Titel: Vorkommen von Leucin und Tyrosin in Kartoffelknollen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 235/Miszelle 16 (S. 469–470)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj235/mi235mi06_16

Vorkommen von Leucin und Tyrosin in Kartoffelknollen.

E. Schulze und J. Barbieri (Chemisches Centralblatt, 1879 S. 773) haben Kartoffelknollen in Scheiben zerschnitten, getrocknet, zerrieben und mit starkem Weingeist ausgekocht. Der Alkohol der erhaltenen Lösung wurde abdestillirt, der Rückstand in Wasser aufgenommen, die Lösung mit Bleiessig ausgefällt. Das Filtrat wurde durch Schwefelwasserstoff vom Blei befreit, dann zum dünnen Syrup eingedunstet. Nach mehrtägigem Stehen schied sich eine anscheinend unkrystallinische Substanz ab, welche sich unter dem Mikroskope |470| als aus hyalinen, kugeligen Aggregaten (deren Aussehen demjenigen des ganz unreinen Leucins glich) zusammengesetzt zeigte. Dieselbe wurde durch Absaugen mittels der Wasserluftpumpe und Abpressen zwischen Filtrirpapier von der dicken Mutterlauge befreit, dann wieder in wenig heiſsem Wasser gelöst. Beim Erkalten lieferte die Lösung zunächst eine Ausscheidung von Tyrosin. Dasselbe bildete, durch nochmaliges Umkrystallisiren aus Wasser gereinigt, eine lockere, weiſse Masse, welche sich sehr schwer in kaltem, leichter in kochendem Wasser, sehr leicht in Ammoniakflüssigkeit löste und unter dem Mikroskope die Formen des Tyrosins (feine, zu Büscheln vereinigte Nadeln) zeigte. Sie gab, schon bei Anwendung höchst geringer Substanzmengen, die charakteristischen Tyrosin-Reactionen. Beim Erhitzen mit Millon'schem Reagens wurde ihre Lösung tief rosenroth; beim Erkalten schied sich ein rothbrauner Niederschlag aus (Hoffmann's Reaction). Wurde sie mit einigen Tropfen concentrirter Schwefelsäure ½ Stunde lang auf 50° erhitzt, die Lösung mit Wasser verdünnt und nach dem Sättigen mit kohlensaurem Barium filtrirt, so gab das Filtrat auf Zusatz von sehr verdünnter Eisenchlorid-Lösung eine schön violette Färbung (Piria's Reaction). Dieses Verhalten beweist, daſs die fragliche Substanz Tyrosin war. – Es mag hier Erwähnung finden, daſs J. Borodin auf mikrochemische Weise schon früher Tyrosin in Kartoffeln nachgewiesen hat (vgl. Botanische Zeitung, 1878 Nr. 51 und 52). – Aus der Mutterlauge vom Tyrosin schied sich bei weiterem Eindunsten in Krusten und krümligen Massen eine Substanz ab, welche, nachdem sie durch mehrmaliges Umkrystallisiren aus ammoniakalischem Weingeist gereinigt war, vollkommen das Aussehen und das Verhalten des Leucins zeigte. Sie krystallisirte in glänzenden weiſsen Blättchen, welche nach dem Trocknen sich mit Wasser nur sehr langsam benetzten, in heiſsem Wasser sich leicht lösten. Beim vorsichtigen Erhitzen im Glasröhrchen verflüchteten sie sich ohne Rückstand zu einem weiſsen, wolligen Sublimat; bei stärkerem Erhitzen trat der eigenthümliche Geruch (nach Amylamin) auf, welchen Leucin bei der Zersetzung entwickelt. Wenn eine Probe derselben in Salpetersäure gelöst und die Lösung auf einem Platinbleche verdunstet wurde, so blieb ein farbloser Rückstand, welcher sich in Natronlauge mit gelber Farbe löste; diese Lösung zog sich bei vorsichtigem Verdunsten zu einem öligen, auf dem Platinbleche umherrollenden Tropfen zusammen (Scherer's Reaction). Die wässerige Lösung der Substanz löste Kupferhydrat mit blauer Farbe; aus der so erhaltenen Flüssigkeit krystallisirte eine in Wasser schwer lösliche Kupferverbindung in hellblauen Warzen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: