Titel: Die Central-Telephon-Stationen in New-York.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236 (S. 33–35)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/ar236018

Die Central-Telephon-Stationen in New-York.

Bei der bedeutenden Ausdehnung1)und Benutzung, deren sich städtische Telephon-Anlagen in Nordamerika erfreuen, erscheint es gerechtfertigt, nachfolgend Einiges über die Einrichtung einer der drei Telephon-Stationen der Merchants' Telephone Exchange in New-York mitzutheilen, deren Betrieb unter der Oberleitung der Gold and Stock Telegraph Company steht. Wir folgen dabei einem Aufsatze im Scientific American, 1880 Bd. 42 S. 15, welchem mehrere erläuternde Abbildungen beigegeben sind.

In die (198 Broadway liegende) Station münden über 600 Telephonleitungen, welche von den Wohnungen der Abonnenten oder Subscribenten ausgehen. Jeder Abonnent hat neben einem Pulte auf einem stellbaren Arme als Geber ein Edison'sches Kohlentelephon, das mit der primären Spule einer unter dem Pulte aufgestellten Inductionsspule verbunden ist. Das mit der Leitung verbundene empfangende Telephon hängt an der anderen Seite des Pultes an einem Haken, welcher zugleich als Umschalter dient und die Umschaltungen selbstthätig beim Wegnehmen und Wiederaufhängen des Telephons vollzieht. Ueber dem Pulte steht noch eine elektrische Klingel für einfache Schläge und unter demselben eine Batterie aus zwei Leclanché-Elementen; der eine Pol dieser Batterie liegt an Erde, der andere wird beim Niederdrücken eines aus |34| dem Pulte seitlich vorstehenden Knopfes an die nach der Centralstation führende Leitung gelegt. In der Centralstation endet jede einmündende Leitung an einem Umschalter, mittels dessen die Leitung nach einem der „Melder“ (annunciators) und hinter diesem zur Erde geführt werden, oder bei Bedarf von ihm getrennt werden kann.

Will nun ein Subscribent mit einem anderen telephonisch sprechen, so drückt er seinen Knopf, sendet dadurch den Strom seiner Batterie durch den Elektromagnet seines Melders und dieser läſst die Klappe fallen, welche bisher die Nummer des Subscribenten verdeckte. Sowie der Umschaltebeamte dies sieht, schaltet er sein tragbares, aus einem in zweckmäſsiger Lage gegen einander an einem Bügel befestigten Geber und Empfänger bestehendes Telephon, eine werthvolle Verbesserung von T. G. Ellsworth, dem Vorstande dieser Station, in die Leitung des rufenden Subscribenten ein, indem er den Stöpsel am Ende der Leitungsschnur desselben in den Umschalter einsteckt. Dadurch wird der Melder von der Linie des Rufenden weggenommen und das tragbare Telephon in diese eingefügt. Da dieses Telephon zugleich in geeigneter Weise mit einer Batterie und einer Inductionsspule verbunden wird, so kann der Beamte jetzt den Rufenden fragen, mit wem er zu sprechen wünscht. Nachdem der Rufende dies gesagt hat, verbindet der Beamte dessen Umschalter mit einem der entlang dem Zimmer laufenden, horizontalen Metallstäbe und dreht diesen ein wenig zum Zeichen, daſs er im Gebrauch ist; dann geht der Beamte zu dem Umschalter der Person, welche zu sprechen gewünscht wird, legt eine biegsame Schnur an diesen Umschalter und berührt mit dem zweiten Ende der Schnur mehrere Male einen langen Messingstreifen, welcher mit der Batterie der Centralstation verbunden ist; dadurch sendet er Ströme durch die Klingel dieser Person, damit dieselbe ihren Empfänger aus Ohr nehme, worauf dann der Beamte auch den Umschalter dieser Person mit demselben Metallstabe verbindet, mit dem er schon den Rufenden verbunden hatte, und endlich dem Rufenden sagt, daſs die Einschaltung vollzogen sei.

Trotz des Sprechens von 20 bis 30 Stimmen durch einander, vollziehen sich doch die Umschaltungen und die darauf bezüglichen telephonischen Verhandlungen in gröſster Ordnung; nur selten kommt einmal ein Versehen vor. Es werden täglich nicht weniger als 6000 Umschaltungen gemacht, und dies geht alles ohne Verzug vor sich.

Um endlich die Centralstation davon zu verständigen, wenn ein telephonisches Gespräch zu Ende ist, sind eine Anzahl von Relais mit hohem Widerstände vorhanden, deren jedes einen Localstrom durch einen Melder schlieſst; jeder dieser Melder entspricht einem der horizontalen Stäbe des Umschalters; jedes Relais ist zwischen Erde und dem zugehörigen Stabe eingeschaltet. Wenn daher derjenige, welcher die telephonische Verbindung mit einem anderen verlangt hatte, nach |35| Beendigung des Gespräches seinen Empfänger an den Haken gehängt hat, drückt er wieder seinen Knopf 4 oder 5 mal, setzt dadurch das Relais in Gang, so daſs der zugehörige Melder das Ende des Gespräches anzeigt.

Die Subscribenten zahlen einen monatlichen Beitrag und unterwerfen sich den Dienstvorschriften der Gesellschaft. Dann erhalten sie Telephone und Batterie und es wird von ihnen ein Draht nach dem Centralamte gezogen. Die Gesellschaft hält Leitung und Instrumente in Ordnung und beseitigt etwa eintretende Störungen.

New-York ist auch mit benachbarten Orten in telephonischer Verbindung. Die Leitungen nach Newark gehen unter dem North River weg, die nach Brooklyn hängen an den Thürmen der East River Brücke. Auch Jersey City und Orange, N. J., sind mit New-York verbunden.

E–e.

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Man schätzt die Anzahl der für den Verkehr zwischen Privatleuten benutzten Telephone auf etwa 70000. In Cincinnati z.B. sind 800 Telephone durch 120km Linie mit 480km Drahtlänge mit dem Haupt-Telephonamte verbunden, in welchem täglich etwa 6000 Umschaltungen vorgenommen werden müssen.

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