Titel: Miscellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236 (S. 346–352)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236is04

Miscellen.

Pfleiderer's Riemenscheiben-Wendegetriebe.

Beim gewöhnlichen Wendegetriebe laufen ein offener und ein gekreuzter Riemen wechselweise auf einer einfachen Voll Scheibe und zwei doppeltbreiten Leerscheiben, bei dem neuen Wendegetriebe von P. Pfleiderer in London (* D. R. P. Kl. 47 Nr. 3253 vom 18. April 1878) dagegen auf zwei einfachen Leerscheiben, welche abwechselnd mit der Welle gekuppelt werden. Die Innenseiten der Riemenscheibenkränze sind zu diesem Zweck conisch ausgedreht und zwischen beiden Scheiben ist ein mit der Welle durch einen Laufkeil verbundener Doppelconus angeordnet. Drückt man diesen gegen eine der Scheiben, so wird er von ihr durch Reibung mitgenommen, also auch die Welle im Sinne der Scheibe in Drehung versetzt. – Aehnliche Seilscheiben-Wendegetriebe wurden namentlich zum Antrieb von Laufkrahnen schon vielfach angewendet; die Neuerung besteht also lediglich darin, daſs der Riemenscheibenkranz selbst als Bremsmantel verwendet wird.

Um das Ein – und Ausrücken des Conus während des Ganges gefahrlos vornehmen zu können, wurde vom Erfinder noch eine sinnreiche Steuerungsvorrichtung angegeben, bezüglich derer wir auf die Patentschrift selbst verweisen.

Schmiervorrichtung mit Druckschraube.

Eine neue, als Schmierspritze benutzbare, hauptsächlich aber zur sparsamen Verwendung dicklicher Schmiermittel dienende Schmiervorrichtung wurde von B. Stauffer in Köln (* D. R. P. Kl. 47 Nr. 1934 vom 5. Februar 1878 und Zusatz * Nr. 6298 vom 21. Januar 1879) eingeführt. Dieselbe besteht aus einer Büchse, in welche ein Pfropfen geschraubt wird, welcher das Schmiermittel aus der Büchse hierbei herausdrückt. Umgekehrt kann auch die Büchse selbst über ihren an dem Schmierrohr befestigten Boden geschraubt werden. Der auf das Schmiermittel ausgeübte Druck nöthigt dasselbe, alle Schmierkanäle des Lagers auszufüllen. Ist die ausgeflossene Menge desselben |347| verbraucht, so muſs die Schraube wieder nachgestellt werden; die Vorrichtung setzt also eine ziemlich aufmerksame Wartung voraus, und da ihre Anschaffungskosten überdies erheblich gröſser als die der gewöhnlicheren Nadelöler sind, wird sie letztere nicht leicht verdrängen können. Dort, wo eine ununterbrochene Oelung unerläſslich ist, müſste das Nachschrauben durch mechanische Mittel erzielt werden.

Legler's Curvenreiſsfeder.

Eine von der in diesem Journal * 1878 227 530 bereits beschriebenen Curvenreiſsfeder von Ed. Sprenger in Berlin nur wenig verschiedene Feder wurde von J. G. Legier in Nürnberg (* D. R. P. Kl. 70 Nr. 8934 vom 12. September 1879) patentirt. Die Neuerung besteht darin, daſs sich der Federstift mittels einer Klemmschraube feststellen läſst, um die Feder auch als gewöhnliche Ziehfeder benutzen zu können.

Mechanischer Keim-, Darr- und Trockenapparat.

Der Apparat von Karl Scheidig in Altenburg (* D. R. P. Kl. 6 Nr. 9262 vom 7. Februar 1879) dient dazu, das Mälzen und Darren von Getreide zu bewerkstelligen; er kann auſserdem mit geringer Abänderung zum Trocknen von Materialien im Allgemeinen verwendet werden.

Die zur Aufnahme des Keim-, Darr- oder Trockengutes bestimmten Horden bestehen aus einzelnen drehbaren Klappen, welche je in zwei Gliederketten ohne Ende innerhalb eines rechteckigen Gebäudes gelagert sind, an einer bestimmten Stelle herunterklappen und das Gut auf die tiefer liegende Abtheilung fallen lassen. Eine Abänderung hierzu besteht darin, daſs die Klappen strahlenförmig in einem cylindrischen Räume angeordnet sind und ihre relative Lage in demselben nicht verändern. Die einzelnen Klappen werden niedergelegt, indem ein offener Flacheisenring unter denselben langsam bewegt wird. Das Gut durchläuft den Apparat allmählich von oben nach unten und wird dabei durch Rühren gelockert und von Abstreichern in gleichmäſsig hohe Schichten gebracht. Zum Reinigen der Horden sind Walzenbürsten angeordnet. Das Gehäuse, welches auf Säulen ruht, ist so nach zwei Seiten doppelwandig gebaut, daſs die Wände Kanäle bilden. Unterhalb des Gehäuses steht ein Apparat, in welchem sich mit Kokes gefüllte Kasten über einander angeordnet befinden, die mit Wasser von geeigneter Temperatur bespritzt werden. Durch Schornstein ähnliche Verlängerung des einen Kanales oder durch einen Saugapparat wird die Luft im Kanal verdünnt und in Folge dessen die äuſsere atmosphärische Luft durch obigen Apparat hindurch in den Darraum gezogen. Die Temperatur und der Feuchtigkeitsgehalt der Luft kann mittels besonderer Klappen regulirt werden.

Analyse zweier Lagermetalle.

F. Ginsky (Mittheilungen aus dem Gebiete des Seewesens, 1880 S. 172) hat zwei Lagermetalle untersucht. Das als „Babbits-Metall“ bezeichnete hat ein specifisches Gewicht von 8,32, es erweicht bei 1650 und schmilzt bei 1700; das so genannte „englische Weiſsmetall“ hat 7,22 sp. G., erweicht bei 275° und schmilzt bei 290°. Die Zusammensetzung ist folgende:

Babbits-Metall Engl. Weiſsmetall
Blei 5 33,0 Proc.
Kupfer 4 2,4
Zink 69 1,0
Antimon 3 10,6
Zinn 19 53,0

Eisenanalysen.

Graues Roheisen aus Bezlinac in Croatien und Demo in Ungarn hatte nach M. Lill (Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch, 1880 S. 42) folgende Zusammensetzung:

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Bezlinac Dernö
Kohlenstoff, chemisch gebunden 0,362 0,850
Graphit 3,674 1,910
Silicium 1,150 1,773
Phosphor 0,130 0,120
Schwefel 0,010 0,027
Arsen Spur
Antimon 0,085
Kupfer 0,055 0,033
Nickel Spur
Kobalt Spur
Mangan 1,812 2,255
Eisen als Rest 92,807 92,947.

Neue Bestimmungen des mechanischen Wärmeäquivalentes.

Der von J. P. Joule (Beiblätter zu den Annalen der Chemie und Physik, 1880 S. 263) verwendete neue Apparat unterscheidet sich von dem älteren hauptsächlich dadurch, daſs das Calorimeter an der die Flügel tragenden Achse mit möglichst geringer Reibung drehbar befestigt ist, so daſs also, wenn man die Flügel im Wasser rotiren läſst, eine Bewegung des Calorimeters in demselben Sinne eintreten muſs, die aber durch Gewichte, welche an einer um das Calorimeter geschlungenen Seidenschnur befestigt sind, gerade aufgehoben wird. Vorerst wird der Wasserwerth der einzelnen Theile des Calorimeters in möglichst genauer Weise bestimmt, ebenso vor jedem Versuch der Einfluſs der Strahlung des Metalles und Holzes, sowie der der metallischen Reibung.

Bezeichnet nun R die Anzahl der Umdrehungen, W die zur Compensirung der Bewegung des mit destillirtem Wasser gefüllten Calorimeters nöthigen Gewichte, welche während des Versuches immer in constanter Höhe schweben, P den Umfang des Calorimeters, um welchen die die Gewichte haltende Seidenschnur läuft, C die Wärmecapacität des Calorimeters und endlich T die Temperaturerhöhung in demselben, so ergibt sich für das mechanische Wärmeäquivalent die Gröſse: .

Joule hat 5 Versuchsreihen von je 6, 7, 15, 17, 21 Einzelversuchen angestellt, und zwar geben seine Bestimmungen den obigen Quotienten in Fuſspfunden, d.h. die Anzahl Fuſspfunde, durch deren Umsetzung in Wärme ein Pfund (englisch) Wasser von der Temperatur des Versuches um 1° F. erwärmt wird. Die sämmtlichen gegebenen 66 Zahlen schwanken zwischen 760,44 und 776,68. Umgerechnet in Meterkilogramm für 1° C. würde sich als Mittel aus den einzelnen Versuchsreihen ergeben 420mk,79 bei 14,520, 424,95 bei 14,64°, 423,935 bei 14,70°, 424,163 bei 15,54°, 424,63 bei 17,30°. Aus den drei Versuchsreihen, bei denen die metallische Reibung sich als die kleinste erwies, berechnet Joule mit Berücksichtigung des Regnault'schen Gesetzes für die Zunahme der specifischen Wärme des Wassers 424,29 bei 15,55°. Schlieſslich bestimmt sich das mechanische Wärmeäquivalent, bezogen auf die. Meeresoberfläche, die Breite von Greenwich und auf Wasser gewogen im Vacuum zu 423mk,84 bei 15,55° C.

Ueber die Temperatur der Sonne.

Während J. Herschel für die Temperatur der Sonne 5000000° annahm, findet Langley (Beiblätter zu den Annalen der Physik und Chemie, 1880 S. 277) daſs sie höher sein müsse als 8000000°. Dagegen fanden:

Secchi (1873) 5801846°
Derselbe (1874) 133780 bis 169980°
Zöllner 61350°
Rosetti (1879) 9965 bis 20381°
Berthelot (1878) über 2500°
Deville 2500 bis 2800°
Violle (1876) 2500°
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wohl der beste Beweis, wie wenig wir bis jetzt im Stande sind, hohe Temperaturen mittels des Spectroskopes, des Thermomultiplicators und ähnlicher Apparate auch nur annähernd zu bestimmen. (Vgl. F. Fischer: Chemische Technologie der Brennstoffe, 1880 S. 54.)

Ueber eine akustische Methode der Dampfdichte-Bestimmung.

Das specifische Gewicht von Gasen und Dämpfen versucht H. Goldschmidt (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1880 S. 769) auf akustischem Wege zu bestimmen. Bekanntlich ist die Schwingungszahl n eines Tones proportional dem Ausdruck , worin e die Elasticität des schwingenden Mediums bedeutet, d die Dichte und k das Verhältniſs der specifischen Wärme bei constantem Druck und bei constantem Volumen, e ist nun bei allen Gasen gleich, die Werthe von k differiren zwar, doch so wenig, daſs man sie gleich setzen kann. Das Verhältniſs der Dichten d und D zweier Gase, welche, nach einander in derselben Röhre in Schwingungen versetzt, Töne von den Schwingungszahlen n und N liefern, wird also durch folgende Gleichung ausgedrückt: .

Da man die Gasdichten auf Luft als Einheit bezieht, so wird , und wir erhalten: .

Zur Ausführung der Versuche wurde ein mit Luft gefülltes Rohr angeklopft und der erhaltene Ton auf einer Violine aufgesucht. Dann wurde die Luft im Rohre durch das Gas verdrängt und abermals der Ton bestimmt. Die erhaltenen Resultate stimmen befriedigend.

Zur Bestimmung der Dampfdichte wurde ein Rohr mit 0,2 bis 0g,5 der zu untersuchenden Substanz beschickt, mit einem Gummistopfen geschlossen, in welchem ein ausgezogenes Rohr steckt und im Wasserdampf zum Siedepunkt der Substanz erhitzt. Da der Ton der mit Luft gefüllten Röhre bei der Zimmertemperatur t bestimmt wurde, der Ton des Dampfes dagegen bei 100°, so gestaltet sich die Formel zur Berechnung der Dampfdichte:

Indische Cigaretten.

Die von Grimault und Comp. in Paris in den Handel gebrachten, indischen Cigaretten aus Cannabis indica sollen angeblich nur aus indischem Hanfkraut gefertigt sein. H. Braun (Zeitschrift des österreichischen Apothekervereines, 1880 Nr. 11) findet jedoch, daſs sie lediglich Belladonnablätter enthalten.

Gummilack aus Arizona und Californien.

Auf den trockenen Ebenen von Arizona und Californien wachsen in groſser Anzahl die beiden Sträuche Larrea Mexicana und Acacia greggii, welche einen harzigen Stoff ausscheiden. Dieses Harz bildet nach J. M. Stillman (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1880 S. 754) eine Inkrustation von gleichem Aussehen wie der Stocklack aus Indien.

