Titel: F. Fischer, über die Untersuchung von Schmierölen.
Autor: Fischer, F.
Fundstelle: 1880, Band 236 (S. 487–497)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/ar236193

Ueber die Untersuchung von Schmierölen; von F. Fischer.

Mit einer Abbildung.

Die verschiedenen Stoffe, welche zum Schmieren von Maschinen verwendet werden, haben bekanntlich den Zweck, die Reibung möglichst zu vermindern, um dadurch Kraft zu ersparen und die Abnutzung der reibenden Flächen auf das geringste Maſs zu beschränken. Das Schmiermittel soll seine Reibung vermindernde Eigenschaften aber dauernd beibehalten, daher keine die Metalltheile angreifenden Säuren enthalten oder unter den gegebenen Verhältnissen bilden, noch sich an der Luft verdicken, wie die trocknenden Oele (Leinöl, Hanföl u.s.w.). Theilweise verseifte Oele (vgl. 1835 58 270. 1860 158 151. 1864 173 299. 1879 232 191) werden leicht durch Verderben der Schmierdochte lästig.

Die bis jetzt am häufigsten angewendeten Schmiermittel sind Olivenöl und Rüböl (1860 158 149), oft mit Erdöl gemischt (1866 180 79. 1869 192 * 278), dann verschiedene andere pflanzliche und thierische Fette, nicht selten mit Graphit u. dgl. versetzt (vgl. 1874 211 77. 1878 229 200), ferner Harzöl (1880 235 69) und Paraffine (vgl. 1867 186 416. 1871 202 408). In neuerer Zeit werden in fortwährend steigenden Mengen Erdöle zum Schmieren von Maschinen angewendet (vgl. 1867 183 246. 1868 187 171. 189 83). Die amerikanischen Mineralöle kommen als sogenannte |488| „Lubricating-Oele“ unter der Bezeichnung Globöl, Vulcanöl, Topazöl, Staröl u.s.w. in den Handel. Breymann und Hübener im Hamburg liefern Valvoline, während in Süddeutschland häufiger das dunkelbraune, grün fluorescirende, dickflüssige Smaragdöl, das gelbe, dünnflüssige Opalöl und das schwarzbraune, bei niederer Wärme butterartige Rubinöl – letzteres ist mit einem Fett gemischt – verwendet zu werden scheinen. Die Petroffsky'schen russischen Oelwerke liefern Kaukasine, Ragosine und Comp. in Balachna aus kaukasischem Erdöl verschiedene Sorten Oleonaphta (vertreten durch Joh. Chr. Stahl in Nürnberg).

Die Untersuchung eines Schmiermittel's kann nun einmal den Zweck haben, den Zusatz eines minderwerthigen Oeles nachzuweisen, dann aber den Werth eines Oeles als Schmiermittel überhaupt festzustellen.

Um zunächst in fetten Oelen Rosmarinöl oder Terpentinöl nachzuweisen, werden sie nach Burstyn (1874 214 300) mit Alkohol ausgeschüttelt; letzterer wird abgehoben, destillirt und das Destillat mit Wasser versetzt, worauf eine Trübung die Gegenwart der ätherischen Oele anzeigt. Zur Nachweisung von Mineralölen wird, das Oel mit Natronlauge verseift und mit Aether ausgezogen, welcher beim Verdunsten das Mineralöl zurückläſst (vgl. 1873 207 263). Geiſsler (1879 233 349) läſst das Mineralöl nach dem Verseifen sich an der Oberfläche sammeln. Thomson (Chemical News, 1878 Bd. 38 8.167) verseift ebenfalls, versetzt mit Methylalkohol und Natronbicarbonat, fügt Sand hinzu, dampft ein und zieht mit Benzin aus; das Verfahren ist schwerfällig. E. Donath (Prüfung von Schmiermaterialien, 1880 S. 36) kocht 30 Minuten 6 bis 10g der zu untersuchenden Probe mit 200 bis 300cc Kalilauge von 1,15 Dichte, fügt kohlensaures Natron, dann Chlorcalciumlösung hinzu, so lange als noch ein Niederschlag entsteht. Nach dem Erkalten wird dieser abfiltrirt, ausgewaschen, getrocknet und mit Petroläther ausgezogen. – Da bei einem Mineralölzusatz meist gröſsere Mengen desselben genommen werden, so genügt das einfache Verfahren von Geiſsler zur Nachweisung desselben.

