.

Diese Säuren geben bekanntlich in ihrer wässerigen Lösung mit verdünnter Ferrichloridlösung eine violette Farbenreaction; jedoch ist sie bei der Carbolsäurelösung am schwächsten, auch weit geringer in ihrer Dauer. Nun gibt es eine Menge Substanzen, welche durch ihre Gegenwart die Reaction theils abschwächen, theils stören und verhindern, so daſs unter Beihilfe derselben die genannten Säuren, wenn sie ungemischt vorliegen, erkannt werden können. Die Störung oder Beeinträchtigung ist eine mindere oder stärkere, je nachdem jene Stoffe in geringerer oder gröſserer Menge vertreten sind.

Salicylsäure. Die Reaction mit Ferrichlorid wird nicht gestört oder verhindert durch die Gegenwart von Essigsäure, Borsäure, Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsäure (sämmtliche Säuren im verdünnten Zustande), Kochsalz, Salpeter, Glycerin, Weingeist, Amylalkohol, Aether. Sie wird gestört oder verhindert durch Aetzalkalilösungen und Alkalicarbonatlösungen, Natronacetat, Ammonacetat, Borax, Kaliumjodid, Natronphosphat, Oxalsäure, Citronensäure, Weinsäure, Phosphorsäure, Arsensäure.

Carbolsäure. Die Reaction wird nicht gestört oder verhindert durch Borsäure, Kochsalz, Kalinitrat. Sie wird gestört oder verhindert durch Essigsäure, |407| Oxalsäure, Weinsäure, Citronensäure, Schwefelsäure, Salzsäure, Salpetersäure, Phosphorsäure, Natronacetat, Ammonacetat, Borax, Natronphosphat, Glycerin, Weingeist, Amylalkohol, Aether.

Die Phosphorsäure wirkt sowohl bei Salicylsäure, als bei der Carbolsäure entfärbend, aber auch bei derselben Reaction der Gallusgerbsäure und der Gallussäure; während jedoch das officinelle Natronphosphat auf die Reaction bei den beiden ersteren Säuren störend wirkt, scheint es bei den beiden letzteren Säuren indifferent zu sein. Käme es auf eine vorläufige Unterscheidung der Salicylsäure von der Carbolsäure an, so wäre die Lösung reichlich mit Weingeist oder auch mit Glycerin oder verdünnter Essigsäure zu versetzen und nun mit Ferrichlorid zu prüfen. Salicylsäure würde die Reaction geben, Carbolsäure nicht. Zur Erkennung der Gegenwart von Gallusgerbsäure oder Gallussäure versetzt man die Lösung mit Natronphosphatlösung und prüft dann mit Ferrichlorid. Bei ihrer Gegenwart würde eine violette Färbung eintreten, nicht aber wenn nur Salicylsäure oder Carbolsäure vorlägen. Alle vier Säuren lassen sich aus der mit Essigsäure sauer gemachten Lösung durch Ausschütteln in Aether überführen (Gallusgerbsäure nur in Spuren). Die ätherische Lösung wird eingetrocknet, oder bis zur Beseitigung der Essigsäure abgedampft, der Rückstand in Wasser gelöst und in drei Portionen getheilt; die eine prüft man direct mit Ferrichlorid, die andere nach der Verdünnung mit Weingeist, die dritte nach der Verdünnung mit Natronphosphatlösung. Andere Reactionen zur Unterscheidung der vier herangezogenen Säuren sind bekannt und ist nur noch daran zu erinnern, daſs die von Lex und Salkowski angegebene Reaction des Phenols mit Hypochlorid und Ammoniak auch durch Bromwasser erlangt werden kann; es fällt als Tribromophenol. Wenn man die Lösung einer der genannten Säuren mit Aetzammon im Ueberschusse versetzt, so bleiben die der Salicylsäure und der Carbolsäure farblos, die der Gerbsäure und Gallussäure färben sich aber dunkel gelbroth. Setzt man nun Bromwasser hinzu, so bleibt die Lösung der Salicylsäure farblos, die der Carbolsäure wird im Verlaufe mehrerer Augenblicke blau, die der Gerbsäure und Gallussäure behalten ihre gelbrothe Farbe. (Nach dem Chemischen Centralblatt, 1879 S. 823.)

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