Der Arizona-Stocklack ist wie der indische von rothbrauner Farbe, spröde und hat eine unregelmäſsige zellige Structur; in diesen Zellen werden häufig die Säcke eines Insektes gefunden mit purpurrothem Saft und vielen Eiern. Der Lack hat zumal beim Erwärmen einen eigenthümlichen aromatischen Geruch, enthält einen schön rothen Farbstoff, der in Wasser theilweise löslich ist. Schon bei geringer Wärme wird er weich, ist theilweise löslich in Alkohol mit hellrother Farbe, beinahe vollständig in verdünnter Kalilauge, deren Lösung eine purpurrothe Farbe besitzt. Das Harz des Lacks ist auch in verdünnter Boraxlösung mit rother Farbe in' der Siedehitze löslich; diese Lösung besitzt einen eigenthümlichen süſssen Geruch. Dieser Lack verhält |350| sich also ganz so wie der indische Stocklack; auch seine Zusammensetzung ist ähnlich als die des indischen, wie nachfolgende Analyse zeigt:

Harze und andere in Alkohol lösliche Körper 61,7 Proc.
Mit Wasser ausgezogener Farbstoff 1,4
In Aetzkali lösliche Stoffe (Lackstoff) 26,3
Unlöslicher Rückstand 6,0
Verlust und durch Aetzkali ausgezogener Farbstoff 4,6

Ueber die Einwirkung von Aetznatron auf Guſseisen.

Bekanntlich werden guſseiserne Gefäſse, in denen Aetznatron andauernd geschmolzen wird, nach und nach unter Bildung eines Schlammes angegriffen. Nach H. Brunck und C. Grabe waren nun die Wände eines solchen Kessels, in welchem längere Zeit Natron auf Dunkelrothglut erhitzt wurde, bis auf Fingerdicke zerstört, indem das Guſseisen in eine zerreibliche Masse verwandelt war, die wesentlich aus dunkeln, bläulich violetten Krystallblättchen bestand. Zwei Proben desselben bestanden aus:

Eisenoxyd 88,01 87,92
Manganoxyd 1,61 1,66
Wasser 10,11 10,30.

entsprechend der Formel H2Fe2O4. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1880 S. 725.)

Zur Bestimmung der Manganoxyde.

S. Pickering (Chemical News, 1879 Bd. 40 S. 261) hat etwas höhere Resultate erhalten, wenn er die Probe in überschüssiges Jodkalium brachte, schwach ansäuerte und das ausgeschiedene Jod mit unterschwefligsaurem Natron titrirte, als wenn er nach Bunsen die Oxyde mit Salzsäure kochte und das entwickelte Chlor in die Jodkaliumlösung leitete. Er hat nun gefunden, daſs bei der gegenseitigen Einwirkung von Jod auf unterschwefligsaures Natrium neben der gewöhnlichen Reaction J2 + 2Na2S2O3 = Na2S4O6 + 2 NaJ auch folgende hergeht: 4 J2 + Na2S2O3 + 5 H2O = 2 NaHSO4 + 8 HJ, so daſs z.B. bei 0° 1,84, bei 52° aber 3,9 Proc. Jod zur Sulfatbildung verwendet wird. Verwendet man zum Bunsen'schen Verfahren concentrirte Säure, so erhält man ebenfalls richtige Resultate.

Dauer der Nachweisbarkeit des Phosphors.

L. Medicus (Zeitschrift für analytische Chemie, 1880 S. 164) hat nach 23 Tagen nach dem Tode eines Huhnes in den bereits stark in Verwesung begriffenen Eingeweiden Phosphor nachgewiesen; die Phosphorescens war deutlich ½ Stunde lang wahrzunehmen.

Zur Reinigung der Schwefelsäure von Arsen.

Nach F. Selmi (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1880 S. 206) kann Schwefelsäure leicht vollständig von Arsen befreit werden, wenn man die mit dem halben Maſstheil Wasser verdünnte Säure unter Zusatz von etwas Chlorblei destillirt. Alles Arsen geht dann mit dem ersten Destillat als Chlorarsen über.

Verhalten der alkalischen Erden gegen Schwefligsäureanhydrid.