Um in einem Mineralöle einen Fettzusatz nachzuweisen, erhitzt man dasselbe mit der erforderlichen Menge Natronlauge unter Zusatz von Weingeist bis zur vollendeten Verseifung, verdampft den Weingeist, nimmt mit Wasser auf, filtrirt und säuert schwach mit verdünnter Salzsäure an. Die Fettsäuren scheiden sich aus, die Flüssigkeit gibt nach vorsichtigem Verdampfen die bekannten Reactionen auf Glycerin. Die Gegenwart von Harz kann nach Donath (1872 205 131) wie beim Bienenwachs durch Salpetersäure erkannt werden, während eine quantitative Bestimmung desselben noch nicht sicher auszuführen ist (vgl. Schmiermaterialien, S. 32). Von anderer Seite (Pharmaceutische Centralhalle, 1880 Bd. 20 8. 446) wird vorgeschlagen, bei gleichzeitigem Vorhandensein von Fett und Harz die nach dem Verseifen und |489| Ansäuern ausgeschiedene Masse auszuwaschen, dann mit Wasser und Natriumbicarbonat auf 50 bis 60° zu erwärmen; die Fettsäuren lösen sich, die Harzsäuren bleiben zurück. Ein Fettzusatz verräth sich ferner durch den Geruch nach Acroleïn beim Erhitzen.

Um trocknende Oele von den nicht trocknenden zu unterscheiden und eine Verfälschung mit ersteren nachzuweisen, versetzt Poutet (1841 80 50) das Oel mit einer kalt hergestellten Lösung von Quecksilber in Salpetersäure, Boudet (1841 80 57), Wimmer (1851 122 435. 1863 167 77) und Kopp (1865 217 343) mit Salpetrigsäure haltiger Salpetersäure; die nicht trocknenden Oele erstarren durch Ueberführung des Oleïns in Elaïdin, die trocknenden Oele erstarren nicht, verhindern aber nur, wenn sie in gröſserer Menge zugegen sind, das Erstarren der Schmieröle, so daſs ein geringer Zusatz derselben hierdurch nicht wohl nachweisbar ist. Zur Nachweisung der Oele von Cruciferen benutzen Mailho (1855 137 306) und F. Schneider (1861 161 465) die Heparreaction, welche diese nach der Behandlung mit Kali, oder in ätherischer Lösung mit Silbernitrat geben.

Zur Unterscheidung der fetten Oele ist ferner vorgeschlagen, Farbe und Geruch zu beachten, welcher nach Heydenreich (1842 85 57) namentlich beim Erwärmen hervortritt und zuweilen auf einen stattgefundenen Zusatz hinweist. Die Beobachtung der Figuren, welche die fetten Oele nach Tomlisson (1864 174 232) auf Wasser bilden, gibt keine brauchbaren Anhaltspunkte.

Zur Nachweisung von Zusätzen anderer Oele wurde bereits von Heydenreich (1842 85 62) die Bestimmung des specifischen Gewichtes empfohlen. Violet (1829 34 238), Laurot (1843 87 48. 1846 99 192), Gobley (1844 91 384), Lefebvre (1845 96 225), Lüdersdorff (1849 113 77), C. Fischer (1870 196 255), Estcourt (1877 223 550) und Pichon (1878 229 390) führen diese Bestimmung mit mehr oder weniger abgeänderten Senkwagen aus.

Hager (Pharmaceutische Centralhalle, 1880 Bd. 20 S. 132) empfiehlt die schon von R. Wagner (1867 185 72) angewendete Schwimmmethode für starre Fette in folgender Weise auszuführen:

