Titel: Zur Kenntniss des Cementes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236 (S. 415–419)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/ar236168

Zur Kenntniſs des Cementes.

(Fortsetzung des Berichtes S. 242 dieses Bandes.)

Verhandlungen der Generalversammlung des Vereines deutscher Cementfabrikanten. (Schluſs.)

Bei Submissionsausschreibungen der preuſsischen Militärverwaltung wird noch immer der Gesichtspunkt der Mörtelausbeute des Cementes fest gehalten, um aus derselben in Verbindung mit der Festigkeit und dem Preis des angebotenen Cementes eine Werthziffer abzuleiten. Wie im vorigen Jahre constatirte die Versammlung auch diesmal, daſs die Mörtelausbeute bei allen Cementen, gleichen Sand und gleichen Versuchsmodus vorausgesetzt, dieselbe ist und daſs Abweichungen in den Resultaten nur auf Grund von Fehlern bei den Versuchen entstehen. Für die Mörtelmischung aus 100g Cement, 300g Sand und 76cc Wasser beträgt die Ausbeute, nach den Vorschriften des Kriegsministeriums ermittelt, für alle Cemente 225cc.1)

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Ueber die Zweckmäſsigkeit von Papiertonnen, welche von verschiedenen Seiten zur Verpackung des Cementes empfohlen worden sind, theilt Dr. Hugo Delbrück mit, daſs er sich von der Brauchbarkeit der Tonnen durch die verschiedensten Handhabungen überzeugt habe; doch stellten sich ihrer Einführung der hohe Preis und das beträchtliche Gewicht entgegen.

Dr. Schumann referirt über Erfahrungen und Vorsichtsmaſsregeln bei Ausführung der Probe auf Treiben des Cementes und macht darauf aufmerksam, daſs bisweilen in Folge ungenügender Kenntniſs der Eigenschaften des Cementes Risse, die in Cementkuchen beim Abbinden entstehen, fälschlich für ein Symptom von Treiben gehalten würden und durch solche Verwechselungen leicht unliebsame Beanstandungen der Waare entständen. Es könne wohl als allgemein bekannt gelten, daſs Kuchen, besonders aus langsam bindendem Cement, welche nach dem Abbinden zu früh ins Wasser gelegt werden, rissig werden. Weniger scheine bekannt zu sein, daſs Cementkuchen, welche während des Abbindens der Einwirkung der trocknenden Zugluft oder des Sonnenscheines ausgesetzt sind, ebenfalls Risse bekommen, die mit Treibrissen durchaus nichts gemein haben, und zwar um so stärkere und zahlreichere Risse, je langsamer sie abbinden und je stärker der Zug ist. Dieses Verhalten ist eine einfache Folge der durch ungleiche Trocknung hervorgebrachten ungleichmäſsigen Schwindung. Nur ganz rasche, in 10 bis 15 Minuten abbindende Cemente erhielten, selbst wenn sie starker Zugluft ausgesetzt wurden, keine Risse, da bei diesen in Folge des raschen Erstarrens keine Gelegenheit zu ungleichmäſsiger Schwindung gegeben ist. Für die Unterscheidung der Luft- oder Schwindungsrisse von den Treibrissen ist charakteristisch, daſs die Schwindungsrisse bereits während des Abbindens, also innerhalb der ersten Stunden entstehen, die Treibrisse erst später. Treibrisse klaffen am Rande des Kuchens am weitesten, haben meist eine centrale Richtung und sind von einer Verkrümmung des Kuchens begleitet; Schwindungsrisse sind in der Mitte des Kuchens am breitesten und verengern sich nach den Kanten zu, haben unregelmäſsige Richtung und bilden oft in sich zurücklaufende Curven. Cementkuchen mit Schwindungsrissen bleiben auf der unteren Fläche stets eben. Schumann empfahl der Versammlung die Annahme folgender Resolution, welcher zugestimmt wurde: Luft- oder Schwindungsrisse, welche bei der Probe auf Treiben während des Abbindens von Cementkuchen entstanden sind, lassen nicht auf fehlerhafte oder gar treibende Eigenschaften des Cementes schlieſsen. Zu ihrer Vermeidung empfiehlt es sich, um Irrthümern vorzubeugen, die Cementkuchen, welche zur Probe auf Treiben dienen sollen, bis zum Einlegen in Wasser vor Zug und Sonnenschein zu schützen. Das bauende Publicum ist auf den Unterschied zwischen Treibrissen und Luft- oder Schwindungsrissen speciell aufmerksam zu machen.