Nach den Versuchen von K. Birnbaum und C. Wittich (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1880 S. 651) nimmt wasserfreier Baryt das Schwefligsäureanhydrid schon bei 200° auf, rascher bei 230° unter Bildung von reinem schwefligsaurem Barium BaSO3. Strontian bildet bei 230°, besser bei 290° neutrales Strontiumsulfit SrSO3. Kalk bildet bei 400° das basische Sulfit Ca6S5O16, welches aber bei 5000 bereits in Sulfat und Schwefelmetall zerfällt (vgl. Schott 1871 202 52). Magnesia absorbirt bei 326° sehr langsam das Schwefeldioxyd; doch liegen die Temperatur zur Bildung und Zersetzung des Sulfits so nahe, daſs nur Sulfat erhalten wurde.

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Nach Weisung von Stickstoff, Schwefel, Chlor, Brom und Jod in organischen Stoffen.

Nach P. Spica (Chemisches Centralblatt, 1880 S. 249) wird die zu untersuchende Substanz mit Kali geschmolzen, die Schmelze in wenig Wasser gelöst, ein Tropfen davon mit Silberblech auf Schwefel, ein anderer mittels der Berlinerblaubildung auf Stickstoff geprüft. Bei Abwesenheit beider kann direct mittels Silbernitrat auf Halogen geprüft werden. Im anderen Falle erhitzt man mit etwa dem halben Volumen Schwefelsäure 1 bis 2 Minuten lang. Wie directe Versuche gezeigt haben, werden hierbei Schwefelwasserstoff und Blausäure vollständig entfernt, nicht aber die Wasserstoffsäuren der Halogene, welche auch nach 5 Minuten langem Erhitzen noch nachweisbar waren.

Bestimmung des Sodagehaltes in Potaschen.

Um den Natrongehalt einer Potasche zu bestimmen, löst A. van Hasselt (Zeitschrift für analytische Chemie, 1880 S. 156) 5g derselben in Wasser zu 50cc Flüssigkeit und filtrirt. 10cc der Lösung, entsprechend 1g Potasche, werden mit verdünnter Salzsäure neutralisirt und dann zur Trockne verdampft. Der Rückstand wird zerrieben und in eine etwas mehr als 100cc fassende Flasche gebracht. Auf den abgeschliffenen Rand derselben paſst eine Glasröhre, welche mittels eines kurzen Gummischlauches mit der Flasche verbunden wird. Man füllt nun die Flasche bis zu einer daran angebrachten, 100cc anzeigenden Marke mit Salzsäure von 1,189 sp. G., welche mit Chlornatrium gesättigt ist, schlieſst die äuſsere Oeffnung der Glasröhre mit einem kleinen Gummistopfen, schüttelt und hängt die Flasche umgekehrt in ein Ringstativ, so daſs sich das abscheidende Chlornatrium in dem Röhrchen sammelt. Nach etwa 6 Stunden setzt man auf den Gummischlauch einen Quetschhahn, nimmt das Röhrchen ab, sammelt das Chlornatrium auf einem Asbestfilter, wäscht einige Male mittels einer mit Chlornatrium gesättigten Salzsäure aus, trocknet und wägt.

Paraffin als Schutzmittel gegen Feuchtigkeit, Säuren und Alkalien.

Hölzerne Gefäſse, welche namentlich in chemischen Fabriken rasch zerstört werden, soll man nach E. Schaal (Gewerbeblatt aus Württemberg, 1880 S. 137) an warmer Luft gut austrocknen, dann 2 bis 3 mal mit einer Lösung von Paraffin in 6 Th. Petroläther überstreichen. Gefäſse, in denen mit Dampf gekocht werden soll, werden einige Tage später noch mit Leinölfirniſs oder aber mit Wasserglas überstrichen. Nach dem Trocknen wird dann der Wasserglasanstrich mit verdünnter Salzsäure abgewaschen.

Paraffin hat sich ferner bewährt beim Verpacken der Stopfbüchsen, namentlich bei Rührwerken, welche den Dämpfen von rauchender und englischer Schwefelsäure ausgesetzt sind.

In Alizarinfabriken traf Schaal oft bis zu 10 Procent der Arbeiter mit wunden, eiternden und geschwollenen Händen an; besonders schlimm war dies im Winter. Nachdem er anordnete, daſs sich die Arbeiter, ehe sie zur Arbeit gingen (also 2 mal täglich), die Hände mit einer Lösung von Paraffin in Rüböl und Erdöl einrieben, wurden selten gerissene Hände, geschweige denn eiternde oder geschwollene, angetroffen.