Man schmilzt bei einer 100° nicht übersteigenden Temperatur, erwärmt die Ausguſsstheile des Gefäſses und tropft nun das flüssige Fett auf eine etwa 1,5 bis 2cm hohe Schicht kalten (60 bis 90 procentigen) Weingeistes, welcher sich in einer gläsernen Schale mit vollkommen ebenem Boden befindet. Jeden Tropfen läſst man aus einer Höhe von 2 bis 3cm an einer anderen Stelle in den Weingeist einfallen. Talg, Butter u. dgl. erstarren am Grunde des Weingeistes in Form völlig runder Kugeln, die bei geschickter Tröpfelung sogar alle von gleicher Gröſse sind. Mittels eines Löffelchens gibt man die erstarrten Tropfen noch weingeistfeucht in die Flüssigkeit, in welcher die Schwimmprobe zur Ausführung kommt und welche je nach Umständen aus Weingeist, Wasser oder Glycerin besteht. Zu beachten ist, daſs man dem Weingeist, wenn es sein kann, nicht Wasser, sondern stark verdünnten Weingeist, dem Glycerin auch ein mit Wasser verdünntes Glycerin zusetzen und die Mischung durch sanfte Bewegung ermöglichen soll, um das Entstehen von Luftbläschen zu |490| verhindern. Das Gefäſs, in welchem die Schwimmprobe ausgeführt wird, ist ein 6 bis 7cm hohes und gegen 4crn weites cylindrisches Pulverglas. Man mischt nun die eine oder die andere der Flüssigkeiten hinzu, bis der Körper in der zu drehender Bewegung veranlaſsten Flüssigkeit auch eine rotirende Bewegung in derselben Ebene zu erkennen gibt und nicht das Bestreben zeigt, einer nach unten oder nach oben verlaufenden Schraubenlinie zu folgen. Von Harzen, welche über 90° schmelzen, sollen durch sanften Schlag kleine, glatte Sprengstücke abgetrennt werden, welche man schwimmen läſst. Sobald die richtige, dem specifischen Gewichte des zu wägenden Körpers entsprechende Mischung erreicht ist, gieſst man sie durch ein Bäuschchen grober Glaswolle, welches sich in einem Trichter befindet, ab und bestimmt das specifische Gewicht des Filtrates.

Für leichter flüssige Oele ist die Mohr'sche Wage, für zähflüssige die Bestimmung mittels Pyknometer allen andern vorzuziehen; die von Gintl (1869 194 * 42) vorgeschlagene Form desselben ist hierzu sehr bequem. Zu berücksichtigen ist jedoch bei allen diesen Bestimmungen die genaue Einhaltung einer bestimmten Temperatur, da die Oele groſse Ausdehnungscoefficienten haben. Nach W. J. Marek (Carl's Repertorium, 1880 S. 119) haben die im Handel vorkommenden Mineralöle (Erdöl, Benzin, Paraffinöl aus Bergwachs) bei gleichem specifischem Gewicht auch gleiche Ausdehnung:

Spec. Gew.
bei 0°
Zunahme des spec. Gew.
für 1° zwischen 0° u. 25°
Mittlere Ausdehnung
für 1° zwischen 0 u. 25°
0,65 – 0,0009833 + 0,001572
0,70 – 0,0008813 0,001300
0,75 – 0,0007976 0,001092
0,80 – 0,0007322 0,000937
0,85 – 0,0006851 0,000823
0,90 – 0,0006563 0,000743.

Donny (1864 174 78) färbt das zu untersuchende Oel mit Alkanna und läſst einen Tropfen desselben in ein anerkannt reines Oel fallen. Aus der Bewegung des Tropfens erkennt man, ob die Oele verschiedenes specifisches Gewicht haben. Nach Merz (1875 218 530) erkennt man die verschiedene Beschaffenheit zweier Oele durch das sogen. Schlieren beim Mischen. – Immerhin wird man durch die Bestimmung des specifischen Gewichtes nur grobe Verfälschungen nachweisen können.