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Anschlieſsend hieran weist Schiffner darauf hin, daſs bei trockenem Wind auch bei Cementarbeiten im Freien Schwindungsrisse entstehen können, welche mit Treiben nichts gemein haben, dennoch aber bisweilen für Treibrisse gehalten werden.

Generalversammlung des Deutschen Vereines für Fabrikation von Ziegeln. Sitzung der Section für Cement und Kalk. (Berlin 7. Februar 1880).

Dr. Delbrück berichtet über den Einfluſs der Verwendung verschiedener Sandsorten zu Cementmörtel auf die Festigkeit desselben. Es wurden untersucht: A) Normalsand, B) Sand nach den Normen des Kriegsministeriums hergestellt, C) grober Sand von Freienwalde, D) Sand aus einer Grube der Züllchower Fabrik, E) feiner reiner Quarzsand, der unter einem Thonlager liegt. Die Sandsorten wurden sämmtlich mit demselben Cement geprüft und die Proben in genau gleicher Weise hergestellt. Ferner wurden die Gewichte gleicher Volumen der Sandsorten bestimmt, sowie die Hohlräume derselben und ihre Feinheit ermittelt. Der zu den Versuchen verwendete Cement war ein besonders guter und fein gemahlener. Die Resultate gibt die nachstehende Tabelle:



Sandsorte
1l Sand
wiegt
1l hat
Hohl-
räume


Siebresultate
Geprüft
nacht Tagen
Zugfestigkeit
k auf 1qc

k

cc
1 Cem.
3 Sand
1 Cem.
4 Sand
1 Cem.
6 Sand

Normalsand
1,660 380 Rückst, bei 60 Maschen auf 1qc 0%
„ „ 120 „ „ 100
7
28
60
21,7
27,6
27,3
16,1
20,8
22,5
8,0
12,1
14,1
Sand nach den
Normen des
Kriegsmini-
steriums
1,670 370 Rückst, bei 60 Maschen auf 1qc 0
„ „ 120 „ „ 55
„ „ 256 „ „ 45
7
28
60
19,8
26,7
27,7
14,5
20,0
22,8
7,8
10,9
12,0

Sand von
Freien-
walde
1,790 325 Rückst, bei 60 Maschen auf 1qc 49
„ „ 120 „ „ 31
„ „ 600 „ „ 16,5
„ „ 900 „ „ 1
durch 900 „ „ 1
7
28
60
24,5
29,1
31,4
20,9
23,8
26,7
13,2
17,9
19,5

Derselbe
abgesiebt
1,790 330 Rückst, bei 60 Maschen auf 1qc 36,5
„ „ 120 „ „ 37
„ „ 600 „ „ 26
durch 600 „ „ 0
7
28
60
24,6
27,1
31,2
20,1
22,8
23,6
13,7
16,2
18,0

Sand von
Züllchow
1,855 250 Rückst. bei 60 Maschen auf 1qc 38
„ „ 120 „ „ 26
„ „ 600 „ „ 27,5
„ „ 900 „ „ 2,5
durch 900 „ „ 3
7
28
60
23,5
27,8
28,7
19,1
23,6
26,0
13,2
17,6
18,6

Derselbe
abgesiebt
1,815 300 Rückst, bei 60 Maschen auf 1qc 34,5
„ „ 120 „ „ 28,5
„ „ 600 „ „ 35,5
durch 600 „ „ 0
7
28
60
22,5
27,9
28,7
20,0
21,6
25,3
15,5
18,7
21,0