Unterscheidung von Phenol, Kresol und Kreosot.

Nach H. Allen (Pharmaceutische Centralhalle, 1880 Bd. 20 S. 65) löst Phenol bei gewöhnlicher Temperatur gegen 27 Proc. Wasser, Kresol gegen 14 Proc. Phenolhydrat mit 16,07 Proc. Wasser schmilzt bei 170, Kresol und Kreosot erstarren auch Wasser haltig nicht in einer Kältemischung von Salzsäure und Glaubersalz. Benzol, Chloroform, Schwefelkohlenstoff und Aether lösen die drei Körper in jedem Verhältnisse, 1g reines Phenol löst sich bei 17° in |352| 10g,7 Wasser, Wasser haltiges Kresol in 31g, Kreosot in etwa 80g. Wasser freies Phenol wie Kresol mischen sich mit Glycerin von 1,258 sp. G. in jedem Verhältniſs, Kreosot ist in demselben unlöslich. Wasser freies Phenol oder Kresol, mit ihrem halben Volumen Collodium geschüttelt, schlagen aus demselben die Nitrocellulose als durchsichtige, kaum sichtbare Gallerte nieder. Kreosot mischt sich mit Collodium ohne alle Trübung. Liegen Gemische vor, so muſs man sie zunächst durch fractionirte Destillation zu trennen suchen.

Ueber die Eiweiſskörper verschiedener Oelsamen.

Nach H. Ritthausen (Pflüger's Archiv, 1880 S. 81) zeigen die durch Auflösen in Wasser unter Zusatz geringer Mengen Kali, Baryt- oder Kalkwasser aus verschiedenen Oelsamen dargestellten Proteinkörper keine wesentlich verschiedene Zusammensetzung gegen die mittels Kochsalzlösung dargestellten Eiweiſskörper, wie folgende Zusammenstellung zeigt:

Mittels Kaliwasser dargestellt Mittels Kochsalzwasser dargestellt
Erdnuſs Sonnenbl. Sesam Erdnuſs Sonnenbl. Sesam Cocosnuſs
C 51,52 51,88 52,08 51,40 51,51 51,19 50,88
H 6,71 6,66 6,81 6,64 6,76 7,15 6,82
N 18,13 17,99 17,86 18,10 18,21 18,38 17,87
S 0,55 0,71 1,19 0,58 0,61 1,40 1,03
O 23,19 22,76 22,06 23,28 22,91 21,88 23,40

Diese Eiweiſskörper können demnach sämmtlich als Conglutin bezeichnet werden.

Ueber die Wirkung Stickstoff haltiger Düngemittel.

V. Th. Magerstein (Chemisches Centralblatt, 1880 S. 234) hat durch Kulturversuche mit Erbsen gefunden, daſs Harnstoff weitaus am besten die Entwicklung der Pflanzen fördert; diesem folgt salpetersaures Kalium, dann schwefelsaures Ammonium, während Pflanzen, welche auf den atmosphärischen Stickstoff beschränkt waren, gegen alle übrigen weit zurück blieben.

Neue Masse für Zündhölzchen.

Nach L. Horst in Linz a. Rhein (D. R. P. Kl. 78 Anmeldung Nr. 35 806 vom 1. April 1880) bildet folgendes Gemisch eine an jeder Reibfläche entzündbare Masse für Zündhölzer ohne gewöhnlichen Phosphor:

Bleisuperoxyd 36 Th.
Chlorsaures Kali 15
Mangansuperoxyd 9
Schwefelblumen 8
Infusorienerde 6
Feiner Sand oder Glaspulver 6
Amorpher Phosphor 6
Leim 8

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Berichtigungen. In der Beschreibung von Bourry's Regulator ist zu lesen S. 189 Z. 20 v. u. sowie S. 191 Z. 7 v. o. „Schützenbrett“ statt „Schutzbrett“. – In der zur Wieland'schen Abkürzsäge (S. 202) gehörigen Abbildung auf Tafel 19 ist das Charakteristische des Sägeblattes nicht zur Darstellung gelangt; wie aus dem Texte hervorgeht, soll die Verzahnung der Säge nicht nach einer Seite gerichtet sein, da sie nach beiden Seiten schneidet.

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