Zur Bestimmung des Schmelzpunktes der festen Fette saugt man das geschmolzene Fett in Haarröhrchen auf, läſst völlig erstarren, was oft mehrere Tage erfordert, und verbindet das Röhrchen mittels eines kurzen Gummischlauches mit dem Quecksilbergefäſs eines Thermometers. Nun taucht man diese Vorrichtung in ein Becherglas mit Wasser, erwärmt langsam unter fortwährendem Umrühren mit dem Thermometer und beobachtet die Temperatur, bei welcher das Fett durchsichtig wird. Pohl (1855 135 141) überzieht die Thermometerkugel mit Fett, taucht in langsam erwärmtes Wasser und nimmt die Temperatur als Schmelzpunkt an, bei welcher sich das Fett ablöst (vgl. 1879 233 173). Bouis senkt ein an beiden Seiten offenes Röhrchen mit Fett in Wasser und beobachtet die Temperatur, bei welcher das geschmolzene Fett von dem Wasser nach oben getrieben wird. Wimmel |491| (1868 188 421. 1871 200 495) zeigt, daſs einige Fette erst mehrere Grade über ihren Schmelzpunkt durchsichtig werden, daſs demnach die genannten Schmelzpunktbestimmungen nur bei groſser Vorsicht übereinstimmende Resultate geben. Rüdorff (1870 198 531) senkt das Thermometer in das Fett selbst und bezeichnet als Schmelzpunkt diejenige Temperatur, bei welcher Wärme latent wird, und als Erstarrungspunkt die höchste Temperatur, bei welcher die latente Wärme frei wird. Löwe (1871 201 * 250) taucht einen mit dem zu untersuchenden Fett überzogenen dicken Platindraht in das langsam erwärmte Quecksilberbad, welches nüt dem positiven Pole eines galvanischen Elementes verbunden ist, während der Platindraht mit dem negativen Pole in leitender Verbindung steht. Sobald das Fett schmilzt, wird es nach oben getrieben, dadurch die leitende Verbindung hergestellt, und durch den Strom eine Glocke in Bewegung gesetzt. C. H. Wolff (1875 217 411. 1876 220 * 529) zeigt, daſs dieses Verfahren bei Anwendung eines feinen Platindrahtes sehr genaue Resultate gibt. Redwood (Pharmaceutische Zeitschrift für Ruſsland, Bd. 16 S. 264) gieſst in ein kleines Becherglas etwa 3cm hoch Quecksilber, hängt es in ein gröſseres Becherglas und gibt dann in letzteres so viel Wasser, daſs es etwa 3cm höher steht als das Quecksilber im kleineren Glase. Der so vorgerichtete Apparat wird zur Erwärmung in ein leeres Wasserbad gestellt. Auf das Quecksilber bringt man mittels eines abgerundeten Glasstabes einen möglichst kleinen Tropfen des geschmolzenen Fettes, welcher alsbald erstarrt; dann wird heiſses Wasser in das Wasserbad gegossen, dessen Wärme sich dem Quecksilber, einem in demselben befindlichen Thermometer und dem Fett mittheilt, und zwar so langsam, daſs man genau ablesen kann. Wenn der Fetttropfen anfängt, halb durchsichtig zu werden, bringt man das Thermometer demselben ganz nahe. Das schmelzende Fett flieſst in die Rille, welche durch die Abstoſsung des Quecksilbers entsteht, und in diesem Augenblicke liest man ab.

Mehr für die Beurtheilung der Brauchbarkeit eines Oeles für einen bestimmten Zweck als für die Auffindung fremder Zusätze (vgl. 1840 77 350) kommt der Erstarrungspunkt in Frage. Zur Bestimmung desselben taucht man ein mit dem zu untersuchenden Oele fast gefülltes Reagenzglas mit eingesenktem Thermometer in ein weiteres Glas mit gesättigter Kochsalzlösung oder Spiritus, welches in einer Eismischung steht. Der Erstarrungspunkt wird abgelesen, wenn das Thermometer nicht mehr bewegt werden kann. – Da die Schmieröle durchweg Gemische verschiedener chemischer Verbindungen sind, so kann von einem bestimmten Siedepunkte derselben nicht wohl die Rede sein. Fette Oele werden überdies beim Erhitzen zersetzt (vgl. 1855 137 228).

Das schon von Rousseau (1824 14 * 360) angegebene, nach den Versuchen von Soubeiran und Blondeau (1841 80 47) aber keineswegs |492| empfehlenswerthe Diagometer zur Bestimmung des elektrischen Leitungswiderstandes der Oele, um hieraus auf die Reinheit derselben schlieſsen zu können, soll nach Angabe von Ricco (Scientific American, 1878 Bd. 39 S. 185) neuerdings von Palmieri erfunden sein, eine Angabe, welche wohl nicht richtig ist; Oele und Oelgemische sollen um so besser sein, je gröſser ihr Widerstand ist. J. Müller (1870 198 530) untersuchte die Oele dagegen spectralanalytisch.

Davidson (1840 77 352) und Jüngst (1861 161 308) schütteln die Oele mit Alkohol; nur für die Nachweisung von Harzöl, welches sich in 20 Th. Alkohol löst, ist dieses Verfahren brauchbar, sowie für die Auffindung freier Säuren.