Feiber
reiner
Quarzsand
1,850 Rückst, bei 60 Waschen auf 1qc 5,5
„ „ 120 „ „ 34,5
„ „ 600 „ „ 53
„ „ 900 „ „ 1,5
durch 900 „ „ 3
7
28
60
20,1
23,6
25,5
17,2
20,8
21,6
12,2
14,8
16,4
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Der Freienwalder Sand besteht fast nur aus Quarz und gibt im ungewaschenen Zustand etwas höhere Festigkeit als im gewaschenen, was durch mehrfache Versuche festgestellt worden ist.

Dr. C. Schumann bestätigt die Thatsache, daſs sich in der Natur Sandsorten finden, welche eine höhere Festigkeit als Normalsand liefern, und hat dieses Verhalten bei 3 Sandsorten gefunden: bei grobkörnigem Sand, aus dem Rhein gebaggert, bei einem Grubensand aus der Nähe von Biebrich und einem Grubensand aus Nürnberg. Weit häufiger tritt allerdings das Gegentheil ein, und es kann unter Umständen das Gelingen einer Cementarbeit durch die Qualität des Sandes geradezu in Frage gestellt werden. So hat Schumann i. J. 1877 einen in der Praxis verwendeten Sand untersucht, der im Verhältniſs von 3 : 1 Cement nach 28 Tagen nur 2k Festigkeit lieferte, während Normalsand mit demselben Cement 14k ergab. Ein anderer sehr gut aussehender Sand ergab bei demselben Mischungsverhältniſs nach 7 Tagen noch gar keine, nach 28 Tagen 10k,5 Festigkeit, während Normalsand nach 7 Tagen 10k,4, nach 28 Tagen 15k,6 bei einer Bindezeit des Cementes von 1 Stunde lieferte. Der fragliche Sand enthielt nur 1,3 Procent an Bestandtheilen, die durch Waschen sich entfernen lieſsen; allein die Verunreinigungen hafteten auſserordentlich hartnäckig an den Sandkörnern. Der gewaschene Sand ergab nach 7 Tagen 9k, nach 28 Tagen 15k,6 Festigkeit. Angesichts solcher Thatsachen sollten die Cementconsumenten namentlich bei gröſseren Bauten nicht unterlassen, die zu Gebot stehenden Sandsorten durch Vergleich mit Normalsand auf ihre Eigenschaften zu prüfen und erforderlichenfalls den zu verwendenden Sand zu waschen.

Rud. Dyckerhoff weist darauf hin, daſs schon ein geringer Thongehalt des Sandes die Festigkeit wesentlich beeinträchtigt, wenn der Thon sehr fest an der Oberfläche der Sandkörner haftet, daſs dagegen ein Zusatz von Thon oder Lehm bis zu mehreren Procent, wie Versuche ihm dies gezeigt haben, die Festigkeit nicht vermindern, wenn der Thon oder Lehm dem Sand nur lose beigemischt ist.

Dyckerhoff's Beobachtungen finden durch Erfahrungen, welche Dr. Heintzel gemacht hat, Bestätigung. Dieser prüfte 2 Sandsorten A und B, welche in ungewaschenem Zustand mit demselben Cement im Verhältniſs von 3 Sand : 1 Cement folgende Festigkeiten lieferten:

Sand A in 7 Tagen 12k,0, in 28 Tagen 17k,6
B 4k,3, 9k,5.

