Titel: Ueber die Bildung der Steinkohle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236/Miszelle 11 (S. 84–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236mi01_11
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Ueber die Bildung der Steinkohle.

Wenn Bruchstücke junger Coniferen im Wasser liegen, so entwickelt sich daran der Erreger der Buttersäuregährung, Bacillus Amylobacter, welcher die Gewebe angreift und die Zellenmembran unter Buttersäurebildung völlig auflöst, bis schlieſslich von der ganzen Wurzel nur die Cuticula und die Gefäſse übrig bleiben. Zugleich hinterläſst der Bacillus im Innern des zerstörten Organes sichtbare Spuren seiner Thätigkeit. Man findet in den Lücken des Gewebes dünne Fäden in lebhafter Theilung, einzelne Stäbchen, welche sich krümmen oder eine glänzende Spore am Ende tragen. Nach beendeter Zersetzung findet man in der die verschwundenen Zellen ersetzenden Flüssigkeit eine sehr groſse Anzahl freier Sporen zusammengeballt oder frei herumschwimmend.

Ph. v. Tieghem (Comptes rendus, 1879 Bd. 89 S. 1102) hat nun in Dünnschliffen, welche von B. Renault aus Gesteinen der Steinkohlenformation hergestellt wurden, sehr zahlreiche Coniferenwurzeln gefunden, welche groſse Aehnlichkeit mit Taxus und Cypressen haben. Dabei wurde dieselbe Zerstörung der Gewebe beobachtet, welche als letzten Rest nur die Cuticula und die Gefäſse zurücklassen, indem sich dieselben Spuren fanden, von der lebhaften Entwicklung des Bacillus im Innern der angegriffenen Organe als dünne, in Glieder getheilte Fäden oder gekrümmte Stäbchen, von welchen oft jedes eine Spore trägt, oder aber zahllose freie Sporen, welche theils als wolkige Flocken in der die Lücken ausfüllenden Kieselsäure eingebettet, theils an der Cuticula und den Gefäſsen angeklebt sind. In den Sümpfen der Steinkohlenperiode sind demnach die Pflanzen durch denselben Organismus zerstört, als dieses noch heute geschieht.

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