Von sonstigen Vorschlägen, die Verfälschung von Oelen nachzuweisen, mögen folgende kurz erwähnt werden. Faure (1841 80 59) benutzt das Verhalten der Oele gegen Ammoniak, Nickles (1866 180 392) gegen Kalk, Calvert (1854 132 282), Gläſsner (Chemisches Centralblatte 1873 S. 57) und Brenken (Zeitschrift für analytische Chemie, 1879 S. 546) gegen Natronlauge und verschiedene Säuren. Maumené (1852 126 204) und Fehling (1853 129 53) beobachten die Wärmeerscheinungen beim Vermischen mit Schwefelsäure, Heydenreich (1842 85 57) die Farbenveränderungen beim Vermischen mit Schwefelsäure, Penot (1842 85 64) und Lailler (1866 181 79) mit Chromsäure, Behrens (1854 131 50) und Bieber (1878 229 390) mit Schwefelsäure und Salpetersäure, Hauchecorne (1863 169 79. 1864 172 398) mit Wasserstoffsuperoxyd oder Salpetersäure, während Faure Chlor einleitet und Cailletet Brom hinzufügt. Bei der Veränderlichkeit des Verhaltens der einzelnen Oele, je nachdem sie mehr oder weniger Schleim, Eiweiſsstoffe u. dgl. enthalten, frisch oder alt sind, zeigen sich diese Reactionen bei derselben Oelart nicht immer gleich und ist daher ihre Untersuchung auf Verfälschung mit anderen Oelen bis jetzt immerhin noch eine nicht sicher zu lösende Aufgabe.

Wichtig für die Beurtheilung eines Schmieröles ist die Untersuchung auf ihren Gehalt an freien Säuren. Zur qualitativen Prüfung empfiehlt Wiederhold (1877 226 307) Kupferasche. Das Verfahren läſst zuweilen selbst bei 3 bis 4 Proc. freien Fettsäuren im Stich. Laugier verwendet mit Traubenzucker gefälltes Kupferoxydul, Merz (1877 226 309) erwärmtes Zinkblech. Rümpler (1870 195 204) schüttelt mit Sodalösung; dieselbe scheidet sich aus Säure freien Oelen klar ab. Hager (Pharmaceutische Centralhalle, 1879 Bd. 19 S. 433) verwendet in gleicher Weise das 4 fache Volumen einer 5 procentigen Natriumbicarbonatlösung. Donath (Schmiermaterialien, S. 17) schüttelt mit Weingeist aus und fügt etwas essigsaures Blei hinzu; Fettsäuren geben Bleiseife-Niederschlag. Da wohl kaum ein von Säure völlig freies Schmieröl (von den feinsten abgesehen) im Handel vorkommt, so haben diese qualitative Prüfungen |493| wenig Bedeutung. Zur quantitativen Bestimmung werden nach Hager 100g Schmieröl mit 200cc einer lauwarmen, 10 procentigen Natriumbicarbonatlösung unter häufigem Schütteln 4 bis 5 Stunden bei etwa 40° behandelt. Nun gibt man 100g Alkohol hinzu, filtrirt nach einer Stunde, wäscht das Filter mit 45 procentigem Weingeist nach, verdampft den Alkohol, säuert mit Schwefelsäure an und sammelt die ausgeschiedenen Fettsäuren. Dieses Verfahren ist zwar besser als das von Laugier (1878 230 430) mit Soda, vorzuziehen ist aber die volumetrische Bestimmung. Burstyn (1873 208 151) verwendet hierzu den getrennten alkoholischen Auszug, Merz (1877 226 308) titrirt direct das Gemisch von Oel und Weingeist, Geiſsler (1878 227 92) löst das Oel in Aether. Letztere beiden Verfahren sind die besten; weniger gut ist der Vorschlag von Laugier (1878 230 430), den alkoholischen Auszug zu verdampfen, und von Burstyn (1875 217 314. 432) das specifische Gewicht desselben zu bestimmen.