Beide Sandsorten waren Quarzsande mit sehr wenig Feldspath. Beim Einschlagen der Proben fiel auf, daſs der Mörtel mit Sand A leicht Wasser abstieſs, während derjenige mit Sand B trockener blieb; der erstere Mörtel band in etwa ¾ Stunden, der letztere schon in 10 Minuten ab. Beim Waschen ergab sich, daſs Sand A nur 0,2 Proc. Sand B 0,7 Proc. thonige Verunreinigungen enthielt. Nach dem Waschen |419| zeigten die Mörtel gleiche Abbindezeiten und annähernd gleiche Festigkeiten. Als jedoch dem gewaschenen Sand A abgeschlemmter Thon von Sand B und umgekehrt dem Sande B Thon von A in Schlamm form und zwar in Höhe von 2 Proc. beigemischt und die so behandelten Sande getrocknet waren, ergaben die damit vorgenommenen Proben, daſs die Festigkeit annähernd dieselbe war wie bei den gewaschenen Sanden. Dr. Heintzel erklärt dieses Verhalten dadurch, daſs die Sandkörner sich nicht mit einer so hartnäckig anhaftenden Schicht des thonigen Beischlags überzogen hatten, wie dies bei dem natürlichen Sand statt hatte.

Eug. Dyckerhoff glaubt, daſs es nur erforderlich sei, den Sand feucht durchzurühren, um die Oberflächen der Sandkörner frei zu machen, da ihm ein aus dem Main gewonnener Kies, der durch schlammiges Wasser stets schmutzig war, 15 bis 18 Proc. höhere Festigkeit lieferte, als wenn er vor der Verwendung rein gewaschen wurde.

Aus einem Bericht von Hauenschild über die Arbeiten der österreichischen Commission zur Begutachtung und Werthstellung der hydraulischen Kalke und Romancemente geht hervor, daſs die Arbeiten dieser Commission z. Z. noch nicht abgeschlossen sind, da die Meinungen und Erfahrungen noch weit aus einander gehen. Im Durchschnitt geht die Strömung dahin, daſs man als Minimalfestigkeit für einen Romancement oder Cementkalk (wie man ihn in Wien bezeichnen will) nach 7 Tagen 2,5 bis 3k, nach 28 Tagen 5k feststellen will, eine gleiche Anfertigungsweise der Proben wie in den „Normen“ vorausgesetzt. Dies entspricht dem groſsen Durchschnitt aus vielen Sorten, doch sind nach oben und unten sehr starke Abweichungen vorhanden. Es gibt Romancemente, die nach 7 Tagen 8k Normalfestigkeit haben, während andere kaum 1k erreichen, und letztere können gerade nach längerer Erhärtungsfrist die ersteren nicht blos einholen, sondern sogar übertreffen. Nach 28 Tagen hat man die Grenzen zwischen 2 und 5k, nach 180 Tagen 14 bis 24k. Groſse Differenzen ergeben auch die Art des Einschlagens und die Zeit des Einsenkens in Wasser. Um alle Romancemente gleich günstig und gerecht beurtheilen zu können, hat man viel gröſsere Schwierigkeiten als bei Portlandcement. Von der Beurtheilung der hydraulischen Kalke oder der mageren Kalke, wie man sie in Oesterreich nennt, liegen noch weniger übereinstimmende Erfahrungen vor.

(Schluſs folgt.)

|415|

Zur Mörtelausbeute tragen wir hier noch eine Ergänzung nach, deren das vorjährige Referat (vgl. 1879 233 389) bedarf. Es soll nämlich a. a. O. S. 389 Z. 14 v. o. heiſsen: Dr. Schumann hat jedoch mit sehr feinem Cement, der ein Sieb von 5000 Maschen auf 1qc passirt hatte, welcher zwar im Handel sich nicht findet, aber doch zu den leichten, voluminösen gehört, etwas weniger mauergerechten Mörtel erhalten, als mit einem gewöhnlichen, weil der feine Cement, um mauergerechten Mörtel zu liefern, etwas weniger Wasser gebraucht als der gewöhnliche, auf 1000 Theile nämlich 155 gegen 185 Th.

Ferner ist in dem Satz: „Das Mörtelvolumen ist gleich der Summe der Volumen der Mörtelbestandtheile“, unter Volumen nicht etwa die abgemessene Menge des pulverförmigen Mörtelmaterials zu verstehen, sondern das Volumen im eigentlichen (physikalischen) Sinne, also der Quotient aus absolutem Gewicht und specifischem Gewicht.

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