Entscheidend für die Verwendung eines Schmieröles ist seine Fähigkeit, die Reibung zu vermindern. Apparate zur directen Bestimmung dieser Eigenschaft sind angegeben von Mac Naught (1838 70 * 108. 1858 148 * 189), verbessert von Duske (1862 164 * 18), von Thomas (1849 113 * 102), Hirn (1855 136 * 405), Desbordes (1855 138 407), Waltjen (1861 161 * 248. 1870 197 389), Weber (1871 201 370), Thurston (1873 209 * 411. 1875 225 * 538), Napier (1875 218 * 289), Ingram und Stapfer (1877 225 * 537), Deprez und Napoli (1877 226 * 30) und Regray (1879 231 * 496), während G. Dollfus (1859 151 231) dynamometrische Versuche an Spinnmaschinen anstellte, welche mit verschiedenen Oelen geschmiert wurden.

Mit dem neueren Apparate von Thurston führten vor einiger Zeit F. Frese, Borchers und der Verfasser mehrere Versuchsreihen mit deutschen und amerikanischen Mineralölen im Vergleich zu fetten Oelen aus. Bei den in folgender Tabelle zusammengestellten Versuchen



Untersuchtes Oel
Versuchsdauer Umdrehungen Zeigerausschlag Temperatur F. Reibungs-
coefficient
Gesammt Für 1 Minuto Geringster Gröſseter Mittel Anfangs Ende Mittlere
Zunahne

Rohöl (Deutsches Schmieröl)
15
15
12
8180
7970
8010
545,3
531,3
667,5
9,3
8,5
9,67
13,2
13,0
11,3
10,44
10,86
10,2
87°
87
93
124°
117
127
2,47
2,00
2,83

0,100
Valvoline, bestes amerikan.
Maschinenöl
20
13
10180
8150
509,0
626,9
10,0
9,4
12,7
14,8
10,76
10,92
90
90
125
128
1,75
2,92
0,103
Feinstes Knochenöl 15 8890 592,7 8 13,75 9,57 55 104 3,27 0,091
Baumöl (Provenceröl) 15 7530 502,0 9,5 13,0 10,79 84 116 2,13 0103
Rüböl 17 9000 529,4 10,0 17,5 15,3 87 135 2,82 0,146

Der Reibungscoefficient ist der Quotient aus Zeigerausschlag durch Zapfendruck |494| wurde jedesmal genau 0cc,18 Oel auf den Zapfen gebracht, der Zapfendruck auf 1 Quadratzoll betrug 48 Pfund engl. (3k,375 auf 1qc), der Gesammtdruck 105 Pfund, die Anfangstemperatur des Zapfens 55 bis 93° F. oder 12,8 bis 33,9° C. Bei 1800 bis 2100 Umdrehungen stellte sich das deutsche Mineralöl (von Oedese) noch günstiger gegen die übrigen Oele, während das feine Uhrenöl dann wesentlich zurücktrat. Immerhin bestätigen diese wenigen Versuche die schon von Dollfus (1859 153 231) gemachte Beobachtung, daſs gutes Mineralöl die Zapfen kühler hält und die Reibung besser und anhaltender vermindert als Baumöl und Rüböl.

Solche Reibungsversuche sind aber nur dann praktisch maſsgebend, wenn sie unter denselben Verhältnissen gemacht werden, unter denen die Oele später wirklich gebraucht werden sollen. Die Schmiermittel wirken eben nur dadurch Reibung vermindernd, daſs sie eine Schicht zwischen den bewegten Flächen bilden und dadurch die unmittelbare Berührung derselben hindern. Die Reibung muſs somit um so geringer werden, je leichter die einzelnen Molecüle des Schmiermittels gegen einander beweglich sind. Bei stärkerem Druck wird jedoch das leichtflüssige Oel zur Seite gepreſst, bei groſser Umdrehungsgeschwindigkeit auch wohl fortgeschleudert, so daſs sich die reibenden Flächen nun doch berühren. Für starken Druck soll demnach ein zähflüssiges, für schwachen Druck ein leichtflüssiges Oel gewählt werden, so daſs für schwere Maschinen ein anderes Oel verwendet werden sollte als für leichte, für niedere Temperaturen ein anderes als in der Wärme, welche die Oele dünnflüssiger macht. Für jeden bestimmten Zweck soll man daher ein besonders dazu geeignetes Schmieröl auswählen.

Bei der Untersuchung eines Oeles ist es somit wichtig den Flüssigkeitsgrad desselben bei verschiedenen Temperaturen zu bestimmen. Nasmyth (1851 119 73) läſst die Oele auf einer 2m langen, wenig geneigten Eisenplatte herunterflieſsen, um so gleichzeitig Anhaltspunkte für die Oxydationsfähigkeit der Oele zu gewinnen. Bailey (Praktischer Maschinenconstructeur, 1878 * S. 392) verwendet in ähnlicher Weise eine schräg liegende, erwärmte Glasplatte. A. Vogel (1863 168 * 267) und Golemann (1873 210 * 204) bestimmen die Ausfluſsgeschwindigkeiten. Die von ihnen angegebenen Apparate haben aber den Fehler, daſs die Ausfluſsspitzen nur bei Versuchen mit Zimmertemperatur die Wärme des Oeles selbst haben, daſs somit keine übereinstimmenden Resultate damit erzielt werden können. Ich habe mir daher den in nachstehendem Holzschnitt in ⅓ n. Gr. abgebildeten Apparat (dessen Füſse in der Figur weggelassen sind) anfertigen lassen.

Das Ausfluſsrohr des Kupfercylinders A besteht aus einem 1mm,2 weiten und 5mm langen Platinröhrchen, welches von einem dickeren Kupferrohr a eingeschlossen ist. Dasselbe ist oben trichterförmig |495| erweitert und kann durch den Kegel c geschlossen werden, dessen Stiel in einer mit 3 Armen o am Gefäſse A befestigten Führung auf und ab geschoben werden kann. Das innere Gefäſs A ist durch 3 Blechstreifen e mit dem äuſseren B verbunden, welches auf drei 11cm hohen Füſsen ruht. Beim Gebrauch wird das Gefäſs A bis zu einer Marke mit 65cc des zu prüfenden Oeles gefüllt, das Gefäſs B mit kaltem oder erwärmtem Wasser gefüllt und das Oel mit einem empfindlichen Thermometer umgerührt, bis es, wie auch das äuſsere Wasser, die gewünschte Temperatur hat. Nun wird ein 50cc Fläschchen mit engem Halse unter die Ausfluſsöffnung gestellt, der Stopfen c gehoben und die Zeit bestimmt, bis zu welcher genau 50cc ausgeflossen sind. Das aus dem Gefäſs B heraussagende Ende des Rohres ist erweitert, der die Ausfluſsgeschwindigkeit bedingende cylindrische Theil desselben hat daher dieselbe Temperatur wie die Versuchsflüssigkeit, so daſs man mit dem kleinen Apparate durchaus übereinstimmende Angaben erhält.

Textabbildung Bd. 236, S. 495

Zu der Tabelle S. 496 ist noch zu bemerken, daſs das specifische Gewicht mittels des Pyknometers bestimmt wurde. Beim Schütteln von 5cc Oel mit 5cc Wasser scheidet sich letzteres farblos und klar wieder ab, wenn die Oele rein sind. Werden 5cc Oel mit 5cc Kalilauge von 1,35 sp. G. geschüttelt und erwärmt, so scheidet sich die Lauge aus reinen Mineralölen leicht und farblos wieder ab; bei mangelhaft gereinigten Theerölen wird sie dunkel, während fette Oele verseifen. Werden 5cc Schwefelsäure von 1,6 sp. G. mit 5cc Oel geschüttelt und auf etwa 80° erwärmt, so scheidet sich die Säure aus reinen Mineralölen nur wenig oder gar nicht gefärbt ab; dunklere Färbung deutet auf mangelhafte Reinigung, bei Fetten auf Schleim u. dgl. Es wurden ferner 5cc Oel mit 5cc concentrirter Salpetersäure in Reagenzgläschen bei 20° Anfangstemperatur stark geschüttelt; zugleich wurde die Temperatur mit einem sehr empfindlichen Thermometer bestimmt. Bei gereinigten Mineralölen steigt die Temperatur nur 2 bis 3°, bei ungereinigten bis 12°, bei Braunkohlentheeröl aber fast 46°, so daſs dieses Verhalten zur Auffindung des Braunkohlentheeröles mit verwendet werden kann. Die beiden letzten Spalten enthalten die Zeit in Secunden, welche erforderlich ist zum Ausflieſsen von 50cc Oel aus dem beschriebenen Apparat; destillirtes Wasser gebrauchte hierzu 38 und 25 Secunden.

Diese Versuche zeigen, daſs die in Nordwestdeutschland vorkommenden rohen Erdöle vortreffliche Schmieröle sind, die den amerikanischen und kaukasischen mindestens gleich gestellt werden müssen. Das Oel von Steinvörde und Wietze erweist sich als Cylinder, das von

|496|

Ursprüngliches
Farbe
Spec.
Gewicht
bei 15°

Mit Wasser
geschüttelt

Mit Kaliauge
geschüttelt

Mit Schwefelsäure
geschüttelt
Salpeter-
säure
Temperatur-
zunahme

Ausfluſszeit
bei 10° bei 40°
Wasser 1,000 38 Sec. 25 Sec.
Erdöl von Steinwörde dunkelbraun 0,9401 farblos gelb gelb 5,4° Unbestimmbar 1465
Desgl. von Wietze dunkelbraun 0,9460 schwach trübe gelb gelb 8,2 11450 1175
Desgl. von Hölle bei Heide dunkelbraun 0,9395 farblos, klar farblos gelbl. getrübt 12,1 480 596
Desgl. von Oedese braun 0,9089 desgleichen farblos fast farblos 4,8 1335 202
Desgl. von Sehnde dunkelbraun 0,8498 desgleichen desgleichen gelb 10,9 79 43
Valvoline feinstes Spindelöl
Amber Spindelöl.

feinst. Maschinenöl

Cylinderöl
schwach gelb
organgegelb, grün-
lich fluorescirend
braun, grünblau
fluorescirent
desgleichen
0,8700
0,8698

0,8797

0,8904
desgleichen
desgleichen

desgleichen

desgleichen
desgleichen
desgleichen

desgleichen

desgleichen
schwach gelb
gelblich, Oel
dunkler
gelb, Oel
dunkler
desgleichen
0,7
1,3

2,7

2,6
465
472

2695

12060
118
120
368
1090
Braunkohlentheeröl braun 0,8911 desgleichen gelb, Oel dunkl. schwarzbraun 45,6 71 42
Rüböl hellbraungelb 0,9169 schwach trübe verseift grünl, Oel grünbl. 2,5 615 191
Olivenöl (Baumöl) hellgelb 0,9178 farblos desgleichen gelblich 1,6 605 168

Hölle für besonders schwere, das von Oedese für mittelschwere und leichte Maschinen, während das Sehnder Oel wohl erst destillirt werden muſs. Sämmtliche Oele sind völlig frei von Säuren, so daſs Metalle selbst nach Monate langem Stehen an der Luft in keiner Weise angegriffen werden.

Das Oel von Oedese, welches ich im vorigen Herbste der Quelle selbst entnommen habe, entwickelt erst bei 78° Spuren entzündlicher Dämpfe, fängt aber erst bei 260° selbst an zu brennen, ist daher völlig gefahrlos. Bei der fractionirten Destillation gingen über:

bis 220° 2,1 Proc.
300 13,5
350 64,3
Rest 19,4
–––––
99,3 Proc.

Das Rohöl erstarrt noch nicht bei –22°, während Valvoline-Maschinenöl bei –14° erstarrt. Mit concentrirter Schwefelsäure geschüttelt, scheidet sich eine schwarze, sehr zähe Masse ab, während das Oel nur schwach gelbbraun wird und dünnflüssiger ist als das Rohöl. Durch Schütteln mit einer Chlorkalklösung kann es noch heller und weniger riechend erhalten werden (vgl. 1859 154 317). In Benzin ist es ohne Rückstand löslich.

Es ist bemerkenswerth, daſs 1l des mit dem Oele aus dem Bohrloche bei Oedese geförderten Wassers enthält:

|497|
3g,011 Chlornatrium
0g,460 kohlensaures Calcium
0g,289 kohlensaures Magnesium
als Bicarbonate
Spuren von Schwefelsäure, Kieselsäure und Organischem
–––––
Zusammen: 3g,820 Rückstand.

Dieses Kochsalz-Vorkommen deutet auf gröſsere Oelvorräthe, so daſs Aussicht vorhanden ist, daſs die Erdölquellen Nordwestdeutschlands in kurzer Zeit ganz Deutschland mit vorzüglichen Schmierölen versorgen werden, welche weder verharzen, noch säuern wie die Fette.

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